Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (kurz: Sgt. Pepper) ist das achte Studioalbum der britischen Band The Beatles. Es wurde im Mai 1967 in Großbritannien veröffentlicht. In Deutschland war das Album einschließlich der beiden Kompilationsalben ihr zwölftes Album. In den USA wurde es im Juni 1967 veröffentlicht, erstmals in einer nahezu identischen Form wie das Original in Großbritannien; hier war es ihr 14. Album.
Das Album erreichte in Deutschland, Großbritannien und den USA die Spitze der Charts. Es gilt als eines der ersten Konzeptalben der Popmusik und bestärkte deren Wandel. Mit über 32 Millionen verkauften Exemplaren gehört es zu den weltweit meistverkauften Musikalben.
Entstehung Vom 12. bis zum 29. August 1966 absolvierten die Beatles ihre vierte US-Tournee. Die Tour wurde von einer Bemerkung John Lennons aus einem früheren Interview, wonach die Beatles „schon jetzt populärer als Jesus“ wären, überschattet. Nach nervenaufreibenden Pressekonferenzen, öffentlichen Plattenverbrennungen und Demonstrationen des Ku-Klux-Klans in den USA entschloss sich die Gruppe, nicht mehr auf Tournee zu gehen und ihre Arbeit ausschließlich ins Studio zu verlegen. Die Beatles legten eine dreimonatige Pause ein, in der sie sich auf individuelle Interessen konzentrierten, so reiste George Harrison nach Indien um bei Ravi Shankar Sitar spielen zu lernen, Paul McCartney arbeitete mit dem Produzenten George Martin am Soundtrack zu The Family Way und John Lennon betätigte sich als Schauspieler im Film Wie ich den Krieg gewann.
mini|hochkant|Ringo Starr (Mitte) und George Harrison (rechts) am 24. November 1966 zu Beginn der Aufnahmen zum Sgt. Pepper-Album mini|hochkant|Die Beatles mit George Martin am 30. März 1967 bei Aufnahmen zum Sgt. Pepper-Album
George Martin erwähnte den Beginn der Aufnahmen: „Im November (1966) kamen die Beatles zum ersten Mal seit ihrer Entscheidung, nicht mehr auf Tour zu gehen, wieder ins Studio. Sie hatten die Nase ziemlich voll. Das ganze Jahr hatten sie eine Menge Ärger gehabt und Brian Epstein befürchtete, es würde bergab gehen mit ihnen. Er dachte, es wäre das Ende der Beatles, und 1966 gab es alle möglichen Anzeichen dafür. Da war das Desaster auf den Philippinen, die sinkenden Publikumszahlen bei einigen Auftritten, und sie hatten es satt, Gefangene ihres Ruhms zu sein.“The Beatles: The Beatles Anthology. ISBN 3-550-07132-9, S. 237.
Während der Entstehung des Albums veränderten sich die Beatles optisch. Ihre Pilzkopffrisuren wurden gestutzt und McCartney, Lennon und Starr ließen sich Schnurrbärte wachsen, Harrison zunächst einen Vollbart, zum Albumcover aber auch einen Schnurrbart. Der kurzsichtige Lennon hatte sich zuvor bereits eine runde Nickelbrille zugelegt, die zu seinem Markenzeichen wurde.
Paul McCartney avancierte 1967 zum künstlerischen Kopf der Gruppe; ein Status, der bis dato eher Lennon zugeschrieben worden war. So war es McCartneys Idee, die fiktive Band von Sgt. Pepper als umspannendes Konzept zu verwenden, einschließlich der Covergestaltung. Harrison war an der Konzeptidee und den Aufnahmen nicht interessiert, während Lennon und Starr diese akzeptierten.
Auf den Songtitel Sergeant Pepper war McCartney während einer Rückreise in einem Flugzeug gekommen, wo er gemeinsam mit seinem Roadie Mal Evans speiste, der ihn bat, ihm Salz und Pfeffer zu reichen („Could you pass salt and pepper?“). Jedoch verstand McCartney akustisch Sergeant Pepper, was er hinterher für eine gute motivische Figur hielt.McCartney 3,2,1. Sechsteilige Dokumentarfilmserie, Erste Staffel, Episode 1: Diese Dinge bringen einen zusammen (31 Min.), 2021. Ausführende Produzenten: Paul McCartney und Rick Rubin. Regie: Zachary Heinzerling. Autor: Mark Monroe. Eine Produktion von Tetragrammaton, Film 45, Kennedy/Marshall Company, MPL Communications, Diamond Docs. Vertrieb: Hulu, LLC.Paul McCartney: Lyrics. 1956 bis heute. 2021, S. 639.
McCartney sagte zur Ursprungsidee des Albums: „Es war zu Beginn der Hippie-Ära und überall in Amerika herrschte eine flirrende Hippie-Atmosphäre. Ich fing an darüber nachzudenken, was ein wirklich verrückter Name für eine Band sein könnte. In jener Zeit gab es viele Gruppen, die Namen hatten wie ‚Laughing Joe and His Medicine Band‘ […] mit langen verschachtelten Namen […]. Ich brachte eine Idee mit zurück nach London zu den Jungs: ‚Da wir versuchen Distanz zu uns selbst zu gewinnen – von Tourneen loskommen und mehr surreale Sachen machen wollen – warum werden wir dann nicht eine Alter-Ego-Band, so was wie Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band?‘The Beatles: The Beatles Anthology. ISBN 3-550-07132-9, S. 241.“
mini|hochkant|Das Sgt. Pepper-Album als 8-Track-Kassette
Nach Aussagen von Paul McCartney und George Martin wurde Sgt. Pepper vom Album Pet Sounds der Beach Boys aus dem Jahr 1966 inspiriert. „Ohne Pet Sounds hätte es Sgt. Pepper nicht gegeben. Sgt. Pepper war ein Versuch, Pet Sounds gleichzukommen“, kommentierte George Martin. Gleichzeitig verhinderte die Veröffentlichung von Sgt. Pepper das Erscheinen von Brian Wilsons Album Smile, das teilweise eine Antwort auf das siebte Album der Beatles, Revolver, hätte werden sollen.Peter Doggett: Smile. Das große verlorene Album. In: Kingsley Abbott (Hrsg.): Die Beach Boys und Brian Wilson. Hannibal, Verlagsgruppe Koch, ISBN 978-3-85445-160-0. Paul McCartney: „Der größte Einfluss war, wie ich schon viele Male gesagt habe, das Album Pet Sounds von den Beach Boys, und es waren hauptsächlich die Harmonien, die ich dort klaute.“The Beatles: The Beatles Anthology. ISBN 3-550-07132-9, S. 253. Als zweiter gewichtiger musikalischer Einfluss gilt das Debütalbum Freak Out! von Frank Zappa. Paul McCartney betrachtete das Album Sgt. Pepper während der Aufnahmen als das Freak Out! der Beatles.Iain MacDonald: Revolution in the Head: The Beatles’ Records and the Sixties. 1994, S. 171. Ausgabe 2008, S. 350.Philip Norman: Paul McCartney, 2017, ISBN 978-3-492-05825-4, S. 304. Das Album, bei dem die Beatles durch Verwendung von Soundeffekten ihre „Bandbreite erweitert“Paul McCartney: Lyrics. 1956 bis heute. Hrsg. mit einer Einleitung von Paul Muldoon. Aus dem Englischen übersetzt von Conny Lösche. C. H. Beck, München 2021, ISBN 978-3-406-77650-2, S. 105. haben, inspirierte die Beatles zu weiteren musikalischen Experimenten.10 Dinge, die ‘Sgt. Pepper’ von den Beatles möglich gemacht haben Zu den surrealistischen Klanggebilden kamen ein 40-köpfiges Orchester sowie das Mellotron zum Einsatz, sodass diese Musik im Jahr 1967 live nicht reproduzierbar war.
mini|Studer J37 4-Spur-Rekorder, mit dem Sgt. Pepper aufgenommen wurde
Das Album wurde während der Entstehung als Gesamtkunstwerk, laut Ringo Starr als „Show-Album“ und vergleichbar einer RockoperThe Beatles Anthology, S. 241. konzipiert, das Lebensfreude widerspiegeln und einem neuen Zeitgeist Rechnung tragen sollte (“A splendid time is guaranteed for all”; : ‚Eine herrliche Zeit wird für alle garantiert‘, aus: Being for the Benefit of Mr. Kite!). Eine Art Konzeptalbum mit tiefsinnigen, sarkastischen, verschachtelten und surrealistischen Texten entstand. Um dieses zu erreichen, schöpften die Beatles alle studiotechnischen Mittel der damaligen Zeit aus. So ist das ganze Album nur mit Hilfe der Vierspurtechnik produziert, wobei besondere Techniken angewandt wurden, wie das wegen Gleichlaufschwankungen äußerst schwierige parallele Verwenden von zwei Vierspurgeräten. Obwohl es in den USA schon Acht-Spur-Aufnahmegeräte gab, wurden diese erst gegen Ende 1967 in Großbritannien installiert. A Day in the Life präsentierte in Großbritannien erstmals die Achtspurtechnik durch zwei synchron geschaltete Vierspurtonbandmaschinen. Kaum ein Album der Popmusik war bisher mit einem vergleichbaren Aufwand produziert worden, es entstand ein Album, das als einer der Wegbereiter der Popmusik neue musikalische und technische Möglichkeiten aufzeigte.Ian MacDonald: Revolution in the Head, Chicago 2007, S. 249 f.
George Martin sagte zu den Aufnahmen: „Ich machte die Beatles mit einigen neuen Sounds und Ideen bekannt, aber als Sgt. Pepper entstand, da wollten sie alles aus der Trickkiste. Alles, was ich finden konnte, akzeptierten sie.“The Beatles: The Beatles Anthology. ISBN 3-550-07132-9, S. 242.
Ringo Starr über George Martin: „Als wir an Sgt. Pepper arbeiteten, war George Martin wirklich ein unerlässlicher Teil des Ganzen geworden. Wir fügten Streicher ein, Blechbläser, Klavier usw. und George war der Einzige, der das alles aufschreiben konnte. Er wurde ein Teil der Band.“
Sgt. Pepper traf den damaligen Zeitgeist, obwohl es in musikalischer Hinsicht kein reines Psychedelic-Album ist wie etwa Pink Floyds The Piper at the Gates of Dawn. Laut George Martin passte Sgt. Pepper durch seine psychedelische Verspieltheit in den sogenannten „Sommer der Liebe“.George Martin: Summer of Love: The Making of Sgt.Pepper, London 1994, S. 1–5.
Paul McCartney meinte dazu: „Die Stimmung des Albums entsprach dem Zeitgeist, weil wir selbst in die Stimmung der Zeit passten. Es gab da eindeutig eine Volksbewegung […] Wir versuchten nicht wirklich, diese Bewegung zu befriedigen – wir waren einfach ein Teil davon, wie wir das immer schon gewesen waren. Ich behaupte, dass die Beatles nicht die Anführer, sondern die Sprecher ihrer Generation waren.“
mini|The Beatles, Sommer 1967 mini|George Harrison (links) und Ravi Shankar, 1967
George Harrison: „Der Sommer 1967 […] es gab auf jeden Fall eine Atmosphäre: Man konnte spüren, was mit unseren Freunden vor sich ging – und mit Leuten, die ähnliche Ziele in den USA hatten –, obwohl wir meilenweit voneinander entfernt waren. Man konnte die Atmosphäre einfach aufschnappen.“The Beatles: The Beatles Anthology. ISBN 3-550-07132-9, S. 254.
Paul McCartney war meist für die Pop-Lieder verantwortlich, John Lennon und George Harrison für die psychedelische Komponente. Zu hören ist dies auf Being for the Benefit of Mr. Kite, das – elektronisch verfremdet – eine Hommage an die Zeiten des viktorianischen Zirkus ist. Höhepunkt aus psychedelischer Sicht ist Within You Without You, das von Harrisons Sitar geprägt wurde. Harrisons Interesse an Meditation und indischer Philosophie kommt dabei zum Tragen, mit Hilfe psychoaktiver Substanzen verstärkt symbolisiert es die Suche nach Wahrheit und Sinn.
Die Lieder Lucy in the Sky with Diamonds und A Day in the Life zeigen ebenfalls ihre psychedelische Herkunft. Die beiden Songs wurden von mehreren Radiostationen nicht gespielt, da ihnen textlich und musikalisch eine Verbindung zu Drogen unterstellt wurde.
mini|Label der deutschen LP-Pressung (Wiederauflage 1969) Auf Wunsch der Schallplattenfirma EMI wurden zwei Lieder der Aufnahmen zum Album, Penny Lane / Strawberry Fields Forever als Single im Februar 1967 veröffentlicht. Die Single wurde der 13. Nummer-eins-Hit in den USA und der vierte Nummer-eins-Hit in Deutschland. In Großbritannien war es die erste Beatles-Single seit Please Please Me, die lediglich den zweiten Platz der britischen Charts erreichte. Später bereute George Martin, dem Wunsch der Schallplattenfirma nachgegeben zu haben, und bezeichnete es als den größten Fehler seiner Karriere, die beiden Lieder nicht für das Album belassen zu haben.Entscheidung Penny Lane / Strawberry Fields Forever nicht für das Album zu verwenden