mini|hochkant=1.3|Die Insel Riddarholmen, dahinter Stockholms Altstadt Gamla stan und andere Merkmale Stockholms
Stockholm (schwedische Aussprache ; vom altschwedischen stokker und holmber, entsprechend „Baumstamm, Warenbestand“ und holme „kleine Insel“) ist die Hauptstadt Schwedens und mit 995.574 (Gemeinde Stockholm), 1,77 Millionen (tätort Stockholm) beziehungsweise 2,39 Millionen Einwohnern (Groß-Stockholm) die größte Stadt in Skandinavien.SCB: Localities and urban areas Sie hat eine in das 11. Jahrhundert zurückreichende Besiedlungsgeschichte.
Die Stadt ist sowohl Sitz des schwedischen Parlamentes als auch der schwedischen Regierung. Sie ist Residenz des Königs, das kulturelle Zentrum des Landes und evangelischer sowie römisch-katholischer Bischofssitz.
Geographie mini|links|Sandhamn im östlichen Stockholmer Schärengarten mini|Lage der Stadt in der Provinz Stockholm
Geographische Lage mini|Satellitenbild Stockholms
Das Landschaftsbild Stockholms hat sich in der Geschichte der Stadt aufgrund der skandinavischen Landhebung stark verändert. Teile, die heute zum Festland gehören, waren vor einigen hundert Jahren noch Inseln.
Ein Meerbusen der Ostsee umschließt die Stadt im Osten mit zahlreichen Buchten, Landzungen sowie etwa 24.000 größeren und kleineren Inseln (Schären). Dieses Gebiet wird Stockholmer Schärengarten (Skärgården) genannt.
Stockholm liegt am Ausfluss des Sees Mälaren in die Ostsee, dem Riddarfjärden. Der See erstreckt sich 120 Kilometer nach Westen ins Landesinnere. Slussen, eine Schleuse mitten in Stockholm, trennt das Süßwasser des Mälarsees vom Salzwasser der östlich liegenden Ostsee.
Wasser macht etwa 30 Prozent der Stadtfläche aus. Die Stadt bezieht ihr Trinkwasser aus dem Mälaren und die hohe Wasserqualität erlaubt es, mitten in der Innenstadt Lachse zu angeln. Die Stadt erstreckt sich über 14 Inseln, die durch 53 Brücken verbunden sind. Ein großer Teil der Stadt besteht aus Waldregionen.
In nordsüdlicher Richtung zieht sich eine eiszeitliche Kiesmoräne, die vom Ausfluss durchbrochen worden war. Die Inseln im Strom sind Reste dieses Rückens.
Stadtgliederung Die Gemeinde Stockholm gliedert sich seit dem 1. Januar 2007 in 14 Stadtbezirke. InnenstadtSüdenWesten Kungsholmen Norrmalm Östermalm Södermalm Enskede-Årsta-Vantör Farsta Hägersten-Liljeholmen Skarpnäck Skärholmen Älvsjö Bromma Hässelby-Vällingby Rinkeby-Kista Spånga-Tensta
Tätort Stockholm und Metropolregion Stockholm Zum „tätort“ (zusammenhängendes, dicht bebautes Gebiet) Stockholm gehören neben dem Territorium der Gemeinde Stockholm auch die umliegenden Gemeinden Solna und Sundbyberg (vollständig) sowie Teile der neun Gemeinden Botkyrka, Danderyd, Haninge, Huddinge, Järfälla, Nacka, Sollentuna, Tyresö und Upplands Väsby.Tätorter 2010 (PDF; 3,0 MB), Informationsschrift des schwedischen Statistikamts SCB (schwedisch)
Die Metropolregion „Groß-Stockholm“ (schwedisch Stor-Stockholm oder Storstockholm) umfasst nach Definition der schwedischen Statistikbehörde SCB seit dem 1. Januar 2005 die gesamte Provinz Stockholm (Stockholms län).SCB: Sveriges storstadsområden (schwedisch; PDF; 123 kB) Zuvor wurden die südlich gelegenen Gemeinden Nykvarn, Nynäshamn und Södertälje sowie die im Norden der Provinz gelegene Gemeinde Norrtälje nicht dazu gezählt.
Klima Stockholm befindet sich bislang in der gemäßigten Klimazone; die Jahresmitteltemperatur beträgt 6,6 °C und die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge etwa 546,4 Millimeter. Der wärmste Monat ist der Juli mit 17,5 °C im Mittel, der kälteste der Februar mit durchschnittlich −3 °C. Der meiste Niederschlag fällt im Monat August mit 66,2 Millimetern im Mittel, der geringste im März mit durchschnittlich 27,3 Millimetern.World Meteorological Organization (englisch)
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts schwanken die Jahresmitteltemperaturen zwischen 4 °C und 8,5 °C. Modellrechnungen zu den Folgen der globalen Erwärmung aus dem Jahr 2019 ergeben, dass Stockholm bereits bei Eintritt des als optimistisch eingeschätzten RCP4.5-Szenarios in eine andere Klimazone verlagert werden würde; demnach wäre das Klima in Stockholm bereits im Jahr 2050 dem bisherigen Klima in Budapest ähnlicher als dem bisherigen in Stockholm.J.-F. Bastin et al.: Understanding climate change from a global analysis of city analogues. In: PLoS One. Nr. 14(7), 2019, e0217592. doi:10.1371/journal.pone.0217592
Bevölkerung Ende 2024 zählte die Hauptstadtregion (Stor-Stockholm) 2.473.307 Einwohner, wovon 1.809.412 Einwohner (2023) im zusammenhängend besiedelten Gebiet (tätort) rund um Stockholm und davon 995.574 in der eigentlichen Stadt Stockholm (kommun) lebten.
Etwas über 10 Prozent der Einwohner (104.098 im Jahr 2025) sind nichtschwedische Staatsbürger.Statistikdatabasen.scb.se, abgerufen am 26. April 2026 35,2 Prozent der Einwohner (350.149 im Jahr 2024) sind im Ausland geboren oder haben zwei Elternteile, die im Ausland geboren wurden, wobei es eine starke Segregation gibt. Während in der Innenstadt etwas über 20 % der Bevölkerung einen Migrationshintergrund hatten, so liegt der Anteil in den äußeren Bezirken viel höher und im Gemeindeteil Järva bei 85,3 % (Stand 31. Dezember 2024). Ein Grund für die Segregation liegt in dem sehr angespannten Wohnungsmarkt, wodurch sich der durchschnittliche Kaufpreis laut Immobilienmaklerstatistik zwischen 1997 und 2017 von 12.818 kr pro Quadratmeter auf 72.765 kr pro Quadratmeter nahezu versechsfacht hat. Im Jahr 2017 standen zudem mehr als 570.000 Personen in einer der Wartelisten (bostadskö) für eine reguläre Mietwohnung. Da es allerdings nur 360.000 reguläre Mietwohnungen gibt, beträgt die derzeitige Mindestwartezeit zwischen 9,3 Jahre (Tensta) und 23,2 Jahre (Vasastan).
Die Arbeitslosigkeit betrug im Jahr 2024 3,5 %. Eine finanzielle Unterstützung bekamen 1,8 % der Einwohner und das mittlere Einkommen für das Jahr 2015 352.000 kr. 98,9 % eines Jahrganges besuchen ein Gymnasium (2012) und 55,0 % eine Hochschule (2013). Das Ausbildungsniveau der Bevölkerung liegt deutlich über dem Landesdurchschnitt: Nur 9 % der Bevölkerung zwischen 25 und 64 Jahren haben keinen Gymnasialabschluss, aber 58 % der Bevölkerung haben eine postgymnasiale Ausbildung.
mini|Entwicklung der Einwohnerzahl Stockholms bis 2012
+ Entwicklung der Einwohnerzahl Stockholmsnach dem jeweiligen Gebietsstand Jahr Einwohner 1570 9.100 1610 8.900 1630 15.000 1650 35.000 1690 55.000 1730 57.000 1750 60.018 1770 69.000 1800 75.517 1810 65.474 1820 75.569 1830 80.621 1840 84.161 1850 93.070 1860 113.063 1870 136.016 1880 168.775 Jahr Einwohner 1890 246.454 1900 300.624 1910 342.323 1920 419.429 1930 502.207 1940 590.543 1950 745.936 1960 808.294 1970 740.486 1980 647.214 1990 674.452 2000 750.348 2005 771.038 2010 847.073 2015 917.297 2020 975.551 2024 995.574
Geschichte Die Entstehung der Stadt Die Stelle, an der heute Stockholm steht, wird zum ersten Mal vom isländischen Dichter und Sagenschreiber Snorri Sturluson (1179–1241) erwähnt: Er beschreibt in der Ynglinga saga eine Pfahlbarriere über die heutige Wasserstraße Norrström, die er Stokksunda nannte. Bei Ausgrabungen in den späten 1970er Jahren kamen Überreste von Wasserpfählen zum Vorschein, die aus dem 11. Jahrhundert stammen und diese Aussage stützen. Außerdem wird von Snorri auch ein Befestigungsturm aus dem 12. Jahrhundert erwähnt, der sich dort befunden haben soll, wo seit 1580 das königliche Schloss steht.
Ein Schutzbrief für das Fogdö-Kloster, ausgestellt im Juli 1252, ist das älteste überlieferte Dokument, in dem Stockholm erwähnt wird, in der Schreibweise Stokholm. In der Erik-Chronik (schwedisch: Erikskrönikan), die zwischen 1320 und 1335 kompiliert wurde, steht, dass der Gründer Stockholms, der Regent Birger Jarl, um das Jahr 1250 eine Festung bauen wollte, um den Mälarsee vor Piratenplünderungen zu schützen.
Es gibt keine historischen Belege für eine Existenz Stockholms vor der Mitte des 13. Jahrhunderts. Eventuell gab es ältere Verteidigungsanlagen zur Sicherung der Einfahrt in den Mälarsee; eine Besiedlung kann jedoch nicht nachgewiesen werden.
Zunächst beschränkte sich das besiedelte Gebiet auf die Insel Stadsholmen, der heutigen Altstadt (schwedisch Gamla stan). Die Insel selbst war um ein Drittel kleiner als heute und die Ströme wesentlich breiter.
In den folgenden Jahrzehnten unter der Regierung Birger Magnussons und des Königs Magnus Ladulås entwickelte sich Stockholm zu einer wichtigen Handelsstadt, was vor allem durch Verträge mit der Hansestadt Lübeck gefördert wurde. Die Hanse kontrollierte den schwedischen Überseehandel vom 13. bis ins 17. Jahrhundert. Um 1270 wurde Stockholm in Dokumenten als Stadt bezeichnet. Obwohl Stockholm nicht wie viele schwedische Städte schon Anfang des 13. Jahrhunderts entstand, wurde es 1289 in einem Dokument als die bevölkerungsreichste Stadt des Königreiches beschrieben. Die ersten gesicherten Annahmen zur Größe der Stadt beziehen sich auf die Mitte des 15. Jahrhunderts, als Stockholm etwa tausend Haushalte, also ungefähr fünf- bis sechstausend Einwohner hatte. Aus demselben Jahrhundert (1436) stammt auch der erste Privilegienbrief.
Im Mittelalter bestand ein erheblicher Teil der Stockholmer Bürgerschaft aus Deutschen und von 1296 bis 1478 wurde der 24-köpfige Rat der Stadt paritätisch aus deutschsprachigen und schwedischsprachigen Stadtbürgern besetzt. Trotz seiner Größe und günstigen Lage war Stockholm noch nicht die Hauptstadt, denn der König, wie auch sein Sohn, Magnus Ladulås, hatten noch keinen festen Regierungssitz.
Der hauptsächliche Grund für die rasche Entwicklung der Stadt war ihre strategische Lage. Stockholm beherrschte die Zufahrt zum Mälarsee, der seinerseits eine aufgrund der Landwirtschaft und Eisenherstellung wirtschaftlich wichtige Region erschloss.
Die Kalmarer Union
mini|Stockholm 1642, gilt als älteste handgezeichnete Karte
Die strategische und wirtschaftliche Bedeutung der Stadt machte Stockholm zu einem wichtigen Machtfaktor in den Auseinandersetzungen zwischen den dänischen Königen der Kalmarer Union und der nationalen Unabhängigkeitsbewegung im 15. Jahrhundert. So erfocht am 14. Oktober 1471 Schweden unter Sten Sture in der Nähe der Stadt am Brunkeberg (heute ein Teil des Stadtbezirkes Norrmalm) mit Unterstützung der Stockholmer Bürgerschaft einen Sieg über den dänischen König Christian I., der versuchte, Schweden an sich zu reißen. Dessen Enkel Christian II. belagerte die Stadt 1518 vergebens, nahm sie aber 1520 nach einer neuen Belagerung durch Verrat ein. Am 8. November 1520 kam es in Stockholm im Rahmen der Krönungsfeierlichkeiten zu einer Massenhinrichtung von Oppositionellen am Stortorget (mehr als 80 Adlige wurden hingerichtet), dem Stockholmer Blutbad. Der junge Adlige Gustav Eriksson konnte entkommen, hatte gegen Ende des Jahres eine Armee zusammengestellt und konnte Christian II. aus Schweden vertreiben. Am 6. Juni 1523, dem heutigen schwedischen Nationalfeiertag, wurde er unter dem Namen Gustav Vasa zum König gewählt.
Die Wasa-Zeit Mit dem Einzug Gustav Wasas 1523 und dem Aufbau einer starken Königsmacht entwickelte sich Stockholm auch zu einer wichtigen Residenzstadt. Neben dem Bürgertum begann nun auch der königliche Hof, das Stadtbild zu prägen. Die Stadtinsel bot nicht mehr genug Platz, und 1529 wurden Södermalm und Norrmalm unter die Herrschaft Stockholms gestellt. Die Stadt wuchs und erreichte um 1600 eine Einwohnerzahl von 10.000 Einwohnern.
Das 17. Jahrhundert mini|Ansicht Stockholms im Jahr 1690 (aus Suecia antiqua et hodierna von Erik Dahlberg)