mini|Innenstadt (vorne) und Südstadt (rechts) sowie Nürnberg (im Hintergrund) mini|Historische Altstadt vom Rathausturm aus gesehen, rechts die Michaeliskirche mini|hochkant|Das Fürther Rathaus gilt als Wahrzeichen der Stadt
Fürth (hochdeutsch , fränkisch , ) ist eine kreisfreie Großstadt im bayerischen Regierungsbezirk Mittelfranken. Sie bildet mit Nürnberg und Erlangen das Kerngebiet des Ballungsraums Nürnberg, zu dem auch Schwabach zählt. Zusammen mit dem Umland handelt es sich um einen Teil der Metropolregion Nürnberg, eine von drei Metropolregionen in Bayern. Mit Einwohnern (Stand: ) ist die Großstadt nach Nürnberg und Würzburg die drittgrößte Stadt Frankens und die siebtgrößte Stadt in Bayern.
Geographie Lage und Fläche Der historische Stadtkern befindet sich östlich und südlich der Flüsse Rednitz und Pegnitz, die nordwestlich der Altstadt zur Regnitz zusammenfließen. Westlich der Stadt, jenseits von Südwesttangente und Main-Donau-Kanal, steigt der Fürther Stadtwald an. Östlich der Stadt liegt in etwa gleicher Höhe die direkt anschließende Stadt Nürnberg. Nördlich dehnt sich das fruchtbare, teilweise zum Stadtgebiet gehörende Knoblauchsland aus. Südlich der Stadt liegt ein Mischgebiet aus breiten Autostraßen, Kanal und Flussauen.Fürth im BayernAtlas
Der höchste Geländepunkt ist der Steinbruch in Burgfarrnbach mit , der niedrigste liegt im Regnitztal an der Stadtgrenze zu Erlangen auf , das Rathaus im Stadtzentrum liegt auf .
Die Fläche des Stadtgebietes beträgt 63,36 km², die Länge der Stadtgrenze 50,05 Kilometer. Der Abstand zwischen dem östlichsten und dem westlichsten Punkt des Fürther Stadtgebietes beträgt 9,835 Kilometer, zwischen dem nördlichsten und dem südlichsten Punkt 11,704 Kilometer.
Stadtgliederung
Die Gemeinde hat 21 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Hiernach 28 Gemeindeteile.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet zehn Gemarkungen: Burgfarrnbach, Dambach, Fürth, Fürther Stadtwald, Poppenreuth, Ronhof, Sack, Stadeln, Unterfarrnbach und Vach. Die Gemarkung Fürth hat eine Fläche von 12,867 km². Sie ist in 10472 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 1228,68 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Weikershof.
Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Fürth, sie werden nach dem Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt:
Erlangen und Nürnberg (beide kreisfrei), Oberasbach, Zirndorf, Cadolzburg, Seukendorf, Veitsbronn und Obermichelbach (alle Landkreis Fürth).
Geschichte mini|hochkant|Briefmarke 1000 Jahre Fürth
Von den Anfängen bis zum 19. Jahrhundert mini|Fürth im Jahre 1630, kurz vor der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg mini|Dreiherrschaft: Aufteilung im Jahre 1717. Grün: Nürnberger Anwesen. Gelb: Ansbach. Rot: Dompropst Bamberg. mini|Schuldverschreibung über 200 Mark der Stadt Fürth vom 30. Dezember 1903 Erstmals genannt ist die Ansiedlung Fürth in einer ottonischen Urkunde am 1. November 1007, mit der König (später Kaiser) Heinrich II den Ort dem neu gegründeten Domkapitel Bamberg vermachte. Das in den folgenden Jahren zugesprochene Marktrecht ging bereits unter Heinrich III. an das benachbarte Nürnberg verloren. Auch wenn ab 1062 in Fürth wieder Markt abgehalten werden durfte, so war in dieser Zeit Nürnberg bereits von größerer Bedeutung.
Seit 1440 sind erste Ansiedelungen von Juden in Fürth überliefert, die in den folgenden Jahrhunderten auch einen eigenen Friedhof und eine Synagoge begründeten. Die Markgrafen von Ansbach, die Dompropstei in Bamberg und die Reichsstadt Nürnberg übten ab dem 15. Jahrhundert die Herrschaft bis 1792 aus, wobei es oft Streitigkeiten gab („Dreiherrschaft“).
Durch das nahe Nürnberg blieb Fürth lange Zeit ein bäuerlich geprägtes Gemeinwesen, das um 1600 wohl erst zwischen 1000 und 2000 Einwohner hatte. Im Dreißigjährigen Krieg litt der Ort sehr, am schlimmsten im Jahre 1632 durch die Schlacht an der Alten Veste und im Jahre 1634, als Fürth bis auf wenige Häuser niedergebrannt wurde.
Bis 1792 lag die Herrschaft über die Stadt zu unterschiedlichen Teilen und in wechselnden Ausgestaltungen bei dem Bamberger Domstift, dem Fürstentum Ansbach und der Reichsstadt Nürnberg (siehe dazu Karte von 1717 rechts). Durch die Abdankung des letzten Markgrafen von Brandenburg-Ansbach-Bayreuth, Christian Friedrich Carl Alexander, endete 1792 die bisherige „Dreiherrschaft“, Fürth wurde preußisch. 1806 ging Fürth an Bayern und wurde Stadt.
Im 18. Jahrhundert entstand der städtische Charakter, der in der heutigen Altstadt in wesentlichen Grundzügen noch ersichtlich und teilweise erhalten ist. Siehe Karte des bayerischen Urkatasters von 1808.Altstadt Fürth auf Bayernatlas Klassik 1835 fuhr mit dem Adler die erste deutsche Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth (Ludwigseisenbahn). Bedeutend war der Einfluss der Industrialisierung, als 1843 der Ludwig-Donau-Main-Kanal die Stadt erreichte. 1864/65 bestanden mit der Ludwigs-Süd-Nord-Bahn und der Ludwigs-West-Bahn die ersten Fürther Bahnfernverbindungen.
20. Jahrhundert Ab 1914 entstand zuerst der Flugplatz Fürth-Atzenhof, 1919 kam der Werksflughafen der Bachmann & Blumenthal-Werke an der Hardhöhe hinzu. Eine Eingemeindung Fürths zu Nürnberg wurde mehrheitlich vom Fürther Stadtrat und den Gewerkschaften befürwortet, letztendlich am 22. Januar 1922 in einer Volksabstimmung von knapp 65 % der Bevölkerung abgelehnt.Nürnberger Nachrichten vom 18. Januar 2022, S. 14
Im Zweiten Weltkrieg blieben trotz der Luftangriffe auf Fürth 90 % der historischen Bausubstanz erhalten. In der Nachkriegszeit wurden insbesondere die erhaltenen Kasernen und der Flugplatz in Atzenhof von amerikanischen Streitkräften jahrzehntelang weiter genutzt. Eine Vielzahl der erhaltenen Gebäude steht heute unter Denkmalschutz.
Bundesweiten Leuchtturmcharakter erlangte Fürth in den 1950er-Jahren, der Zeit des Wirtschaftswunders, durch das Großversandhaus Quelle AG und die Grundig AG, die, trotz mitarbeiter- und umsatzstärkerer Zweigbetriebe in Nürnberg und anderswo, stets rechtlich in Fürth ansässig blieben. Noch im Jahr 1980 war die Wirtschaftsleistung pro Kopf in Fürth höher als in allen anderen Städten und Landkreisen Bayerns.
Eingemeindungen Folgende Gemeinden bzw. Gemarkungen wurden nach Fürth eingemeindet:
1. Januar 1899: der westliche Teil der Gemeinde Höfen mit dem Gemeindeteil Weikershof (liegt im Süden an der Schwabacher Straße) 1. Januar 1900: die Gemeinde Poppenreuth (liegt östlich des historischen Kerns, auf der anderen Seite der Pegnitz) 1. Januar 1901: die Gemeinde Dambach (liegt westlich der heutigen Südstadt) sowie Unterfürberg, Oberfürberg 1904: Fürther Stadtwald, vorher unbewohnter gemeindefreier Forstbezirk 1. Januar 1918: Atzenhof (liegt im Nordwesten, am rechten Ufer der Zenn zwischen Unterfarrnbach und Vach) 1. Januar 1918: die Gemeinde Unterfarrnbach (liegt im Westen, am Ufer des Farrnbach) 3. Dezember 1923: die Gemeinde Burgfarrnbach (nordwestlich, jenseits des Kanals, nicht mit Fürth zusammengewachsen) 1. Juli 1927: die Gemeinde Ronhof
Im Rahmen der bayerischen Gemeindegebietsreform: 1. Juli 1972: die Gemeinde Sack mit Bislohe, das nördlich im Knoblauchsland liegt 1. Juli 1972: die Gemeinde Stadeln (liegt nördlich von Fürth, östlich des Flusses Regnitz und westlich des Frankenschnellwegs) 1. Juli 1972: die Gemeinde Vach (liegt nördlich von Fürth, westlich des Flusses Regnitz und des Baches Zenn, am westlichen Ortsrand führt der Main-Donau-Kanal entlang) 1. Juli 1972: aus der Gemeinde Boxdorf die Gemeindeteile Herboldshof und Steinach
Ortsname Der Name „Fürth“ leitet sich von der ostfränkischen Aussprache von „Furth“ ab, da erste Siedlungen an einer Furt durch die Rednitz entstanden.
Die Stadt wurde früher abfällig, so vom österreichischen Satiriker Moritz Gottlieb Saphir „Bayrisches Jerusalem“, seit den 1880er Jahren dann aufgrund der von Juden gefühlten Toleranz und Freiheit positiv konnotiert als „Fränkisches Jerusalem“ bezeichnet.Jim G. Tobias (Hrsg.): Vorübergehende Heimat im Land der Täter. Jüdische DP-Camps in Franken 1945–1949. Antogo, Nürnberg 2002, ISBN 3-9806636-3-9, S. 237. Verbreitet ist die auf das Stadtwappen Bezug nehmende Bezeichnung „Kleeblattstadt“.
Einwohnerentwicklung
400px|mini|Bevölkerungspyramide für Fürth (Datenquelle: Zensus 2011Datenbank Zensus 2011, Fürth, Alter + Geschlecht.)
Die Einwohnerzahl von Fürth wuchs im Mittelalter und am Anfang der Neuzeit wegen der zahlreichen Kriege, Seuchen und Hungersnöte nur langsam. Im Dreißigjährigen Krieg verlor die Stadt etwa die Hälfte ihrer Bewohner. Als kroatische Soldaten 1634 Fürth anzündeten, brannte der Ort mehrere Tage lang und wurde dabei fast vollständig zerstört. Am Ende des Krieges lebten in der Stadt nur noch 800 Menschen. 1685 siedelten sich Hugenotten und reformierte Christen aus Frankreich in Fürth an. 1700 war der Wiederaufbau abgeschlossen, und die Bevölkerungszahl stieg auf rund 6000.
Mit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert begann ein starkes Bevölkerungswachstum. 1800 hatte Fürth 12.000 Einwohner, bis 1895 vervierfachte sich diese Zahl auf 47.000. Im Jahr 1950 überschritt die Einwohnerzahl der Stadt die Grenze von 100.000, wodurch sie zur Großstadt wurde. Laut Melderegisterauszug lebten Ende 2017 über 129.000 Menschen in der Stadt.
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1818 handelte es sich meist um Schätzungen, danach um Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen statistischen ÄmterStatistische Jahrbücher der Stadt Fürth (PDFs) beziehungsweise der Stadtverwaltung selbst (Städtestatistik Fürth). Die Angaben beziehen sich ab 1843 auf die „Ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1987 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“. Vor 1843 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.
Jahr Einwohner 1604 1.600 1648 800 1700 6.000 1795 12.000 1809 12.438 1818 12.700 1. Juli 1830¹ 13.900 1. Dez. 1840¹ 15.100 3. Dez. 1852¹ 16.700 3. Dez. 1855¹ 17.341 3. Dez. 1858¹ 18.241 3. Dez. 1861¹ 19.100 3. Dez. 1864¹ 21.100 3. Dez. 1867¹ 22.500 1. Dez. 1871¹ 24.580 1. Dez. 1875¹ 27.360 1. Dez. 1880¹ 31.063 Jahr Einwohner 1. Dez. 1885¹ 35.455 1. Dez. 1890¹ 43.206 2. Dez. 1895¹ 46.726 1. Dez. 1900¹ 54.144 1. Dez. 1905¹ 60.635 1. Dez. 1910¹ 66.553 1. Dez. 1916¹ 56.967 5. Dez. 1917¹ 57.282 8. Okt. 1919¹ 68.162 16. Juni 1925¹ 73.693 16. Juni 1933¹ 77.135 17. Mai 1939¹ 82.315 31. Dez. 1945 86.515 29. Okt. 1946¹ 95.369 13. Sept. 1950¹ 99.890 25. Sept. 1956¹ 98.643 6. Juni 1961¹ 98.332 Jahr Einwohner 31. Dez. 1965 96.125 27. Mai 1970¹ 94.774 31. Dez. 1975 101.639 31. Dez. 1980 99.088 31. Dez. 1985 97.331 25. Mai 1987¹ 97.480 31. Dez. 1990 103.362 31. Dez. 1995 108.418 31. Dez. 2000 110.477 31. Dez. 2005 113.459 31. Dez. 2006 113.767 31. Dez. 2007 114.130 31. Dez. 2008 113.661 31. Dez. 2009 114.044 31. Dez. 2010 114.628 9. Mai 2011¹ 115.613 31. Dez. 2011 116.317 Jahr Einwohner 31. Dez. 2012 118.358 31. Dez. 2013 119.808 31. Dez. 2014 121.519 31. Dez. 2015 124.171 31. Dez. 2016 125.403 31. Dez. 2017 126.526 31. Dez. 2018 127.748 31. Dez. 2019 128.497 31. Dez. 2020 128.223 31. Dez. 2021 129.122 15. Mai 2022¹ 130.126 31. Dez. 2022 131.433 31. Dez. 2023 132.032 31. Dez. 2024 132.036 31. Dez. 2025 131.344 ¹ Volkszählungsergebnis
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