Der McLaren MP4/1 (anfänglich auch: McLaren MP/4) ist ein Formel-1-Rennwagen des britischen Motorsportteams McLaren, der 1981 debütierte und mit einigen Modifikationen als MP4/1B bzw. MP4/1C auch 1982 und 1983 an den Start ging. Er war der erste in einem Weltmeisterschaftslauf eingesetzte Rennwagen mit einem vollständig aus Kunststoffen hergestellten Monocoque. Damit war der MP4/1 revolutionär. Die Bauweise wurde im folgenden Jahrzehnt von allen Teams übernommen und ist auch gegenwärtig (Stand 2024) noch der Standard. Eine Weiterentwicklung ist der McLaren MP4/1E von 1983, der mit einem Turbomotor von Porsche ausgestattet war und bis zum Erscheinen des neu konstruierten McLaren MP4/2 als Übergangsmodell diente.
Entstehungsgeschichte Der MP4/1 war McLarens erstes Formel-1-Auto nach dem Zusammenschluss mit dem von Ron Dennis gegründeten Formel-2-Rennstall Project Four Racing. Die im Herbst 1980 vollzogene Fusion zwischen dem erfolgreichen Dennis-Team und dem von Teddy Mayer geleiteten Formel-1-Rennstall McLaren, der sich in einer schweren sportlichen Krise befand,Doug Nye: Das große Buch der Formel-1-Rennwagen. Die Dreiliterformel ab 1966. Verlagsgesellschaft Rudolf Müller, Köln 1986, ISBN 3-481-29851-X, S. 214. ging nach allgemeiner Darstellung auf den Tabakkonzern Philip Morris International zurück, der zu dieser Zeit beide Teams mit der Zigarettenmarke Marlboro sponsorte: Marlboro wollte angesichts des Umstandes, dass Dennis mit Project Four ursprünglich einen eigenen Formel-1-Rennstall etablieren wollte, die Ressourcen zukünftig bündeln.Hartmut Lehbrink, Rainer W. Schlegelmilch: McLaren Formula 1. Könemann Verlagsgesellschaft Köln 1999, ISBN 3-8290-0945-3, S. 93.David Hodges: Rennwagen von A–Z nach 1945, Stuttgart 1993, ISBN 3-613-01477-7, S. 226.Ron Dennis ergänzte drei Jahrzehnte später, Philip Morris habe die Formel-1-Ambitionen von Project Four nicht unterstützen wollen. Er habe das McLaren-Team notgedrungen aufkaufen müssen, um in den Genuss des Marlboro-Sponsorings zu gelangen. Vgl. Simon Taylor: Lunch with Ron Dennis: Interview in Motor Sport, November 2012. Die Bezeichnung MP4, die von 1981 bis 2016 bei allen McLaren-Autos verwendet wurde und die jedenfalls ursprünglich für Marlboro Project Four stand,David Hodges: Rennwagen von A–Z nach 1945, Stuttgart 1993, ISBN 3-613-01477-7, S. 184. macht diese Verbindung deutlich.
Die ersten Planungen für den MP4/1 begannen 1979 bei Project Four. Verantwortlicher Ingenieur war John Barnard. Nach der Fusion von Project Four und McLaren ersetzte der MP4/1 ab 1981 die bisherigen McLaren-Modelle M29 und M30, mit denen das Team 1979 und 1980 angetreten waren. Beide waren schwache Konstruktionen, wobei der M30 sogar noch schlechter war als der unmittelbare Vorgänger.Hartmut Lehbrink, Rainer W. Schlegelmilch: McLaren Formula 1. Könemann Verlagsgesellschaft, Köln 1999, ISBN 3-8290-0945-3, S. 93. Der MP4/1 war ein zukunftsweisend konstruiertes Fahrzeug, dessen technische Merkmale im Laufe der nächsten Jahre alle Konstrukteure übernahmen. Er blieb in der Saugmotorversion bis zum Spätsommer 1983 in drei Versionen im Einsatz. Gegen Ende der Saison 1983 erschien der von TAG finanzierte und von Porsche entwickelte Sechszylinder-Turbomotor, auf den McLaren exklusiv Zugriff hatte. Weil McLaren seinen Sponsoren – möglicherweise auf Druck von Niki Lauda, der nach einigen schlechten Qualifikationsergebnissen mit dem MP4/1C einen Verlust der Wettbewerbsfähigkeit bei zu langem Festhalten an Saugmotoren fürchtete – einen Einsatz des Porsche-Motors noch 1983 zugesagt hatte, das speziell für ihn konstruierte Chassis MP4/2 aber noch nicht fertig war, baute McLaren Ende 1983 drei MP4/1C so um, dass sie die Porsche-Motoren aufnehmen konnten. Dieses Interimsmodell erhielt die Bezeichnung MP4/1E. Es wurde mit dem Debüt des MP4/2 beim ersten Rennen der Saison 1984 überflüssig.
Modellbeschreibung Chassis mini|Vollmonocoque aus Kunststoff Der McLaren MP4/1 hat ein Vollmonocoque aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff. Diese Konstruktionsweise wurde vorher bei keinem anderen Formel-1-Auto verwirklicht. Sie findet sich auch bei dem ebenfalls 1981 erschienen Lotus 88, der allerdings im Gegensatz zum McLaren MP4/1 bei keinem Rennen an den Start ging.
Die Kunststoffmatten für den McLaren produzierte der Luftfahrtzulieferer Hercules Aerospace in Salt Lake City. Zur Verstärkung wurden Wabenplatten aus Aluminium eingebaut. Hercules baute auch die ersten zwei oder drei Monocoques, weil McLaren Anfang 1981 noch nicht über einen eigenen Autoklav verfügte. McLarens Monocoques waren die größten Gegenstände, die Hercules bis dahin gefertigt hatte. Einige Anbauteile waren wie bei früheren Rennwagen noch aus Aluminium. Dazu gehörte unter anderem die Fahrzeugnase.Doug Nye: Das große Buch der Formel-1-Rennwagen. Die Dreiliterformel ab 1966. Verlagsgesellschaft Rudolf Müller, Köln 1986, ISBN 3-481-29851-X, S. 215.
Der MP4/1 war von Beginn an als Wing Car entworfen: Der Boden und die Seitenkästen sind so profiliert, dass ein Bodeneffekt entsteht. Die Seitenkästen schließen den Unterboden ab und verstärken damit den Saugeffekt. Das Konzept war 1981 und 1982 erfolgreich. Für die Saison 1983 traten allerdings wesentliche Regeländerungen in Kraft. Flügelprofile in den Seitenkästen waren nunmehr verboten, und die Unterböden mussten komplett glatt sein, sodass sie keinen Saugeffekt mehr produzierten.Zum Verbot der Flügelautos und seinen Auswirkungen vgl. Cimarosti: Das Jahrhundert des Rennsports. 1997, S. 327. McLaren versah die Autos für 1983 daraufhin mit glatten Unterböden.
Fahrwerk Das Fahrwerk des McLaren MP4/1 wird als konventionell beschrieben.Ian Bamsey: The 1000 bhp Grand Prix Cars, 1988 (G.T. Foulis & Co. Ltd), ISBN 978-0-85429-617-0, S. 129. Für die erste Version des MP4/1 verwendete McLaren wie fast alle anderen Teams Koni-Stoßdämpfer. Mit der Einführung des MP4/1B zur Saison 1982 wechselte McLaren exklusiv auf Gasdruckstoßdämpfer von Bilstein, die in einem größeren Temperaturbereich arbeiteten und keine besondere Kühlung erforderten.Ian Bamsey: The 1000 bhp Grand Prix Cars, 1988 (G.T. Foulis & Co. Ltd), ISBN 978-0-85429-617-0, S. 135.
Antrieb mini|Cosworth DFV Der McLaren MP4/1 wird wie die meisten früheren Rennwagen des Teams von einem 3,0 Liter großen Achtzylinder-Saugmotor von Cosworth angetrieben. 1981 sowie zu Beginn der Saison 1982 war es ein Cosworth DFV, der in seiner Grundkonstruktion ungeachtet dessen, dass viele Teams nach und nach auf Turbomotoren umstellten, zu dieser Zeit noch immer das am weitesten verbreitete Triebwerk war. McLaren verwendete exklusiv eine spezielle Version des DFV, die das von John Nicholson gegründete Unternehmen Nicholson-McLaren Racing Engines vorbereitete und unter anderem mit besonderen Kolben und Pleueln ausgestattet war. Die Leistung dieser Motoren lag mit 510 PS geringfügig über den herkömmlichen DFV-Einheiten.
Ab 1982 kam der Cosworth DFY zum Einsatz, eine von McLaren, Williams und Tyrrell finanzierte Weiterentwicklung des DFV, die nur diesen drei Cosworth-Kunden zur Verfügung stand. Die Leistung des DFY lag bei etwa 530 PS, (abgerufen am 13. Mai 2024). die maximale Drehzahl betrug 11.500 Umdrehungen pro Minute.
Die Kraftübertragung übernahm – wie bei fast allen Rennwagen dieser Generation – ein handgeschaltetes Fünfganggetriebe von Hewland (Baureihe FG400A).Adriano Cimarosti: Das Jahrhundert des Rennsports, Motorbuch Verlag Stuttgart 1997, ISBN 3-613-01848-9, S. 317. Treibstoff und Schmiermittel bezog McLaren in allen drei Jahren von Valvoline.
Reifen 1981 begann McLaren die Saison wie alle anderen Teams mit Reifen des französischen Herstellers Michelin, der nach dem Rückzug von Goodyear im Spätherbst 1980 zunächst Alleinausrüster der Formel 1 war.Mit Beginn der europäischen Saison wechselte Fittipaldi zu Avon, während Toleman einen Vertrag mit Pirelli schloss. Diese Verbindungen waren jeweils exklusiv. Zum Großen Preis von Frankreich kehrte Goodyear in die Formel 1 zurück, rüstete zunächst aber nur Williams und Brabham aus. Später kamen weitere Teams hinzu. McLaren blieb allerdings bei Michelin und war zum Saisonende der einzige britische Rennstall, der noch mit Michelin-Reifen fuhr. Im Gegensatz zu den meisten anderen Teams behielt McLaren die Beziehung zu Michelin auch 1982 und 1983 bei. Ab 1982 war McLaren neben der Équipe Ligier das einzige Cosworth-Team mit Michelin-Reifen.
Varianten des MP4/1 McLaren MP4/1 Der McLaren MP4/1 war die Basisversion der Modellfamilie, die in der ursprünglichen Form nur in der Saison 1981 eingesetzt wurde.
McLaren MP4/1B mini|McLaren MP4/1B Für die Saison 1982 entwickelte Barnard den MP4/1 in Details weiter. Die Überarbeitung betraf in erster Linie die Aerodynamik und verfolgte vor allem das Ziel, den Abtrieb zu erhöhen.David Hodges: A–Z of Grand Prix Cars 1906–2001, 2001 (Crowood Press), ISBN 1-86126-339-2, S. 161. Den Änderungen waren umfangreiche Tests im Windkanal des National Maritime Institute in Feltham vorausgegangen.Doug Nye: Das große Buch der Formel-1-Rennwagen. Die Dreiliterformel ab 1966. Verlagsgesellschaft Rudolf Müller, Köln 1986, ISBN 3-481-29851-X, S. 216. Weitere Modifikationen gab es am Fahrwerk; außerdem wurde das Gewicht der Autos deutlich gesenkt. Beim Antrieb gab es – abgesehen vom Wechsel zu Cosworth-DFY-Motoren – keine Änderungen. Zwei bereits 1981 hergestellte Autos wurden im Rahmen dieses Prozesses zum MP4/1B umgebaut; im Laufe des Jahres kamen drei weitere Chassis hinzu, die neu hergestellt wurden und von Beginn an der B-Konfiguration entsprachen.
McLaren MP4/1C Für die Saison 1983 setzte McLaren weiterhin auf John Barnards MP4/1.
Zu Saisonbeginn traten wesentliche Regeländerungen in Kraft. Im Gegensatz zu den vorangegangenen Jahren waren Flügelprofile in den Seitenkästen jetzt verboten und die Unterböden mussten komplett glatt sein, sodass sie keinen Saugeffekt mehr produzierten.Zum Verbot der Flügelautos und seinen Auswirkungen vgl. Adriano Cimarosti: Das Jahrhundert des Rennsports, Motorbuch Verlag Stuttgart 1997, ISBN 3-613-01848-9, S. 327. Um den neuen Regeln gerecht zu werden, wurden die Unterböden aller MP4/1B ersetzt. Die so modifizierten Autos erhielten die Bezeichnung MP4/1C. Änderungen bei der Antriebstechnik oder im Erscheinungsbild blieben auf Details beschränkt.
Produktion McLaren produzierte von 1981 bis 1983 insgesamt acht Chassis der MP4/1-Familie.Übersicht über die McLaren-MP4/1-Familie auf www.oldracingcars.com (abgerufen am 9. Mai 2024).
Vier Chassis mit den Bezeichnungen MP/4-1 bis MP/4-4 entstanden 1981. Zwei von ihnen (MP4/1-1 und MP4/1-3) kamen nur 1981 zum Einsatz, die beiden anderen wurden jeweils für die Saison 1982 zum MP4/1B und sodann für die Saison 1983 zum MP4/1C umgebaut.
Ergänzend dazu baute McLaren für die Saison 1982 drei weitere Chassis, die von Beginn an der B-Konfiguration entsprachen (MP4/1-5, MP4/1-6 und MP4/1-7). Alle drei wurden für die Saison 1983 zu MP4/1C umgebaut. Die Chassis MP4/1-5, MP4/1-6 und MP4/1-7 erfuhren Ende 1983 noch mal tiefgreifende Modifikationen: Sie wurden für die Aufnahme des Porsche-Turbomotors umgebaut und gingen als McLaren MP4/1E an den Start.
Ein einzelnes Chassis (MP4/1-8) entstand 1983 schließlich unmittelbar in C-Konfiguration.
Lackierung und Sponsoren Der MP4/1 war in allen drei Jahren weiß-rot lackiert. Das Farbmuster entsprach dem, das die Autos aller Teams zeigten, deren Hauptsponsor Marlboro war. Der Marlboro-Schriftzug wurde auf den Seitenkästen, auf den Seiten der Motorabdeckung, auf der Fahrzeugnase sowie auf den Flächen des Heckflügels gezeigt. Hinzu kamen Unipart, ein zu British Leyland gehörender Hersteller von Ersatzteilen für Automobile, und einige technische Ausrüster wie Michelin und Valvoline, die mit kleineren Aufklebern vertreten waren. Im Laufe der drei Jahre, in denen die MP4/1-Familie an den Start ging, änderten sich die Lackierung der Autos und das Sponsorenmuster nur geringfügig.
Renneinsätze 1981