Sayn (mundartlich: Sään) war bis 1928 eine eigenständige Gemeinde und ist seither ein Stadtteil der verbandsfreien Stadt Bendorf im Landkreis Mayen-Koblenz in Rheinland-Pfalz.
Geographie Sayn liegt an den Ausläufern des Westerwaldes, zwischen Koblenz und Neuwied, etwa zwölf Kilometer nördlich von Koblenz am Rand des Neuwieder Beckens. Der Ort wird von zwei Bächen durchzogen: Sayn und Brex. Der Brexbach vereinigt sich im Schlosspark mit dem Saynbach, der bei Bendorf in den Rhein mündet.
Geschichte mini|270px|Burgruine und Schloss Sayn um 1830 Sayns Geschichte ist eng mit den Grafen von Sayn, den Vorfahren des heutigen Fürstenhauses zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, verbunden. Ausgrabungen auf dem Burgberg ergaben, dass der Ort bereits in der Bronzezeit (2200 bis 800 v. Chr.) besiedelt war. mini|100px|links|Wappen der Grafen von Sayn Die Grafen von Sayn mit den Brüdern Heinrich I. und Eberhard I. werden 1139 erstmals urkundlich erwähnt. Wenig später soll die durch Heirat erworbene Grafschaft Bonn Grund für heftige Auseinandersetzungen mit Arnold von Wied, dem Erzbischof von Köln, gewesen sein. Ihre alte Burg wurde dabei, zumindest teilweise, zerstört und 1152 zum Schutz vor zukünftigen Angriffen dem Erzbischof von Trier zum Lehen aufgetragen. Unmittelbar danach begann der Bau einer neuen Burg. Von Sayn aus wurde im 13. Jahrhundert unter Graf Heinrich III., dem Großen von Sayn, und seiner Gemahlin Mechthild von Landsberg eine Grafschaft regiert, die mit ihren Besitzungen von der mittleren Mosel bis über den Westerwald und von der Lahn bis hinauf in den Bonn-Kölner Raum reichte. Als Heinrich III. im Jahr 1247 kinderlos starb, fiel die Grafschaft an den Sohn seiner Schwester, den Grafen Johann von Sponheim, dessen Nachfahren sich wiederum Grafen von Sayn nannten. Eine zunächst in der Vallendarer Marienburg lebende jüngere Linie regierte seit 1345 die durch Heirat erworbene Grafschaft Wittgenstein mit Residenzen in Berleburg und Laasphe.
Im Jahr 1606 starb mit Heinrich IV. die in Sayn regierende ältere Linie im Mannesstamm aus. Die Burg in Sayn wurde daraufhin von Kurtrier als erledigtes Manneslehen gegen den Protest der erbberechtigten Sayn-Wittgensteinschen Verwandten eingezogen.
Im Jahr 1632, während des Dreißigjährigen Krieges, wurde die Burg Sayn von schwedischen Truppen zerstört. Wenn auch ihres Stammsitzes beraubt, blieb die Grafschaft Sayn mit ihrem Westerwälder Territorium und den Städten Hachenburg, Altenkirchen und Bendorf bis Ende des 18. Jahrhunderts erhalten.
Sehenswürdigkeiten und Kultur / Kulturpark Sayn Burg Sayn mini|270px|Burg Sayn, vorne links Schlossturm mit barocker Haube Die Burg Sayn wurde im 12. Jahrhundert durch die Grafen von Sayn (comites de Seyne) auf dem Bergsporn des Kehrberges erbaut. Am westlichen Abhang unterhalb der Burg Sayn entstanden die Häuser der Burgmannen und Ministerialen, Burghaus „von Reiffenberg“ (15. Jahrhundert) und Burghaus „von Stein“ (14. Jahrhundert). Ein weiterer Burgmannensitz „von Wentz“ befand sich an der Stelle des heutigen Schlosses. Alle Burghäuser, sowie der alte Ort Sayn, südlich der Burg, waren umfasst von einer massiven Mauer und durch Burg- und Stadttore geschützt. Nach dem Tod Graf Heinrichs IV. im Jahr 1606 wurde die Burganlage vom Erzstift Trier als erledigtes Lehen gewaltsam eingenommen. Im Dreißigjährigen Krieg erlitten Burg und Ort durch die schwedischen Truppen große Verwüstungen. Der Reichsdeputationshauptschluss brachte die Ruinen 1803 in den Besitz des nassauischen Fürstenhauses und 1815 wurden sie Preußen zugeschlagen. Durch Schenkung des preußischen Königs an den aus Russland zurückgekehrten Fürsten Ludwig zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg gelangte die Burganlage wieder in den Besitz einer Seitenlinie des alten saynischen Adels. In den 1980er-Jahren ließ der heutige Besitzer, Fürst Alexander zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, die Ruinen sichern und teilrenovieren. Bemerkenswert sind die bei den Renovierungsarbeiten entdeckten Grundmauern einer Burgkapelle in Form einer Doppelkirche mit drei Apsiden.
Schloss Sayn mini|270px|Schloss Sayn Das am Fuße des Burgberges gelegene Schloss Sayn hat seinen Ursprung im 14. Jahrhundert als Burgmannenhaus. Nach 1753 wurde es vom damaligen Besitzer zum barocken Herrenhaus umgestaltet. Ebenso erhielt der Torturm eine barocke Dachhaube. Als Fürst Ludwig zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg mit seiner russischen Frau Leonilla 1848 aus Russland wieder in die alte Heimat der Familie zurückkehrte, kaufte er Teile des Besitzes seiner Vorfahren mitsamt dem barocken Herrenhaus und ließ es von François Joseph Girard zu einem Schloss im Stil der Neugotik umgestalten. 1945 wurde es durch Sprengung der Brexbachbrücke erheblich beschädigt und verfiel. Als „Baudenkmal von nationaler Bedeutung“ konnte das Schloss in den Jahren 1995–2000 mit Zuschüssen des Landes Rheinland-Pfalz von seinem Besitzer renoviert und revitalisiert werden. Im Kernbereich des Gebäudes befinden sich die Fürstlichen Salons und das Fürstinnenzimmer mit Bildern und Zeugnissen der Familiengeschichte derer zu Sayn-Wittgenstein-Sayn. Sonderausstellungen, kulturelle Veranstaltungen und Feiern finden in diesen, wie auch in weiteren historischen Räumen statt. Im westlichen- oder Parkflügel des Schlosses ist ein Restaurationsbetrieb untergebracht. Außerdem befand sich im Schloss das Rheinische Eisenkunstgussmuseum.
Schlosskapelle mini|hochkant|Fürstliche Schlosskapelle auf Schloss Sayn An der Ostseite des Schlosses ließen Fürst Ludwig und Fürstin Leonilla zu Sayn-Wittgenstein-Sayn vom Koblenzer Architekten Hermann Nebel die Schlosskapelle erbauen. Sie sollte als Hauskapelle und als Aufbewahrungsort der einige Jahre früher von Graf Boos-Waldeck geschenkten Armreliquie der hl. Elisabeth von Thüringen dienen. Zur Aufbewahrung dieses kostbaren mittelalterlichen Reliquiars, ein zum Segen erhobener Arm, wurde eigens der Goldene Altar in einer Pariser Werkstatt angefertigt. Unter dieser im gotischen Stil erbauten Kapelle befindet sich die Grabkapelle der fürstlichen Familie. Neben der im Alter von 102 Jahren verstorbenen Fürstin Leonilla hat auch der Vater des heutigen Fürsten, Fürst Ludwig zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, hier seine letzte Ruhestatt gefunden. In der Kapelle finden regelmäßig Gottesdienste statt.
Schlosspark Im Zusammenhang mit dem Umbau des Schlosses ließ Fürst Ludwig von den damals bekannten Gartenbaukünstlern Heinrich Siesmayer und Carl Friedrich Thielemann einen 7 ha großen Park im englischen Stil anlegen. Mit einbezogen wurde eine kleinere, barocke Parkanlage, von der noch heute einzelne Bäume Zeugnis geben. Durchflossen vom Brexbach, wird der Park an der Nordseite vom Saynbach begrenzt. Die Fontäne im Schlossweiher und die beiden Springbrunnen an der Schlosstreppe wurden ursprünglich aus einem Reservoir am Burgberg gespeist. Hierzu wurde das Wasser aus einer Zisterne unter dem Schloss mit einer Dampfmaschine zum oberen Behälter hochgepumpt.Rhein-Zeitung Nr. 180 vom 5. August 2017, S. 18, Information von Fürst Alexander zu Sayn-Wittgenstein-Sayn Zur Ausgestaltung der Parkanlage gehören eine künstliche Grotte, eine Marienkapelle und ein dreiflügeliger Pavillon (heute Ruine) sowie vierzehn in Gusseisen gearbeitete Kreuzwegstationen. Seit 1987 befindet sich im Schlosspark auch der „Garten der Schmetterlinge Schloss Sayn“.
Garten der Schmetterlinge Schloss Sayn In dem von Gabriela zu Sayn-Wittgenstein-Sayn initiierten Garten der Schmetterlinge sind inmitten tropischer Pflanzen hunderte exotischer Falter zu betrachten. Zwischen Orchideen, Bananenstauden, Wasserfällen und kleinen Teichen leben Schmetterlinge aus Amerika, Afrika und Asien, z. B. der Atlas-Spinner, de blaue Morphofalter oder chinesische Zwergwachteln sowie tropische Finken und Leguane. Im Pavillon des Schmetterlingshauses finden wechselnde Sonderausstellungen statt. An vielen Hausfassaden im Ort sind große Bilder mit Schmetterlingsmotiven gemalt, die von nationalen und internationalen Künstlern und Studenten geschaffen wurden.
Rheinisches Eisenkunstgussmuseum Im Rheinischen Eisenkunstguss-Museum auf dem Gelände der Sayner Hütte sind der heimische Eisenerzabbau, die Verhüttung und die Verarbeitung in Bildern und mit Exponaten dargestellt.Von 2000 bis 2019 war das Museum in Räumen des Sayner Schlosse eingerichtet. Siehe . Abgerufen am 29. Februar 2020. Schwerpunkt der Sammlung bilden Eisenguss- und Eisenkunstgusserzeugnisse aus der nahegelegenen Sayner Hütte. Aus Gusseisen gefertigte Gebrauchsgegenstände wie Öfen, Möbel, Kochgeschirr, Gitterwerk, aber auch filigran gegossene Schmuckstücke, wie Hals- und Armschmuck, Tabakdosen, Kerzenleuchter bis hin zu einer aus Gusseisen gefertigten Stubenfliege in Originalgröße zeigen die Kunstfertigkeit der Form- und Gießtechnik des 18. und 19. Jahrhunderts. Bilder und Stücke der Mülhofener Hütte am Rhein und der Concordiahütte stellen den industriellen Fortschritt bis zum Ende der Eisen- und Stahlverarbeitung am Mittelrhein im 20. Jahrhundert dar. Ein besonderes Thema ist auch die Dokumentation der kargen Lebenswelt der Hüttenarbeiter und ihrer Familien zur Zeit der Frühindustrialisierung. Sonderausstellungen und Museumstheater ergänzen und vervollständigen die Dauerausstellung.
Sayner Hütte mini|270px|Denkmalareal Sayner Hütte Im Jahre 1769 ließ der trierische Kurfürst Clemens Wenzeslaus die erste Eisenhütte in Sayn erbauen. Ergiebige Eisenerzvorkommen, viel Wald und das nutzbare Wasser des Saynbachs boten günstige Voraussetzungen für die Eisenverhüttung. Bereits 1815 ging die Hütte in den Besitz Preußens über; die nahen Rheinfestungen sollten mit Kanonen und Waffen ausgestattet werden. In den Jahren 1828 bis 1830 ließ Carl Ludwig Althans eine neue Gießhalle bauen. Das dreischiffige Gebäude entstand in filigraner Eisengussstruktur – „… eine Hütte, die sich selbst gegossen hat“. Im Inneren wird die Konstruktion von gegossenen Hohlsäulen mit dorischen Kapitellen getragen. In der Apsis des Langhauses steht der heute wieder teilweise rekonstruierte Hochofen. Gleichzeitig mit diesem Bau begann Althans mit der Herstellung von Eisenkunstguss für Gebrauchsgegenstände, Grabkreuze, Brunnen bis hin zu feingliedrigem Schmuck. Im Rheinischen Eisenkunstgussmuseum werden verschiedene Exponate und Musterbücher gezeigt. 1865 kaufte die Firma Krupp, Essen, das Hüttenwerk und stellte bereits wenig später den Hochofenbetrieb ein. Für die Eisenbearbeitung wurde eine weitere Halle gebaut – die Krupp’sche Halle. Wegen der ungünstigen Lage zu den entstandenen Industriezentren wurde der Betrieb der Eisenhütte 1926 völlig eingestellt. Die alte Gießhalle gilt als geschütztes Industriedenkmal von europäischer Bedeutung und ist heute im Besitz der Stadt Bendorf.
Abtei Sayn mini|270px|Abteikirche Die Abtei Sayn ist ein ehemaliges Prämonstratenserkloster, das Graf Heinrich II. von Sayn und seine Familie im Jahre 1200 stifteten.Joachim J. Halbekann: Die älteren Grafen von Sayn. 1997, Kap.B.III.2. Die Weihe der Abtei fand im Mai 1202 statt.Urkundenbuch zur Geschichte der jetzt die Preussischen Regierungsbezirke Coblenz und Trier bildenden mittelrheinischen Territorien. Band 2: Heinrich Beyer, Leopold Eltester, Adam Goerz: Vom Jahre 1169 bis 1212. Hölscher, Koblenz 1865, S. 237 f., Nr. 201. Im Zuge der Säkularisation wurde der Konvent 1803 aufgehoben und die Klostergüter wurden enteignet.Landeshauptarchiv Koblenz 334, 355, S. 76. Seitdem dient die Abteikirche der katholischen Pfarrgemeinde Sayn als Pfarrkirche.