mini|hochkant=1.4|Verbreitung der schwedischen Sprache
Die schwedische Sprache oder Schwedisch (Eigenbezeichnung: ) gehört zum östlichen Zweig der nordgermanischen Sprachen. Damit ist das Schwedische auch Teil der indoeuropäischen Sprachfamilie. Das Schwedische ist am nächsten verwandt mit dem Dänischen und stammt wie die anderen nordgermanischen Sprachen vom Altnordischen ab, das die Sprache der Germanen in Skandinavien war.
Als Amtssprache in Schweden und Finnland und mit zwei Zentren der Standardisierung ist Schwedisch eine plurizentrische Sprache.
Herkunft und Verwandtschaft Schwedisch ist eine indoeuropäische Sprache, die zum nordgermanischen Zweig der germanischen Sprachen gehört. Zusammen mit dem Dänischen gehört es zur ostnordischen Sprachgruppe, die sich von den westnordischen Sprachen (Färöisch, Isländisch und Norwegisch) durch das Vorkommen jüngerer Monophthonge statt der älteren Diphthonge unterscheidet: Schwedisch Dänisch Norwegisch(Bokmål) Norwegisch(Nynorsk) Färöisch Isländisch Deutsch jag jeg jeg eg eg ég ich öga(t) øje(t) øye(t) auga eyga(ð) auga(ð) (das) Auge ben(et) ben(et) ben(et) bein(et) bein(ið) bein(ið) (das) Bein / (der) Knochen mini|Titelseite der ersten schwedischen Bibelübersetzung von 1541 Auga, eyga und bein zeigen die erhaltenen Diphthonge im Nynorsk, Färöischen und Isländischen, denen die monophthongierten Formen öga, øje und ben im Schwedischen, Dänischen und Bokmål gegenüberstehen (dänisch øje zeigt nur sekundären Diphthong infolge der Entwicklung von /g/ zu /j/; der Laut /ø/ ist das Monophthongierungsprodukt aus germanisch *au). Umgekehrt zeigt jag, jeg im Schwedischen, Dänischen und Bokmål Brechung, wogegen Nynorsk, Färöisch und Isländisch den ungebrochenen Laut bewahrt haben.
Eine auf die modernen Sprachen bezogene Gliederung unterteilt die skandinavischen Sprachen in eine festlandskandinavische Gruppe (Schwedisch, Dänisch, Norwegisch (Bokmål und Nynorsk)) und eine inselskandinavische Variante mit Färöisch und Isländisch. Diese Unterscheidung gibt wieder, dass Isländisch und Färöisch ein stark abweichendes Laut- und Formensystem kennen und sich auch im Wortschatz vom Festlandskandinavischen deutlich unterscheiden. Ersteres liegt unter anderem in der geografischen Isolation Islands und der Färöer begründet, Letzteres unter anderem in der deutlich stärkeren Beeinflussung des Schwedischen, Dänischen und Norwegischen durch das Niederdeutsche der Hanse.Oskar Bandle: Die Gliederung des Nordgermanischen (= Beiträge zur nordischen Philologie. Band 1). Basel/Stuttgart 1973, 2. Auflage (mit einer Einführung von Kurt Braunmüller) Tübingen 2011.David Crystal: The Penguin Dictionary of Language. 1999, ISBN 0-14-051416-3.
Aufgrund ihrer großen strukturellen Ähnlichkeit und der gegenseitigen Verständlichkeit zumindest geschriebener Texte können die festlandskandinavischen Sprachen linguistisch als „Dialekte“ des „Gemeinskandinavischen“ aufgefasst werden. Viele Dialekte können linguistisch nicht eindeutig einer der Nationalsprachen zugewiesen werden. So ähneln die Dialekte in Dalarna und Jämtland denen auf der norwegischen Seite der Grenze. Bestimmte grammatische Phänomene eines Dialektes können der Standardsprache einer anderen Nationalsprache angehören.Kenneth Hyltenstam (red.): Sveriges sju inhemska språk – ett minoritetsspråksperspektiv. 1999, ISBN 91-44-00777-9
Ab mittelalterlicher Zeit eingetretene Entwicklungen haben aber dennoch zu den heutigen eigenständigen Sprachen geführt. Im Süden Skandinaviens, im nachmaligen Dänemark und in Schonen, zeigten sich schon zwischen 1100 und 1350 im Bereich des Lautsystems und der Wortbeugung die wichtigsten derjenigen Züge, die Dänisch von Schwedisch bis heute unterscheiden, wie beispielsweise die Abschwächung unbetonter Vokale zu /ə/ und die Schwächung von /p/, /t/, /k/ zu /b/, /d/, /g/; auch die starke Vereinfachung des Flexionssystems fand in Dänemark Jahrhunderte früher statt als in Schweden.Peter Skautrup: Det danske Sprogs Historie. 1. Band: Fra guldhornene til Jyske Lov. Gyldendal, København 1968, S. 182–310, besonders S. 224 ff. und 266 ff. Die im heutigen Schweden gesprochene Sprache blieb länger dem altnordischen Sprachsystem verhaftet; erst in der Zeit zwischen 1375 und 1526 fanden solche durchgreifende Veränderungen in Wortschatz, Schriftsprache, Wortbeugung und Lautsystem statt, die schließlich zum heutigen Schwedisch führten.Elias Wessén: Schwedische Sprachgeschichte. Band I: Laut- und Flexionslehre. Walter de Gruyter, Berlin 1970, S. 78–106 und passim.
Während des Mittelalters unterlag das Schwedische, wie auch die dänische und die norwegische Sprache, prägenden Einflüssen aus dem Mittelniederdeutschen der Hanse. In der Neuzeit kamen Einflüsse des Hochdeutschen hinzu, teils durch den Handel mit den Ländern des deutschen Sprachraums und des Baltikums, teils durch den Dreißigjährigen Krieg und die daraus zurückkehrenden Soldaten, was besonders durch die vielen Lehnwörter im Militärjargon sichtbar wird. Doch auch die Dominanz der deutschen Sprache in manchen Wissenschaften prägte den schwedischen Wortschatz. Umgekehrt hinterließ die schwedische Sprache während der lange anhaltenden schwedischen Herrschaft über Vorpommern gewisse Einflüsse auf den dortigen niederdeutschen Dialekt, beispielsweise Lingon für die Preiselbeere und Brüllup für die Hochzeitsfeier.
Die Geschichte der modernen schwedischen Sprache beginnt mit der Verbreitung der Buchdruckerkunst und der Reformation. Nachdem Schweden unter Gustav I. Wasa seine Unabhängigkeit von Dänemark wiedererlangt hatte, führte dieser Herrscher die lutherische Reformation im Land ein. 1541 erschien mit der Gustav-Wasa-Bibel die erste vollständige Bibelübersetzung in schwedischer Sprache, verfasst von Laurentius Andreae und Olaus sowie Laurentius Petri.
Allgemeines Schwedisch wird von etwa 8,5 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, von denen etwa acht Millionen in Schweden und knapp 290.000 als finnlandschwedische Minderheit (5,5 % der Bevölkerung) in Finnland leben. Historisch war Finnland seit dem frühen Mittelalter bis zum Jahr 1809 (Vertrag von Fredrikshamn) ein Teil des schwedischen Reiches, und das Schwedische war bis in das 19. Jahrhundert dort die Sprache der gebildeten Oberschicht, bis sich im Zuge der auch politisch geführten Auseinandersetzung zwischen Fennomanen und Svekomanen das Finnische als Amtssprache neben dem Schwedischen etablierte. Seit längerer Zeit ist auch ein Rückgang des Anteils der Finnlandschweden an der Bevölkerung Finnlands zu verzeichnen.
In Finnland finden sich zweisprachige Gemeinden in den Landschaften Nyland (finnisch Uusimaa), Östra Nyland (Itä-Uusimaa), Kymmenedalen (Kymenlaakso), Egentliga Finland (Varsinais-Suomi) und Österbotten (Pohjanmaa). Die schwedischsprachigen Schulkinder in diesen Gemeinden werden in ihrer Muttersprache Schwedisch unterrichtet, die finnischsprachigen in ihrer Muttersprache Finnisch. Die autonome Inselgruppe Åland ist die einzige offiziell einsprachig schwedische Region im sonst zweisprachigen Finnland: Hier wird nur Schwedisch gesprochen, und Finnisch ist in den Schulen nur ein Wahlfach (Englisch aber ein Pflichtfach). Im übrigen Finnland ist Schwedisch als zweite einheimische Sprache ein Pflichtfach (drei Jahre in der Grundschule, weitere drei Jahre im GymnasiumSchwedisch weiterhin obligatorisches Fach in der finnischen Schule, von: Sveriges Radio (schwedisch), abgerufen am 9. März 2017.) und war bis 2004 obligatorisches Fach in der Abiturprüfung. In Åbo (Turku) befindet sich die einzige rein schwedischsprachige Universität Finnlands, die Åbo Akademi.
Von der ehemaligen schwedischsprachigen Volksgruppe in Estland, den Estlandschweden oder „Küstenschweden“ (Anfang der 1940er Jahre um 8800 Menschen), blieben seit ihrer Massenemigration nach Schweden während des Zweiten Weltkriegs fast nur ältere Menschen. In neuerer Zeit sind aber einige Estlandschweden zurückgekehrt, und heute wird (Standard-)Schwedisch in den Schulen der ehemals schwedischsprachigen Landesteile unterrichtet.
Schweden können sich relativ problemlos mit Norwegern unterhalten; so existiert mit Svorsk eine Mischsprache, die sich aus der schwedischen und norwegischen Umgangssprache zusammensetzt. Auch mit Dänen ist, wenn sie sich Mühe geben, deutlich zu sprechen, eine Unterhaltung möglich, wobei es hier allerdings regionale Unterschiede gibt. So verstehen die Schweden im Süden, vor allem in Schonen, wegen der nahen Verwandtschaft ihres Dialekts mit dem Dänischen die Dänen relativ gut. Einwohner in Westschweden (beispielsweise in Värmland oder Dalarna) haben dagegen große Probleme mit dem Dänischen, dafür aber kaum Schwierigkeiten mit dem Norwegischen.
Rechtliche Lage Schwedisch ist die Amtssprache in Schweden und, neben Finnisch, in Finnland. In Schweden ist der offizielle Status der schwedischen Sprache seit dem 1. Juli 2009 durch ein Sprachgesetz festgelegt,Svenska språklag (schwedisch) das alle staatlichen Stellen verpflichtet, die schwedische Sprache zu verwenden und zu entwickeln. Die Sprache der Behörden soll gepflegt, einfach und verständlich sein. Neben dem Schwedischen sind Finnisch, Jiddisch, Meänkieli, Romani und mehrere samische Sprachen als Minderheitssprachen anerkannt. In Finnland legt ein Sprachgesetz fest, dass Schwedisch auf nationaler Ebene eine gleichberechtigte Amtssprache neben Finnisch ist und auf kommunaler Ebene in Gemeinden mit einem gewissen schwedischsprachigen Bevölkerungsanteil allein oder neben Finnisch Amtssprache ist (siehe Finnische Sprachpolitik).
Um die Pflege der schwedischen Sprache und die Sprachpolitik bemühen sich der „Sprachrat“ (Språkrådet), eine staatliche Einrichtung im „Institut für Sprache und Volkstum“ (Institutet för språk och folkminnen), und private Organisationen wie Språkförsvaret.
Sprachgeographie heute Schwedisch war im Jahr 2013 die Muttersprache von etwa 8,5 Millionen Menschen. Davon leben 8 Millionen im Königreich Schweden und rund 300.000 in der Republik Finnland; der Rest verteilt sich auf Länder weltweit. Das Finnlandschwedische, ein ostschwedischer Dialekt, wird vornehmlich in den Küstengebieten und auf den vorgelagerten Schären in Österbotten, Åboland und Nyland (einschließlich der Hauptstadtregion) sowie auf den Ålandinseln gesprochen. Zudem beherrschen viele Finnen das Schwedische, da es in den finnischsprachigen Landesteilen als erste Fremdsprache in den Schulen gelehrt wird. Auf den Ålandinseln ist das Schwedische die einzige Verwaltungssprache. Einige einsprachig finnische Gemeinden haben ebenfalls eine bedeutende schwedischsprachige Minderheit; diese werden als schwedische Sprachinseln bezeichnet. Im Jahr 1610 betrug der schwedischsprachige Anteil der finnischen Bevölkerung 17,5 Prozent. Seitdem hat sich der Anteil der schwedischsprachigen Bevölkerung stetig vermindert. Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg wanderten viele nach Schweden und in die USA aus. Zwischen 1945 und 1976 emigrierten 400.000 Menschen von Finnland nach Schweden, etwa 200.000 blieben permanent dort, davon kam ein Drittel aus den schwedischsprachigen Gebieten Finnlands. Heute sprechen ungefähr 5,4 Prozent der finnischen Bevölkerung Schwedisch als Muttersprache.