mini|William Speirs Bruce William Speirs Bruce (geboren am 1. August 1867 in London; gestorben am 28. Oktober 1921 in Edinburgh) war ein britischer Polarforscher und Ozeanograph. Er leitete 1902 bis 1904 die Scottish National Antarctic Expedition ins Weddellmeer und nahm an 12 weiteren Expeditionen in die Arktis oder Antarktis teil.
Leben Herkunft, Ausbildung und erste Polarexpeditionen William Bruce wurde 1867 in London als viertes von acht Kindern des Allgemeinarztes Samuel Bruce geboren. Die Familie stammte väterlicherseits aus Schottland. Sein Großvater war ein schottischer Pfarrer und seine Großmutter kam von den Orkney-Inseln. Nachdem er zunächst zu Hause unterrichtet worden war, besuchte William Bruce mit elf Jahren ein privates Internat in Norfolk. Anschließend begann er ein Medizinstudium am University College London. Nach einer Sommerschule in Granton, heute ein Stadtteil von Edinburgh, wechselte er aber beeinflusst von Patrick Geddes 1884 an die Universität Edinburgh. Dort lernte er auch die schottischen Wissenschaftler der Challenger-Expedition John Murray und John Young Buchanan (1844–1925) kennen.
In den Jahren 1892–93 führte eine Walfangreise ins Weddellmeer, die Dundee Whaling Expedition, Bruce erstmals in die antarktischen Gewässer. Als Schiffsarzt und Naturwissenschaftler nahm er an Bord der Baleana meteorologische und ozeanographische Beobachtung vor. Zu den Teilnehmern dieser Expedition gehörte auch sein Freund und Künstler William Gordon Burn-Murdoch.
Zurück in Schottland bekam er eine Anstellung am meteorologischen Observatorium auf dem Gipfel des Ben Nevis. 1896/97 überwinterte er mit der Jackson-Harmsworth-Expedition in Franz-Josef-Land. Er war mit zoologischen und meteorologischen Arbeiten betraut. Hier lernte er Fridtjof Nansen kennen, der nach dem Versuch, mit seinem Begleiter Hjalmar Johansen den Nordpol zu erreichen, auf Jacksons Lager auf der Northbrook-Insel gestoßen war.
1898 lud der Textilunternehmer Andrew Coats (1862–1930) Bruce auf seine Yacht Blencathra ein, mit der er in die Barentssee und nach Nowaja Semlja fuhr. Bruce arbeitete an Bord ein umfangreiches wissenschaftliches Programm ab. Unter anderem nahm er 60 Planktonproben und bestimmte an 30 Stationen die Salinität des Meerwassers. 34 Schleppnetzzüge und 80 Tiefenlotungen wurden ausgeführt. Aus dieser Reise entwickelte sich eine Freundschaft mit der Familie Coats, die später zu seinem wichtigsten finanziellen Unterstützer werden sollte. Auf der Rückreise begegnete Bruce Fürst Albert I. von Monaco, der mit seinem Forschungsschiff Princesse Alice im Hafen von Vardø lag und ihn einlud, sich seiner Expedition zur Bäreninsel anzuschließen. Den nächsten Winter verbrachte er im fürstlichen Labor am Mittelmeer und wertete seine wissenschaftlichen Beobachtungen aus. Im darauffolgenden Sommer fuhr Bruce erneut an Bord der Princesse Alice nach Spitzbergen.
1899 bewarb Bruce sich bei Sir Clements Markham, dem Präsidenten der Royal Geographical Society, für eine Teilnahme an der bevorstehenden britischen Expedition in die Antarktis. Zu dieser Zeit war kein britischer Wissenschaftler seiner Generation besser für die Leitung einer Polarexpedition geeignet als Bruce. Die Antwort ließ auf sich warten und als Markham ihn einlud, sich noch einmal zu bewerben, hatte Bruce schon Pläne für eine schottische Expedition entwickelt und lehnte letztlich ab. Die offizielle britische Expedition von Robert Falcon Scott fand als Discovery-Expedition ohne ihn statt.
Scottish National Antarctic Expedition
Mit Hilfe der Brüder Coats und der Royal Scottish Geographical Society organisierte Bruce die Scottish National Antarctic Expedition. Am 2. November 1902 fuhr er mit der Scotia nach Süden. In seiner Begleitung waren neben der Mannschaft vier schottische Wissenschaftler, ein Präparator und ein Künstler. Nach einem mehrwöchigen Zwischenstopp auf den Falklandinseln stieß die Expedition am 3. Februar nördlich der Südlichen Orkneyinseln auf Packeis. Die 1823 von James Weddell entdeckte Insel Saddle Island wurde von den Wissenschaftlern erforscht. Nach der Weiterfahrt wurde am Ende des Monats im Weddellmeer eine geographische Breite von 70° 25′ S erreicht, aber kein Festland gesichtet. Die Expedition zog sich zur Überwinterung nach Laurie Island zurück, wo sie das steinerne Omond House errichtete.
Erst gegen Ende des Novembers kam die eingefrorene Scotia wieder frei. Sechs Männer wurden auf Laurie Island zurückgelassen, während Bruce mit dem Schiff nach Buenos Aires fuhr, wo es ihm gelang, die argentinische Regierung dazu zu bewegen, die Station ab 1904 zu übernehmen und die wissenschaftliche Arbeit fortsetzen zu lassen. In Orcadas umbenannt ist sie bis heute die am längsten ohne Unterbrechung in Betrieb befindliche meteorologische Station der Antarktis. Im März 1904 endete der erneute Vorstoß Richtung Süden bei 74° 01′ S. Das antarktische Festland, von Bruce Coatsland benannt, konnte vom Schiff aus gesehen werden. Es gelang jedoch nicht, es zu betreten.
Am 15. Juli 1904 kam das Schiff nach der Rückreise in Nordirland an. Die Expedition war die erste, die bewegte Bilder der Küste der Antarktis produzieren konnte, außerdem wurde die erste Benutzung von Dudelsäcken im Bereich der Antarktis von dieser Expedition dokumentiert. Aufgrund der ersten Film- und Tondokumente der Antarktis gilt Bruce auch als Pionier des Dokumentarfilms.
Späte Jahre 1906 gründete Bruce das Scottish Oceanographic Laboratory. Hier wurden die umfangreichen Sammlungen seiner Antarktis-Expedition gelagert, bearbeitet und ausgestellt. 1919 musste er das Labor aus Geldmangel schließen.
In seiner weiteren Forschungsarbeit fokussierte Bruce sich vor allem auf Spitzbergen. 1906 und 1907 arbeitete er mit Unterstützung Alberts auf Prinz-Karl-Vorland. 1909 gründete er das Projektonsunternehmen Scottish Spitsbergen Syndicate und steckte Claims ab, um sich Rechte für den Kohlebergbau zu sichern. Vor dem Ersten Weltkrieg sicherte sich das Unternehmen weitere Schürfrechte auf der Insel Westspitzbergen. An der hochkarätig besetzten Expedition des Jahres 1919 – das Syndikat war inzwischen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden – nahmen unter anderem die Geologen James Wordie und Alexander Stevens teil. Das beanspruchte Gebiet wurde auf eine Fläche von 7718 km² erweitert, 7,8 % der Landmasse Spitzbergens.
Des Weiteren leitete er von 1915 bis 1916 eine Walfangstation auf den Seychellen.Robert Neal Rudmose-Brown: Bruce, William Speirs. Dictionary of National Biography, 1927 supplement (englisch). Da Bruce jedoch das tropische Klima hasste, zog er sich nach Schottland zurück. Dort starb er 1921 nach langer, schwerer Krankheit. Seine Asche wurde im Südpolarmeer ausgestreut.
Bruce war seit 1901 verheiratet mit Jessie Mackenzie. Das Paar hatte einen Sohn und eine Tochter.
Ehrungen Nach Bruce ist eine Reihe geographischer Objekte in der Antarktis benannt. Darunter befindet sich der Bruce Point, eine Felsnadel im ostantarktischen Viktorialand, das Bruce-Plateau und Bruce Island im westantarktischen Grahamland und der Bruce-Nunatak, eine Insel im Weddell-Meer. Die Royal Geographical Society verlieh ihm 1910 die Patron’s Medal.Medals and Awards. Royal Geographic Society, Stand: 13. August 2025, abgerufen am 23. Juli 2026 (englisch; PDF; 302 kB).
Werke (Auswahl) Polar exploration (= Home University Library of Modern Knowledge, Band 8, ), Williams & Norgate, London 1911. The voyage of the „Scotia“. Being the record of a voyage of exploration in Antarctic seas. Blackwood, Edinburgh 1906 (zusammen mit Robert C. Mossman und James H. Pirie).
Film Auf den Spuren großer Entdecker – William Speirs Bruce Dokureihe, GB, 2011. Laufzeit: 50 Minuten Original-Titel: The Last Explorers. Mit: Neil Oliver, Simon Tait u. a. Literatur Robert N. Rudmose-Brown: A naturalist at the poles. The life, work and voyages of Dr. W. S. Bruce, the polar explorer. Seely, London 1923 Innes M. Keighren: A Scot of the Antarctic: The Reception and Commemoration of William Speirs Bruce (PDF; 3,95 MB), MSc Thesis University Edinburgh 2003.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Polarforscher (Antarktis) Kategorie:Polarforscher (Arktis) Kategorie:Seefahrer Kategorie:Entdecker (19. Jahrhundert) Kategorie:Ozeanograf Kategorie:Meteorologe Kategorie:Person (London) Kategorie:Brite Kategorie:Schotte Kategorie:Geboren 1867 Kategorie:Gestorben 1921 Kategorie:Mann