mini|St. Veit in Deufringen Die evangelische Pfarrkirche St. Veit ist ein geschütztes Kulturdenkmal nach dem Denkmalschutzgesetz. Sie steht in Deufringen, einem Ortsteil von Aidlingen im Landkreis Böblingen in Baden-Württemberg. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Böblingen in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Geschichte und Architektur mini|Innenansicht Eine Veitskirche in Deufringen wird erstmals 1268 erwähnt, rechtlich damals eine Kapelle und Filiale der Pfarrkirche St. Martin in Gechingen.
Der älteste Teil der Kirche ist der wehrhafte Turm mit dem kreuzrippengewölbten Chorraum im Erdgeschoss. Das Gewölbe wird von vier Fratzenkonsolen getragen; der Schlussstein zeigt das Lamm Gottes mit der Siegesfahne (Erste Hälfte des 15. Jahrhunderts).
Um 1468 wurde dieser Turmchor nach Osten erweitert und ausgemalt.Katalog der Wandmalereien in den Kirchen und Kapellen Baden-Württemberg’s von der ottonischen Zeit bis zur Renaissance, von Dipl.-Ing. Klaus Klünder und Christa Regina Klünder . Die seltene Darstellung einer Hostienmühle und das Tabernakel dieser Erweiterung in der Laibung des Chorbogens haben sich erhalten. Das Gemälde ist eine Allegorie des Messopfers: Gottvater schiebt den Gekreuzigten in den Trichter einer Mühle, die seinen Leib in Hostien zerkleinert. Die vier Evangelisten umschweben Gottvater, die Apostel stehen unterhalb, einige drehen an der Kurbel.
Zum Turm gehörte ursprünglich ein im Westen anschließendes Kirchenschiff. Kurz vor der Reformation wurde dieses Kirchenschiff und die Osterweiterung des Chorraums abgebrochen; ein neues, größeres Kirchenschiff wurde im Osten an den Turm angebaut. Der Turm war von da an Westturm und Eingangshalle der Kirche. 1564 wurde das Kirchenschiff einschließlich der Balkendecke im Stil der Renaissance ausgemalt. Mit den damals modernen Kunstgriffen der illusionistischen Malerei erhielten die spätgotischen Türen und Maßwerkfenster prachtvolle neue Umfassungen, gemalte Pfeiler und Rundstäbe, Gesimse, Kassetten, Voluten und Dreiecksgiebel.
Mit Einführung der Reformation wurde Deufringen eigene Pfarrei.
Der Turm wurde 1725 mit einem die Turmuhr und den Glockenstuhl beherbergenden Geschoss aufgestockt, das mit einem Pyramidendach abschließt.
1790 wurde der unvollendete Chorraum der Kirche abgebrochen und das Kirchenschiff mit geradem und fensterlosem Chorwandabschluss und Krüppelwalmdach im Osten um 4,5 m verlängert. Erhalten haben sich in der Kirche St. Veit drei Grabmale der reichsunmittelbaren Ortsherren von Gültlingen aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die seit 1515 das Erbkämmereramt von Württemberg innehatten und vom Anfang des 15. Jahrhunderts bis 1699 im Schloss Deufringen einen ihrer Stammsitze bewohnten. Ein weiteres Kleinod ist das sogenannte „Hagelbild“ mit einer detailgetreuen Ortsansicht, das an einen verheerenden Hagelsturm im Jahr 1811 erinnert.
Im Jahr 1972 wurde im Zusammenhang der Kirchenrenovierung durch Architekt Johannes WetzelArchitekt Johannes Wetzel, Vita und Werk siehe das Innere der Kirche auf den alten Chorraum im Westturm ausgerichtet und dabei – unter teilweisem Belassen der entsprechenden Wandkonsolen – die Längsemporen abgebaut.
Literatur Fritz Heimberger (Red.): Kirchen im Landkreis Böblingen. (Hrsg.) Evang. Kreisbildungswerk und Kath. Bildungswerk Kreis Böblingen; München/Zürich, 1990, Seite 11–13
Die Evangelische Kirchengemeinde Deufringen – vom Leben in alten Mauern. Festschrift 750 Jahre Deufringen, Teil III. (Hrsg.) Evangelische Kirchengemeinde Deufringen, Deufringen o. J. (ca. 2018).
Weblinks
Geschichtliche Daten auf der Homepage der Kirchengemeinde Die Deufringer Pfarrkirche St. Veit - Renaissance auf dem Dorf
Einzelnachweise
Kategorie:Kirchengebäude im Landkreis Böblingen St Veit Kategorie:Veitskirche Kategorie:Kirche in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg Kategorie:Saalkirche in Baden-Württemberg Kategorie:Gotische Kirche Kategorie:Chorturmkirche Kategorie:Gotisches Bauwerk im Landkreis Böblingen Kategorie:Erbaut in den 1500er Jahren Kategorie:Kirchengebäude in Europa