mini|Sigmar Gabriel (2018) rahmenlos|zentriert|klasse=skin-invert-image notpageimage|Unterschrift Sigmar Gabriels Sigmar Hartmut Gabriel (* 12. September 1959 in Goslar) ist ein ehemaliger deutscher Politiker (SPD) und heutiger Berater und Publizist. Er war von November 2009 bis März 2017 Bundesvorsitzender der SPD und von Dezember 2013 bis März 2018 Vizekanzler. Seit 2019 ist er Vorsitzender der Atlantik-Brücke. Darüber hinaus ist er Mitglied im Aufsichtsrat mehrerer Unternehmen.

Außerdem war er von Dezember 1999 bis März 2003 Ministerpräsident von Niedersachsen, von November 2005 bis Oktober 2009 Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, von Dezember 2013 bis Januar 2017 Bundesminister für Wirtschaft und Energie und anschließend bis März 2018 Bundesminister des Auswärtigen. Er war von Juni 1990 bis Oktober 2005 Mitglied des Niedersächsischen Landtages, wo er von April 1998 bis Dezember 1999 sowie von März 2003 bis Juni 2005 Vorsitzender der SPD-Fraktion war, und von Oktober 2005 bis November 2019 Mitglied des Deutschen Bundestages.

Leben Herkunft und Familie Gabriel wurde als zweites Kind des Kommunalbeamten Walter Gabriel (1921–2012) und der Krankenschwester Antonie Gabriel (1922–2014) in Goslar geboren. Die Eltern trennten sich, als er drei Jahre alt war. Gabriels ältere Schwester Gudrun Sabine blieb bei der Mutter, er selbst wuchs gegen seinen Willen in den ersten zehn Lebensjahren bei seinem Vater und seiner Großmutter Lina Gabriel in einer Wohnsiedlung in Goslar-Jürgenohl auf. Gabriel soll unter dem autoritären Erziehungsstil seines Vaters gelitten haben.Siggi Peppone aus dem Harz. Constantin Magnis, Cicero, Dezember 2009. 1969 erhielt seine Mutter nach mehrjährigen juristischen Auseinandersetzungen die alleinige elterliche Gewalt und Gabriel zog zu ihr.

Ende der 1970er Jahre erfuhr Gabriel, dass sein Vater, der Kommunalbeamter im mittleren Dienst bei der Verwaltung des Kreises Stormarn war, auch in der Nachkriegszeit überzeugter Nationalsozialist geblieben war. Gabriel brach daraufhin den Kontakt zu seinem Vater völlig ab. Erst 25 Jahre später unternahm Sigmar Gabriel einen Versuch, die gemeinsame Vergangenheit mit seinem Vater aufzuarbeiten. Walter Gabriel blieb jedoch bis zu seinem Tod 2012 von der nationalsozialistischen Ideologie begeistert. Sigmar Gabriel stellte fest:

Gabriel war in erster Ehe von 1989 bis 1998 mit seiner ehemaligen Oberstufenmitschülerin, der türkischen Staatsbürgerin Munise Demirel, verheiratet. Seit 2012 ist er mit der aus Magdeburg stammenden Zahnärztin Anke Gabriel (geb. Stadler, * 1976) verheiratet und wohnt im Goslarer Ortsteil Hahndorf. Er hat eine erwachsene Tochter (* 1988) aus einer BeziehungSigmar Gabriel: „Man muss berührbar bleiben“ im Interview mit Susanne Führer in der Reihe Im Gespräch, Deutschlandfunk Kultur am 14. Mai 2026, gehört am 14. Mai 2026, ab min 30 und mit seiner jetzigen Ehefrau zwei weitere Töchter (* 2012, 2017).SPD-Chef Gabriel wurde Vater zeit.de, 11. April 2012.„Wir sind ganz glücklich“. In: spiegel.de, 4. März 2017.

Schulbildung, Wehrdienst, Studium und berufliche Tätigkeit (1967–1990) Von 1967 bis 1971 war Gabriel Grundschüler. In dieser Zeit galt er aufgrund der prekären Familienverhältnisse (Scheidung der Eltern, prügelnder Vater etc.) als verhaltensauffälliges Kind. Eine Lehrerin wollte Gabriel auf eine Sonderschule schicken. 1971 wechselte Sigmar Gabriel als Schüler auf die Realschule Hoher Weg in Goslar, die er 1976 mit der Mittleren Reife absolvierte. Am Ratsgymnasium Goslar machte er 1979 Abitur.

Von 1979 bis 1981 diente Gabriel als Soldat auf Zeit (SaZ 2, letzter Dienstgrad Obergefreiter) in einer Radareinheit der Luftwaffe in Goslar und Faßberg.

Ab dem Sommersemester 1982 studierte Gabriel an der Georg-August-Universität Göttingen die Fächer Germanistik, Politik und Soziologie. Das Studium schloss er 1987 mit dem ersten Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien ab. Während seiner Studienzeit jobbte Gabriel nebenbei als Nachtportier in einem Göttinger Hotel und beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Vom Schuljahr 1987/88 an war Gabriel Studienreferendar am Christian-von-Dohm-Gymnasium in Goslar. Sein Referendariat schloss er 1989 mit dem zweiten Staatsexamen ab. Im Kursjahr 1989/90 war er in der Erwachsenenbildung als Dozent für die Kurse Deutsch für Ausländer und Berufsvorbereitung für arbeitslose Jugendliche beim Bildungswerk Niedersächsischer Volkshochschulen (BNVHS GmbH) in Goslar befristet tätig.

Jugendfunktionär bei den Falken (1976–1987) 1976 wurde Sigmar Gabriel Mitglied im SPD-nahen Jugendverband Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken. Kurz nach seinem Eintritt bei den Falken wurde er Jugendgruppenleiter (Ausweis Nr. 59) und Vorsitzender des Falken-Ortsverbandes Goslar. Bald danach wurde er zum Mitglied des Braunschweiger Bezirksvorstands gewählt, zunächst als Referent für antimilitaristische Arbeit, später als Falken-Ringleiter und schließlich als Bezirksvorsitzender. Als Vertreter des Falken-Bezirks Braunschweig, der in den 70er Jahren dem marxistischen Flügel zugerechnet wurde, gehörte er eine Zeit lang dem Falken-Bundesvorstand an.Sigmar Gabriel. In: Welt Online. 16. Dezember 2013.

Politik Kommunal- und Landespolitik in Niedersachsen (1977–2009) Parlamentarische Arbeit und Parteiämter (1977–2009) Gabriel trat am 7. Juli 1977 in die SPD ein. Seine politische Karriere begann Gabriel in der Kommunalpolitik seiner Heimatstadt Goslar. Von 1987 bis 1998 war Gabriel Mitglied des Kreistages des Landkreises Goslar und von 1991 bis 1999 Ratsherr der Stadt Goslar. Von 1990 bis 2005 war Gabriel Mitglied des niedersächsischen Landtages. Von 1997 bis 1998 war er stellvertretender Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion, von 1998 bis 1999 sowie von 2003 bis 2005 ihr Vorsitzender. Von 1999 bis 2005 gehörte Gabriel dem SPD-Parteivorstand an. Auf dem Parteitag 2005 wurde er nicht wieder in den Parteivorstand gewählt.Nahles im Parteivorstand – Gabriel durchgefallen faz.net, 15. November 2005. 2007 wurde er wieder in den Parteivorstand gewählt, aber nicht in das Präsidium.Gabriel fällt bei Wahl ins SPD-Präsidium durch spiegel.de, 5. November 2007.

Von 2003 bis 2005 war Gabriel stellvertretender Vorsitzender der SPD Niedersachsen und von 2003 bis 2009 war er Vorsitzender des SPD-Bezirks Braunschweig.Ewig kann nicht Winter sein faz.net, 12. November 2009. Außerdem übernahm Gabriel nach dem Ausscheiden aus dem Amt des Ministerpräsidenten von 2003 bis 2005 das neugeschaffene Amt des Beauftragten für Popkultur und Popdiskurs der SPD (kurz Popbeauftragter), was ihm in Anlehnung an den Sänger Iggy Pop den Spitznamen „Siggi Pop“ einbrachte.

Neben seiner Tätigkeit als Fraktionsvorsitzender im Landtag war Gabriel in dieser Zeit auch als Geschäftsführer und Gesellschafter der Communication, Network, Service GbR (CoNeS) tätig, welche die Volkswagen AG zur europäischen Industriepolitik beriet.„Gabriel wollte mehr“ focus.de, 14. Februar 2005.Hartz sei Dank! focus.de, 28. November 2005.

Ministerpräsident von Niedersachsen (1999–2003) mini|Sigmar Gabriel im Niedersächsischen Landtag (2003)

Am 15. Dezember 1999 übernahm Gabriel das Amt des niedersächsischen Ministerpräsidenten. Das neue Kabinett Gabriel bildete somit die dritte Landesregierung innerhalb der 14. Legislaturperiode. Sein Vorgänger Gerhard Glogowski war am 28. Oktober 1998 auf Gerhard Schröder nach dessen Wechsel in das Amt des Bundeskanzlers gefolgt und kurz darauf mit Affärenvorwürfen konfrontiert worden, sodass er am 14. Dezember 1999 zurücktrat. Bei der Landtagswahl 2003 verlor die bisher allein regierende SPD unter Gabriel gegen die CDU unter der Führung von Christian Wulff mit 33,4 % (−14,5 Prozentpunkte gegenüber 1998; CDU: 48,3 %, +12,4 Prozentpunkte) ihre absolute Mehrheit und ging anschließend in die Opposition.

Bundespolitik (2005–2019) Bei der Bundestagswahl 2005 trat Gabriel zum ersten Mal bei einer Bundestagswahl an und gewann das Direktmandat im Wahlkreis Salzgitter – Wolfenbüttel mit 52,3 % der Erststimmen. Anschließend hat er sein Direktmandat dreimal verteidigt (2009 mit 44,9 %, 2013 mit 46,6 %, 2017 mit 42,8 %). Am 26. Mai 2019 kündigte er in der ARD-Sendung Anne Will an, bei der nächsten Bundestagswahl nicht mehr zu kandidieren.„Wir erleben hier live, warum ihr Wahlkampf nicht funktioniert hat“ welt.de, 27. Mai 2019. Am 26. September 2019 kündigte er an, sein Bundestagsmandat zum 1. November 2019 abzugeben.„Dann soll man besser gehen“ – Gabriel gibt sein Bundestagsmandat ab welt.de, 26. September 2019. Schließlich legte er es mit Ablauf des 3. November 2019 nieder. Für ihn rückte Markus Paschke nach.

Bundesumweltminister (2005–2009) Vom 22. November 2005 bis 27. Oktober 2009 war Gabriel Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Als solcher hat er 2007 maßgeblich das allmähliche Verbot der herkömmlichen Glühlampen in der EU angestoßen und durchgesetzt., Der Tagesspiegel, 10. Juli 2013 mini|Sigmar Gabriel bei der Landesvertreterversammlung der niedersächsischen SPD zur Bundestagswahl (2009) Er führte die Umweltpolitik seines Vorgängers Jürgen Trittin weitgehend fort und setzte sich für die Energiewende, also den Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie und eine Reduktion von CO2-Emissionen ein.

SPD-Vorsitzender (2009–2017) Am 5. Oktober 2009 wurde Gabriel vom Parteivorstand mit 77,7 % für das Amt des SPD-Bundesvorsitzenden nominiert. Bei der Wahl auf dem SPD-Bundesparteitag in Dresden am 13. November 2009 erhielt Gabriel 94,2 % der Delegiertenstimmen. Auf dem SPD-Parteitag im Dezember 2011 wurde Gabriel mit 91,6 % aller Delegiertenstimmen für weitere zwei Jahre im Amt des Parteivorsitzenden bestätigt. Nach dem zweitschlechtesten Ergebnis der SPD bei einer Bundestagswahl (2013) konnte Gabriel seine beiden sehr guten Ergebnisse nicht wiederholen und erhielt auf dem ordentlichen Bundesparteitag 2013 in Leipzig mit 83,6 % ein lediglich mäßiges Ergebnis. Gabriel selbst sprach von einem „außerordentlich ehrlichen Ergebnis“. Beim Bundesparteitag im Dezember 2015 wurde er mit nur noch 74,3 % wiedergewählt.Parteitag straft Gabriel ab. In: zeit.de, 11. Dezember 2015. Das Ergebnis war seit 1946 das zweitschlechteste für einen SPD-Vorsitzenden nach 1995, als Oskar Lafontaine in einer Kampfkandidatur gegen Rudolf Scharping antrat und mit 62,9 % gewählt wurde. Gabriel selbst kommentierte das Ergebnis: „In der Zeitung wird stehen: Gabriel abgestraft – und so ist das ja auch.“

Von 2009 bis 2012 war Gabriel als Vertreter der SPD Vizepräsident der Sozialistischen Internationale. Nachdem er sich mit der Sozialistischen Internationale zerstritt, setzte er die Mitgliedschaft der SPD in der SI auf einen Beobachterstatus zurück und gründete mit vielen anderen progressiven, sozialdemokratischen und sozialistischen Parteien, wie beispielsweise der britischen Labour Party, der französischen Parti Socialiste, der amerikanischen Demokratischen Partei die Progressive Allianz.

Bundesminister für Wirtschaft und Energie (2013–2017) mini|Sigmar Gabriel im Deutschen Bundestag zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier, 2014

Vom 17. Dezember 2013 bis zum 26. Januar 2017 war Sigmar Gabriel Bundesminister für Wirtschaft und Energie sowie Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland im Kabinett Merkel III.

Als Wirtschaftsminister war er unter anderem zuständig für die Rüstungsexporte der Bundesrepublik Deutschland, die Verhandlungen über TTIP und CETA mit Kanada und den USA sowie für die Energiepolitik einschließlich der Energiewende. Das Wirtschaftsministerium hieß von 2005 bis 2013 Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und seit dem Amtsantritt des Kabinett Merkel III Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.