mini|Hausnummer aus Keramik mini|Ziffern aus Eisen Eine Hausnummer ist eine Bezeichnung, die ein bestimmtes Gebäude in einer Straße oder einem Ort eindeutig kennzeichnet. Sie dient der Adressierung, Orientierung und der Auffindbarkeit eines Gebäudes. In Deutschland, Österreich, Liechtenstein und in der Schweiz wird die Hausnummer im Rahmen der Gebäudeadressierung amtlich vergeben. Sie wird in amtlichen Verzeichnissen wie dem Liegenschaftskataster oder dem Grundbuch festgehalten und ist Teil der amtlichen Lagebeschreibung einer Immobilie.
Form Um ihren Zweck als Orientierungshilfe zu erfüllen, soll die Hausnummer dauerhaft und gut sichtbar an der Hauswand oder Grundstücksgrenze angebracht sein. Die ersten Hausnummern wurden daher mit wetterbeständiger Farbe an die Häuser gemalt. Sie sind zum Teil noch auf historischen Gebäuden erhalten.Beispiele historischer Hausnummern in Galerie der Hausnummern abgerufen am 6. November 2022. Im Gegensatz zu Straßenschildern ist das Anbringen von Hausnummernschildern in der Regel Sache des privaten Hauseigentümers. Verbreitet sind einfache, standardisierte Emailleschilder in Schwarz–Weiß oder Weiß–Blau. In Gebrauch sind auch Zierschilder aus Keramik, Schmiedeeisen, Holz, Kunststoff oder anderen Materialien; es gibt Schilder mit Zusatz des Straßennamens sowie beleuchtete Hausnummern. Die kommunalen oder den Denkmalschutz betreffenden Vorschriften können die Gestaltungsfreiheit erheblich einschränken: Form, Farbe, Größe, Schriftart und Anbringungsort können in einer Hausnummernverordnung festgelegt sein. Beleuchtete Hausnummern sind in mehreren deutschen Bundesländern, so in Hamburg und Berlin, vorgeschrieben.Berliner Verordnung über die Grundstücksnummerierung vom 9. Dezember 1975, zuletzt geändert am 10. Dezember 1990.Hamburgische Bauordnung (HBauO) vom 14. Dezember 2005, zuletzt geändert am 28. Januar 2014 (PDF; 1,08 MB).
Beispiele Graz (Österreich) Die Form der Hausnummer spiegelt zuweilen historische Entwicklungen wider. So hatten nach dem System des Wiener Schilderfabrikanten Michael Winkler (* 17. Juli 1822 in Místek; † 20. April 1898 in Wien) in der Habsburgermonarchie alle Straßen, die vom Zentrum an den Stadtrand führen, rechteckige Nummern- und Straßenbezeichnungstafeln, während alle anderen mit ovalen Tafeln versehen waren. Drei Beispiele aus Graz seien angeführt: Die Klosterwiesgasse und die Raubergasse führen vom Zentrum weg, die Merangasse und die Jungferngasse nicht; sie sind tangentiale Straßen bzw. Gassen. Die Hausnummernschilder hatten am Rand für jeden Bezirk eine charakteristische Farbe: I: rot; II: gelb; III: blau; IV: braun; V: grün; VI: grau. Allerdings wurden in Unkenntnis des Systems viele Schilder mit anderer Farbe übermalt.
Ab 1969 wurden grüne Hausnummernschilder verpflichtend eingeführt. In Graz gibt es seit 2001 Hausnummerntafeln in zwei verschiedenen Ausführungen: Wenn die Hausnummern nicht im Bereich des Weltkulturerbes liegen, sind sie gemäß der Verordnung des Stadtsenates vom 19. Oktober 2001 in grüner Farbe mit weißem Randstreifen und Ziffern auszuführen. Im Bereich des Weltkulturerbes sind Tafeln gemäß der Verordnung des Stadtsenates vom 19. Oktober 2001 im speziellen UNESCO-Design auszuführen.
Linz (Österreich) In Linz sind Hausnummernschilder aus mehreren Epochen anzutreffen. Es gilt bei den alten dasselbe Schema wie in Graz (Habsburgermonarchie) mit eckigen bzw. ovalen Schildern. In den frühen 1930er Jahren wurden auch weiße Emailschilder mit blauem Rand eingesetzt. Ab den 1950er Jahren wurden neue, schwarze Schilder mit weißer Schrift im Design der Straßenschilder eingeführt. Seit den 1990er Jahren sind die Hausnummernschilder – so wie auch die Straßenschilder – weiß mit schwarzer Schrift. Im Stadtteil Kleinmünchen, der bis zum Jahr 1923 eine selbstständige Gemeinde war, sind auf einigen älteren Häusern dunkelblaue Emailleschilder mit weißer Schrift angebracht.
Die Gestaltung und Ausführung der Hausnummerntafeln ist durch Verordnung des Gemeinderates geregelt.
Deutschland Eine „besondere“ Form der Hausnummer kann als Auszeichnung dienen. Die Goldene Hausnummer bekamen Hausgemeinschaften in der DDR für vorbildliche Pflege und Gestaltung ihres Hauses.
Das Saarland verleiht seit dem Jahr 1996 eine Grüne Hausnummer für umweltbewusstes Bauen und Wohnen, einige Kommunen wie Erfurt und Mainz schlossen sich dem an..
Baarle (Belgien/Niederlande) In Baarle ist aufgrund des einzigartigen Grenzverlaufs jedes Hausnummernschild auch mit einer Nationalitätsbezeichnung (niederländisch oder belgisch) versehen.
Geschichte Bevor die Häuser mit Nummern versehen wurden, gab es zur Unterscheidung individuelle Hauszeichen und Häusernamen. Die Häuser in den Städten waren meist anhand von bemalten Schildern zu erkennen. In den Dörfern gab es Hofnamen (Hausnamen), die nicht mit dem Familiennamen des Hofinhabers übereinstimmen mussten.
Die ältesten Hausnummern stammen aus der frühen Neuzeit. Bereits im 15. Jahrhundert waren die 68 Häuser auf dem Pariser Pont Notre-Dame nummeriert, und seit 1519 wiesen die Häuser der Augsburger Fuggerei Nummern auf. Flächendeckend eingeführt wurden Hausnummern aber erst im 18. Jahrhundert: Dies begann beispielsweise 1724 bis 1728 mit den Pariser Vorstädten oder der Prager Judenstadt 1727. Ab 1737 folgten Kleinstädte in Preußen, die als Militärquartiere dienen sollten. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Häusernummerierung schließlich europaweit eingeführt: 1750 in Madrid, 1754 in Triest, 1762–1765 in London, ab 1779 in Paris. Berlin, als eine der letzten Großstädte der Hausnummernvergabe, schloss sich diesem Trend erst 1799 an.Anton Tantner: Die Hausnummer. Eine Geschichte von Ordnung und Unordnung. Jonas Verlag, Marburg 2007, S. 16–24.
In Wien begann die Diskussion um die Einführung von Hausnummern im Jahr 1753. Sie sollten im Zuge einer Polizeireform eingeführt und der Bevölkerung mit der Aussicht auf eine erleichterte Verbrechensbekämpfung schmackhaft gemacht werden. Erst bei neuerlichen Diskussionen Mitte der 1760er Jahre wurde bei einer Volkszählung unter dem Stichwort Seelenkonskription das Hausnummernsystem 1769 auf die ganze österreichisch-ungarische Monarchie übertragen. Unter anderem wies die Kaiserin Maria Theresia im Jahr 1770 den Wiener Bürgermeister an, . Die Nummern wurden direkt mit schwarzer oder roter Farbe auf die Hauswände gemalt.
Die Hausnummerierung war stets eine obrigkeitliche Maßnahme, die die staatliche Kontrolle in den Bereich der häuslichen Privatsphäre ausweitete. Die konkreten Begründungen waren unterschiedlich: Rekrutierungsmaßnahmen, Einquartierung von Militär, Bekämpfung von Bettlern, Steuer- und Versicherungsangelegenheiten. Die Untertanen wehrten sich vielerorts, kratzten die Hausnummern ab oder bewarfen sie mit Schmutz. Der Adel versuchte, die Nummerierung der Schlösser und Herrenhäuser zu verhindern. Das System setzte sich jedoch durch und am Ende des 18. Jahrhunderts waren Hausnummern für Postadressen im Gebrauch.Anton Tantner: Die Hausnummer. Eine Geschichte von Ordnung und Unordnung. Jonas Verlag, Marburg 2007, S. 25–37.
Die Notwendigkeit der Nummerierung von Häusern ist insbesondere seit den 1970er Jahren durch den flächendeckenden Rettungsdienst bei Notfalleinsätzen dringlicher geworden. Anfahrtszeiten bei Notfalleinsätzen verzögern sich durch fehlende oder schlechte Kennzeichnung.
Nummerierungssysteme Konskriptionsnummer
mini|Wien-Landstraße, Haus Ungargasse 27: „Conscriptions-Nr. 1674, früher 375 Landstraße“ mini|Hausnummer an der Weißgerbergasse in Nürnberg in wechselseitiger Nummerierung mit gleichzeitiger Angabe der früheren Konskriptionsnummer (ab 1796) mini|Straßenschild in Mannheim mini|links|Nummerirungsplan für die Stadt Düsseldorf 1858 mini|Fortlaufende Hausnummerierung nach Stadtvierteln in Bozen aus der Zeit um 1800 (hier an der Kirche St. Peter auf Karnol) mini|Konskriptionsnummer (oben) und Orientierungsnummer in Brünn Die älteste Methode der flächendeckenden Hausnummerierung war das System der Konskriptionsnummern. Dabei wurden die Häuser einer Ortschaft zunächst komplett durchnummeriert. Anschließend erhielten alle neuen Gebäude in der Reihenfolge ihrer Errichtung eine fortlaufende Nummer. Diese Nummer kann, wenn sie bei verschiedenen Neunummerierungen gleich geblieben sein sollte und sich an den Grundstücken um das Haus nichts Wesentliches geändert hat, immer noch die Einlagezahl im Grundbuch bilden. Dies ist bei einigen Bezirken Wiens der Fall, allgemeine Regel ist es jedoch nicht mehr. Es finden sich im ländlichen Raum immer noch Streusiedlungen, die keine mit Namen versehenen Straßen und somit keine fortlaufende Nummerierung besitzen, sondern in denen noch historische Konskriptionsnummern zur Orientierung verwendet werden. Die Hausnummer ist hier kein Zusatz zur Straße, sondern zum Ortsteil oder Weiler oder zur Bauerschaft, da es verbreitet auch keine Straßennamen gibt (Beispiel: A-1111 Musterdorf, Einöd 7). Durchbrochen wird das System teilweise dann, wenn ältere Häuser abgerissen werden und diese Nummern frei werden. In diesem Fall werden sie oft an anderer Stelle an Neubauten vergeben.
Manchmal wurden nach Einführung der Straßennamen die alten, durchlaufenden Nummern beibehalten. Beispiele dafür gibt es im Koblenzer Stadtteil Ehrenbreitstein (Hofstraße 277), in Landsberg am Lech (Hofgraben 489), im historischen Zentrum von Landshut (Freyung 632b) sowie auf Helgoland (Ringstraße 1156). So hat das Koblenzer Mutter-Beethoven-Haus die Adresse Wambachstraße 204, obwohl diese Straße wesentlich weniger Häuser aufweist, da die alte, auf den ganzen Ort bezogene Nummer weiterverwendet wurde, statt dass die Häuser straßenweise neu nummeriert worden wären. Helgoland hat auf diese Weise sogar vierstellige Hausnummern wie in Köln. In Osterspai (Gartenweg 284) und im Ortsteil Treis an der Mosel (Am Laach 435) wurde in den 1980er Jahren diese Nummerierung aufgegeben und die Straßen wurden regelmäßig durchnummeriert.
Sowohl in TschechienAnton Tantner: Die Häusernummerierungen. In: Sylvia Mattl-Wurm, Alfred Pfoser: Die Vermessung Wiens. Lehmanns Adressbücher 1859–1942. Metroverlag, Wien 2011, (formal falsche ISBN, korrigierte ISBN 978-3-99300-029-5), S. 263. als auch in der Slowakei werden die im Habsburgerreich eingeführten Konskriptionsnummern oft noch als Hausnummern verwendet und sind nach wie vor Standard in Ausweisen. Einige Orte, insbesondere größere, verwenden (zusätzlich) Orientierungsnummern; es gibt jedoch auch einige große Städte, in denen keine Orientierungsnummern vorhanden sind. Das Standardadressformat listet die Konskriptionsnummer und die Orientierungsnummer zusammen in einer Zeile auf, die durch einen Schrägstrich getrennt sind (Václavské náměstí 646/17). Es ist jedoch auch möglich, eine Vorgehensweise zu finden, bei der die Nummern in umgekehrter, falscher Reihenfolge aufgelistet werden. In Tschechien haben temporäre Gebäude und Gebäude zur individuellen Erholung eine Registrierungsnummer (evidenční číslo) anstelle einer Konskriptionsnummer (popisné číslo, čp.). Aus der Konskriptionsnummer wird die Registrierungsnummer entweder durch eine Abkürzung (č. ev., če., ev. č.) oder durch die Farbe des Hausnummernschildes (typischerweise schwarz-gelb oder grün) oder durch eine vor der Nummer angehängte Null angezeigt (023 statt 23) oder durch Wörter, die den Gebäudetyp angeben (Notfallgebäude, Hütte).