Die Minensuchflottillen waren deutsche Flottillen der Reichsmarine und der Kriegsmarine im Zweiten Weltkrieg.
1. Minensuchflottille
Flottillengeschichte Die 1. Minensuchflottille wurde durch die Reichsmarine 1924 als 1. Minensuch-Halbflottille mit Standort in Kiel aufgestellt. Anfangs bestand die Halbflottille aus vier Booten: M 113 (Führerboot), M 122, M 136 und M 145. 1933 erfolgte die Umbenennung in 1. Minensuchflottille. Die Unterstellung wechselte zum Führer der Minensuchboote, welcher mit Kriegsbeginn geteilt wurde. Ab 18. Oktober 1935 war M 146 Führerboot der 1. Minensuchflottille, welches später Führerboot der 6. Minensuchflottille (1) und M 546 wurde.
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs war die Flottille mit Minensuchbooten Typ 1935 ausgestattet, die Unterstellung wechselte für den Überfall auf Polen unter den Führer der Minensuchboote Ost und anschließend unter den Führer der Minensuchboote West. 1939 bis 1940 wurde die Flottille im Bereich der Nordsee eingesetzt. Beim Unternehmen Weserübung im April 1940 gehörte sie zu verschiedenen Kriegsschiffgruppen. Von 1940 bis 1942 versah sie Sicherungsdienst in der Nordsee, vor der niederländischen und der französischen Küste und in der Biscaya. Während des Krieges gegen die Sowjetunion war sie 1942 am Durchbruch durch die Irbenstraße und der Eroberung der Baltischen Inseln beteiligt. daran schloss sich bis 1944 Sicherungs- und Geleitdienst einschließlich des Legens von Minensperren im Raum Holland und Nordsee an. Die Unterstellung war bereits unter die 1. Sicherungs-Division beim Befehlshaber der Sicherung der Nordsee gewechselt, wie auch beim Einsatz der Flottille während der Operation Overlord.
Ab 1944 deckte sie die Zurücknahme der Front im Osten und leistete Sicherungsaufgaben in der mittleren und westlichen Ostsee. Die Flottille führte, wie auch die 3., 25. und 31. Minensuchflottille, zu Kriegsende Transporte aus dem Kurland-Kessel durch bzw. sicherte diese.
Nach der deutschen Kapitulation im Mai 1945 wurde sie bis Sommer 1946 aufgelöst.Minensuchboote (1) bei der WLB
Während des Bestehens der 1. Minensuchflottille wurde der Bestand fortlaufend durch Boote von aufgelösten Flottillen, wie die 4., 6. und 8. Minensuchflottille, aufgefrischt.
Zugehörige Einheiten 1939/40 M 1, M 3, M 4, M 5 (Untergang am 18. Juni 1940), M 7, M 8, M 9, M 14, M 15, M 17, M 18, M 20, M 132 (Typ 16; Untergang am 13. November 1939)
ab 1941 M 37, M 155 (kam mit der erneuten Aufstellung Anfang 1942 zur 7. Minensuchflottille), M 203, M 204, M 255, M 256, M 36
Flottillenchefs Korvettenkapitän Hugo Schmidt: von der Aufstellung bis September 1926 Kapitänleutnant/Korvettenkapitän Kurt Ramien: von September 1926 bis September 1929 Korvettenkapitän Werner Scheer: von September 1929 bis September 1932 Korvettenkapitän Friedrich Ruge: Oktober 1932 bis September 1934 Korvettenkapitän Ernst-Felix Krüder: September 1934 bis September 1936 Korvettenkapitän Winfried Hagen: 1936/37 unbekannt Korvettenkapitän Karl Weniger: Oktober 1938 bis Dezember 1939, später Führung über die neu aufgestellte 2. Sicherungs-Division, starb 1941 Korvettenkapitän Karl Neitzel: Dezember 1939 bis März 1941, später Kommandant von U 510 und u. a. letzter Chef der 2. U-Lehrdivision Fregattenkapitän Karl Bergelt: April 1941 bis März 1943, später Chef der 3. Sicherungs-Division Korvettenkapitän Claus Henning von Grumbkow: April 1943 bis Oktober 1944 Korvettenkapitän Georg Pinkepank: Oktober 1944 bis Auflösung der Flottille im Sommer 1946, vorher Chef der 40. Minensuchflottille (1) und der 2. Räumbootflottille
2. Minensuchflottille
Flottillengeschichte Die 2. Minensuchflottille wurde durch die Kriegsmarine 1936 aufgestellt. Die Unterstellung erfolgte, wie auch die 1. Minensuchflottille, unter den Führer der Minensuchboote, welcher mit Kriegsbeginn geteilt wurde. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs war die Flottille mit Minensuchbooten Typ 1935 ausgestattet und wurde in der Danziger Bucht eingesetzt. Ab Ende 1939 leistete sie Geleit- und Minensuchdienst in der Nordsee. Beim Unternehmen Weserübung im April 1940 gehörte sie zu verschiedenen Kriegsschiffgruppen. Die Unterstellung war unter dem Führer der Minensuchboote West bzw. später, wie auch bei Einsatz der Flottille bei der Operation Overlord, unter die aus dem Stab des Führers der Minensuchboote West aufgestellten 3. Sicherungs-Division beim Befehlshaber der Sicherung West. Nach dem Unternehmen Weserübung schloss sich bis 1944 Geleit- und Minensuchdienst vor den Niederlanden, im Kanalgebiet und vor Westfrankreich, meist im Raum Brest, an. 1945 wurde sie, nachdem Mitte September 1944 die 3. Sicherungs-Division aufgelöst worden war, der 9. Sicherungs-Division beim Befehlshaber der Sicherungsstreitkräfte unterstellt und versah Sicherungsaufgaben in der Ostsee.
Nach dem Krieg kam die Flottille in der 1. Minenräumdivision des Deutschen Minenräumdienstes zum Einsatz.
Zugehörige Einheiten 1939/40 M 2, M 6 (Untergang am 30. November 1941), M 9, M 10, M 11 (Untergang am 6. Juni 1940), M 12, M 13, M 21, M 25, M 38
1941/42 M 152, M 153 (kam mit der erneuten Aufstellung Anfang 1942 zur 7. Minensuchflottille), M 38 (kam mit der erneuten Aufstellung Mitte Mai 1942 zur 6. Minensuchflottille), M 256
1945 Minensuchboot 1943: M 606 (1948 abgewrackt), M 607 (ab 1950 Christian Ivers), M 608 (ab 1950 Harald Ivers), M 609 (1947 abgewrackt), M 611 (zur Bundesmarine), M 805 (Untergang am 11. März 1945), M 806 (1948 zur Royal Navy)
Flottillenchefs Korvettenkapitän Stanislaus Kowalczyk: von der Aufstellung 1936 bis Oktober 1938 Korvettenkapitän Kurt Thoma: Oktober 1938 bis März 1941 Fregattenkapitän Hans Rehm: April 1941 bis August 1942, später letzter Chef der 7. Sicherungs-Division Korvettenkapitän Hugo Heydel: August 1942 bis Juli 1943 Korvettenkapitän Adalbert von Blanc: September 1943 bis März 1944 Korvettenkapitän d. R. Wilhelm Ambrosius: März bis August 1944, vorher u. a. Chef der 22. U-Bootsflottille und Kommandeur der 2. U-Lehrdivision, anschließend Kommandeur der Sperrschule Kapitänleutnant Gerd Rosenow: November 1944 bis zur Auflösung der Flottille, vormals Kommandant von Minensuchbooten und Chef der 11. Minensuchflottille (2)
3. Minensuchflottille
Flottillengeschichte Die 3. Minensuchflottille wurde durch die Kriegsmarine im April 1940 aufgestellt. Bis 1942 war die Flottille in Nordnorwegen eingesetzt, kam dann in den finnischen Meerbusen. Hier übernahm sie Sicherungsaufgaben in der mittleren und westlichen Ostsee, um den Frontrückzug zu schützen. Die Flottille führte, wie auch die 1., 25. und 31. Minensuchflottille, zu Kriegsende Transporte aus dem Kurland-Kessel durch bzw. sicherte diese. Im Sommer 1945 wurde die Flottille aufgelöst.
Zugehörige Einheiten 1940 M 15, M 16, M 17, M 18, M 19, M 22, M 29, M 30, M 151
April 1943
Nach der Auflösung der 2. Flak-Jäger-Flottille, zusätzlich: Flakjäger 25 Flakjäger 26
Flottillenchefs Fregattenkapitän Hermann Knuth: von der Aufstellung im April 1940 bis August 1942 Korvettenkapitän d. R. Kurt-Joachim Schwarte: von August 1942 bis August 1943 (†), vormals Chef der 18. Minensuchflottille Korvettenkapitän d. R. Emil Kieffer: von August 1943 bis zur Auflösung der Flottille im Sommer 1945, vormals Kommandant von mehreren Minensuchbooten
4. Minensuchflottille
Flottillengeschichte Die 4. Minensuchflottille wurde durch die Kriegsmarine im September 1939 aufgestellt. Die Ausstattung erfolgte mit Minensuchbooten des Typs 16, welcher bereits im Ersten Weltkrieg eingesetzt wurde. Ab 1941 erfolgte die Umstellung auf Minensuchboote Typ 1935.
Von der Aufstellung bis in das nächste Jahr wurde die Flottille für Geleit- und Minensuchdienst in der Nordsee eingesetzt. Beim Unternehmen Weserübung im April 1940 gehörte die Flottille zur Kriegsschiffgruppe 11, welche vom Chef der Flottille, Korvettenkapitän Walter Berger, auch geführt wurde. Anschließend war sie bis ins Jahr 1941 in der Nordsee und dort v. a. im Bereich Hollands eingesetzt. Beim Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941 folgte der Einsatz der Flottille bei der Eroberung der baltischen Inseln Ösel und Dagö. Ende Juli 1940 gingen M 61, M 89 und M 136 in einer Minensperre vor Hoek van Holland verloren. Für ein Jahr wurde wieder Geleit- und Minensuchdienst, nun aber im Westraum an der Atlantikküste durchgeführt, um dann bis zur Auflösung Geleitdienst an der norwegischen Westküste durchzuführen. Die Unterstellung wechselte zum Admiral der norwegischen Nordküste. Als im Mai 1944 im Verantwortungsgebiet des Admirals der norwegischen Nordküste der 3. Küstensicherungsverband aufgestellt wurde, wurde die Flottille diesem zugeordnet. Im März 1945 wurde die 4. Minensuchflottille aufgelöst.
Zugehörige Einheiten 1939/40 M 61 (Untergang am 26. Juli 1940), M 89 (Untergang am 26. Juli 1940), M 136 (Untergang am 26. Juli 1940), M 502, M 510, M 511, M 534 ex M 134 ex Frauenlob, M 582, M 584, M 598
1941 M 1, M 2, M 36, M 81, M 101, M 132, M 151, M 203, M 204, M 255
Flottillenchefs Kapitänleutnant Archibald MacLean (* 1904): von der Aufstellung der Flottille im September 1939 bis November 1939, anschließend Offizier auf der Gneisenau Korvettenkapitän Walter Berger: von November 1939 bis Februar 1943, vorher Kommandant von T 196, später Chef der 11. Sicherungs-Division Korvettenkapitän Wolfgang Haack: von Februar 1943 bis August 1943, vorher Chef der 38. Minensuchflottille Fregattenkapitän Paul Morgenstern: von August 1943 bis März 1944, anschließend Chef des 4. Küstensicherungsverbands Kapitänleutnant Gustav-Werner Haubold: von März 1944 bis Juni 1944 mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt; Kommandant von M 36, später Chef der 38. Minensuchflottille Korvettenkapitän Hans von Quednow: von Juni 1944 bis zur Auflösung der Flottille im März 1945, anschließend Chef des 3. Küstensicherungsverbands
5. Minensuchflottille
Flottillengeschichte Die 5. Minensuchflottille wurde durch die Kriegsmarine im November 1940 aufgestellt.
Von der Aufstellung bis in das nächste Jahr wurde die Flottille für Geleit- und Sicherungsdienst in der Nordsee, wobei der Einsatz auch kurzzeitig in Südnorwegen stattfand, eingesetzt. Ab 1941 erfolgte das Verlegen von Minen von Memel zur Südspitze Schwedens. Im Mai 1941 lief die Flottille im Rahmen des Unternehmens Rheinübung gemeinsam mit der Bismarck und anderen deutschen Kriegsschiffen aus Gotenhafen aus. Ab Juni 1941 war die Flottille an der Eroberung von Libau und Windau beteiligt.
Die Flottille wurde Ende 1941 in die Ostsee beordert, um ein Minenfeld zwischen dem Fluss Memel und Südschweden zu verlegen und war dann bei der Eroberung von Libau und Windau beteiligt. Nach dem Durchbruch durch die Irbenstraße fielen die estnischen Inseln Dagö und Ösel in deutsche Hand. Hierbei beschossen Schiffe der Flottille die Halbinsel Sworbe, die bitter umkämpft war. Im Februar 1942 war die Flottille beim Kanaldurchbruch beteiligt, kam danach nach Norwegen und war hier hauptsächlich für den Geleitdienst um den Nordkap eingesetzt. Die Unterstellung wechselte zum Admiral der norwegischen Polarküste. Als im Juni 1944 im Verantwortungsgebiet des Admirals der norwegischen Nordküste der 1. Küstensicherungsverband aufgestellt wurde, wurde die Flottille diesem zugeordnet. Anfangs war der Verband noch direkt dem Kommandierenden Admiral Polarküste zugeteilt, ab September 1944 aber dann dem Kommandant der Seeverteidigung Kirkenes.
Nach dem Krieg kam die Flottille in der 4. Minenräumdivision des Deutschen Minenräumdienstes zum Einsatz. Im Oktober 1947 wurde die 5. Minensuchflottille aufgelöst.
Zugehörige Einheiten M 4, M 23, M 32, M 35, M 81, M 154 (kam mit der erneuten Aufstellung Anfang 1942 zur 7. Minensuchflottille), M 201, M 202, M 205 (kam mit der erneuten Aufstellung Anfang 1942 zur 7. Minensuchflottille), M 251, M 252, M 253
Flottillenchefs