mini|Aktueller Leiter des FSB Alexander Bortnikow 2015 mini|Sitzung zur Untersuchung des Absturzes Kogalymavia-Flug 9268 über dem Sinai (Kreml, Moskau, 17. November 2015) mini|ALFA (Spezialeinheit) des FSB mini|Hauptquartier des FSB Der FSB ist Inlandsgeheimdienst und Geheimpolizei der Russischen Föderation. Der russische Name (ФСБ) bedeutet „Föderaler Dienst für Sicherheit der Russischen Föderation“.

Dem FSB untersteht – mit Ausnahme großer Teile der Auslandsspionage und des Föderalen Schutzdienstes – die gesamte Infrastruktur des früheren KGB (Komitee für Staatssicherheit). Seine Aufgaben erstrecken sich vor allem auf den Staatsschutz, die Inlandsspionage und den Grenzdienst. Hauptsitz des FSB ist Moskau.

Er verfügt über die Spezialeinheiten ALFA und Wympel, ihm unterstehen die paramilitärischen Grenztruppen Russlands.

Der FSB hat überwiegend die Strukturen des KGB übernommen, mit der Konzentration auf Inlandsaufgaben und Ausgliederung großer Teile der Auslandsaufklärung zum Auslandsgeheimdienst SWR. Wie der sowjetische KGB sich auf die gesamte Sowjetunion erstreckte, ist jedoch auch der FSB auf dem Gebiet ehemaliger Sowjetrepubliken tätig und insofern kein reiner Inlandsgeheimdienst. Ferner führt er elektronische Aufklärungstätigkeiten und Angriffe auch gegen ausländische Ziele aus, Agenten des FSB sind auch im westlichen Ausland tätig.

Zentraler Sitz des Dienstes ist die Lubjanka. Er verfügt über eine eigene Hochschule, die eine frühere Einrichtung des KGB fortführt und eigene Gefängnisse.

Geschichte 1991: MSB – Interrepublikanischer Sicherheitsdienst Am 28. November 1991 unterschrieb Michail Gorbatschow in seiner Funktion als Präsident der Sowjetunion den Ukas „Über die Bestätigung der zeitweiligen Lage im Interrepublikanischen Sicherheitsdienst – MSB“ ().

1991–1993: MB – Ministerium für Sicherheit Am 19. Dezember 1991 unterzeichnete der russische Präsident Boris Jelzin eine Anweisung zur Gründung des Ministeriums für Sicherheit der Russischen Föderation – MB (). Die korrekte Bezeichnung in der Langform ist „Ministerium für Sicherheit und innere Angelegenheiten der Russischen Föderation“ – MBWD ().

Am 14. Januar 1992 annullierte das Verfassungsgericht der Russischen Föderation diese Anweisung wegen Nichtübereinstimmung mit der russischen Verfassung. Am 24. Januar wurde die Anweisung dann in endgültiger Form erlassen und trat in Kraft.

Nach der Auflösung der Sowjetunion am 25. Dezember 1991 gründete Jelzin einen eigenen russischen Geheimdienst, der den existierenden sowjetischen Geheimdienst KGB beerbte. Er kämpfte in den Monaten vor der Auflösung der Sowjetunion auf russischer Seite gegen Gorbatschow, der die Interessen der Sowjetunion vertrat und letztendlich unterlag. Bereits im Juni 1991 hatte Jelzin die erste Präsidentschaftswahl Russlands gewonnen.

1993–1995: FSK – Föderaler Dienst für Gegenaufklärung Am 21. Dezember 1993 unterschrieb Jelzin die Anweisung für die Auflösung des Ministeriums für Sicherheit (MB) und die Bildung des Föderalen Dienstes für Gegenaufklärung () – FSK. Der Dienst arbeitete mit dieser Bezeichnung von 1993 bis 1995 als Nachfolger des MB.Sakwa, Richard. Russian Politics and Society (4th ed.), S. 98. Im August 1994 vereinbarten BND-Leiter Bernd Schmidbauer und der damalige FSK-Chef Sergei Stepaschin zusammenzuarbeiten. 1996 bat der FSK in einem Schreiben an das deutsche Justizministerium um Rechtshilfe im Zusammenhang mit dem Münchner Plutoniumschmuggel vom August 1994. Der FSK gab zu, dass die beschlagnahmten 363 Gramm Plutonium aus Obninsk, dem ältesten Kernkraftwerk der Welt (seit 1954), 80 Kilometer südwestlich von Moskau stammten.

Seit 1995: FSB – Föderaler Sicherheitsdienst Am 3. April 1995 unterschrieb Jelzin das „Gesetz über die Organe des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation“ () – FSB. Der FSB wurde somit zum Nachfolger des „Gegenspionage-Dienstes“ FSK.

Das Gesetz beschreibt die drei Hauptaufgaben des FSB: Spionageabwehr (Paragraph 9) Bekämpfung der Kriminalität (Paragraph 10) Spionage/Aufklärung (Paragraph 11)

Die häufige Umbenennung der Geheimdienste hat schon seit 1918 in Russland eine lange Tradition und war mit dem stetigen Umbau der Organisationsstrukturen verbunden.

Ende Dezember 2007 berichtete der FSB, dass der britische Auslandsgeheimdienst Secret Intelligence Service (MI6) den ehemaligen russischen Geheimdienstler Wjatscheslaw Scharkow angeworben und mit der Beschaffung von Geheimdaten beauftragt hat. Scharkow habe sich allerdings im Juni 2007 freiwillig dem FSB gestellt und vier weitere MI6-Agenten enttarnt.

Im Juli 2010 unterzeichnete der russische Präsident Dmitri Anatoljewitsch Medwedew ein Gesetz zur Ausweitung des Mandats des FSB. Es reicht nun ein Verdacht auf ein mögliches Verbrechen, damit der FSB gegen Bürger ermitteln kann. Die Menschenrechtsbeauftragte der Regierung Ella Pamfilowa erklärte einen Tag nach Inkrafttreten des Gesetzes ihren Rücktritt. Sie hatte Medwedew aufgefordert, die Rechte des FSB nicht zu erweitern.zeit.de: Kritische Kreml-Beauftragte Ella Pamfilowa tritt zurück (Abgerufen am 31. Juli 2010).

Im Zuge des russischen Angriffs auf die Ukraine wurden auf Geheiß Wladimir Putins im Frühjahr 2022 mindestens etwa 150 Mitarbeiter der für Spionage in ehemaligen Sowjetstaaten zuständigen Direktion entlassen oder inhaftiert. War der Leiter jener Direktion, Sergei Beseda, im März 2022 noch unter Hausarrest gestellt worden, wurde er April 2022 in das Lefortowo-Gefängnis inhaftiert. Auch von innerhalb des FSB gelangte massive Kritik an „Kollegen, die Putin mit gefälligen Informationen in den Ukrainekrieg ziehen ließen“ nach außen.faz.net: Russische Geheimdienste : Putins fatale Echokammer(Abgerufen am 17. Mai 2022).

URPO Seit 1996 besteht eine Sonderabteilung im FSB, genannt Uprawlenije Rasrabotki Prestupnych Organisazi (URPO), deutsch: Direktion zur Infiltration krimineller Organisationen. Die Aufgabe dieser Sonderabteilung besteht darin, in kriminelle Strukturen einzudringen und die führenden Köpfe zu ermitteln. Die Abteilung hat eine Mannschaftsstärke von etwa 150.

RISS Das Russische Institut für Strategische Studien (RISS) gilt als Denkfabrik des FSB.Moskau ruft auf der Krim eine weitere „Werkstatt für Informationskrieg“ ins Leben, RFERL, 16. April 2015. Seit 2009 untersteht es der Verwaltung des Russischen Präsidenten.

Institut für Kriminalistik Laut Recherchen mehrerer Medien unter Führung von Bellingcat ist das Institut für Kriminalistik des FSB für Anschläge auf Aktivisten und Politiker verantwortlich.

Organisationsstruktur (Das Organigramm folgt dieser nichtoffiziellen Grobdarstellung, S. 67., in der Literatur finden sich auch andere Gliederungen bzw. Angaben über Teileinheiten des FSB, die mit der gewählten Darstellung nicht übereinstimmen)

Führung Direktor des FSB (Alexander Bortnikow)

ihm nachgeordnet:

Staatssekretär Stellvertretender Direktor des FSB (Sergei Koroljow) Grenzdienst des FSB mit den Grenztruppen Russlands Anti-Terror-Zentrum des FSB

Abteilungen

1. Spionageabwehr

2. Dienst zum Schutz der verfassungsgemäßen Ordnung und zur Terrorismusbekämpfung Die Abteilung umfasst die Aufklärung staatsfeindlicher, extremistischer, terroristischer und generell politischer Aktivitäten im Inland, die vom Kreml als Bedrohung für die gegenwärtige politische Ordnung gesehen werden. Das beinhaltet auch den Kampf gegen Protestbewegungen, Oppositionelle werden von ihr oft wegen Verletzung von Gesetzen gegen den Extremismus belangt. Gleichfalls ist sie zuständig für Ermittlungen gegen ethnische Gruppen innerhalb des organisierten Verbrechens. Sie betreibt ferner Aufklärung und Spionageabwehr im Bildungs- und Kulturbereich, im religiösen Bereich, im Gesundheitssystem und generell in nicht-ökonomischen Organisationen.Kevin Riehle, Russian Intelligence: A Case-based Study of Russian Services and Missions Past and Present, National Intelligence University 2022, S. 66 f.

Alexander Nawalny und seine Rechercheure warfen ihrem Leiter Sedow vor, große Reichtümer zu besitzen, darunter ein Anwesen in Moskau im Werte von 16 Millionen US-Dollar. Der Abteilung werden Giftanschläge auf Nawalny und Wladimir Kara-Mursa zugeordnet. Nach exilrussischen Berichten wurde der Abteilung Anfang 2026 auch Verantwortung im Bereich der Kontrolle des Internets zugewiesen, die vorher dem FSB-eigenen Zentrum für Informationssicherheit aufgetragen war. Die zweite Abteilung soll hinter dem Vorgehen gegen den Messengerdienst Telegram und gegen VPN stehen, die App Max wird dem FSB zugerechnet.

3. Spionageabwehr in den Streitkräften Leiter: Nikolai Juriew

Die Abteilung DWKR (Department Wojeinnoi Konttraswedki) ist für militärische Gegenspionage zuständig und übt über diesen Zusammenhang hinausgehend eine Kontrollfunktion über das Militär aus. Sie gilt als personalstark und dem Regime loyal ergeben, ihre Aktivitäten haben seit Beginn der Invasion in der Ukraine 2022 stark zugenommen und umfassen Teilnahme an militärischen und polizeilichen Maßnahmen in den besetzten Gebieten wie auch Aktivitäten in Russland selbst, wo Mitte 2024 ein Vize-Verteidigungsminister und mehrere Generäle vom FSB unter Beschuldigungen der Korruption verhaftet wurden, was als Machtdemonstration und Warnung gegenüber der Armee interpretiert wird. Eine gleichartige Kontrollfunktion übt die Abteilung über die Nationalgarde aus.

Offiziere des DWKR sind auch in Botschaften in NATO-Staaten eingesetzt, ihr Aufgabenfeld dort ist unklar. Die Abteilung sichert russisches Militär im Ausland, Angehörige von ihr sind auch innerhalb des GRU, des Auslandsdienstes SWR, der Nationalgarde, des FSO und der militärischen Einheiten des Katastrophenschutzes tätig. Untereinheiten der Abteilung sind in die Strukturen und Einheiten des Militärs eingebettet, darunter die Hauptquartiere der Militärdistrikte. Der DWKR hat Zugang zu sämtlichen Personalakten von Militärangehörigen, dies erleichtert das Anwerben von Mitarbeitern und Informanten. Offiziere des DWKR arbeiten oft unerkannt in anderen Verwendungen in den überwachten Strukturen und Organisationen.

4. Dienst zum Schutz der Sicherheit der Wirtschaft

5. Dienst für operative Informationen und internationale Beziehungen DPI Ehemaliger Analyse-, Prognose- und strategischer Planungsdienst, ist heute beauftragt, Geheimdienstoperationen auf dem Territorium der ehemaligen UdSSR durchzuführen. Leiter: Sergei Beseda (seit 2009),Служба оперативной информации и международных связей (Пятая служба), (russisch) Agentura.ru, abgerufen am 24. Mai 2022 (zeitweilig verhaftet), nach einem ukrainischen Medium abgetreten.

Der FSB ist kein reiner Inlandsgeheimdienst, sondern er blieb nach dem Zusammenbruch der UdSSR für die Gebiete früherer Sowjetrepubliken zuständig, darunter die Ukraine. Sein zuständiger Fünfter Dienst war für die schweren Fehleinschätzungen zu Anfang der Invasion 2022 mitverantwortlich, was zu (zeitweiligen) Strafmaßnahmen gegen FSB-Offiziere führte. Ziel der Aktivitäten in den ehemaligen Sowjetrepubliken ist die Beeinflussung dortiger Eliten und die Förderung russlandfreundlicher Akteure. Er soll auf Veranlassung von Wladimir Putin zu seiner Zeit als Chef des FSB persönlich aufgebaut worden sein. Der Dienst ist auch mit bestimmten Auslandskontakten befasst, darunter US-Stellen.