mini|hochkant=1.66|Die Seneca innerhalb der fünf Nationen der Irokesen, Stammesgebiet um 1650
Die Seneca oder Onondowahgah bzw. Onödowá’ga:’ („Volk vom großen Berg“) sind der westlichste Stamm der Haudenosaunee („Leute des Langhauses“), besser bekannt als Irokesenliga oder -Konföderation, einem Bündnis aus ursprünglich fünf (später sechs) Stämmen oder Nationen der irokesischen Sprachfamilie. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden diese Stämme als Irokesen bezeichnet. Sie sind eine der indigenen Gruppen der Indianer Nordamerikas.
Heute leben rund 10.000 Seneca in den Vereinigten Staaten und Kanada, die meisten davon in Reservaten im Westen des US-Bundesstaates New York, andere in Oklahoma und in der Nähe von Brantford in Ontario, Kanada.
Traditionelles Stammesgebiet Ihr traditionelles Stammesgebiet lag im westlichen Upstate New York (den Regionen: Western New York, Southern Tiers sowie Finger Lakes) zwischen dem Genesee River und dem Canandaigua Lake im Osten. Ihr Gebiet war sehr wasserreich und von Flüssen und Seen durchzogen, im Osten wurde der Canandaigua Lake über den Seneca River entwässert (der über den Oswego River in den Lake Ontario fließt), die westlichen vier Finger Lakes – Honeoye Lake, Canadice Lake, Hemlock Lake und Conesus Lake – hingegen sind über den Genesee River mit dem Lake Ontario verbunden. Ihr Jagd- und Streifgebiet war erheblich größer und erstreckte sich im Norden bis zum Lake Ontario und im Süden bis zu den Vorbergen der Allegheny Mountains und zum Allegheny River im Nordwesten von Pennsylvania. Große Seneca-Dörfer wurden mit Holzpalisaden geschützt. Ganondagan war mit 150 Langhäusern das größte Seneca-Dorf des 17. Jahrhunderts, während Chenussio mit 130 Langhäusern ein großes Dorf des 18. Jahrhunderts war.
Die Irokesen waren von allen Seiten von ihnen feindlich gesinnten algonkin-sprachigen und sioux-sprachigen Völkern/Konföderationen umgeben, die zudem die militärische Unterstützung durch Nieuw Nederland oder Neufrankreich erlangen konnten. Diesem losen Bündnis – meist passiv auf Verteidigung ausgerichtet – hatten sich zudem mehrere ebenfalls irokesisch-sprachige Konföderationen sowie kleinere Stämme (der Irokesen, der Algonkin und der Sioux) angeschlossen.
Die Haudenosaunee (unter der Führung der Mohawk) entschlossen sich daher zu einem Präventivschlag im Jahr 1628 gegenüber der mächtigen Mahican-Konföderation entlang des Hudson Rivers, um deren Handelsmonopol mit den Niederländern zu brechen. Nach der militärischen Niederlage der Mahican und deren Rückzug auf die Ostseite des Hudson Rivers konnten die Haudenosaunee die Niederländer als Verbündete gewinnen und mittels Waffenlieferung der Niederländer und später der Briten militärisch langsam die Oberhand gewinnen.
Nachdem die Irokesen-Liga in den hierauf folgenden sogenannten Biberkriegen (1629 bis 1701) – unterstützt zuerst von Nieuw Nederland und ab 1667 durch die Britische Krone – die übrigen irokesisch-sprechenden Konföderationen in der Region unterworfen hatte, die sich geweigert hatten, sich den Haudenosaunee anzuschließen, darunter die mächtigen Wendat/Huronen, die Tionontati/Petun, die Neutrale, die Wenrohronon (der östlichste Stamm der Neutrale) sowie die kriegerischen und kampfestüchtigen Erie (direkte westliche Nachbarn der Seneca), konnten die Seneca ihr Jagdgebiet nach Westen und Süden erheblich ausdehnen; die Irokesen-Liga errang die politische und militärische Hegemonie über das Ohio Country und über das südliche Ontario sowie über die dort ansässigen tributpflichtigen und abhängigen Stämme (Lenni Lenape, Shawnee, Wyandot etc.). Am Niagara River errichteten Seneca einige kleinere Siedlungen.Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Band 15: Northeast, S. 505/506.
Diese militärisch gewonnenen Gebiete konnten die Haudenosaunne (einschließlich der Seneca) als Verbündete der Briten (offiziell seit 1677 mittels des Covenant Chain) während der Franzosen- und Indianerkriege (1688 bis 1763) festigen und bis zum Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg behaupten.
Archäologischen Funden und historischen Dokumenten ist zu entnehmen, dass es im siebzehnten Jahrhundert eine westliche und eine östliche Seneca-Gruppe gab, die beide jeweils ein großes Dorf bewohnten. Diese beiden Gruppen existierten schon zur Gründungszeit der Irokesen-Liga. Auf der Häuptlingsliste der Liga standen die Namen der beiden Gruppenhäuptlinge an erster und zweiter Stelle. Die nahe beieinander liegenden Dörfer befanden sich wenige Meilen nördlich des Hemlock Lakes. Wie alle Irokesen bezogen die Seneca alle zehn bis zwanzig Jahre ein neues Dorf, wenn das umliegende Land erschöpft war. Die westlichen Seneca folgten bei ihren zahlreichen Umzügen dem Spring Brook nach Norden bis zu dessen Zusammenfluss mit dem Honeoye Creek, während die östlichen Seneca in nordöstlicher Richtung den Honeoye Creek entlang zogen, um dann nach Osten in die Täler von Mud Creek, Fish Creek und Great Brook abzubiegen.
Als die Jesuiten in der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts in den Dörfern einige Missionen errichteten, lagen diese in der nördlichen Region des Stammesgebiets. Der erste dokumentierte Besuch stammt von Pierre Joseph Marie Chaumonot aus dem Jahr 1756. Er berichtete von zwei großen Dörfern und einer Reihe kleinerer Siedlungen. Das Dorf Gandagan war das Hauptdorf der östlichen Seneca. Er beschrieb ein zweites Dorf, das ausschließlich von adoptierten Huronen bewohnt war. Diese Huronen kamen aus dem Dorf Scanonaenrat und gehörten dem Stamm der „Atahontaenrat/Deer People“ an, bei dem die Jesuiten einst die Mission Saint Michel errichtet hatten. Zu dieser Zeit lebten angeblich adoptierte Gefangene aus elf fremden Stämmen bei den Seneca.
1668 errichteten die Jesuiten die erste dauerhafte Mission bei den Seneca. Ihren Berichten zufolge hatten die Seneca zu dieser Zeit zwei große Dörfer mit jeweils über 100 Häusern und zwei kleinere Dörfer mit 20 bis 30 Häusern. Die Jesuiten errichteten um 1670 in drei Dörfern jeweils eine Mission. Das Hauptdorf der westlichen Seneca hieß um 1670 Gandachioragon, wurde jedoch 1677 in Tiotohattan und 1687 in Totiakton, offenbar nach einem Ortswechsel, umbenannt. Das Hauptdorf Gandagan der östlichen Seneca hieß 1669 nach einem Umzug Galinèe und war von Palisaden umgeben. Nach dem endgültigen Sieg über die Susquehannock im Jahr 1675 wurden die Palisaden abgebaut, denn sie wurden nicht mehr benötigt.
Kultur im siebzehnten Jahrhundert
Geschichte Pelzhandel und Biberkriege mini|hochkant|Robert Cavelier de La Salle
Seit der Gründung der Irokesen-Liga um 1450 wurden die Seneca als die Hüter der westlichen Tür bezeichnet. Damit sollte veranschaulicht werden, dass sie mit ihrem Stammesgebiet im Westen die anderen Stämme der Liga vor feindlichen Einfällen aus dieser Richtung schützen sollten. Die Irokesen-Liga wurde symbolhaft mit einem Langhaus verglichen. Entsprechend waren die Mohawk die Hüter der östlichen Tür. Die Seneca waren mit Abstand der volkreichste Stamm innerhalb der Fünf Nationen.
Im siebzehnten Jahrhundert wuchs der Bedarf an europäischen Gütern, die gegen Pelze eingetauscht wurden. Als westlichster aller fünf Stämme der Irokesen-Liga waren die Seneca am weitesten von den holländischen Händlern in Albany und von den französischen am Sankt-Lorenz-Strom entfernt. Ihr Stammesgebiet lag allerdings nahe bei den reichen Bibervorkommen im Westen. Mit dem wachsenden Bedarf an Biberpelzen schrumpfte der Biberbestand rapide, und die Seneca suchten, ihr Jagdgebiet weiter nach Westen auszudehnen. Der Entschluss der Wenro, ihr Land zu verlassen und sich mit den Huronen und Neutral zu verbünden, stand vermutlich im Zusammenhang mit der Expansion der Seneca. Um 1630 hatten die Huronen mit Hilfe der Franzosen die benachbarten nördlichen Stämme gegen die irokesischen Aggressoren beschützt. In den 1640er Jahren begannen die Seneca und andere Stämme der Liga mit ihrem Vernichtungskrieg gegen die Huronen. 1649 zerstörten geschätzte 1.000 Krieger der Seneca und Mohawk die Huronendörfer Saint Ignace und Saint Louis. Als Nächstes wandten sich die Irokesen gegen die Verbündeten der Huronen und vernichteten die Petun im Winter 1649/50. Dasselbe Schicksal erlitten die Neutral im folgenden Jahr.Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Bd. 15: Northeast, S. 506/507
Inzwischen hatte ein Teil der Irokesen beschlossen, mit den Franzosen über einen Friedensvertrag zu verhandeln, und sandte deshalb 1653 eine Delegation nach Montreal. Die Seneca waren nicht beteiligt, unterstützten jedoch diese Bemühungen. Im folgenden Jahr fand eine Ratsversammlung unter Beteiligung von Pater Simon Le Moyne in Onondaga statt, in der einem Friedensvertrag ausdrücklich zugestimmt wurde. 1656 hatten die Jesuiten die Mission Sainte Marie in Onondaga errichtet, und Pater Chaumonot besuchte die Seneca. 1658 waren die Jesuiten allerdings aufgrund neuer Feindseligkeiten gezwungen, die neue Mission zu verlassen. Erst 1668 unternahmen sie einen neuen Versuch, die Seneca zu missionieren.
Infolge des Kriegs der Seneca gegen die Erie entwickelte sich ein neuer Konflikt mit den Franzosen. Gleichzeitig führten die Seneca Krieg gegen die Susquehannock im Süden. Diese überfielen die Pelzhändler der Seneca auf ihrem weiten Weg nach Albany, die in der Folge durch begleitende Krieger geschützt werden mussten. Aus diesem Grund waren die Seneca gezwungen, den Frieden mit den Franzosen zu erhalten. Außerdem benötigten sie französische Gewehre und Munition. Die Mohawk registrierten diese Bemühungen der Seneca mit Misstrauen, denn sie kontrollierten den Handel der westlichen Stämme mit Albany und kassierten eine Art von Zoll. 1668 erschien Pater Jacques Frémin bei den Seneca, um eine Mission zu errichten. Im gleichen Jahr besuchte auch Robert Cavelier de La Salle mit einer kleinen Gruppe die Seneca. Er war auf der Suche nach Pfadfindern, die ihm den Weg zum Ohio River zeigen sollten. Die Franzosen nutzten den derzeitigen Frieden mit den Irokesen, um das Gebiet im Westen zu erkunden und Handelsposten an den oberen Großen Seen zu gründen.
1675 endete der lange Krieg gegen die Susquehannock mit deren vernichtender Niederlage. Damit wurden bei den Seneca wieder Kräfte frei, um den nächsten Krieg gegen die mit den Franzosen verbündeten Stämme im Norden zu beginnen. Sie nahmen sogar einen neuen Konflikt mit den Franzosen in Kauf. 1679 erlaubten die Seneca La Salle, einen befestigten Handelsposten in Niagara zu errichten. La Salle hatte erkannt, dass von Niagara aus der Handelsweg zwischen dem Erie- und Ontariosee zu kontrollieren war. Noch hielt der Frieden zwischen den Franzosen und den Seneca, die den französischen Handel mit den westlichen Stämmen misstrauisch beobachteten.