Der Mörder spricht das Urteil ist ein deutscher Kriminalfilm von Jorgo Papavassiliou aus dem Jahr 2002. Es handelt sich um den Pilotfilm zur Sat.1-Kriminalfilmreihe Blond: Eva Blond! mit Corinna Harfouch in der Titelrolle der Kommissarin und Erdal Yildiz als neuem Kollegen. Herbert Knaup ist als Blonds Ehemann besetzt, Ralph Herforth als Verdächtiger und Peter Sattmann als Richter.

Die Erstausstrahlung des Films erfolgte am 9. Oktober 2002 zur Hauptsendezeit beim Sender Sat.1 in der Rubrik „Mittwochsfilm“. Sat.1 schrieb zur Erstausstrahlung des Films: „Mit ihrem neuen, türkischen Assistenten Alyans ist sich Eva Blond nicht ganz grün. Aber der Mord an einer jungen Kosmetikerin schweißt beide zu einem schlagkräftigen Team zusammen – die eigenwillige, wandlungsfähige Ermittlerin und den traditionsbewussten Macho mit weichem Kern.“

Handlung Der unter einer Rechtschreibschwäche leidenden Kommissarin Eva Blond, die im Schmelztiegel Berlin ermittelt, wird mit dem türkischen Assistenten Alyans Karan ein neuer Kollege zur Seite gestellt. Die Kommissarin ist seit zehn Jahren mit dem Professor Richard Vester verheiratet. Im ersten gemeinsamen Fall von Blond und Karan geht es um den Mord an der jungen Kosmetikerin Charlotte Schmitz. Unter Tatverdacht steht ihr Freund, der introvertierte Kranführer und Analphabet Immo Hosemann. Er soll sie in ihrer Badewanne mit einem Stromschlag, ausgelöst durch einen Heizlüfter, getötet haben. Im Widerspruch dazu steht allerdings, dass Charlottes Leiche auf ihrem Bett gefunden wurde. Zudem stellt sich heraus, dass Charlotte von Hosemann schwanger war.

Zugang zu Hosemann zu finden erweist sich als schwierig, obwohl Blond sich gut in den stillen Mann hineinversetzen kann, der nicht lesen und schreiben kann. Sie glaubt auch nicht daran, dass er seine Freundin getötet hat, auch wenn ihr Vorgesetzter Lottmann davon überzeugt ist. Bevor der zuständige Richter Emil Hanska noch ein abschließendes Urteil fällen kann, nimmt sich Hosemann in seiner Zelle das Leben. Da er nicht schreiben kann, hinterlässt er ein Phantombild des Mörders. Blond ist sehr betroffen und meint, das hinterlassene Bild sei ein Hilferuf gewesen.

Eva Blond ist davon überzeugt, dass Hosemann die Wahrheit gesagt hat und macht sich gemeinsam mit ihrem Kollegen Karan auf die Suche nach dem wahren Täter. Die Ermittlungen führen das Duo zu einer Baustelle, wobei davon auszugehen ist, dass die dortigen Arbeiter zumindest etwas beobachtet haben müssten. Der Fal nimmt eine unerwartete Wendung, als Indizien darauf hindeuten, dass Richter Hanska in den Fall verwickelt zu sein scheint. Charlotte Schmitz hatte einen kleinen Hund, der auf den Richter reagiert, als sei er sehr vertraut mit ihm. Es stellt sich heraus, dass Hanska überhaupt kein Richter ist, sondern alle dementsprechenden Unterlagen gefälscht hat. Er war es, der die junge Frau mit einem gezielten Stromschlag in der Badewanne tötete. Es handelt sich um einen eiskalt kalkulierten Mord, den Hanska durch nachträgliche Inszenierungen zu verschleiern versuchte. Die sorgfältig von ihm geplante Tat war Teil eines komplexen Geflechts aus persönlichen Verwicklungen und dem Versuch, Rache, oder in seinen Augen Gerechtigkeit, auf eigene Faust zu üben, getreu dem Filmtitel, dass der Mörder hier selbst das Urteil habe fällen müssen.

Bei Hanska handelt es sich um einen Mann, der davon überzeugt ist, dass nur er das Richtige tut. In Hanskas Augen korrigierte Charlotte in ihrem Beruf oberflächliche Makel, obwohl sie selbst mit einem viel schlimmeren Makel behaftet war, den er nun durch ein von ihm gefälltes Urteil tilgen wollte. Sie erwartete ein Kind, das nicht von ihm war. Dass er die junge Frau nach der Tat auf ihr Bett legte, sollte ein bewusstes Zeichen setzen.

Blond gerät in Todesgefahr, als sie sich allein ins Haus von Hanska begibt, um mit ihm zu reden. Die Kommissarin weiß noch nicht, dass auch die von Hanska vorgetäuschte Familie nur in dessen Phantasie existiert und dass zudem eine weitere von Hanska gefangen gehaltene Frau im oberen Stockwerk seines Hauses verzweifelt um ihr Leben kämpft. Karan hat inzwischen herausgefunden, dass Hanska schon mit diversen anderen Frauenmorden im Zusammenhang steht und eilt zum Haus des selbst ernannten Richters. Er kann gerade noch verhindern, dass Hanska die erhobene Axt gegen Blond zum Einsatz bringen kann. Karan macht gegenüber Eva Blond deutlich, was er von ihrem Alleingang hält. Blond reagiert entgegen ihrer sonstigen Art sehr kleinlaut. Dem festgenommenen Hanska gelingt es während der Autofahrt zum Revier eine Kapsel mit Zyankali zu schlucken. Jede Hilfe kommt zu spät.

Produktionsnotizen, Hintergrund Die Aufnahmeleitung lag bei Christoph Wallmeyer und Sven Herrmann, die Produktionsleitung bei Andreas Born und die Herstellungsleitung bei Tommy Kroepels. Es handelt sich um eine Produktion der Fontana TV im Auftrag von Sat.1.

Corinna Harfouch erzählte über die von ihr verkörperte Figur, dass bei Eva Blond viel Energie draufgehe, um „die gravierenden Schwächen zu überspielen“, „sodass schnell an anderen Ecken und Enden bei ihr das Chaos“ ausbreche. „Als Legasthenikerin“ müsse „sie sehr kreativ sein, um bestimmte Prüfungen zu bestehen“. Genau wie Blinde würden Legastheniker „bestimmte Verhaltens- und Umgehungstechniken entwickeln“. Eva Blond sei „sehr intelligent, ihre unverbildete Sichtweise“ könne „erfrischend sein“, betonte Harfouch.Rainer Tittelbach: Blond: Eva Blond – Der Mörder spricht das Urteil. Corinna Harfouch als coole Berliner Ermittlerin: Mit Pumps zum Polizeieinsatz tittelbach.tv, 9. Oktober 2002. Abgerufen am 17. Februar 2026.

Kritik Die Kritiker der Fernsehzeitschrift TV Spielfilm gaben dem Auftaktfilm von Blond: Eva Blond! je einen von drei möglichen Punkten in den Kategorien „Anspruch“, „Action“, „Spannung“ und „Erotik“ sowie zwei Punkte in der Kategorie „Humor“ und lobten: „Hübsch überdreht und sehr pfiffig ist „Eva Blond“ die einzige Ermittlerin, die ein Kind (von Herbert Knaup) haben möchte und in jedem Fall der erfrischendste Neuzugang im Team deutscher TV-Kommissarinnen.“ Weiter befand man: „Schön schräg: Eine Frau geht aufs Ganze“. Der Film erhielt insgesamt die bestmögliche Wertung, Daumen nach oben.

Rainer Tittelbach schrieb auf seiner Seite tittelbach.tv, Eva Blond sei, „anders als Bella Block & Co. eine etwas andere Kommissarin, ein bunter Vogel, keine tiefgründelnde Psychologin, eine Frau, die nicht lesen und schreiben“ könne und die sich „auf Zweikämpfe mit Mördern und Psychopathen“ einlasse. Dass die Harfouch ihre Eva Blond sehr möge, das spüre man. Oft scheine die Heldin „ein wenig durch den Wind zu sein“. Ihr „in der Filmehe einen Professor (gespielt von Herbert Knaup) an die Seite zu geben,“ sei „da ein besonders hübscher Einfall vom Grimme-Preisträger-gekrönten Autor Sascha Arango“.

Auf der Seite Filmdienst war zu lesen: „Auftakt einer (Fernseh-)Krimiserie, die den Fall in eine Reihe problematischer Subplots einbindet und multikulturelle Spannungen ebenso einbezieht wie das Tabuthema des Analphabetismus. Dreh- und Angelpunkt ist die prägnant gespielte Polizistin Eva Blond. – Ab 16.“

Weblinks

Blond: Eva Blond! wunschliste.de

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 2002 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Kriminalfilm Kategorie:Fernsehfilm (Sat.1)