mini|hochkant=1.7|Die Ansicht von London (2014 von Westminster aus) zeigt eine Mischung historischer und moderner Architektur, darunter der Palast von Westminster und die Spitze von The Shard, des höchsten Gebäudes der Stadt. Die Architektur in London schließt viele Architekturstile aus verschiedenen historischen Epochen ein. Der architektonische Eklektizismus Londons beruht auf seiner langen Geschichte, der kontinuierlichen Erneuerung, den Zerstörungen durch den Großen Brand von London (1666) und die deutschen Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg, in Großbritannien Blitz genannt, sowie der staatlichen Anerkennung privater Eigentumsrechte, die eine übergreifende staatliche Planung einschränkten. Dies unterscheidet London von europäischen Hauptstädten wie Paris und Rom, die architektonisch eine homogenere Gestalt aufweisen. Londons Architektur reicht vom romanischen Keep des Tower of London, der großen gotischen Kirche der Westminster Abbey, der königlichen Residenz Queen’s House im palladianischen Stil, dem barocken Meisterwerk St. Paul’s Cathedral von Christopher Wren und der hochviktorianischen Gotik des Palastes von Westminster, dem industriellen Art Deco des Kraftwerkes Battersea Power Station bis zum Nachkriegsmodernismus von The Barbican Estate und dem postmodernen Wolkenkratzer 30 St Mary Axe, genannt „The Gherkin“.

Nach dem Rückzug der Römer aus Britannien im 5. Jahrhundert bestimmte der Grundriss der römischen Siedlung den Grundriss der sächsischen und mittelalterlichen Stadt. Dieser Kern Londons ist als City of London bekannt, während Westminster, das alte Zentrum der politischen Macht, im Westen liegt. Aufgrund der fast vollständigen Zerstörung der Stadt im Großen Brand von 1666 sind relativ wenige mittelalterliche Bauwerke erhalten geblieben, mit Ausnahme des Tower of London, der Westminster Abbey, des Palastes von Westminster, der Guildhall, des St. James’s Palace, des Lambeth Palace und einiger Gebäude im Tudorstil. Nach dem Großen Brand wurde London unter der Leitung des Barockarchitekten Sir Christopher Wren wieder aufgebaut und umfassend modernisiert, mit der neuen St. Paul's Cathedral als Herzstück.

Nach einer Phase dramatischer Expansion im 18. und 19. Jahrhundert erreichte London von 1831 bis 1925 seinen Höhepunkt als größte und bevölkerungsreichste Stadt der Welt und wurde zur Hauptstadt des Britischen Empire in seiner größten Ausdehnung und Macht. In dieser Zeit dehnte sich London weit über seine historischen Grenzen hinaus aus, absorbierte viele ehemals ländliche Siedlungen und schuf riesige Vororte. Die Stadt wurde durch die industrielle Revolution weiter verändert, da Infrastrukturprojekte wie die West India Docks, der Regent's Canal, Fernbahnhöfe wie London Paddington und das weltweit erste U-Bahn-System London zur herausragenden Stadt des Industriezeitalters machten. Nach erheblichen Zerstörungen während des Blitzkriegs im Zweiten Weltkrieg und einer Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs in der Nachkriegszeit ist London wieder eine globale Kultur- und Handelshauptstadt, wobei viele neue Entwicklungen zu seinem eklektischen Stadtbild beitragen.

Im Laufe der Geschichte Londons war die Höhe von Gebäuden größtenteils begrenzt. Diese Beschränkungen wurden in der Nachkriegszeit allmählich ausgehöhlt (mit Ausnahme derjenigen, die bestimmte Ansichten der St. Paul's Cathedral schützten). Seitdem sind Hochhäuser immer zahlreicher geworden, insbesondere im 21. Jahrhundert. Im Finanzviertel der City of London und in Canary Wharf, einem neuen Finanzviertel, das in den 1980er und 1990er Jahren im ehemaligen Londoner Docklandsviertel der Isle of Dogs entstand, gibt es mittlerweile zahlreiche Wolkenkratzer. Zu den jüngsten Hochhäusern gehören der Wolkenkratzer Tower 42 aus den 1980er Jahren, das radikale Lloyd’s-Gebäude von Richard Rogers, One Canada Square: das Herzstück des Canary Wharf-Viertels und 30 St Mary Axe (Spitzname „Gherkin“), das einen Präzedenzfall für andere neuere Hochhausbauten in ähnlicher High-Tech-Architektur darstellt. Renzo Pianos 2012 fertiggestelltes The Shard ist das höchste Gebäude in London und war es vor dem Brexit auch in der Europäischen Union. Derzeit (2024) ist es das achthöchste Gebäude in Europa.

Seit 2004 findet Ende Juni das London Festival of Architecture statt und konzentriert sich auf die Bedeutung von Architektur und Design in London in der Gegenwart. Ein Viertel der britischen Architekten arbeiten in London, wo die meisten der bekanntesten Unternehmen ihren Sitz haben, darunter Zaha Hadid Architects, Norman Foster + Partners, Rogers Stirk Harbour + Partners, David Chipperfield und David Adjaye, die zu den international bekanntesten gehören. Das Wochenende der offenen Tür im September bietet jedes Jahr die Gelegenheit, Architektur zu besichtigen, die normalerweise für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, von großen öffentlichen Gebäuden wie der Bank of England bis hin zu einigen modernen Privathäusern.

Prähistorisch

Auch wenn keine vorrömische Siedlung bekannt ist, sind prähistorische Kreuzungspunkte bei Deptford und Vauxhall Bridge sowie einige prähistorische Überreste aus der Archäologie der Themse bekannt. Es ist wahrscheinlich, dass der Verlauf der Watling Street einem älteren Weg folgt. Eine alte walisische Legende besagt, dass die Stadt der Trinovanten – die dem Gott Lud (Caer Llud) geweiht ist – von den Anhängern von Brân dem Gesegneten gegründet wurde, dessen abgetrennter Kopf angeblich unter dem Kontinent zugewandten White Tower begraben liegt.

Römisches London (60–500 n. Chr.) mini|Erhaltenes Fragment der römischen Stadtmauer aus dem 3. Jahrhundert Londinium wurde ursprünglich als militärischer Handelshafen gegründet, während Camulodunum (Colchester) die erste Hauptstadt der Provinz war. Doch nach dem Boudicca-Aufstand im Jahr 61, als beide Städte dem Erdboden gleichgemacht wurden, wurde die Hauptstadt nach London verlegt, das mit der Einrichtung eines Forums und eines Provinzprätoriums schnell zur Vormachtstellung gelangte. Die Stadt war ursprünglich wie viele andere Städte in Britannien und ganz Europa als Planstadt angelegt, in einer annähernd rechteckigen Form, wobei die Südseite von der Themse gebildet wurde, und war in Blöcke (lat.: insulae) unterteilt.London Archaeology; Vol 15 Spring 2018. Zwei Ost-West-Straßen (heute Cheapside und Lower Thames Street), ausgehend von den Stadttoren Newgate und Ludgate, bildeten den Cardo und führten vermutlich zu einem oder mehreren nicht mehr vorhandenen Toren am heutigen Standort des Tower of London mit der Straße nach Canterbury und Dover. Eine Verlängerung der Watling Street bildete den Decumanus Maximus, der den Fluss von Billingsgate über die alte, hölzerne London Bridge nach Southwark überquerte, mit einer Fortsetzung in Richtung Südküste. Das Forum befand sich am heutigen Standort des Leadenhall Market und soll in der Antike das größte Gebäude nördlich der Alpen gewesen sein; Überreste können noch heute in den Kellern einiger Marktläden besichtigt werden.

Die rechteckige, ummauerte und gitterförmige Stadt erstreckte sich bald nach Westen über den Fluss Walbrook, nach Norden in Richtung der sumpfigen Moorfields und nach Osten in das Gebiet, das später als Minories bekannt wurde.London Archaeology, Ibid Dort wurde 2013 die römisch-britische Grabskulptur eines Adlers gefunden, was darauf hindeutet, dass die Minories im frühen zweiten Jahrhundert außerhalb der Stadtgrenze lagen. Ein Teil des Amphitheaters blieb unter dem Platz an der Guildhall erhalten. Reste der römischen Thermen sind im Untergeschoss der Hausnummer 100 der Lower Thames Street zugänglich. Der Platz Castrum befand sich im Nordosten der Stadt am Barbican, in der Nähe des Museum of London, wo noch Teile der römischen Londoner Mauer erhalten sind. Jahrhunderte später wurden Entfernungen von London vom Londoner Stein als Messpunkt berechnet, der einst angeblich ein Mauerwerksfragment des antiken Prätoriums am Themseufer war. Vermutlich bildeten spätrömische Privathäuser führender Christen den Unterbau der frühesten Kirchen; Mosaikreste befinden sich in der Krypta von All Hallows-by-the-Tower und mutmaßlich auch in der St. Paul's Cathedral.

Das Mittelalter (1066–1603)

mini|Panorama von London im Jahr 1616 von Claes Janszoon Visscher. Die alte London Bridge (1209) mit ihrer eigenen Häuserstraße siehe auf der rechten Seite und die Kathedrale von Southwark neben dem südlichen Torhaus. Die alte St. Paul's Cathedral dominiert die Skyline.|589x589px|links 

 Aufgrund der fast vollständigen Zerstörung der Stadt im Großen Brand von 1666 sind von der mittelalterlichen Architektur Londons nur noch wenige Überreste übrig, aber die Berichte Überlebender sowie andere Aufzeichnungen vermitteln ein lebendiges Bild der Stadt in dieser Zeit. Im Mittelalter lag London überwiegend innerhalb der Grenzen seiner römischen Stadtmauern – dem Gebiet, das heute als „City of London“ bezeichnet wird –, wobei Westminster eine separate kleinere Siedlung im Westen war. Bis zum 16. Jahrhundert gab es außerhalb der Stadtmauern eine mäßige Entwicklung – entlang der Flussufer an der Straße Strand, in Lincoln’s Inn Fields und in Smithfield – und am Südufer der Themse bei Southwark, mit der London Bridge, die jenes Gebiet mit dem Rest von London verband. Die früheste Erwähnung der London Bridge, einem Bauwerk, das wahrscheinlich aus Holz bestand, stammt aus dem 10. Jahrhundert, aber bekannter ist die Version, die zwischen 1176 und 1209 erbaut wurde. Dabei handelte es sich um eine 27 Meter breite Steinbrücke mit 19 Bögen und einer eigenen Straße mit Geschäften, Häusern, einer Kapelle und einer Zugbrücke in der Mitte, um den große Boote passieren zu lassen. Mit nur einer Brücke war die Themse das Haupttransportmittel innerhalb der Stadt. Sie ermöglichte den Zugang zum Überseehandel auf dem Seeweg. Viele Anlegestellen und Kais säumten das Nordufer. Normannisch und Gotisch

mini|Der White Tower (1080), der romanische Keep des London Tower Komplexes|292x292px

Viele der bedeutendsten Bauwerke des mittelalterlichen Londons wurden ursprünglich von den Normannen errichtet, die die Bedeutung der Architektur als Mittel zur Demonstration ihrer Macht und zur Unterwerfung der einheimischen sächsischen Bevölkerung nach der Eroberung Englands erkannten. Die normannische Eroberung war ein wichtiger Wendepunkt in der Geschichte der englischen Architektur, da sie einen neuen europäischen romanischen Stil und einen größeren architektonischen Anspruch als den ihrer sächsischen Vorgänger mit sich brachte. Fast unmittelbar nach ihrer Eroberung Englands errichteten die Normannen mehrere Festungen entlang der Themse im Zentrum Londons, um ihre Macht innerhalb der Stadt zu festigen, insbesondere den Tower of London, der noch heute erhalten ist. Der Weiße Turm als zentraler Hauptturm des Tower of London-Komplexes wurde in den 1080er Jahren im romanischen Stil fertiggestellt und dürfte das höchste Gebäude der Stadt gewesen sein. Er diente Wilhelm dem Eroberer als königliche Residenz. Ein Schlüsselelement des White Tower ist die Kapelle von St. John’s, eine der ältesten und am wenigsten veränderten romanischen Kirchen Englands, die innerhalb der Festung errichtet wurde. Die einzige andere erhaltene romanische Kirche im Zentrum Londons ist St Bartholomew-the-Great in Smithfield, als Überbleibsel einer viel größeren Prioratskirche. Der Tower of London-Komplex wurde im Laufe der Jahrhunderte durch das Hinzufügen zweier äußerer Verteidigungsmauern erheblich erweitert, so dass der Komplex Ende des 13. Jahrhunderts sein heutiges Format erreichte.