mini|Pétanque-Spieler in Cannes 2003 mini|Boule-Kugeln mit „Schweinchen“ mini|Öffentliches Boulodrome in La Palmyre, einem Ortsteil von Les Mathes in Frankreich
Pétanque (okzitanisch petanca []) ist ein den Boule-Spielen zugeordneter Präzisionssport. Dabei versuchen zwei Mannschaften, eine bestimmte Anzahl von Kugeln so nahe wie möglich an eine vorher ausgeworfene Zielkugel zu werfen. Im Wettkampf stehen sich jeweils drei Spieler (Triplette), zwei (Doublette) oder nur einer (Tête-à-tête) gegenüber. Pétanque wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in Südfrankreich erfunden. 1959 fand die erste Weltmeisterschaft in Belgien statt. 1963 wurde in Bonn der erste Petanque-Club Deutschlands gegründet.
Pétanque ist in der Fédération Internationale de Pétanque et Jeu Provençal (F.I.P.J.P.) organisiert. Dem Verband untersteht in Deutschland der Deutsche Pétanque-Verband (DPV), in der Schweiz der Fédération Suisse de Pétanque (FSP) und in Österreich der Österreichische Pétanque Verband (ÖPV).
Geschichte Vorgeschichte Die Geschichte der Kugelspiele lässt sich bis in das 5. Jahrhundert v. Chr. zurückverfolgen, als der griechische Arzt Hippokrates von Kos ein mit Steinkugeln gespieltes Spiel lobend erwähnte. Im 2. Jahrhundert nach Christus beschrieb der griechische Gelehrte Iulius Pollux ein Spiel, bei dem zwei Spieler einen entfernten Ziegelstein mit ihren Steinkugeln treffen mussten. auf petanque-dpv.de, abgerufen am 9. Februar 2014.
In einem gerichtlichen Verbot des Kugelspiels von 1629 hieß es: Boule verführt zu lasterhaften Ausschweifungen und ist Ursache sonstiger Unverschämtheiten.Martin Koch: Das Boule-Spiel Petanque. Berlin 2013, ISBN 978-3-87892-078-6, S. 100/101. Trotzdem verbreitete sich das Spiel weiter – besonders beliebt war es unter Soldaten, woran einige der zentralen Boule-Begriffe erinnern: So war der Tireur derjenige, der den Zünder einer Kanone betätigte und pointer bedeutet wörtlich übersetzt (das Geschütz) richten. Die Leidenschaft für Kugeln ging so weit, dass der Magistrat Lyons im Jahr 1824 eine Verordnung erließ, die das Spielen mit Kugeln auf den Hauptstraßen der Stadt verbot.Martin Koch: Das Boule-Spiel Petanque. Berlin 2013, ISBN 978-3-87892-078-6, S. 101. 70 Jahre später wurde das erste Turnier des Präzisionssports Boule Lyonnaise ausgetragen, aus dem das Jeu Provençal abstammt, das mit den kleineren und leichteren Kugeln, die später auch im Pétanque Verwendung fanden, gespielt wird. Pétanque wiederum hat seinen Ursprung im Jeu Provençal.Martin Koch: Das Boule-Spiel Petanque. Berlin 2013, ISBN 978-3-87892-078-6, S. 102.
Geburtsstunde des Pétanque mini|Der Ursprung des Pétanque: Hinweisschild im Boulodrome Jules Le Noir in La Ciotat Anfang des 20. Jahrhunderts lebte Jules Le Noir im südfranzösischen La Ciotat, nahe der Gemeinde Cassis. Er war als guter Boulespieler bekannt, der aber aufgrund eines Rheumaleidens nicht mehr in der Lage war, die drei Anlaufschritte zu machen, die das heute noch populäre Jeu Provençal verlangt.Joachim Kopp: Pétanque: Grundlagen, Technik, Taktik, Training, Spielformen. München 2012, ISBN 978-3-7679-1079-9, S. 13. Außerdem liegen die Distanzen zwischen Abspielkreis und Zielkugel zwischen 15 und 21 Metern. Sein Freund Ernest Pitiot erfand daraufhin im Jahre 1907 ein Spiel, das auf kürzere Entfernung und ohne Anlauf gespielt wird. Geschlossene Füße (französisch pieds tanqués) heißt im provenzalischen Südfranzösisch ped tanco.Martin Koch: Das Boule-Spiel Petanque. Berlin 2013, ISBN 978-3-87892-078-6, S. 98/99.
Entwicklung seit dem Zweiten Weltkrieg Ernest Pitiot gründete 1945 die Federation Francaise de Pétanque et Jeu Provençal (F.F.P.J.P.). Vorher war der Verband für Kugelspieler in staatlicher Hand und es nicht möglich, einen Nebenverband zu gründen. 1952 wurde Pétanque im französischen Sportbund aufgenommen.Martin Koch: Das Boule-Spiel Petanque. Berlin 2013, ISBN 978-3-87892-078-6, S. 103. Die Präsidenten der Mitgliedsländer von Belgien, Frankreich, Marokko, Monaco, der Schweiz, Spanien und Tunesien trafen sich 1957 im belgischen Spa, wo sie den Beschluss fassten, einen internationalen Verband zu gründen. auf fipjp.com, abgerufen am 25. Mai 2014. (englisch) Am 8. März 1958 gründeten sie in Marseille die Fédération Internationale de Pétanque et Jeu Provençal (F.I.P.J.P.).Martin Koch: Das Boule-Spiel Petanque. Berlin 2013, ISBN 978-3-87892-078-6, S. 105. 1959 fand die erste Weltmeisterschaft in Spa statt, gefolgt von Cannes (1961), Casablanca (1963), Genf (1964) und Madrid im Jahr 1965. Seit 1987 finden als Ergänzung zu den klassischen Weltmeisterschaften alle zwei Jahre die Weltmeisterschaft für Frauen und die Jugend statt.
Aufgrund von Problemen im Management der FIPJP trat Frankreich 1964 aus der Föderation aus. Seit 1970 ist Frankreich wieder Mitglied der FIPJP. Über französische Garnisonen fand Pétanque auch in Deutschland Anklang.Joachim Kopp: Pétanque: Grundlagen, Technik, Taktik, Training, Spielformen. München 2012, ISBN 978-3-7679-1079-9, S. 18/19. In Bad Godesberg, einem Stadtbezirk Bonns, wurde mit dem 1. Boules Club Pétanque Bad Godesberg e. V. am 13. Mai 1963 der erste deutsche Pétanque-Club Deutschlands gegründet. auf boule-godesberg.de, abgerufen am 6. Juni 2014. Am 1. Dezember 1984 wurde der Deutsche Pétanque-Verband (DPV) gegründet, der seither die deutschen Meisterschaften ausrichtet und die Teilnehmer für die alljährlichen Weltmeisterschaften ermittelt.Die Geschichte des Boule-Spieles. auf petanque-dpv.de, abgerufen am 25. Mai 2014.
Heute ist Pétanque in einigen regelmäßig stattfindenden Sportwettkampfveranstaltungen vertreten: So unter anderem in den World Games, den Indian Ocean Island Games, den Mittelmeerspielen, den Asian Indoor Games, den Pazifikspielen sowie seit 2001 in den Südostasienspielen.
Von den derzeit 94 Mitgliedsländern mit insgesamt etwa 600.000 Mitgliedern (Stand: September 2014) stammt der überwiegende Teil aus Europa und Afrika. auf fipjp.com, abgerufen am 9. Juli 2014. (französisch) Ende 2020 hatte der DPV 22994 Mitglieder in 717 Vereinen.
Reglement Die Grundregeln des Pétanque sind einfach und werden in der Regel auch von Freizeitspielern befolgt. Die Regeln werden hier nur in den Grundzügen dargestellt. Auf die ausführlichen Regeln, die bei Pétanque-Sportveranstaltungen zu beachten sind, wird in Fußnoten hingewiesen.Die ausführlichen (PDF; 55 kB) finden sich auf der Website des DPV. Ebenfalls findet sich dort eine kürzere Darstellung (PDF; 431 kB)
Gespielt wird auf jedem Gelände; ein ebenes, glattes Spielfeld oder Banden wie bei der italienischen Variante Boccia bzw. bei der Bowls-Variante sind nicht erforderlich. Wenn in abgegrenzten Feldern gespielt wird, müssen diese Spielfelder bei Meisterschaften 15 × 4 m betragen, mindestens aber 12 × 3 m groß sein.Für exakte Angaben siehe: „Pétanque-Regeln des DPV gemäß der F.I.P.J.P.“, Artikel 5 Sehr viel kleinere Felder sind für das Pétanque-Spiel nicht geeignet (siehe auch Boulodrome).
Formationen Beim Pétanque stehen einander immer zwei Formationen gegenüber, jede verfügt über die gleiche Anzahl Kugeln. Folgende Formationen sind üblich:
1 Spieler gegen 1 Spieler (tête à tête) – 3 KugelnBei offiziellen Wettbewerben sind nur von der FIPJP zugelassene Kugeln erlaubt, Näheres siehe Wettkampfkugeln sowie „Pétanque-Regeln des DPV gemäß der F.I.P.J.P.“ Artikel 2 pro Spieler (6 Kugeln) 2 Spieler gegen 2 Spieler (doublette) – 3 Kugeln pro Spieler (12 Kugeln) 3 Spieler gegen 3 Spieler (triplette) – 2 Kugeln pro Spieler (12 Kugeln).
Beim Training, beim freien Spiel und beim Supermêlée spielen auch unterschiedliche Formationen gegeneinander. Für die besondere Situation, dass 7 Pétanque-Spieler aufeinandertreffen, gibt es den sogenannten Berliner.
Aufnahme Das Spiel ist in Spielabschnitte, sogenannte Aufnahmen unterteilt. In jeder Aufnahme wird zunächst die Zielkugel geworfen, anschließend spielen beide Mannschaften nach einer besonderen Reihenfolge all ihre Kugeln – es sei denn ein Team hat 13 Punkte erreicht und die andere Mannschaft hat keine Kugeln mehr. die Zielkugel ist ins Aus gegangen.Über die Maße und Beschaffenheit der Zielkugel und das Auswerfen derselben gibt es für Sportveranstaltungen genaue Regeln. Das gilt auch für die Lage der Zielkugel auf verbotenem Gelände (umgangssprachlich im Aus). Siehe vor allem „Pétanque-Regeln des DPV gemäß der F.I.P.J.P.“, vor allem Artikel 3, 6, 7, 8, 9
Zu Beginn des Spiels wird durch Auslosen ermittelt, welche Mannschaft das Spielgelände aussuchen darf und als erstes die Zielkugel wirft (das Aussuchen des Spielfeldes erübrigt sich, wenn, wie auf manchen Turnieren, Spielfelder zugewiesen werden). Ein beliebiger Spieler der so ermittelten Mannschaft zieht einen Wurfkreis oder legt einen Wurfkreis aus Vollmaterial auf die Erde. Aus diesem Kreis wirft nun ein Spieler derselben Mannschaft die Zielkugel auf 6 bis 10 m.
Derjenige Spieler, der den Kreis zieht und die Zielkugel wirft, kann die erste Kugel werfen, dies kann aber auch ein anderer Spieler derselben Mannschaft tun.
Nach dem Auswerfen der Zielkugel: wirft nun ein Spieler derselben Mannschaft eine Kugel in Richtung Zielkugel. (Diese Kugel hat zunächst den Punkt.) dann wirft ein Spieler der anderen Mannschaft eine Kugel in Richtung Zielkugel. Ist diese näher an der Zielkugel als die Kugel der gegnerischen Mannschaft (die den Punkt hat), ist die erste Mannschaft mit dem Werfen einer Kugel an der Reihe. Ansonsten muss dieselbe Mannschaft weiterwerfen, bis sie den Punkt oder keine Kugeln mehr hat. mini|Beispiel-Spielsituation; Das Team mit den dunklen Kugeln hat zwei Punkte mini|Beispiel-Spielsituation; Das Team mit den hellen Kugeln hat einen Punkt Es muss immer ein Spieler der Mannschaft eine Kugel werfen, die nicht den Punkt aber noch nicht geworfene Kugeln hat. Hat eine Mannschaft keine Kugeln mehr, kann die andere Mannschaft die noch nicht geworfenen Kugeln spielen. Am Ende einer Aufnahme erhält die Mannschaft Punkte, deren Kugel am nächsten an der Zielkugel liegt. Sie erhält so viele Punkte wie sie Kugeln hat, die näher an der Zielkugel liegen als die beste Kugel der gegnerischen Mannschaft. Es können also maximal sechs, beim Tête-à-tête drei, Punkte pro Aufnahme erzielt werden.
Es gibt zahlreiche Regelfeinheiten. So gilt z. B. für den Fall, dass die Zielkugel auf verbotenes Gelände (ins Aus) gelangt: Haben beide Mannschaften noch nicht gespielte Kugeln oder keine Kugeln mehr, erhält keine Mannschaft einen Punkt (Null-Aufnahme) Hat nur eine Mannschaft noch nicht gespielte Kugeln, so zählen diese je einen Punkt.
Kugeln, die im verbotenen Gelände liegen oder es überqueren, sind ungültig.Genaueres findet sich unter „Pétanque-Regeln des DPV gemäß der F.I.P.J.P.“, Artikel 18.
mini|Messen mit dem Zirkel
Dann beginnt die nächste Aufnahme. Es beginnt die Mannschaft, die den Punkt gemacht hat. Diese zieht oder legt zunächst den Wurfkreis um die Stelle, an der am Ende der vorherigen Aufnahme die Zielkugel lag,Über den Wurfkreis gibt es vor allem hinsichtlich des Durchmessers und der Lage genaue Angaben. Dies gilt vor allem für die Lage des Wurfkreises ab der zweiten Aufnahme. vgl. dazu „Pétanque-Regeln des DPV gemäß der F.I.P.J.P.“, vor allem Artikel 6, 7, 9 und 12 wirft aus diesem die Zielkugel sowie die erste Kugel. Diese und weitere Aufnahmen verlaufen ansonsten wie die erste Aufnahme.
Ende des Spiels
Eine Begegnung geht, wenn keine Zeitbegrenzung für die Veranstaltung gilt, bis 13 Punkte. Es werden also mindestens drei Aufnahmen (im Tête-à-Tête mindestens fünf Aufnahmen) gespielt. „Es besteht jedoch die Möglichkeit, die Vorrunden- (‚poules‘) oder die Entscheidungsspiele (‚cadrage‘) nur bis zum Erreichen von 11 Punkten zu spielen.“Zitiert aus „Pétanque-Regeln des DPV gemäß der F.I.P.J.P.“ gültig ab 1. Januar 2007, Artikel 5