Der Zwerg im Schließfach ist ein deutscher Kriminalfilm von Hermine Huntgeburth aus dem Jahr 2004. Es handelt sich um den dritten Film zur Sat.1-Kriminalfilmreihe Blond: Eva Blond! mit Corinna Harfouch in der Titelrolle der Kommissarin und Erdal Yildiz als Kommissar Alyans Karan. Herbert Knaup ist als Blonds Ehemann besetzt, Gottfried Breitfuß als Vorgesetzter des Duos und Tonio Arango als Pathologe. In tragenden Gastrollen agieren Tayfun Bademsoy, Rolf Kanies, Melika Foroutan und Baki Davrak sowie Frank Giering.
Die Erstausstrahlung des Films erfolgte am 12. Mai 2004 zur Hauptsendezeit beim Sender Sat.1 in der Rubrik „Mittwochsfilm“. Der Filmdienst schrieb zur Erstausstrahlung des Films: „Kommissarin Blond ermittelt im einschlägigen Milieu und erkennt, dass sie in diesem Kulturkreis als Frau keine Chance hat. Als Mann verkleidet, will sie einschlägige Informationen bekommen.“
Handlung Kriminalkommissarin Eva Blond und ihr türkischer Kollege Alyans Karan werden diesmal mit einem besonderen Fall konfrontiert. In einem Bahnhofsschließfach wurde die Leiche eines Kleinwüchsigen in einem nassen braunen Lederkoffer gefunden. Mit High-Tech-Unterstützung und Hilfe des Pathologen Arango hofft man herauszufinden, bei wem es sich um den Toten handelt. Blond zieht zudem den skurrilen Spurenforscher Dr. Smek hinzu. Dann jedoch sorgt Karan für eine Überraschung, als er meint, er kenne den Toten, es handele sich bei ihm um einen im Kiez als „Zwerg Suleiman“ bekannten Mann, der in den Diensten von Tayfun Aslan gestanden habe, einem türkischen „Paten“. Die weiteren Ermittlungen ergeben, dass der Job des Kleinwüchsigen darin bestand, Geld für Aslan einzutreiben und die Gläubiger unter Druck zu setzen.
Die vorübergehende Festnahme von Cem Akin der die Tat gesteht, wirft Fragen auf, die der Verdächtige nicht beantworten kann. Auch die Aussage Abdullahs, eines weiteren Verdächtigen, bringt die Ermittler nicht weiter. Er meint, er sei in seine Garage gefahren, es sei dunkel gewesen und er habe den kleinen Mann nicht gesehen und ihn überrollt. Dr. Arango unterrichtet Blond und Aslan, dass der Kleinwüchsige beim Essen eines Döners erstickt sei. Als Blonds Vorgesetzter Lottmann den Fall abschließen will, weil der Mann erstickt sei, demonstriert sie ihm sehr plastisch, dass das auch anders gelaufen sein könnte.
Um die Ermittlungen voranzutreiben und der wahren Mordursache im türkischen Kiezmilieu in Berlin-Kreuzberg auf den Grund zu gehen, sieht Blond nur die Möglichkeit, die Ermittlungen als Mann verkleidet undercover im Kreise der dort ansässigen Geldeintreiber aufzunehmen. Ihr Kollege Aslan, für den es immer noch schwierig ist, eine Frau als Vorgesetzte zu akzeptieren, hat sie mehrmals auflaufen lassen. In der dort herrschenden Macho-Kultur an einschlägige Informationen zu gelangen, scheint als Frau unmöglich. Im Schönheitssalon, in dem Blond regelmäßig ihre Nägel machen lässt, wird sie von der Chefin in einen Mann verwandelt. Eva ist zunächst sprachlos über ihr eigenes Aussehen. In ihrer Verkleidung kann sie sich endlich mit Tayfun Aslam unterhalten, für den Suleiman gearbeitet hat. Aslam scheint seinen Bruder zu hassen, der verkaufe Dreck, das sei sein Geschäft, meint er. Aischa Aslan wiederum, mit der Blond anschließend spricht, redet nur schlecht über ihren Onkel und dessen Praktiken und klagt auch Suleiman an, der ihre Mutter auf dem Gewissen habe und auch dafür verantwortlich sei, in welchem Zustand ihr Vater jetzt sei. Als Blond und Karan Aischa Aslan verfolgen, stellen sie fest, dass sie ganz offensichtlich ein Verhältnis mit Cengiz Aslan hat. Sie können die beiden jungen Menschen, die sich mit Abgas töten wollten, gerade noch aus der Garage ziehen, in der sie verschwunden waren. Es stellt sich letztendlich heraus, dass Suleiman tatsächlich an Essensresten erstickt ist, als er einen Lachanfall bekam, rot anlief und dann mit dem Gesicht in seinen Teller fiel. Auch die Aussage von Abdullah hinsichtlich des Überrollens von Suleiman stellt sich als richtig heraus. Die verfeindeten Brüder vertragen sich wieder und Cengiz Aslan und Aischa heiraten.
Nebenhandlung: Eva Blond und ihr Mann Richard Vester feiern ihren zehnjährigen Hochzeitstag. Bevor sie in einem vornehmen Lokal zusammen essen, laufen sie durch den strömenden Regen und kommen dort so stark durchnässt an, dass Eva ihr Haar mit der auf dem Tisch drapierten Serviette trockenreibt. Richard Vester hat sich noch eine ganz besondere Überraschung für seine Frau ausgedacht. Als maskierte Täter das Lokal stürmen und Eva den soeben von ihrem Mann geschenkten Ring abnehmen wollen, bringt er die Waffe des einen Täters an sich und erschießt ihn und die beiden anderen Vermummten. Eva ist entsetzt. Zum Glück stellt sich das alles als verabredeter Spaß im Zusammenwirken mit Evas Kollegen heraus.
Alyans Karan hingegen, der mit der temperamentvollen Fatma zusammen ist, hat sich mit der im Revier angestellten Elfi eingelassen und ist auch sonst Frauen gegenüber nicht abgeneigt.
Produktionsnotizen Es handelt sich um eine Produktion der Film-Line Productions GmbH. Die Redaktion lag bei Kerstin Wiedé, die Aufnahmeleitung bei Dirk Ehmen und Olaf Schwark und die Produktionsleitung bei Andreas Born.
Im Soundtrack des Films erklingt das Lied Ich bin ja heut’ so glücklich mit dem Text von Robert Gilbert und der Musik von Paul Abraham, gesungen von Renate Müller.
Kritik Die Kritiker der Fernsehzeitschrift TV Spielfilm gaben dem dritten Film von Blond: Eva Blond! je einen von drei möglichen Punkten in den Kategorien „Anspruch“, „Action“ und „Erotik“ sowie zwei Punkte in den Kategorien „Humor“ und „Spannung“. Sie erläuterten: „Türken in Berlin, der Islam und die Frauen: Auf dieser bunten Themenwiese stehen reichlich Fettnäpfchen! Doch die bestens aufgelegten Darsteller umspielen sie mit solcher Leichtigkeit, dass man (und frau) staunt: ein intelligenter, spannender Krimispaß mit tollen Dialogen und Monologen!“ Das positive Fazit lautete: „Diese(s) Blonde schmeckt uns“. Der Film erhielt insgesamt die bestmögliche Wertung, Daumen nach oben.
Rainer Tittelbach gab dem Film auf seiner Seite tittelbach.tv 5½ von sechs möglichen Sternen und war voll des Lobes: „Unkonventionelle Heldin, Überraschungen in der Krimihandlung, Dialoge zum Mitschreiben und Mitschmunzeln, eine Besetzung zum Niederknien und eine trotz umstrittener Islam-Thematik federleichte Tonart… ‚Kottan‘ lässt schön grüßen. Wie bei Peter Patzaks Kultserie bleibt auch beim ‚Zwerg im Schließfach‘ von einem Krimi nicht mehr sehr viel übrig. Und das ist gut so. Ein Reihen-Krimi-Highlight der 00er Jahre. Eine Sat-1-Produktion!!!“ Abschließend stellte Tittelbach in seiner Kritik fest: Man solle „einfach genießen, wie die glänzende Corinna Harfouch, der Grimme-Preis-gekrönte Sascha Arango und die Regisseurin Hermine Huntgeburth nach allen Regeln der Ironie aus diesem Krimi einen großen Spaß machen“ würden.Blond: Eva Blond! – Der Zwerg im Schließfach. Harfouch, Huntgeburth, Knaup, Sascha Arango: Einen Spaß wollen sie sich machen tittelbach.tv, 24. November 2004. Abgerufen am 19. Februar 2026.
Die Kritik im Filmdienst fiel ebenfalls positiv aus; dort war zu lesen: „Kurzweiliger (Serien-)Krimi um eine lebendig konturierte Ermittlerin in einem bizarren Fall, der das Spannungsverhältnis zwischen westeuropäischer und türkischer Kultur und die damit verbundenen (Vor-)Urteile weidlich auskostet. – Ab 16.“
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 2004 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Kriminalfilm Kategorie:Fernsehfilm (Sat.1)