alternativtext=Głogów aus der Luft|mini|467x467px|Głogów Luftaufnahme Głogów , (deutsch Glogau, vormals auch Groß-GlogauJahrbuch für die amtliche Statistik des preussischen Staats, Berlin, 1863 - Seite 53, schlesisch Gruß-Gloge, im lokalen Dialekt Glauge) ist eine Stadt in der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Sie ist Kreisstadt des Powiat Głogowski und bildet eine eigene Stadtgemeinde. Zudem ist sie Sitz der Landgemeinde Głogów, die die Dörfer nördlich und östlich der Stadt umfasst.

Geographie Die Stadt liegt im nördlichen Teil Niederschlesiens, rund 100 km nordwestlich von Breslau, auf beiden Seiten der Oder auf 83 m ü. NHN, wobei sich der Großteil der Stadtfläche auf der linken Uferseite konzentriert. Die Bebauung Glogaus auf der rechten Uferseite besteht lediglich auf der Dominsel. Der alte Ortskern der Stadt befindet sich auf dem linken Oderufer, genauso wie die Kupferhütten, die im Westen der Stadt liegen.

Stadtteile Głogów besteht aus folgenden Ortsteilen: Brzostów (Brostau) Chrobry Hutnik Kościuszki Kopernik Krzepów (Schrepau; 1937–45: Schwarztal) Nosocice (Noßwitz; 1937–45: Urstetten) Paulinów Piastów Śląskich Słoneczne Śródmieście Widziszów

Innerhalb der Gemeindegrenzen liegen folgende Ortschaften: Biechów (Beichau; 1937–45: Oderhorst) Wróblin Głogowski (Fröbel) Żukowice (Herrndorf)

Geschichte Mittelalter und Frühe Neuzeit mini|hochkant=1.6|Glogau im 17. Jahrhundert Erstmals urkundlich erwähnt wurde „urbs Glogua“ von Thietmar von Merseburg im Jahre 1010. 150 Jahre später (1157) ließ Herzog Bolesław IV. als Seniorherzog von Polen die Stadt in Brand setzen, weil er glaubte, sie nicht gegen Kaiser Friedrich I. Barbarossa verteidigen zu können. Eine Glogauer Stiftsschule ist ab 1233 nachweisbar; sie gehörte somit zu den ersten Schulen Schlesiens.Kazimierz Bobowski: Entstehung und Entwicklung von verschiedenen schlesischen Schulgründungen im Mittelalter. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. 23, 2004, S. 471–485; hier: S. 483. Ab 1251 war Glogau Residenzstadt des Herzogtums Glogau. Zwei Jahre später erhielt Glogau, das damals über 2000 Einwohner zählte, das Magdeburger Stadtrecht. 1331 fiel Glogau zusammen mit dem Herzogtum Glogau als Lehen an das Königreich Böhmen und lag damit im Heiligen Römischen Reich.

Im Jahr 1484 ließ der Saganer Herzog Johann II. die Juden aus der Stadt verweisen und 1488 sieben Ratsherren einkerkern und verhungern. Von 1499 bis 1506 wurden Stadt und Herzogtum Glogau vom späteren polnischen König Sigismund I. regiert, der beides von seinem älteren Bruder, dem böhmischen König Vladislav II., als ein Lehen erhalten hatte.

Im Jahr 1630 begann der Bau von Befestigungen; die Einwohnerzahl war wegen der Zerstörung der Vorstädte von etwa 22.000 auf rund 7000 gesunken. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt 1632 von Protestanten erobert und 1633 von der Gegenreformation wiedergewonnen. 1642 galt die Stadt als Hauptfestung Schlesiens und war Standort für ein Versorgungsmagazin kaiserlich-sächsischer Truppen, daher bestand dort ab dem 17. Jahrhundert eine Münzprägeanstalt. Am 4. Mai 1642 wurden die Festung und das Magazin mit 95.000 Scheffel Getreide von einem schwedischen Heer unter Lennart Torstensson und Torsten Stålhandske erobert und besetzt. Danach drangen die schwedischen Heere weiter in das Landesinnere vor wodurch es kam zur Schlacht von Schweidnitz kam.

In der Provinz Schlesien mini|Karte von Glogau um 1750 mini|Ansicht von Glogau um 1850 mini|Stadtplan von Glogau kurz vor 1900 mini|Glogau, südsüdwestlich der Stadt Posen und südöstlich der Stadt Neusalz, auf einer Landkarte von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung)

Im Ersten Schlesischen Krieg erstürmten Anfang März 1741 preußische Truppen die Festung Glogau, die fortan zu Preußen gehörte. Friedrich der Große förderte Glogau, indem er es zum Sitz einer der beiden schlesischen Kriegs- und Domänenkammern und Oberamtsregierungen (später: „Bezirksverwaltungen“) sowie eines Medizinal- und eines Kriminalkollegiums bestimmte. Im Krieg mit Frankreich kapitulierte der General Franz Joachim von Reinhardt und die Festung Glogau kam am 3. Dezember 1806 in die Hände der französischen Truppen,Großer Generalstab (Hrsg.): 1806 – Das Preußische Offizierkorps und die Untersuchung der Kriegsereignisse. Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1906, S. 40, 45. diese hielten es auch nach dem Frieden von Tilsit besetzt, was 1808 die Verlegung der Bezirksregierung nach Liegnitz zur Folge hatte. In den Befreiungskriegen verteidigten etwa 9000 französische Besatzer, geplagt von Kälte bis zu −26 Grad im Winter, Lebensmittelmangel und Desertionen, die Festung Glogau 14 Monate lang ohne jede Rücksicht auf die Einwohner gegen preußische und russische Belagerer. Am 10. April 1814 kapitulierten die 1800 überlebenden Besatzer unter General Jean Grégoire Laplane.Robert Berndt: Fortsetzung der Geschichte der Stadt Gross-Glogau vom Ende des dreissigjährigen Krieges bis zum Ausmarsche der Franzosen im Jahre 1814. G. Müller’s Nachfolger (R. Walter), Glogau 1882, S. 295. Am 17. April zogen sie ab.Heinrich Ulmann: Geschichte der Befreiungskriege, 1813 u. 1814, Band 2. Oldenbourg, München und Berlin 1915, S. 319.

Bei der Neuordnung der preußischen Verwaltung erhielt Glogau seine 1808 eingebüßte Funktion als Verwaltungszentrum nicht zurück. Es gehörte als Verwaltungssitz des Kreises Glogau seit 1815 zum Regierungsbezirk Liegnitz der Provinz Schlesien.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Glogau drei evangelische und drei katholische Kirchen (darunter der gotische Dom auf einer Oderinsel), eine Synagoge, ein königliches Schloss, ein Staatliches katholisches und ein Evangelisches Gymnasium, eine Reihe unterschiedlicher Fabrikationsbetriebe und war Sitz eines Landgerichts.

In der 1919 gebildeten Provinz Niederschlesien schied die bisher kreisangehörige Stadtgemeinde Glogau zum 1. April 1920 als Stadtkreis aus dem Kreis aus, wobei der Landrat für den Landkreis Glogau weiterhin seinen Sitz in der Stadt behielt.

Zum 1. Juli 1931 wurden Teile der Landgemeinden Brostau, Rauschwitz, Weidisch, Zarkau und Zerbau (1938–1945: Lerchenberg) aus dem Landkreis Glogau in die Stadt eingegliedert.

Um 1935 hatte Glogau u. a. neun Bankhäuser, eine Bierbrauerei, einen Bootsbauer, zwei Buchdruckereien, sieben Destillationen, eine Dextrinfabrik, eine Drahtwarenfabrik, eine Essigfabrik, zwei Fruchtsaftpressereien, eine Handschuhfabrik, zwei Holzsägewerke, eine Kaffeegroßrösterei, eine Lederwarenfabrik, eine Maschinenfabrik, eine Matratzenfabrik, eine Metallgießerei, drei Mineralwasserfabriken, vier Möbelfabriken, zwei Molkereien, zwei Mühlen, eine Mühlenbauanstalt, eine Polstermöbelfabrik, eine Sattlerwarenfabrik, zwei Schokoladen- und Zuckerwarenfabriken, eine Stärkefabrik, eine Turmuhrenfabrik, zwei Vulkanisieranstalten, eine Wachswarenfabrik, drei Wagenbauer, eine Wäschefabrik, eine Wurstfabrik, zwei Zeitungsverlage, zwei Zementwarenfabriken, eine Zinngießerei und zwei Zuckerfabriken.Klockhaus' kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs für Industrie, Handwerk, Handel und Gewerbe, Band 1 B, Berlin 1935, 2. Teil, Provinz Schlesien, S. 1541–1546 (Google Books).

Mit Wirkung vom 31. März 1938 wurden weitere Teile der Gemeinden Brostau, Rauschwitz und Zarkau aus dem Landkreis Glogau nach Glogau eingemeindet. Im Jahr 1939 zählte die Stadt Glogau 33.558 Einwohner, der Landkreis Glogau 62.280 Einwohner.

Im Jahr 1945 war Glogau Kreisstadt im Regierungsbezirk Liegnitz der preußischen Provinz Niederchlesien.

Zweiter Weltkrieg und Gegenwart Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Glogau zur Festung erklärt. Während der sechswöchigen Belagerung von Glogau durch die Rote Armee fielen über 90 Prozent der Bebauung den schweren Kämpfen zum Opfer, die Altstadt lag in Trümmern. Am 1. April 1945 kapitulierte Glogau, am 2. Mai erschien in Glogau ein Regierungsbeauftragter der Volksrepublik Polen für die Verwaltung des III. Bezirks (Niederschlesien) der Wiedergewonnenen Gebiete. Der polnische Ortsname Głogów wurde eingeführt. Bis in den Juli 1945 hatte der Militärkommandant der Roten Armee gegenüber der polnischen Verwaltung das letzte Wort. Unter dem am 10. Mai 1945 eingesetzten Bürgermeister Eugeniusz Hoinka begann am 13. Mai 1945 die organisierte Besiedlung der Stadt mit Polen. Am 14. Februar 1946 hatte sie 1681 Einwohner, darunter auch Deutsche. Infolge der Flucht und Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten kam es in den Jahren von 1946 bis 1947 zu einem vollständigen Bevölkerungswechsel. Der Glogauer Heimatbund bezog 1952 in Hannover, der späteren Partnerstadt Głogóws, seinen Sitz im Hardenbergschen Haus.Helmut Knocke: Hardenbergsches Haus. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 270.

Nach 1945 entwickelte sich die Stadt in den Außenbezirken. In den 1950er Jahren wurden neben den Hauptdenkmälern die Ruinen der Altstadt abgerissen und das Gelände eingeebnet. Im Jahr 1950 hatte die Stadt 3915 Einwohner.

Ein Aufschwung folgte erst mit dem Bau einer Kupferhütte im Jahre 1967, die noch heute den größten Industriebetrieb darstellt. Bis in die 1980er Jahre blieb das Stadtzentrum unbebaut, seither wird auch die Innenstadt auf den ursprünglichen Fundamenten und in Nachahmung der alten Bürgerhäuser wiederaufgebaut.

Sehenswürdigkeiten Kirchen Ältestes Gotteshaus der Stadt ist die Sankt-Nikolaus-Kirche, die 1309 erstmals urkundlich bezeugt, aber sicher schon früher gegründet worden war. Der gotische Backsteinbau stammt aus dem 14. Jahrhundert. Um 1900 war Sankt Nikolaus katholische Stadtpfarrkirche, war damals schon durch mehrere Brände beschädigt und wurde im Zweiten Weltkrieg zur Ruine, die heute als Mahnmal dient. Nördlich der Oder, in der so genannten Domvorstadt (Ostrów Tumski), steht die Stiftskirche Mariä Himmelfahrt, ehemaliger Dom zu Sankt Maria, später katholische Pfarrkirche. Der Chor stammt teilweise aus dem 13. Jahrhundert, der Hauptteil des gotischen Bauwerks wurde im 15. und frühen 16. Jahrhundert aus Backsteinen errichtet; der Turm stürzte zu Anfang des 19. Jahrhunderts ein und wurde von 1838 bis 1842 neu errichtet. Die spätbarocke Corpus-Christi-Kirche mit zwei Türmen; sie diente später als katholische Garnisonkirche und wurde nach 1945 restauriert. Die Sankt-Laurentius-Kirche (Kościół fil. pw. św. Wawrzyńca) im Ortsteil Brzostów ist eine um 1502 errichtete gotische Saalkirche, die 1804 umgebaut und 1931–1933 renoviert wurde. Zur Innenausstattung gehören u. a. barocke Altäre, eine barocke Kanzel und ein Taufbecken aus dem Jahre 1509.Historische Angaben nach Glogau. Ein Führer durch Stadt und Kreis, bearbeitet von R. Scholz und P. Knötel, Verlag von Carl Flemming, Glogau o. J. [zwischen 1892 und 1895], S. 1–7.Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen. Schlesien. Deutscher Kunstverlag, München u. a. 2005, ISBN 3-422-03109-X, S. 305f Die evangelische Kirche „Zur Hütte Christi“ wurde nach dem Westfälischen Frieden als erste von drei Schlesischen Friedenskirchen von 1651 bis 1652 außerhalb der Stadtmauern errichtet. Nach einem Einsturz 1654 wurde sie 1655 als dreischiffige Hallenkirche nach einem Entwurf des Architekten Albrecht von Säbisch wiederaufgebaut. 1758 fiel sie einem Brand zum Opfer. Die evangelische Kirche „Schifflein Christi“ im Stadtzentrum südwestlich der Pfarrkirche entstand in den Jahren 1764 bis 1772 als Ersatz für die abgebrannte Friedenskirche. Der Entwurf stammte vom Landeshuter Architekten Carl Gotthard Langhans. Bei Kriegsende 1945 wurde sie beschädigt und die Ruine in den 1960er Jahren abgetragen. An ihrer Stelle befindet sich seit 2003 eine Gedenkstätte, die den Grundriss des Gebäudes mit niedrigen Mauern nachzeichnet. An die ehemalige Synagoge der Stadt erinnert heute ein Denkmal.

Weitere Bauwerke