mini|Die portugiesischen und spanischen Ministerpräsidenten António Costa und Pedro Sánchez sowie der portugiesische Präsident Marcelo Rebelo de Sousa und König Felipe VI. von Spanien (2020) Die portugiesisch-spanischen Beziehungen sind das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen den Staaten Portugal und Spanien. Beide Länder entstanden im Zeitalter der mittelalterlichen Reconquista auf der Iberischen Halbinsel als unabhängige Nationen. Zunächst stieg Portugal zum ersten kolonialen Weltreich auf, dann errichtete Spanien ein noch größeres zweites Weltreich, weshalb Portugiesisch und Spanisch heute auch außerhalb der Iberischen Halbinsel gesprochen werden (vorwiegend in Lateinamerika). In der Kolonialzeit konkurrierten und kooperierten beide Staaten und waren während der Iberischen Union (1580–1640) kurzzeitig vereint, bevor eine Revolte in Portugal die Union wieder beendete. Auch danach blieben die Geschichten beider Länder eng verbunden und führte zunächst im faschistischen Iberischen Block ab 1939 und dann vor allem seit dem gemeinsamen EWG-Beitritt 1986 (heute EU) zu freundschaftlichen Beziehungen zwischen ihnen. Heute besteht ein enger Austausch zwischen den beiden Nachbarn im Bereich Kultur, Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Diplomatie. Die gemeinsame Grenze zwischen Portugal und Spanien ist knapp 1200 Kilometer lang und die älteste Grenze zwischen zwei europäischen Staaten und die längste innerhalb der EU. Für Portugal stellt sie die einzige Grenze zu einem anderen Staat dar, was der Kooperation mit Spanien entscheidende Bedeutung verleiht.
Spanien und Portugal sind gemeinsam Teil der Europäischen Union, der NATO, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, der Union für den Mittelmeerraum, des Europarats und vieler weiterer internationaler Organisationen. Seit 1983 werden regelmäßig Iberische Gipfeltreffen abgehalten, zudem nehmen beide an den seit 1991 stattfindenden Iberoamerika-Gipfeln teil. Seit 2021 hat Spanien Beobachterstatus in der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder (CPLP).
Geschichte
Frühgeschichte Knapp 3000 v. Chr. migrierten die Iberer von Nordafrika aus auf die Iberische Halbinsel und vermischten sich ab ca. 1000 v. Chr. mit den Kelten, woraus die Keltiberer entstanden. Die Iberische Halbinsel wurde von den Phöniziern, den Griechen und den Karthagern beeinflusst, bevor sie von den Römern 197 v. Chr. in die Provinzen Hispania citerior und Hispania ulterior aufgeteilt wurde. Der Stamm der Lusitaner aus dem heutigen Portugal leistete den Römern bis zur Vernichtung von Numantia 133 v. Chr. hartnäckigen Widerstand. Danach kehrte ein längerer Frieden ein und die Bevölkerung wurde romanisiert, wobei die heutigen Sprachen und Dialekte in Iberien (mit Ausnahme des Baskischen) auf dem Latein der Römer beruhen. Die um das Jahr 0 gebildete Provinz Lusitania entsprach in etwa dem Süden des heutigen Portugals. Mit dem Niedergang des Weströmischen Reiches und den Völkerwanderungen fielen im 5. Jahrhundert germanische Stämme wie Sueben, Alanen und Westgoten auf der Iberischen Halbinsel ein und die römische Periode endete. Die Sueben und ihr Königreich der Sueben dominierte den Nordwesten Iberiens, bevor sie von den Westgoten besiegt und ihr Königreich in das Westgotenreich eingegliedert wurde. Angeführt vom zum Islam konvertierten Berber Tāriq ibn Ziyād wurde fast die gesamte Iberische Halbinsel im 8. Jahrhundert von den Mauren erobert und das Westgotenreich zerschlagen. Lediglich im bergigen Norden überlebten die Reste der christlichen Armeen unter der Führung des westgotischen Adligen Pelayo, dessen Königreich Asturien den Widerstand gegen die muslimische Herrschaft begann.
Entstehung Portugals im Mittelalter Durch Teilungen und Rückeroberungen entstanden bis ins 11. Jahrhundert eine Reihe von christlichen Staaten auf der Iberischen Halbinsel, die allerdings nicht als Einheit auftraten. Eine spanische oder portugiesische Nation gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Die erste Grafschaft Portucale entstand 868 um Porto durch die Eroberungen von Vímara Peres, welche Asturien unterstand. 1071 wurde eine Revolte des letzten Grafen von Portucale, Nuno Mendes, gegen den 1065 zum König von Galicien und Portugal ernannten Garcia niedergeschlagen. Alfons X. übergab die Grafschaft Portugal 1096 an Heinrich von Burgund, der Theresia von León heiratete, die uneheliche Tochter Alfons’ VI. 1139 ließ sich Heinrichs Sohn Alfons I. nach dem Sieg gegen die Araber in der Schlacht von Ourique zum König ausrufen, nachdem er schon vorher dem König von León die Treue verweigert hatte. Im Jahre 1143 erkannte das Königreich León die Unabhängigkeit Portugals nach dem Sieg der Portugiesen in der Schlacht von Valdevez mit dem Vertrag von Zamora an. Dadurch wurde Portugal als eigenständiges Königreich mit eigenem Monarchen anerkannt. Die Portugiesen können in der Folge ihre Grenzen nach Süden ausdehnen und 1147 Lissabon von den Mauren erobern. Bis Mitte des 13. Jahrhunderts wurde die Algarve im Süden erreicht und Portugal erhielt im Groben seine moderne Form. Unter König Dionysius erlebte Portugal einen wirtschaftlichen Aufschwung und die Universität Coimbra wurde gegründet. Er führte auch das Portugiesische als Rechts- und Gerichtssprache ein. Die portugiesische Eigenständigkeit und Identität wurde dadurch gestärkt. Dionysius stellte auch die erste portugiesische Marine auf, was die Grundlage für das spätere maritime Imperium der Portugiesen schuf. Die frühe Konsolidierung Portugals ermöglichte damit die spätere koloniale Expansion Portugals. Diese erfolgt noch vor Abschluss der spanischen Reconquista und der Einigung Spaniens 1516.
Mit Ferdinand I. starb 1383 der letzte Angehörige aus dem Haus Burgund und die Kastilier erhoben Ansprüche auf den portugiesischen Thron. Die Portugiesen rebellierten dagegen und setzten Johann I., den unehelichen Sohn eines früheren Königs auf den Thron, der das Haus Avis begründet. Der darauf folgende Krieg mit Kastilien dauerte zwei Jahre, und die portugiesische Unabhängigkeit wurde nach der entscheidenden Niederlage der Kastilier in der Schlacht von Aljubarotta 1385 gesichert. Johann schloss mit dem Vertrag von Windsor (1386) ein Bündnis mit dem Königreich England, das ihn schon in der Schlacht von Aljubarotta unterstützt hatte, was in der Folgezeit die Unabhängigkeit Portugals absicherte.
Kolonialzeitalter Der Aufbau eines portugiesischen Kolonialreiches begann 1415 mit der Einnahme von Ceuta in Nordafrika. Im Laufe des 15. Jahrhunderts baute Portugal immer größere Schiffsflotten und begann unter dem Einfluss von Pionieren wie Heinrich dem Seefahrer die Welt außerhalb Europas zu erforschen und das erste globusumspannende Weltreich aufzubauen. Kastilien folgte diesem Beispiel Jahrzehnte später. In Asien und nach der Entdeckung Amerikas 1492 auch in Amerika konkurrierte Portugal mit Kastilien um Einfluss und die Kontrolle über Handelsrouten. Nach der ersten spanischen Reise von Christoph Kolumbus in die Karibik im Jahr 1492 begannen beide Staaten mit dem Erwerb von Gebieten in der Neuen Welt. Der Vertrag von Tordesillas (1494) teilte die Neue Welt zwischen Portugal und Kastilien auf. Infolge des Vertrags von 1494 erwarb Portugal seine potenziell wichtigste Kolonie, Brasilien (einen Großteil des südamerikanischen Kontinents), sowie eine Reihe von Besitzungen in Afrika und Asien, während Kastilien den Rest Südamerikas und einen Großteil des nordamerikanischen Kontinents sowie eine Reihe von Besitzungen in Afrika, Ozeanien und Asien, darunter die wichtige Kolonie der Philippinen, erhielt. Diese Demarkationslinie lag etwa auf halber Strecke zwischen den Kapverdischen Inseln (die bereits portugiesisch waren) und den Inseln, die Kolumbus auf seiner ersten Reise für Kastilien beanspruchte. Obwohl der Vertrag von Tordesillas eine Klärung der Gebietsansprüche anstrebte, waren noch viele weitere Verträge erforderlich, um die modernen Grenzen Brasiliens festzulegen, und der Vertrag von Saragossa von 1529 war notwendig, um die asiatischen Besitzungen abzugrenzen.
Iberische Union
Nach der Einigung der Königreiche von Kastilien und Aragonien zu Beginn des 16. Jahrhunderts kamen Pläne auf, die gesamte iberische Halbinsel unter einem Herrscher zu vereinigen. Im Jahr 1578 starb König Sebastian von Portugal in der Schlacht von Alcácer Quibir. Da er keine Erben hatte, wurde sein Großonkel Heinrich von Portugal sein Nachfolger, der bis zu seinem Tod (31. Januar 1580) regierte. Auch Heinrich hatte keine Erben und sein Tod löste eine Thronfolgekrise aus, bei der Philipp II. von Spanien und António von Crato die Hauptanwärter auf den Thron waren. Nach dem spanischen Sieg im Portugiesischen Erbfolgekrieg wurde Philipp von Spanien 1581 zum König gekrönt, womit eine Personalunion zwischen den beiden Nationen begann, die als Iberische Union bekannt wurde. Beide Reiche waren damit zwar unter einem Herrscher vereint, blieben jedoch administrativ und verwaltungstechnisch getrennt. Das portugiesische Kolonialreich erlebte unter den spanischen Habsburgern einen Niedergang, auch da die historische Allianz Portugals mit Englands durch die Union gestört wurde. Auf den Weltmeeren geriet Portugal gegenüber den Niederländern in Bedrängnis, z. B. in Brasilien. Als die Spanier versuchten, die Macht innerhalb der Union zu zentralisieren, kam es zum Restaurationskrieg und Johann IV. aus dem Haus Braganza wurde 1640 vom portugiesischen Adel zum König gewählt. Mit verlustreichen Schlachten im Grenzland versuchte Spanien seine Herrschaft über Portugal wiederherzustellen, musste im Frieden von Lissabon (1668) allerdings das Haus Braganza als Könige des Nachbarn anerkennen.
18. Jahrhundert In den Kriegen des 18. Jahrhunderts, die von den Großmächten häufig zur Aufrechterhaltung des europäischen Gleichgewichts geführt wurden, standen Spanien und Portugal in der Regel auf entgegengesetzten Seiten. Die Portugiesen waren wieder mit England bzw. mit Großbritannien verbündet, während sich Spanien durch den Pacte de Famille mit Frankreich verbündete. Im Jahr 1762, während des Siebenjährigen Krieges, unternahm Spanien eine erfolglose Invasion in Portugal, welche von englisch-portugiesischen Truppen abgewehrt wurde. Das 18. Jahrhundert sah auch den voranschreitenden Niedergang von Portugal und Spanien als Weltmächte, auch wenn beide weiterhin große Kolonialgebiete kontrollierten. Es kam zu einem weiteren Spanisch-Portugiesischen Krieg 1776–1777 um die Herrschaft über Uruguay in Südamerika, den Spanien für sich entscheiden konnte.
Danach folgte eine Phase der Annäherung. Spaniens Premierminister José Moñino y Redondo, der „Graf von Floridablanca“, lockerte seine enge Gefolgschaft zu Frankreich, und Spanien schloss 1779 ein Bündnis mit Portugal, das als britischer Verbündeter zuvor mit Spanien verfeindet war. Gekrönt wurde diese Versöhnungsphase 1786 mit der Heirat der spanischen Prinzessin Charlotte Joachime von Spanien (eine Enkelin von König Karl III.) mit dem portugiesischen Thronfolger Johann.
19. Jahrhundert mini|Zeitgenössische Gravur der Schlacht bei Vimeiro (1808): in den napoleonischen Invasionen kam es erstmals seit Jahrhunderten zu einem Bündnis zwischen Portugal und Spanien.