Albi (okzitanisch gleichlautend) ist eine französische Stadt und Gemeinde in der Region Okzitanien mit Einwohnern (Stand: ). Sie ist die Hauptstadt des Départements Tarn und Sitz eines katholischen Erzbischofs. Ihre Einwohner werden Albigenser (französisch: Albigeois) genannt. 2010 wurde das Ensemble des Bischofsviertels in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.

Geografie Albi liegt rund 80 Kilometer nordöstlich von Toulouse in der Mitte Südfrankreichs. Durch Albi fließt der Fluss Tarn.

Geschichte mini|hochkant|Rathaus von Albi Bereits die Römer haben eine Stadt namens Civitas Albiensium angelegt. Im Jahre 843 übernahm Karl der Kahle die Herrschaft über die Stadt.

Nach Albi wird die religiöse Gemeinschaft der Katharer, die im Mittelalter schweren Verfolgungen durch die Kirche ausgesetzt war, auch Albigenser genannt. In den Albigenserkriegen zwischen 1209 und 1229 wurde Albi beinahe vollständig zerstört.

Im Jahre 1678 wurde die Stadt Sitz eines Erzbischofs, seit 1790 ist sie Präfektur des Départements Tarn.

Aufgrund der nahegelegenen Ansiedlung des Stahlunternehmens Société des Haute-furaux, forge et aciéries du Saut-du-Tarn und der von Jean Jaurès unterstützen Streiks von Carmaux gründete sich 1896 die durch Arbeiter selbstverwaltete Glashütte von Albi, die unter anderem von Rudolf Diesel als sichtbares Beispiel für frühe Produktionsgenossenschaften referenziert wurde. Das Unternehmen besteht bis heute als Genossenschaft VOA Verrerie d'Albi zur Herstellung technischer Gläser fort.

Albi in der Zeit des Vichy-Regimes In Saint-Antoine befand sich 1940 das unter dem Namen Camp de la Viscose bekannte Internierungslager, wo „neben Zivilinternierten sechs Prestatairekompagnien untergebracht“ waren.Christian Eggers: Unerwünschte Ausländer. Juden aus Deutschland und Mitteleuropa in französischen Internierungslagern 1940–1942, Metropol Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-932482-62-X, S. 73 f. Nach der Fondation pour la mémoire de la déportation (FMD)Fondation pour la mémoire de la déportation (Homepage) hielten sich in dem Lager im Juli – August 1940 886 Internierte auf, darunter 112 Deutsche, von denen wiederum 86 jüdischen Glaubens waren. Viele dieser Deutschen hatten zuvor in der Internationalen Brigade im Spanischen Bürgerkrieg gekämpft.Fondation pour la mémoire de la déportation: Camp d'internement „Camp de la Viscose“

Nach der Kapitulation Frankreichs am Ende des Westfeldzugs verlangten die deutschen Besatzer auch die Auslieferung der in Albi internierten Deutschen. Die französischen Behörden widersetzten sich zunächst diesem Verlangen mit der Begründung, die Prestataires seien Zivilinternierte, die den französischen Soldaten gleichgestellt seien; sie dürften nicht an Deutschland ausgeliefert werden. Im Laufe des Augusts beugten sich die Franzosen jedoch, und am 8. Oktober 1940 wurden 674 Deutsche aus dem Camp de la Viscose an die deutschen Behörden übergeben. Über deren Schicksal ist nichts bekannt.

Jean Joseph Aimé Moussaron, der Erzbischof von Albi, war 1942 Mitunterzeichner eines Protestbriefs gegen die unmenschliche Behandlung der Juden durch das Vichy-Regime. Er wies die Geistlichen des Departements an, beim Verstecken jüdischer Kinder zu helfen und taufte auch jüdische Familien, um sie vor Verfolgungen zu schützen.Jean-Aimé Moussaron in Yad Vashems The Righteous Among the Nations Database

Moussaron organisierte auch die heimliche Aufnahme jüdischer Flüchtlinge in bestimmten katholischen Einrichtungen der Region. Am 12. Juni 1944 wurde er von der Gestapo verhaftet und für acht Tage im Gefängnis von Toulouse inhaftiert.Pierre-Jean Pyrda: Mgr Moussaron au paradis des Justes, LADEPECHE.fr, 5. Juli 2010 Am 21. Juli 2009 wurde Jean-Aime Moussaron von der Gedenkstätte Yad Vashem als Gerechter unter den Völkern anerkannt.

Von 1943 bis 1944 war Albi Sitz einer Garnison der Wehrmacht.

In einem Bericht von in Toulouse stationierten amerikanischen Quäkern vom 17. Oktober 1945 wird von einem sowjetischen Lager zwei Kilometer außerhalb von Albi berichtet. Dort sollen sich 1.200 Männer aufgehalten haben, alles russische Soldaten, die in Deutschland im Untergrund gekämpft hätten. Sie alle seien bereit gewesen, sofort in die UdSSR zurückzureisen.CAMP SOVIETIQUE D’ALBI: Rapports de visite du secours Quaker de Toulouse Dass es sich um russische Soldaten gehandelt habe, die in Deutschland im Untergrund gekämpft hätten, ist jedoch sehr unwahrscheinlich. Vermutlich handelte es sich um von den Alliierten aus deutschen Lagern befreite Russen, für die mehrere Lager in Frankreich eingerichtet worden waren, darunter das Lager Camp de Creysse bei Creysse (Dordogne).Histoire pénientiaire et Justice militaire: Des Soviétiques en Périgord en 1945 : «le camp de Creysse» (janvier – août 1945)

Wappen

Sehenswürdigkeiten mini|Hôtel de Saunal, 16. Jahrhundert Bischofsviertel (Cité épiscopale d'Albi): Das Bischofsviertel ist das Herzstück der historischen Altstadt Albis, mit der Kathedrale Sainte-Cécile, der Kirche Saint-Salvi, dem Bischofspalast (Palais de la Berbie) und der Pont Vieux. 2010 wurde dieses urbane Ensemble in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Museum Toulouse-Lautrec d’Albi: Im Bischofspalast befindet sich ein Museum, welches dem in Albi geborenen Maler Henri de Toulouse-Lautrec gewidmet ist. Neben vielen seiner Werke sind auch zahlreiche Gemälde anderer Künstler, wie etwa Edgar Degas und Auguste Rodin, zu sehen.

Siehe auch: Liste der Monuments historiques in Albi

Bildungsstätten École nationale supérieure des mines d’Albi-Carmaux Institut national universitaire Jean-François Champollion

Landwirtschaft

Im Umkreis wird ein Großteil der Nahrungsversorgung der Stadt in Permakultur angebaut. Bis 2020 soll Albi sich durch Produkte aus einem Umkreis von 60 km komplett selbst versorgen. Damit soll die Stadt Vorbild für andere Städte in Europa sein.

Verkehr mini|Bahnhof Albi-Ville Im Jahr 1858 erhielt die Stadt einen ersten Bahnhof an der Bahnstrecke Castelnaudary–Rodez, den heutigen Bahnhof Albi-Madeleine. Er wurde bald darauf von der Compagnie des chemins de fer du Midi übernommen und liegt im gleichnamigen Stadtteil abseits der Altstadt am jenseitigen Ufer des Tarn.

Der Bahnhof Albi-Ville befindet sich am Rand der Innenstadt in der Fortsetzung dieser Strecke. Er wurde 1864 von der Compagnie du chemin de fer de Paris à Orléans (PO) eröffnet, im selben Jahr ging die Zweigstrecke nach Tessonnières in Betrieb. 1899 kam die Bahnstrecke Albi–Saint-Juéry hinzu, auf der 1934 der Personenverkehr wieder eingestellt und die 1941 stillgelegt wurde.

Aktuell wird Albi-Ville von Regionalzügen des TER Occitanie bedient.

Persönlichkeiten mini|hochkant|Denkmal für Jean-François de Lapérouse Söhne und Töchter: Claude Boyer (1618–1698), Bühnenautor und Mitglied der Académie française Michel Le Clerc (1622–1691), Bühnenautor, Übersetzer und Mitglied der Académie française François Sudre (1787–1862), Musiklehrer und Erfinder der Plansprache Solresol Raymond Adolphe Séré de Rivières (1815–1895), Ingenieur und General François Combes (1816–1890), Geschichtsschreiber Auguste Miquel (um 1816–1851), Mathematiker Taxile Doat (1851–1938), Keramiker Edouard de Perrodil (1860–1931), Radsportler, Autor und Journalist. Henri de Toulouse-Lautrec (1864–1901), Maler und Lithograph Adolphe Marty (1865–1942), Komponist und Organist Pierre Benoit (1886–1962), Schriftsteller Michel Folco (* 1943), Fotograf und Schriftsteller Joële Van Effenterre (* 1945), Filmeditorin und Regisseurin Marie-Christine Boutonnet (1949–2026), Politikerin Gérard Onesta (* 1960), Politiker, von 1999 bis 2009 Stellvertretender Präsident des Europäischen Parlaments Pierre Boussaguet (* 1962), Jazzmusiker Anne Zenoni (* 1971), Fußballnationalspielerin Cédric Coutouly (* 1980), Radrennfahrer Virginie Michanol (* 1985), Sprinterin Youssef Ben Ali (* 1987), katarisch-tunesischer Handballspieler Maïva Hamadouche (* 1989), Boxerin Lilian Calmejane (* 1992), Radrennfahrer Billal Bennama (* 1998), Boxer Alexa Lemitre (* 1998), Hindernisläuferin

Personen mit Beziehung zur Stadt:

Pierre Amalric (1923–1999), französischer Augenarzt und Geschichtswissenschaftler Jean-François de Lapérouse (1741–1788), Seefahrer, Weltumsegler und Geograph, im Château de Gô bei Albi geboren. In Albi ist ein Gymnasium nach ihm benannt Georges Pompidou (1911–1974), Politiker und Staatspräsident; verbrachte seine Schulzeit in Albi

Städtepartnerschaften Girona in Katalonien, Spanien, seit 1985 Palo Alto in Kalifornien, Vereinigte Staaten, seit 1994 Lijiang in Yunnan, China, seit 2012

Marskrater Nach Albi ist der Marskrater Albi benannt.

Siehe auch Liste der Erzbischöfe von Albi

Literatur Nicolas-Marie-Joseph Chapuy: Cathédrales françaises. Vues pittoresques de la cathédrale de Albi. Paris 1829 (Digitalisat)

Weblinks

Website der Stadt Albi (französisch) Website über die Katharer (Albigenser) Musèe Toulouse-Lautrec d’Albi (französisch)

Einzelnachweise

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