alternativtext=Grab Fuhrmann Dechant Imst|mini|429x429px|Epitaph in Erinnerung an Johann Ev. Fuhrmann in der Gruft des Pfarrfriedhofs von Imst († 12. September 1819 in Imst) Johann Evangelist Fuhrmann (* 13. Dezember 1776 in Zirl; † 12. September 1819 in Imst) war Pfarrer und Dechant von Imst im Nordtiroler Oberinntal.

Bekannt und geschätzt war er vor allem im 19. Jahrhundert und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Autor von geistlichen Sinnsprüchen, Gebeten und Liedern.

Heute noch einer gewissen Beliebtheit erfreut sich in Österreich, Bayern, Südtirol, Siebenbürgen und den angrenzenden katholischen Gebieten seine einprägsame Kreuzwegandacht mit dem Titel „Herr, die Klagen sind erdichtet“.Erzpfarrei Völs am Schlern (Hrsg.): Der Kreuzweg in der Pfarrkirche von Völs am Schlern. Völs am Schlern 2018

Ältere Bevölkerungsschichten kennen den Text teilweise noch auswendig.P. Tassilo Boxleitner OSB: Der Eberstalzeller Kreuzweg, Linz 2020 Allerdings ist Fuhrmann als Verfasser kaum bekannt; deshalb wird fälschlicherweise immer wieder eine andere Herkunft der Kreuzwegandacht angegeben, etwa die Liedersammlung „Geistliche Volkslieder“ von Joseph Gabler aus dem Jahre 1890. Das 2011 erschienene katholische Gesangbuch der Donauschwaben gibt als Entstehungsort Alexanderhausen in der Nähe der heutigen Stadt Temesvar (Rumänien) und als Entstehungsjahr 1895 an.

„Herr, die Klagen sind erdichtet“ Hier folgt der Text des bekanntesten Werkes von Fuhrmann, wie er in der Volksfrömmigkeit über Jahrzehnte verwurzelt war und zum Teil heute noch istStephan Wilfried Astner CanReg (Hg.): Der Kreuzweg in der Pfarrkirche von Völs am Schlern, Völs am Schlern 2024:

I. Station: Jesus wird zum Tode verurteilt Herr, die Klagen sind erdichtet, dennoch wirst du hingerichtet auf der Juden Mordgeschrei. Gib, dass ich ja niemand richte, dass, wenn du kommst zum Gerichte, dein Gericht mir gnädig sei.

II. Station: Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern Du, mein Jesus, bist nicht schuldig und trägst doch dein Kreuz geduldig wie ein Lamm zur Schlachtbank hin. Also will auch ich nicht klagen und mein Kreuz geduldig tragen; ich, der ich ja schuldig bin.

III. Station: Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz Jesus, den kein Mensch erquicket, fällt, vom Kreuzjoch fast erdrücket, kraftlos hin zum ersten Mal. Will ich fallen, hilf mir siegen; lass mich, Herr, nicht unterliegen; fall ich, heb mich auf vom Fall!

IV. Station: Jesus begegnet seiner betrübten Mutter Mutter, was hast du empfunden, als du sahst den Sohn voll Wunden wanken unterm Kreuze her? Gib, dass ich dich nie betrübe, deinen Sohn als Bruder liebe, dich als meine Mutter ehr!

V. Station: Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen Simon will sich nicht bequemen, Herr, das Kreuz dir abzunehmen; ach, dass ich es nicht mehr kann! Doch, ein jedes Werk der Liebe, das ich an dem Nächsten übe, ist so viel wie dir getan.

VI. Station: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch Locken mich des Lasters Freuden, Herr, dann schwebe mir dein Leiden klar vor meinem Angesicht. Lass es mich dann wohl erwägen, was du littest meinetwegen, dass ich treu sei meiner Pflicht!

VII. Station: Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz Ach, mein Jesus fällt schon wieder, meine Sünde drückt ihn nieder, schon fällt er zum zweiten Mal. Herr, die Sünde will ich scheuen und sie nimmermehr erneuen durch den öftern Wiederfall!

VIII. Station: Jesus begegnet den weinenden Frauen „Weint nicht mir die bittren Tränen, weint sie euch und euren Söhnen, Töchter von Jerusalem!“ Jesus, über meine Sünden lass mich wahre Reu empfinden und vergießen Zährenström!

IX. Station: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz Der die Welt schuf durch ein „Werde“, liegt entkräftet auf der Erde, dies ist schon der dritte Fall. Dadurch willst du, Herr, mich lehren, meine Sünden nicht zu mehren; ach, sie sind schon ohne Zahl!

X. Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt Der uns Kleid und Nahrung schenket, büßt, entblößt, mit Gall getränket, Unzucht, Hoffart, Völlerei. Gib, o Herr, dass ich im Kleide alle Pracht und Frechheit meide, dass ich keusch und mäßig sei!

XI. Station: Jesus wird an das Kreuz geschlagen Jesus wird ans Kreuz geschlagen. „Vater“, hört man ihn jetzt sagen, „ach, verzeih die Missetat!“ Wie, und ich soll nicht verzeihen? Soll der Knecht nach Rache schreien, da der Herr Vergebung bat?

XII. Station: Jesus wird am Kreuz erhöht und stirbt „Jetzt, o Vater, ist’s am Ende, nimm mich auf in deine Hände!“ sagte Jesus und verblich. Jesus, lass mich selig sterben, mit dem Mörder Gnad erwerben, denk in deinem Reich an mich!

XIII. Station: Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner heiligen Mutter gelegt Welch ein scharfes Schwert der Schmerzen drang Maria da zu Herzen, als sie unterm Kreuze stund! Mutter, unter deine Kinder nimm auch mich, den armen Sünder, jetzt und in der Todesstund!

XIV. Station: Der heilige Leichnam Jesu wird in das Grab gelegt So wie Jesus ruht im Grabe, wird der Leib, den ich jetzt habe, ruhen und einst auferstehn. Oh, ich will nun heilig leben, dass ich mög, mit Glanz umgeben, freudig aus dem Grabe gehn!

Einzelnachweise

Kategorie:Römisch-katholischer Geistlicher (19. Jahrhundert) Kategorie:Kirchenlieddichter Kategorie:Person (Imst) Kategorie:Geboren 1776 Kategorie:Gestorben 1819 Kategorie:Mann