mini|Uwe Schloen Uwe Schloen (* 22. Juli 1958 in Kuhstedt, Niedersachsen; † 14. Februar 2024 in Bremen) war ein deutscher Bildhauer, Grafiker, Maler und Autor.

Leben Uwe Schloen besuchte das Gymnasium Bremervörde, die Fachoberschule für Gestaltung in Bremen und nahm anschließend ein Studium an der Kunstschule Winterstraße in Hamburg auf. Ab 1987 arbeitete er als freischaffender Künstler mit Ateliers zunächst in Wangersen bei Stade, später in Hohendorf (Vorpommern). 2012 zog er nach Bremen. Ab 2015 war Schloen regelmäßiger Gastdozent am Tartu Art College in Estland.

Schloen verbrachte die ersten Jahre in seinem Heimatdorf Kuhstedt, wo seine Großeltern in einem weitläufigen Gebäude eine Gastwirtschaft und einen Gemischtwarenladen betrieben. Diese Erfahrung verarbeitete er vielfach in seinem Werk.

Nach seiner Ausbildung, deren Grundlagen er autodidaktisch erweiterte, prägte ihn 1988/89 ein Stipendium in Civitella d’Agliano, wo er später mehrmals längere Arbeitsaufenthalte einlegte. Arbeiten entstanden in Civitella d’Agliano (VT), Italien. Auf Reisen vor allem nach Italien, Polen, Dänemark, ins Baltikum oder in die Ukraine erweiterte er seine künstlerischen Perspektiven und Themen.

Werk

Uwe Schloen hat ein umfangreiches und vielschichtiges Werk geschaffen, das sich in deutschen und europäischen Sammlungen, Museen sowie im öffentlichen Raum findet. Am Anfang seines Schaffens standen expressionistisch inspirierte Holzschnitte, großformatige Bilder sowie Figuren- und Figurengruppen aus Holz im Mittelpunkt. Später fand Schloen zu einer ganz eigenen Bild- und Formensprache. Skulpturen entwickelten sich zu seiner wichtigsten Ausdrucksform. Er schuf Holzfiguren, deren Bleiummantelung oder Silikonbeschichtung ihnen markanten Charakter verliehen.haz.de In gesteigerter Form entstanden großformatige begehbare Kunstwerke.danielspoerri.org

Neben der Arbeit als bildender Künstler hat Schloen sich auch als Autor betätigt. Viele seiner in der Regel kurzen Texte wurden im Huck-Finn-Verlag publiziert, den Schloen selbst gründete und in dem außerdem Kataloge, Grafikmappen, druckgrafischen Bücher und seit 1989 seine Kunstzeitschrift „Honka“ erschienen. Schloen engagierte sich mit Kunstprojekten politisch gegen Rechtsradikalismus.celler-presse.de

Die Arbeiten kommen oft düster und abweisend daher, zeigen jedoch bei genauerem Hinsehen ihre Vielschichtigkeit und oft eine feine Ironie: Till Richter vom Till-Richter-Museum in Buggenhage urteilte über Uwe Schloens Skulpturen: „Seine Plastiken sind … roh und spontan (…). Man sieht ihnen das Spielerische und Experimentelle an, auch in der Art und Weise, wie sie installiert sind und mit der Umgebung und dem Betrachter interagieren. Sie sind absichtlich nicht perfekt, aber nie unvollendet und deshalb immer wieder überraschend – eben so, wie das Leben selbst.“.Till Richter in: Uwe Schloen, Art Sculpture 1998–2016, Kerber, Bielefeld/Berlin 2016 Schloen arbeite mit nachvollziehbaren Erzählungen. „Sie handeln vom Hier und Jetzt und nie vom Dort und Damals. Seine Bildhauerei entstammt der Tradition des brennenden Menschen, also der Darstellung des Körpers als Träger von Inhalten, und diese Form hat er Schritt für Schritt von jeglichem Pathos entleert. Es bleibt eine einfache Form, die nicht mehr an den für irgendetwas lebenden, sondern an den sinnlosen Menschen erinnert. (…) Daraus hat der Künstler eine Bildsprache entwickelt, die bei aller Komik zutiefst traurig ist.“.Uwe Schloen, Sculpture 1998–2016, Bielefeld/Berlin 2016, S. 63.

Ein wesentlicher Teil seines bildhauerischen Werkes ist im „Hotel Raketa“ in einem Nebengebäude des Schlosses Kummerow in Mecklenburg-Vorpommern in einer Dauerausstellung zu sehen. Dort erschließt sich Schloens leitender Gedanke eines von unterschiedlichen Geschöpfen Raum für Raum bevölkerten Ortes in besonderer Weise.Einchecken im Hotel Raketa, Weser-Kurier, Bremen S. 46–47, 9. November 2019 Zu seinen markantesten Arbeiten gehört, im Giardino di Daniel Spoerri in Seggiano, eine fiktive Buslinie durch Europa von Luxemburg nach Estland mit skulpturalen Haltestellen in mehreren europäischen LändernUwe Schloen: OK.GO, eine imaginäre Buslinie von Luxembourg nach Estland, Bremen 2013, außerdem die Figurengruppe vor dem Deutschen Theater in Göttingen.denkmale.goettingen.de

Stipendien 1988/89: Förderstipendium Civitella d' Agliano 1992: Stipendium Künstlerbahnhof Ebernburg 1995: Stipendium Torre San Marco (Region Marken), Italien 1999: Stipendiat der Fondazione Il Giardino di Daniel Spoerri, Seggiano, Italien 2003: Stipendium Cranach-Stiftung, Wittenberg 2010: Arbeitsstipendium Kulturbüro Tartu, Estland 2015: Turmstipendium Geldern (abgesagt)

Auszeichnungen 1989: Förderpreis für Bildende Kunst der Stadt Buxtehude 1991: Kunstpreis der Stadt Bremervörde 1993: Preis der Philip-Morris-Stiftung, Salon de Printemps, Luxembourg 1994: Preis der Jury, Preis des Kultusministeriums Salon de Printemps, Luxembourg 2000: Preis der Jury, Salon de Printemps Luxembourg : 2001: Atelierhaus Mengerzeile, Berlin

Ausstellungen Einzelausstellungen (Auswahl) 1987: Floßaffencircus, Hamburg 1989: Flußfloß, Hamburg 1990: Beilzeit, Hamburg 1991: Galerie Querformat Berlin 1992: Schloss Agathenburg, Stade 1993: Künstler gegen Ausländerhass, in sechs Städten Norddeutschlands 1994: Lichtwerk Hamburg 1996: Galerie Apex, Göttingen 1997: Fredrikshavn Kunstmuseum, Dänemark 1998: Gerhard-Marcks-Haus, Bremen 1999: Kunstverein und Kunstmuseum GelsenkirchenSchloen, Uwe - Regal, Skulptur, Berger Schlosspark Gelsenkirchen, 1999. 2001: Installation Stazione, Schloss Agathenburg 2002: Galerie B/C 2, Luxemburg 2002: Projekt: Räume, Cinque Terre / Civitella d’Agliano / Matera, ItalienPetra Fiebig & Uwe Schloen. In: Der Skulpturengarten von Paul Wiedmer, Italien. 2003: Die Neopathetiker, Museum Baden, Solingen 2004: Kunsthalle Osnabrück – Das legendäre SilikonzimmerUwe Schloen - Das legendäre Silikonzimmer Kunsthalle Osnabrück, 2004. 2004: Galerie Apex – Silikonflowers 2005: Y-Galerie, Tartu (Estland) 2. Neopathetische Osterweiterung 2006: Literaturhaus Wien (mit Christian Futscher) 2006: Fluid-Artcanal-International, BielAssociation Artcanal, Le Landeron (Hrsg.): Fluid-Artcanal-International 06/07, Biel/Nürnberg 2006; S. 116/117, S. 171. 2007: Galerie Noack, Mönchengladbach 2008: Kunstort Garten, Alte Lederfabrik, Halle/Westfalen 2009: Kunsthaus Tartu und Schloss Pöltsamaa, Estland 2010: Kunstverein Usedom 2011: Aufbahrungsraum, Centre Pasquart, Biel, Schweiz 2012: Chapelle Gallery, Centrum für Skulptur, Oronsko, Polen 2013: Frederikshavn Kunstmuseum, Dänemark 2014: Armee der Anderen, St. JacobiArmee der Anderen, Ausstellung in St. Jacobi, 2014, ebd. S. 44–45Sabine Henning: Wo Kunst und Natur zusammen wachsen. kirche-hamburg.de, 2014. 2014: Städtische Galerie, BremenUwe Schloen - Nie wieder Scheitern. Städtische Galerie Bremen, 2014. 2015: Künstlerhof Roofensee, Menz 2016: Nürnberg-Haus, Krakau, Polen (mit Sebastian Wywiorski) 2017: Ein Grab für Goethes Werther, Ammersbek.Ein Grab für Goethes Werther. In Ammersbek hat ein Künstler einen Friedhof für literarische Gestalten angelegt; Evangelische Zeitung vom 9. Juli 2017. 2017: Die Vielfalt des Bleiernen, Galerie am StallDie Vielfalt des Bleiernen. Delmenhorster Kurier, 5. August 2017. 2017: Geh 20 – Alles im Eimer, 200 Eimer, 200 Staaten., Aktion in HamburgGeh 20 – Alles im Eimer, 200 Eimer, 200 Staaten. Aktion in Hamburg 1.–5. Mai 2017. 2017: Noorus Galerie, Tartu, EstlandParadiso mit Ausblick. Kunststudenten aus Estland haben am Haus Schüberg einen Kubus aus Holz gefertigt, Stormarner Tageblatt, 1. Juli 2017 2018: Local Int. Galerie, Biel, Schweiz 2018: Zwinger, Stadthaus, Kunstinsel u. Malerschule, BuxtehudeSchwimmende Kritik an der Konsum-Welt in Buxtehude. In: tageblatt.de.10. Kunstinsel wird im April der Öffentlichkeit präsentiert – Uwe Schloen setzt sich mit Konsum auseinander. Stadt Buxtehude, 2018. 2019: Kunst – Staat - Ich, Kunsthaus am SchübergKunst – Staat - Ich. Dokumentation, Ammersbek 2019, S. 26–318. 2019: Galerie Waarkunst, Niederlande 2020: Museum für zeitgenössische Kunst, Tallinn, Estland (mit Jevgeni Zolotko) 2021: HIER NICHT, Kunstaktion gegen Rechts in EschedeHIER NICHT. Installation in Eschede. Celler Presse, 2021. 2023: The Thing about Conciousness, Schloss Sielecki, Sosnowice (mit Sebastian Wywiorski) 2023: Fremde Früchte. mit Volker März; Garten Pristin, Barsinghausen 2024: Turn Around, Syker Vorwerk – Zentrum für zeitgenössische Kunst, Syke (mit Petra Fiebig)Kunst trotz(t) Tragödie. In: kreiszeitung.de, 2024.

Werke in öffentlichem Besitz und in Sammlungen Gerhard-Marcks-Haus, Bremen Museum für zeitgenössische Kunst, Luxembourg Sammlung Kunert, Schloss Kummerow Museum für Kunst und Geschichte, Luxembourg Sammlung des Landes Rheinland-Pfalz Sammlung Landkreis Stade Artothek Buxtehude und Stadt Buxtehude Artothek Nürnberg Sammlung Foundation Oppenheim Skulpturengruppe vor dem Deutschen Theater, Göttingen Bunkerdorf im Giardino di Daniel Spoerri, Seggiano, Italien Skulpturenpark La Serpara, Civitella d’Agliano, Italien Museum Györ, Ungarn House of Humor and Satire, Gabrovo, Bulgarien Exlibris Sammlung, Frederikshavn Kunstmuseum, Dänemark Österreichische Nationalbibliothek, Wien Sammlung Hartmann, Felder Archiv, Bregenz, Österreich Skulpturenpark Katzow, Vorpommern Centrum polnische Skulptur, Oronsko, Polen Bucerius-Bibliothek, Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg Sammlung Volkholz, Erkelenz FZB Schneverdingen Skulpturengarten, Kunsthaus am Schüberg, Ammersbek Sammlung Thomsen, Skagen, Dänemark Till Richter Museum, Buggenhagen Skulpturenweg Syke Ars natura Skulpturenweg, Ludwigsau

Publikationen (Auswahl) Hauptsache Dahinten. Huck-Finn-Verlag, Bremen 2023. Kneipentour. Huck-Finn-Verlag, Bremen 2019. Der Holzfäller. Huck-Finn-Verlag, Wangersen 2010. mit Christian Futscher: Die Möpse bellen aus der warmen Hütte oder von Radviliskis nach Siauliai. Edition Das fröhliche Wohnzimmer, Wien o. J. Reisetagebücher 1993–2000. Huck-Finn-Verlag, Wangersen 2001.

Kataloge (Auswahl) Aleksandra Pristin: Kunst im Garten: Fremde Früchte, Uwe Schloen und Volker März. Katalog. Barsinghausen 2023. Uwe Schloen, Sebastian Wywiorski: The Thing about Consciousness. Katalog zur Ausstellung im Sosnowieckie Centrum Sztuki – Zamek Sielecki, Galeria Extravagance, Sosnowiece, Polen, 2023 Uwe Schloen: Neublei 2016–2020. Bremen 2020. Marco Trulli (Hrsg.): La Serpara, Dialoge zwischen Kunst und Natur. Viaindustriae Publishing, Folignio (PG), Italien 2017 BBK-Bremen (Hrsg.): Im Rausch – Vergärungsprozesse in Kunst und Bier. Jahresausstellung 2015 des Bremer Verbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler in Kooperation mit der Städtischen Galerie Bremen. Katalog zur Jubiläumsausstellung 30 Jahre Städtische Galerie. Bremen 2015, S. 64 f. Uwe Schloen: OK.GO, eine imaginäre Buslinie von Luxembourg nach Estland. Bremen 2013. Uwe Schloen (Hrsg.): Gunnar F. Gerlach, Aufatmen, die Verzweiflungen wechseln. 12 Künstler in der Anstalt. Huck-Finn-Verlag, Hamburg u. a. 2005 Uwe Schloen: Ereignis Skulpturen; Arbeiten von Uwe Schloen 1985–1992. o. O. 1993. Galerie Apex u. Stadtmuseum Oldenburg (Hrsg.): Bunkerdorf Uwe Schloen. Galerie Apex, Göttingen 4.7. – 26.8. 1997, Stadtmuseum Oldenburg, 12.9. – 31.10.1997; Oldenburg 1998. Gerhard-Marcks-Haus u. a. (Hrsg.): Pasolini Bunker, Bleiarbeiten von Uwe Schloen. Huck-Finn-Verlag, Wangersen 1998. Uwe Schloen: Gehauene Bilder, Uwe Schloen 1993–1996. Gefördert durch Frederikshavn Kunstmuseum, o. O. Huck-Finn-Verlag, 1997. Weitere KatalogeWeitere Kataloge in uwe-schloen.de.

Weblinks

Offizielle Website von Uwe Schloen

Einzelnachweise

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