mini|Speyerer Dom mini|hochkant|Blick vom Altpörtel entlang der Maximilianstraße (Via Triumphalis) auf den Speyerer Dom mini|Speyerer Auwald, Blick auf den Altrheinarm Runkedebunk; rechts die Insel Horn
Speyer (bis 1825 auch Speier) ist eine kreisfreie Universitätsstadt in Rheinland-Pfalz und Teil der Metropolregion Rhein-Neckar. Als römische Gründung, damals Noviomagus, Hauptort der Civitas Nemetum (Siedlungsgebiet des Stammes der Nemeter), später Nemetae genannt, ist sie eine der ältesten Städte Deutschlands und wurde als Spira um 600 Zentrum des Speyergaues. Im Mittelalter war Speyer als freie Reichsstadt eine der bedeutendsten Städte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Von 1816 bis 1945 war sie Sitz der bayerischen Verwaltung der Pfalz. Heute gehört Speyer zu Rheinland-Pfalz und hat Einwohner (Stand ).
Weithin bekannt ist die heutige Mittelstadt durch ihren Kaiser- und Mariendom, der zugleich Kathedrale des römisch-katholischen Bistums Speyer ist. Er ist die weltweit größte noch erhaltene romanische Kirche und zählt seit 1981 zum UNESCO-Welterbe. Die jüdischen Stätten Speyers, zusammen mit denen der anderen beiden SchUM-Städte Mainz und Worms, sind 2021 ebenfalls UNESCO-Weltkulturerbe geworden. In: swr.de, 28. Juli 2021.
Geographie mini|Rhein vom Speyerer Dom aus.
Speyer ist raumplanerisch als Mittelzentrum mit Teilfunktionen eines Oberzentrums eingestuft und Teil der Metropolregion Rhein-Neckar mit Ludwigshafen am Rhein, Mannheim und Heidelberg als Zentrum. Die Stadt liegt in der Oberrheinischen Tiefebene an der Mündung des Speyerbachs in den Rhein, knapp 20 km südlich von Ludwigshafen am Rhein und Mannheim sowie 34 km nördlich von Karlsruhe (jeweils in Luftlinie). Ihre Nachbargemeinden sind Römerberg im Süden, Dudenhofen im Westen, Schifferstadt im Nordwesten, Waldsee und Otterstadt im Norden. Jenseits des Rheins liegen Ketsch im Nordosten, Hockenheim im Osten, Altlußheim im Südosten und Oberhausen-Rheinhausen im Süden.
Der Rhein bildet die östliche Grenze der Stadt und gleichzeitig die Grenze von Rheinland-Pfalz zu Baden-Württemberg. Er tritt bei Stromkilometer 393,8 in die Gemarkung von Speyer ein und verlässt sie nach 9,2 km bei Stromkilometer 403. Die durch die Rheinbegradigung von Tulla abgeschnittenen Altrheinarme im Südosten (Altlußheimer Altrhein) und im Süden (Runkedebunk) der Stadt stehen mit dem sich dort nach Norden fortsetzenden Speyerer Auwald und den Wasserflächen nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie unter europäischem Schutz. In der Rheinniederung nordwestlich des Stadtgebietes entstanden durch Sand- und Kiesabbau zahlreiche Baggerseen, darunter das Gebiet Binsfeld mit acht Seen nördlich der A 61 sowie der Russenweiher. Ganz im Norden hat Speyer Anteil am Angelhofer Altrhein.
Stadtgliederung mini|Gewesteter Plan der Stadtmauern von Speyer mit den historischen Vorstädten; das Gebiet wurde bis etwa 1850 weitgehend wieder bebaut mini|Stadtmauerrest an der Hilgardstraße. Dort wuchs die Stadt zuerst weiter, als sie ihre Mauern wieder gefüllt hatte. Es bildete sich mit der Zeit der Stadtteil Speyer-Süd mini|hochkant|Das Wahrzeichen von Speyer-West: Der Wasserturm Speyer Das Stadtgebiet gliedert sich in fünf Stadtteile:
Die Kernstadt, auch Altstadt, entspricht dem Gebiet, das von der mittelalterlichen Speyerer Stadtbefestigung umschlossen wurde. Durch die vollständige Zerstörung 1689 und den langsamen Wiederaufbau nach elf Jahren Siedlungspause dauerte es bis etwa 1850, dieses Gebiet wieder zu besiedeln und zu bebauen. Speyer-Süd mit den Siedlungen Im Oberkämmerer, Neuland und Vogelgesang. Es handelt sich um die Gebiete südlich der alten Stadtmauer. Überwiegend (mit Ausnahme von Neuland) liegt Speyer-Süd wie der Kern der Altstadt auf der Niederterrasse. Speyer-West mit den Siedlungen Im Erlich und Burgfeld. Das Gebiet nordwestlich des historischen Kerns, das überwiegend von der Speyerer Landwehr umschlossen wurde, liegt auf der Hochterrasse und diente im Mittelalter den Menschen für Gärten und als Ackerland. Im Süden des Stadtteils liegt der geographisch höchste Punkt von Speyer. Speyer-Nord, auch Siedlung, mit Binsfeld. Speyer-Nord liegt mehrere Kilometer nördlich des alten Siedlungsgebietes, das am Woogbach endete. Gegründet wurde es 1932 während der Weltwirtschaftskrise als Siedlungsprojekt nördlich der Speyerer Landwehrgrenze. Speyer-Ost liegt zwischen der alten Kernstadt, die am Eselsdamm endete, und Speyer-Nord östlich der Wormser Landstraße in der Rheinniederung, die früher mit Ausnahme des Hasenpfuhls (gesichert durch den Eselsdamm) und der Fischervorstadt später nach der Rheinbegradigung der Hafenstraße unbesiedelt war. + Speyer-Südwest ist ein Sondergebiet im Westen der Kernstadt von Speyer mit den Funktionen Kloster, Bildung, Forschung, Krankenversorgung, Sport und Erholung. Außerhalb der geschlossenen Siedlung liegen Binshof, Deutschhof, Ludwigshof, Rinkenbergerhof, Spitzenrheinhof, Thomashof, Weiherhof und Reffenthal.
Flussterrassen Bis zu seiner Regulierung und Begradigung im frühen 19. Jahrhundert mäandrierte der Rhein in der Oberrheinischen Tiefebene in unzähligen Schleifen und Schlingen und änderte über die Jahrtausende immer wieder seinen Lauf. Auch nach der Regulierung ist die Landschaft am Rhein durch die zahlreichen noch vorhandenen bzw. wieder ausgekiesten Altrheinarme geprägt. Auch dort, wo sich keine Wasserflächen mehr befinden, lassen sich ehemalige Rheinarme am Bewuchs, Zuschnitt der Fluren und am Verlauf der Niederterrassen erkennen.
Das Stadtgebiet Speyers hat Anteil an der Rheinniederung (etwa 93 m über Normalnull), der Niederterrasse (im Mittel bei 103 m über Normalnull) und der Hochterrasse (bis zu 113 m über Normalnull). Die Rheinniederung besteht aus alluvialen und holozänen Ablagerungen. Die Niederterrasse entstand in der letzten Eiszeit; über einer mächtigen Kiesablagerung liegt eine etwa 50 cm dicke Lehmschicht durch Flussschlickablagerungen (Pleistozän). Die Hochterrasse besteht im Südwesten aus eiszeitlichen Anhäufungen von Löss (gegen Dudenhofen, dem nördlichen Teil der Schwegenheimer Lößplatte) und im Nordwesten aus Sandflächen und Sanddünen (Truppenübungsplatz und Speyerer Wald) westlich der B 9. Die Übergänge zwischen den drei Ebenen zeichnen sich durch teilweise deutlich erkennbare Versprünge aus. Den Speyerern sind diese Höhenunterschiede von der Niederterrasse zum Rhein als „Museumsbuckel“, die Terrassierung im Domgarten, die Treppe an der Nordseite des Domes und die abfallenden Straßen zum Fischmarkt bekannt. Die Anstiege zu Hochterrasse kennen sie als „Brauereibuckel“ (Obere Langgasse) oder „Schützenbuckel“ (Schützenstraße). Die relativ hochwassersicheren Niederterrassen liegen mehr oder weniger weit von der Hauptachse des Flusses entfernt. In Speyer ragte diese Niederterrasse wie ein Keil unmittelbar an den Rhein heran und bot damit die Möglichkeit, relativ sicher vor Hochwasser möglichst nahe am Fluss zu siedeln.Geschichte der Stadt Speyer. Band 1. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007522-5.
Der Verlauf des Hochgestades entspricht im Stadtgebiet etwa der 100-m-Höhenlinie über Normalnull und lässt sich leicht verfolgen. Der Ort Berghausen südwestlich von Speyer liegt unmittelbar an seiner Oberkante. Von dort verläuft es in einer generellen Linie nach Nordosten, um das Wohngebiet Vogelgesang herum, bis zum östlichsten und dem Rhein am nächsten gelegenen Punkt, dem Domhügel. Von dort schwenkt es zurück nach Nordwesten entlang der Johannesstraße, nach Norden entlang der Wormser Landstraße und des ersten Teilstücks der Waldseer Straße, und springt dann über Buchen- und Erlenweg nordöstlich übers freie Feld bis zum Spitzenrheinhof und von dort wieder nördlich an der Westseite der Binsfeldseen vorbei bis Otterstadt. Dabei bildet es eine Abfolge von Halbkreisen, an denen der einstige Verlauf des Rheines ablesbar ist.
Der Forlenwald (102–110 m ü. NN) nordwestlich der Stadt, der östlichste Teil des Speyerer Waldes, besteht zu 76 % aus Kiefern, 7 % Buchen, 4 % Eichen, je 3 % Robinien, Birken, Roteichen sowie 2 % sonstigen Bäumen auf nährstoffarmen diluvialen Flug- und Dünensanden, Schwemmsanden und Geröllen, vorwiegend Sandbraunerden mit Podsoligkeit oder Podsolierung. Im Nachwuchs werden vor allem die Buchen (von 4 % auf 21 %) zu Lasten der Kiefern (von 76 % auf 53 %) verstärkt.
Die Bedeutung Speyers und seine topografisch günstige Lage an den Flussterrassen war für die bayerische Landesvermessung nach den napoleonischen Kriegen ein wichtiger Grund zur Anlage eines speziellen Vermessungsnetzes, das als Grundlage für die seit 1805 projektierte Rheinregulierung und die Vermessung des neugebildeten Rheinkreises dienen sollte. Unter dem großherzoglich-badischen Oberingenieur Johann Gottfried Tulla wurde 1819 eine genaue Basislinie zwischen Speyer und Oggersheim gemessen, während für die astronomische Orientierung des Netzes einer der 72 Meter hohen Osttürme des Speyerer Doms und die Mannheimer Sternwarte gewählt wurden.
Klima Durch seine Lage im Oberrheingraben gehört Speyer zu den wärmsten und niederschlagsärmsten Gebieten Deutschlands. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 9,8 °C, in der Vegetationsperiode 16,9 °C, die durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt 596 mm (1931–1960 Station Speyer), davon 314 mm in der Vegetationszeit. Die Zahl der Sommertage mit über 25 °C liegt bei durchschnittlich 40 Tagen pro Jahr. Gewitter treten durchschnittlich an 20–25 Tagen auf, Schneefall an 20 Tagen, eine geschlossene Schneedecke an 20 Tagen. Die Hauptwindrichtungen sind Südwest und Nordost. Die Zahl der Sonnenscheinstunden ist im Sommerhalbjahr deutlich überdurchschnittlich, im Winter wegen häufiger Inversionswetterlagen unterdurchschnittlich. Wegen der Inversionslagen und der Schwüle im Sommer gilt das Wetter in Speyer als bioklimatisch belastend.
Geschichte
Antike und Mittelalter Zahlreiche Funde aus der Jungsteinzeit, Bronzezeit, Hallstattzeit und Latènezeit lassen darauf schließen, dass die Terrassen in Speyer, insbesondere die Niederterrassenzunge in unmittelbarer Rheinnähe, schon immer Siedlungsorte waren. Im zweiten vorchristlichen Jahrhundert war die Gegend von Speyer Siedlungsgebiet der keltischen Mediomatriker.
mini|Noviomagus im Römischen Reich Nach der Unterwerfung Galliens durch die Römer 50 v. Chr. wurde der Rhein, auch wenn das Gebiet noch außerhalb des militärischen Geschehens lag, Teil der Grenze des Römischen Reiches. 10 v. Chr. wurde ein Lager vermutlich für eine 500 Mann starke Infanterietruppe errichtet. Dieser römische Militärposten wurde zum Impuls für die Stadtbildung. Um 150 erschien die Stadt unter dem keltischen Namen Noviomagus (Neufeld oder Neumarkt, siehe alle Noviomagus) in der Weltkarte des Griechen Ptolemaios; der gleiche Name steht im Itinerarium Antonini, einem Reisehandbuch des Antonius aus der Zeit Caracallas (211–217) und auf der Tabula Peutingeriana, einer Straßenkarte aus dem 3. Jahrhundert. Ab 260 konnten die ständigen Angriffe der Alamannen im Rahmen der Völkerwanderung auf den Limes nicht mehr abgewehrt werden, die römische Reichsgrenze musste an den Rhein zurückgenommen werden, und Speyer wurde wieder zur Grenzstadt. Für das 4. Jahrhundert ist mit Jesse ein erster Speyerer Bischof belegt; das Bistum ging vermutlich während der Völkerwanderungszeit unter.
Im Jahre 406 setzten Sueben, Vandalen und sarmatische Alanen auf Druck nachrückender Hunnen über den Rhein und überrannten auf ihrem Weg ins innere Gallien auch Speyer. Ein reich ausgestattetes „Fürstengrab“ im rechtsrheinischen Altlußheim, etwa vier Kilometer von Speyer, bezeugt die Anwesenheit von Alano-Sarmaten, Hunnen oder Ostgermanen.Die Identität der Toten dieser Art von Fürstengräbern kann nicht festgestellt werden, deshalb haben die Archäologen ihnen den Namen „Untersiebenbrunngruppe“ gegeben. Siehe Untersiebenbrunn.
mini|Stadtentwicklung von Speyer