Sanftmut ist eine Charaktereigenschaft. Sie galt als Tugend einiger Herrscher: So trug Friedrich II. von Sachsen (1412–1464) den Beinamen „der Sanftmütige“, ebenso der Pfalzgraf Ludwig IV. (1424–1449).

Zum Adjektiv sanftmütig sind Gegenbegriffe zornmütig (veraltet), jähzornig, aufbrausend und aggressiv.

Etymologie Der Begriff ist Kompositum des Adjektivs sanft, in unterschiedlichen Lautungen und Schreibungen schon mittelhochdeutsch mit der Bedeutung angenehm, mild, als Präfix mit -mut. Letzteres geht auf das mittelhochdeutsche muot zurück,zur Etymologie von Mut vgl. genauer Mut #Etymologie. welches in der Zusammenstellung der beiden Begriffe die Bedeutung Gemüt, Temperament annimmt. Sanftmut bezeichnet also eine milde, nachsichtige menschliche Wesensart.

Philosophische Zusammenhänge

In philosophischen und religiösen Erörterungen wird Sanftmut als Tugend behandelt.

Der Philosoph Otto Friedrich Bollnow hat Sanftmut folgendermaßen umschrieben:

In der Antike galt Sanftmut als typische Eigenschaft des Philosophen. So wird etwa Sokrates in Platons Phaidon (116c5) als sanftmütig bezeichnet. Bei Aristoteles (in der Nikomachischen Ethik, (IV 11) Die Sanftmut nebst deren Mangel und Übermaß) wird die Sanftmut (praotes) unter ethischen Aspekten diskutiert und als Mitte zwischen einer zu geringen (Unempfindlichkeit) und einer zu großen Erregbarkeit (Jähzorn) bestimmt.Aristoteles: Nikomachische Ethik, IV,11

Auf Latein bezeichnet man Sanftmut als mansuetudo (wörtlich: Zahmheit, auch bei Tieren), sie wird als eng mit der Tugend der clementia (Milde, Nachsicht) verwandt betrachtet. Thomas von Aquin differenziert zwischen Nachsicht und Sanftmut, die er beide als gegen das Laster des Zorns (ira) – verstanden als Drang zu übermäßiger Vergeltung – gerichtete Tugenden begreift, die sich jedoch in ihrem unmittelbaren Objekt unterscheiden: Während Nachsicht die Folgen des Zorns abmildert, indem sie die Rachsucht mäßigt, richtet sich Sanftmut unmittelbar gegen die zornige Gemütsaufwallung selbst und bekämpft den Zorn bereits im Entstehen.Vgl. Thomas von Aquin: Über Milde und Sanftmut. In: Summa Theologiae, Quaestio 157 (englische Übertragung). Aus diesem Grund wird die Nachsicht in der traditionellen Tugendlehre meist der Kardinaltugend der Mäßigung (temperantia) zugeordnet, während Sanftmut im Bereich der Kardinaltugend der Tapferkeit (fortitudo) verortet wird.

Sanftmut im Juden- und Christentum mini|Allegorische neoklassische Statue in der San Carlo al Corso-Kirche in Mailand. Das Lamm an ihrer Seite ist das traditionelle Symbol der Sanftmut. des Tanach (und entsprechend dem Alten Testament) lautet: Er leitet die Sanftmütigen im Recht und lehrt die Sanftmütigen seinen Weg.

Im Christentum ist die Sanftmut im Matthäusevangelium ein Element der (Selbst-)Charakterisierung Jesu (z. B. und ). In der Bergpredigt sagt Jesus: Glückselig die Sanftmütigen (im griech. Original makarioi hoi praeis), denn sie werden das Land erben. . praeis ist der Plural des Adjektivs pra’us (‚sanftmütig‘), was beinhaltet: mild, milde (tröstende) Worte, milde (heilende) Pflanzen, bei Tieren: zutraulich. In dem Brief des Paulus an die Galater wird die Sanftmut als Teil der Frucht des Heiligen Geistes angeführt.

Der Bischof und christliche Mystiker Franz von Sales (1567–1622) wird als Heiliger der Sanftmut angesehen, der seine Neigung zu Zornausbrüchen zu zügeln lernte.

Darstellung in der Bildenden Kunst Die Personifikation der Sanftmut findet sich in der Kunst vor allem seit dem 15. Jahrhundert. In der klassischen Ikonologie entspricht ihr ein Mädchen mit Lamm, etwa in Cesare Ripas Iconologia (1593).

Literatur A. v. Harnack: Sanftmut, Huld und Demut in der alten Kirche. Festgabe für J. Kaftan. 1920, S. 113–129. C. Horn, C. Rapp (Hrsg.): Wörterbuch der antiken Philosophie. München 2002. William Barclay: New Testament Words (Praus and Praotes).

Weblinks

Heinz-Jörg Graf: Sanftmut, Im Widerstreit zwischen Zorn und Gleichgültigkeit. Radio-Feature beim Deutschlandradio Berlin, 5. Juni 2004.

Einzelnachweise

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