mini|Toggenburg mit Nesslau, im Hintergrund Wattwil mini|Toggenburg bei Starkenbach mini|Thur zwischen Neu-St. Johann und Krummenaumini|Östliches Ende des Toggenburgs vor dem Gefälle ins Rheintal
Das Toggenburg [] ist eine Talschaft am Oberlauf des Flusses Thur im Schweizer Kanton St. Gallen. Der Name Toggenburg leitet sich vom Adelsgeschlecht der Toggenburger ab, deren Name wiederum auf die Burg Alt-Toggenburg zurückgeht. Ursprünglich bestand das Toggenburg aus der lange Zeit von der Fürstabtei St. Gallen verwalteten Grafschaft Toggenburg. Dieses Gebiet bildete im Kanton St. Gallen bis 2002 die Bezirke Obertoggenburg, Neutoggenburg, Alttoggenburg und Untertoggenburg. Heute verstehen einige Organisationen und Firmen unter Toggenburg das etwas kleinere Gebiet des Wahlkreises Toggenburg.Während das Historische Lexikon der Schweiz unter Toggenburg nach wie vor die ursprüngliche Landschaft versteht oder lokale Zeitungen oder Parteien das Untertoggenburg als solches bezeichnen, vgl. St. Galler Tagblatt, FDP, SP, definieren einige Organisationen und Firmen Toggenburg als Gebiet des Wahlkreises Toggenburg: Arbeitgebervereinigung Region Toggenburg (ART) Berufs- und Laufbahnberatung Toggenburg (allerdings ohne Kirchberg) Berufs- und Weiterbildungszentrum Toggenburg (die Berufsschulen Flawil und Uzwil gehören zum Berufs- und Weiterbildungszentrum Wil-Uzwil) Energietal Toggenburg, ein Verein zur Förderung des effizienten Einsatzes von Energie Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Toggenburg Kreisgericht Toggenburg Kultur Toggenburg Musikschule Toggenburg Offiziersgesellschaft Toggenburg ProToggenburg, Zweitwohnungsbesitzerverein für das Toggenburg Spitalregion Fürstenland Toggenburg (das Spital Flawil wurde kostenbedingt im Jahr 2021 geschlossen) Regionalplanungsorganisation toggenburg.ch Toggenburger Tagblatt (der frühere Bezirk Untertoggenburg wird von der Wiler Zeitung abgedeckt) Vermittleramt Toggenburg kantonale Waldregion Toggenburg
Geographie Das Toggenburg wird im Wesentlichen durch zwei Täler gebildet, das Thurtal und das Neckertal, benannt nach den Flüssen Thur und Necker. Höchster Berg ist der 2502 Meter hohe Säntis im Alpstein-Massiv. Das charakteristische Wahrzeichen des Toggenburgs ist aber die Gebirgskette der Churfirsten. Beide Gebirge sind Teil der Appenzeller Alpen. Die Churfirsten () bilden die südlichste Grenze des Toggenburgs, sie fallen gegen Süden fast senkrecht zum Walensee () ab. Im Wildenmannlisloch an der Ostflanke des Selun, eines der Churfirsten, wurden prähistorische Funde gemacht. Die Westgrenze des Toggenburgs verläuft über die Toggenburger Nagelfluhkette, vom Tweralpspitz bis über das Hörnli hinaus.
Die Thur zwischen Schwarzenbach und Uzwil bildet im Norden die Grenze zum Fürstenland mit der Stadt Wil. Westlich grenzt die Region an den Hinterthurgau, das Zürcher Oberland und das Linthgebiet, südlich an die Walenseeregion, östlich an die Region Werdenberg im Rheintal und nordöstlich an die Kantone Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden.
Vom Toggenburg führen verschiedene Pässe in die angrenzenden Regionen. Von Wattwil nach Uznach im Linthgebiet führt der Rickenpass. Der Wildhauspass führt vom Obertoggenburg ins Rheintal. Von Nesslau ist das Appenzellerland über den Schwägalppass nach Urnäsch erreichbar. Ins Zürcher Oberland führt die Passstrasse über die Hulftegg zwischen Mosnang und Fischenthal.
Beim Gräppelensee befindet sich der kälteste Ort der Ostschweiz. Der Rekord liegt bei −38,2 Grad.Stephanie Martina: In dieser Senke hockt die Kälte. In: Toggenburger Tagblatt. 14. August 2019, S. 27.
Subregionen mini|Gliederung des Toggenburgs in: Das Obere Toggenburg oder ObertoggenburgDie Bezeichnungen Oberes Toggenburg und Obertoggenburg werden benutzt von: bis 2002 vom Bezirk Obertoggenburg Seelsorgeeinheit Oberes Toggenburg mit den röm.-katholischen Pfarreien Wildhaus, Alt St. Johann, Stein, Neu St. Johann und Ebnat Raiffeisenbank Obertoggenburg mit Geschäftsstellen in Neu St. Johann, Alt St. Johann und Wildhaus Spitex Oberes Toggenburg in den Gemeinden Nesslau und Wildhaus-Alt St. Johann Energiestadt Region Obertoggenburg mit den Gemeinden Wildhaus-Alt St. Johann, Nesslau und Ebnat-Kappel Vermittleramt Oberes Toggenburg für die Gemeinden Nesslau und Wildhaus-Alt St. Johann bis 2014 Auf der Website der Mütter- und Väterberatung Toggenburg werden die Toggenburger Gemeinden auf die Regionen Neckertal, Unteres Toggenburg, Mittleres Toggenburg und Oberes Toggenburg aufgeteilt. mit den Gemeinden Wildhaus-Alt St. Johann und NesslauZum Teil wird auch die Gemeinde Ebnat-Kappel dem Oberen Toggenburg zugeordnet. ist vor allem dank den Wintersportorten Wildhaus, Unterwasser und Alt St. Johann mit dem Skigebiet Toggenburg über die Grenzen hinaus bekannt. Wichtigstes Sommerangebot ist der Klangweg, ein Themenwanderweg mit sogenannten Klangstationen. Im Mittleren ToggenburgDie Bezeichnung Mittleres Toggenburg wird benutzt von: Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Mittleres Toggenburg, entstanden aus den Kirchgemeinden Wattwil, Lichtensteig und Krinau(Ebnat-Kappel hat eine eigene evangelisch-reformierte Kirchgemeinde) Raiffeisenbank Mittleres Toggenburg mit Geschäftsstellen in Ebnat-Kappel und Wattwil Spitex Mittleres Toggenburg mit dem Einzugsgebiet Wattwil, Lichtensteig, Krinau, Ricken und Ebnat-Kappel Vermittleramt Mittleres Toggenburg für die Gemeinden Wattwil, Lichtensteig, Oberhelfenschwil, Hemberg, und Neckertal bis 2014. bilden Ebnat-Kappel und Lichtensteig zusammen mit Wattwil – dem eigentlichen Hauptort des Toggenburgs – das Zentrum des Tals. Wattwil ist Einkaufs- und Schulstandort mit der Kantonsschule Wattwil, der Schweizerischen Textilfachschule und dem Berufs- und Weiterbildungszentrum Toggenburg. Die Berit Klinik betreibt ein Spital, und eine Genossenschaft das Kino «Passerelle». In Wattwil kreuzen sich die Bahn- und Strassenverbindungen St. Gallen–Rapperswil und Wil–Nesslau. Im mittelalterlichen Städtchen Lichtensteig findet mit den Jazztagen das grösste Jazzfestival der Ostschweiz statt. Das dortige Chössi-Theater zeigt Kultur aus der Kleinkunst-Szene, das Toggenburger Museum bewahrt Zeugnisse des kulturellen Erbes der Talschaft. Das Neckertal besteht aus den Gemeinden Neckertal und Hemberg sowie dem östlichen Teil der Gemeinde Oberhelfenschwil. Das Untere ToggenburgDie Bezeichnung Unteres Toggenburg wird benutzt von: Seelsorgeeinheit Unteres Toggenburg mit den röm.-katholischen Pfarreien Bütschwil, Ganterschwil, Libingen, Lütisburg, Mosnang und Mühlrüti(Seelsorgeeinheit Bazenheid, Gähwil, Kirchberg in der Gemeinde Kirchberg) Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Unteres Toggenburg, umfasst die politischen Gemeinden Bütschwil-Ganterschwil, Lütisburg und Mosnang(Kirchberg hat eine eigenständige evangelische Kirchgemeinde) Raiffeisenbank Unteres Toggenburg mit Geschäftsstellen in Bütschwil, Mosnang und Lütisburg(in der Gemeinde Kirchberg hat es keine Filiale einer Raiffeisenbank) Logopädischer Dienst Unteres Toggenburg, umfasst die Gemeinden Bütschwil-Ganterschwil, Jonschwil, Kirchberg, Lütisburg und Mosnang Postautobetriebe AG Unteres Toggenburg, ein Zusammenschluss dreier Postautohalter aus Mühlrüti, Jonschwil und Ganterschwil Soziale Fachstelle Unteres Toggenburg der Gemeinden Bütschwil-Ganterschwil, Kirchberg, Lütisburg und Mosnang und der Kirchgemeinden in deren Einzugsgebiet Zivilschutzorganisationen Unteres Toggenburg der Gemeinden Bütschwil-Ganterschwil, Kirchberg, Lütisburg und Mosnang (2018 in ZSO Toggenburg aufgegangen) Vermittleramt Unteres Toggenburg für die Gemeinden Bütschwil-Ganterschwil, Kirchberg, Lütisburg und Mosnang bis 2014. wird gebildet aus dem westlichen Teil der Gemeinde Oberhelfenschwil, den Gemeinden Bütschwil-Ganterschwil, Lütisburg und Mosnang mit den Dörfern Mosnang, Mühlrüti und Libingen. Die ebenfalls zum Unteren Toggenburg gehörende Gemeinde Kirchberg mit den Dörfern Kirchberg, Bazenheid und Gähwil ist wegen ihrer Nähe stark nach Wil orientiert. Degersheim, Flawil, Oberuzwil und Uzwil gehören historisch ebenfalls zum Untertoggenburg, wurden aber 2003 dem Wahlkreis Wil zugeteilt.
Geschichte mini|Das Juliusbanner des Toggenburgs von 1512 zeigt die schwarze Dogge auf goldenem Grund, das alte Wappen der Toggenburger Das Toggenburg erhielt seinen Namen vom Adelsgeschlecht der «Toggenburger», das den grössten Teil des heutigen Toggenburgs im Mittelalter beherrschte. Daneben waren die Klöster St. Gallen und St. Johann im Thurtal sowie die Herren von Sax die wichtigsten Grundbesitzer. Eine der wichtigsten Personen in der Geschichte des Toggenburgs war Graf Friedrich VII. Er besass neben der Grafschaft Toggenburg, die ungefähr die Landschaft umfasste, die heute als Toggenburg bezeichnet wird, umfangreiche Besitzungen im Linthgebiet, Rheintal und Prättigau. Da er der Letzte seines Geschlechts war, kam es nach seinem Tod 1436 zu einem längeren Konflikt zwischen der Stadt Zürich und den Ländern Glarus und Schwyz, dem Alten Zürichkrieg.
Wegen der unsicheren Lage nach dem Tod des letzten Grafen versammelten sich die Landleute des Toggenburgs 1436 zur ersten Landsgemeinde und gingen ein Landrecht mit den eidgenössischen Kantonen Glarus und Schwyz ein. Als die Stammgüter der Toggenburger und damit auch das Toggenburg an die Herren von Raron gingen, mussten diese bereits ein Landrecht für das Toggenburg bestätigen. Der Toggenburger Landmann hatte ab 1439/40 das Privileg, sich ungehindert in jeder Kirchhöri des Tals niederzulassen, ohne durch ein Ortsbürgerrecht eingeschränkt zu sein. 1468 verkaufte Petermann von Raron das Toggenburg für 14'500 Gulden an die Fürstabtei St. Gallen. So kamen erstmals alle Rechte und Güter im Toggenburg unter eine Herrschaft. Der Fürstabt von St. Gallen herrschte nun als Monarch über die Grafschaft und liess sich durch einen Landvogt in Lichtensteig vertreten. Trotzdem blieb das Land Toggenburg mit Glarus und Schwyz verbündet und nahm an deren Seite am Burgunderkrieg, am Schwabenkrieg und an der Eroberung des Herzogtums Mailand teil. mini|links|Die Grafschaft Toggenburg als Teil der Fürstabtei St. Gallen auf einer Karte aus dem 18. Jahrhundert mini|Die historischen Teile des Kantons St. Gallen. Dunkelgrün die Grafschaft Toggenburg. Unter äbtischer Herrschaft war die Grafschaft Toggenburg in zwei Ämter eingeteilt, das Ober- und das Unteramt.
Im Jahre 1512 erhielt die Herrschaft von Papst Julius II. eigens ein wertvolles «Juliusbanner» für die 1508–1510 im «Grossen Pavierzug» geleisteten Dienste zur Vertreibung der Franzosen.Winfried Hecht: Das Juliusbanner des zugewandten Ortes Rottweil. In: Der Geschichtsfreund: Mitteilungen des Historischen Vereins Zentralschweiz. 126/7 (1973/4), doi:10.5169/seals-118647. Als die Fürstäbte von St. Gallen versuchten, die Herrschaft in ihrem Land zu zentralisieren und die Gerichtsbarkeiten zu vereinheitlichen, kam es zu ersten Konflikten mit den Untertanen im Toggenburg. Diese verstärkten sich nach 1523, weil ein grosser Teil der Toggenburger Bevölkerung zur Reformation übertrat. 1530 erklärte sich das Toggenburg für unabhängig, musste aber im Toggenburgischen Landfrieden von 1538 wieder unter die Herrschaft der Abtei zurückkehren. Immerhin musste der Abt auf Druck der eidgenössischen Schirmorte Zürich, Glarus, Schwyz und Luzern den reformierten Glauben im Toggenburg dulden. Damit wurde das Toggenburg zu einer der wenigen Landschaften in der Alten Eidgenossenschaft, in der beide Konfessionen nebeneinander zugelassen waren. Bis heute zeugen in den meisten Gemeinden des Toggenburgs die Kirchen der zwei Konfessionen von diesem Zustand. Die Äbte von St. Gallen liessen nämlich im Zuge der Gegenreformation wo immer möglich neben dem reformiert gewordenen, älteren Gotteshaus ein neues katholisches Gotteshaus erbauen. Glaubensstreitigkeiten haben das Toggenburg bis in die jüngste Gegenwart geprägt. mini|Die Wahlkreise des Kantons St. Gallen