alt=|mini|Hannelore Elsner (2011) Hannelore Elsner (* 26. Juli 1942 als Hannelore Elstner in Burghausen; † 21. April 2019 in München) war eine deutsche Schauspielerin, die unter anderem unter der Regie von Edgar Reitz, Doris Dörrie, Oskar Roehler und István Szabó arbeitete und eine der bekanntesten Charakterdarstellerinnen Deutschlands war. Sie spielte in ihrer 60-jährigen Karriere in über 220 Film- und Fernsehproduktionen mit und war auch eine profilierte Theaterschauspielerin.

Leben mini|Hannelore Elsner und Luzia Braun auf der Frankfurter Buchmesse bei der Vorstellung ihres Buches Im Überschwang – Aus meinem Leben, 2011 Hannelore Elsner wurde 1942 in Burghausen geboren und wuchs in Altötting auf. Ihr zwei Jahre älterer Bruder starb gegen Ende des Zweiten Weltkriegs bei einem Tieffliegerangriff, als sie noch keine drei Jahre alt war. Wenige Tage zuvor war ein weiterer Bruder geboren worden.Hannelore Elsner. Ohne Spiel ist mir das Leben zu ernst. Dokumentation. Regie: Sabine Lidl. NDR / MEDEA FILM 2021. Nach dem Tod des älteren Bruders richtete sie ihre Liebe vor allem auf den Vater, einen österreichischen Ingenieur, der an Tuberkulose starb, als sie acht Jahre alt war.

Elsner besuchte die Klosterschule in Neuötting, das Klosterinternat der Englischen Fräulein auf Schloss Neuhaus am Inn und das humanistische Gymnasium in Burghausen. Ihre Mutter zog später mit ihr nach München. Als Elsner 16 Jahre alt war, lernte sie den türkischen Regisseur Halit Refiğ kennen, der ihr eine Schauspielausbildung ermöglichte.

Elsner war von 1964 bis 1966 mit dem Schauspieler Gerd Vespermann verheiratet und von 1973 bis zu seinem Unfalltod 1981 mit dem Regisseur Alf Brustellin liiert. Sie soll um 1970 zudem mit dem Schauspieler und Synchronregisseur Michael Miller verheiratet gewesen sein. Aus einer Beziehung mit dem Regisseur Dieter Wedel stammt ihr 1981 geborener Sohn, der als Fotograf arbeitet. Später führte sie eine vierjährige Beziehung mit dem Filmproduzenten Bernd Eichinger. 1993 heiratete sie den Theaterdramaturgen und Verlagsleiter Uwe B. Carstensen. Die Ehe wurde im Jahr 2000 geschieden. Danach lebte sie bis Anfang 2002 mit dem Germanistikprofessor Günter Blamberger zusammen.

Im Mai 2011 veröffentlichte der Verlag Kiepenheuer & Witsch Elsners Lebenserinnerungen unter dem Titel Im Überschwang – Aus meinem Leben. Anlässlich ihres 70. Geburtstags zeigte Das Erste im Juli 2012 ein 45-minütiges Porträt Elsners in der Reihe Deutschland, deine Künstler.

Hannelore Elsner, die zuletzt in München und Frankfurt am Main lebte, erlag im April 2019 im Alter von 76 Jahren in einem Münchner Krankenhaus den Folgen einer Krebserkrankung. Sie wurde auf dem Friedhof von Burghausen beigesetzt.

Schauspielkarriere Ausbildung und frühe Theaterarbeiten Nach Abschluss der Schauspielausbildung in München begann Elsner ihre Karriere an Theatern in Köln, München und Berlin. 1962 sah man sie in einem der beliebtesten Volksstücke aus dem Kölner Millowitsch-Theater. Hier spielte sie neben Peter René Körner, Willy Millowitsch und Elsa Scholten in Tante Jutta aus Kalkutta. Erste Theaterengagements hatte sie ab 1964 an der Kleinen Komödie München, wo sie 1964 in dem Lustspiel Schöne Geschichten mit Papa und Mama von Alfonso Paso und 1966 in Vater einer Tochter von Curth Flatow an der Seite von Georg Thomalla spielte. An den Münchner Kammerspielen war sie als Ala in Dieter Giesings Inszenierung von Slawomir Mrozeks Tango (1966, mit Maria Nicklisch und Helmut Griem als Partnern) als erste Nackte an den Kammerspielen zu sehen. Elsner gastierte auch an der Komödie Berlin in dem Stück Eine Hand voll Brennesseln von Marc-Gilbert Sauvajon.

Kino Im Alter von 17 Jahren gab Hannelore Elsner ihr Filmdebüt an der Seite von Freddy Quinn in Freddy unter fremden Sternen (1959). In dem Filmdrama Die endlose Nacht (1963) spielte sie die Rolle eines attraktiven mittellosen Starlets. In den 1960er und 1970er Jahren trat sie vor allem in Unterhaltungsfilmen in Erscheinung, darunter Allotria in Zell am See (1963 mit Beppo Brem), Die Lümmel von der ersten Bank (1967 mit Hansi Kraus), Zum Teufel mit der Penne und Pepe, der Paukerschreck (1968 bzw. 1969 mit Peter Alexander) sowie Hurra, wir sind mal wieder Junggesellen! (1971 mit Georg Thomalla).

In den 1970er Jahren übernahm Elsner zudem anspruchsvollere Rollen und profilierte sich als Charakterdarstellerin. 1970 sah man sie in Wolfgang Staudtes Krimikomödie Die Herren mit der weißen Weste an der Seite von Mario Adorf und Martin Held. In der Verfilmung des im Kalten Krieg spielenden Erfolgsromans Der Stoff aus dem die Träume sind von Johannes Mario Simmel verkörperte Elsner 1972 die Tschechin Irina, die ihrem Geliebten folgte und in den Westen floh. 1973 spielte sie in Aus dem Leben eines Taugenichts eine Gräfin; damit war sie seit dem Mauerbau die erste westdeutsche Darstellerin, die in einem Film der ostdeutschen Produktionsfirma DEFA mitwirkte. Im selben Jahr war sie neben Elke Sommer in dem von Edgar Reitz inszenierten Kriegsdrama Die Reise nach Wien als Marga Kroeber zu sehen, deren Mann an der Front kämpft. In Alf Brustellins Filmdrama Berlinger (1975) spielte Elsner in einer Doppelrolle die frühere und die neue Lebenspartnerin der Titelfigur (verkörpert von Martin Benrath). 1977 war sie in der Theodor-Fontane-Verfilmung Grete Minde in der Rolle der Trud Minde, der Ehefrau des Halbbruders der Titelfigur (Katerina Jacob), zu sehen. Eine weitere Hauptrolle unter der Regie von Edgar Reitz hatte sie als Ehefrau der Titelfigur in Der Schneider von Ulm (Tilo Prückner). 1980 spielte sie in Der grüne Vogel des international bekannten ungarischen Regisseurs István Szabó, einer Liebesgeschichte zur Zeit des Kalten Krieges. 1985 übernahm sie die Titelrolle in dem Drama Marie Ward – Zwischen Galgen und Glorie, das das Leben der katholischen Ordensschwester Maria Ward porträtiert. Hier war sie neben zahlreichen bekannten Kollegen, darunter Irm Hermann, Mario Adorf, Bernhard Wicki, Hans Quest, Anton Diffring und Mathieu Carrière, zu sehen.

Nach rund fünfzehn Jahren, in denen Elsner nicht an Kinoproduktionen mitwirkte, feierte sie ihre größten schauspielerischen Erfolge. Die Rolle der suizidgefährdeten Schriftstellerin Hanna Flanders in Oskar Roehlers Spielfilm Die Unberührbare brachte ihr im Jahr 2000 den Deutschen Filmpreis, den Deutschen Kritikerpreis und den Bayerischen Filmpreis ein. 2003 gewann sie erneut den Deutschen Filmpreis für ihre Rolle in Oliver Hirschbiegels Mein letzter Film, in dem sie eine alternde Schauspielerin verkörperte. Im selben Jahr gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der Deutschen Filmakademie.

Der Filmemacher Rudolf Thome besetzte sie 2003/2004 in der Hauptrolle seiner Trilogie Zeitreisen: in Rot und Blau als Architektin Barbara Bärenklau, in Frau fährt, Mann schläft als Zahnärztin Dr. Sue Süssmilch und in Rauchzeichen an der Seite von Adriana Altaras als Schankwirtin Annabella Silberstein. In der Komödie Alles auf Zucker! von Dani Levy (2004) war sie Marlene, die Ehefrau der Hauptfigur, des ehemaligen DDR-Sportreporters Jaeckie Zucker (Henry Hübchen). Im Jahr 2008 spielte sie in dem Filmdrama Kirschblüten – Hanami von Doris Dörrie an der Seite von Elmar Wepper, des unheilbar kranken Rudi, der nach dem unerwarteten Tod seiner Frau Trudi (Elsner) nach Japan reist, um ihr versäumtes Leben nachzuholen.

In der Filmbiografie Zeiten ändern dich (2010) über den Musiker Bushido übernahm Elsner die Rolle der Mutter. Von 2010 bis 2013 war sie die Direktorin Theobald in den Filmen über Hanni & Nanni. In Das Blaue vom Himmel (2011) war sie neben Juliane Köhler und David Kross in der Hauptrolle der demenzkranken Marga Baumanis zu sehen. In Marcus H. Rosenmüllers Spielfilm Wer’s glaubt, wird selig (2012) spielte sie eine herrische Schwiegermutter, die nach ihrem plötzlichen Tod heiliggesprochen werden soll, und in der Tragikomödie Auf das Leben! (2014) unter der Regie Uwe Jansons eine im Alter vereinsamte, durch den Holocaust traumatisierte Revue-Sängerin, die dank der Freundschaft zu einem jungen MS-Kranken neuen Lebensmut fasst. In Lars Kraumes Familienfest (2015) spielte sie die erste Ehefrau des Pianisten Hannes Westhoff (Günther Maria Halmer), eine „trinksüchtige Grande Dame“, und in dem deutsch-österreichisch-französischen Spielfilm Hannas schlafende Hunde (Kinostart: Juni 2016), der auf dem autobiografischen Roman der Autorin Elisabeth Escher basierte, die erblindete Ruth Eberth, deren junge Enkelin, Hanna, ihre jüdische Identität nicht verleugnen will.

In der deutsch-tschechischen Produktion Der große Rudolph, einer Filmsatire über das Leben des Modedesigners Rudolph Moshammer, verkörperte Elsner Moshammers Mutter Else. In der Filmkomödie 100 Dinge (Kinostart: 6. Dezember 2018) war sie an der Seite von Wolfgang Stumph Renate Konaske, die Mutter der Hauptfigur Paul (Florian David Fitz). Am 7. März 2019 startete Kirschblüten & Dämonen, die Fortsetzung des Filmdramas Kirschblüten – Hanami und Elsners letzter vollendeter Kinofilm. Darin ist sie in Rückblenden erneut in der Rolle der Trudi Angermeier zu sehen.

Fernseharbeiten Seit den 1960er Jahren spielte Elsner in zahlreichen Fernsehserien, unter anderem in einigen Folgen von Das Kriminalmuseum und Der Kommissar. 1971 verkörperte sie die Sascha in dem ZDF-Fernsehspiel Iwanow von Oswald Döpke (nach dem gleichnamigen Schauspiel von Anton Tschechow). Diese Darstellung brachte ihr 1972 die Goldene Kamera ein.

Im Jahr 1974 übernahm sie in der 13-teiligen ZDF-Serie Die schöne Marianne die Titelrolle einer attraktiven Gastwirtstochter französischer Herkunft. 1986 war sie Charlie in Irgendwie und Sowieso und 1987/1988 in sieben Folgen der ZDF-Serie Die Schwarzwaldklinik Maria Rotenburg, die Geliebte von Professor Brinkmann (Klausjürgen Wussow). Weitere Serienrollen übernahm sie 1988 in Lorentz und Söhne und 1989 in Mit Leib und Seele als Gemeindeschwester Sophie Lieberman.

Von 1994 bis 2006 verkörperte sie in der ARD-Krimiserie Die Kommissarin eine Kriminalhauptkommissarin, die in insgesamt 66 Folgen in Frankfurt am Main und Hamburg ermittelte. Dafür wurde sie 1995 als beste Darstellerin in einer Serie mit dem Telestar ausgezeichnet. Die Handlung sollte zunächst in München spielen, doch Elsner änderte nicht nur den Namen der Kommissarin von „Lea Winter“ in „Lea Sommer“, sondern bestand auch auf dem Drehort Frankfurt am Main, wo sie wohnte.

In dem Fernsehfilm Andrea und Marie (Erstausstrahlung: Januar 1998) spielte sie an der Seite von Iris Berben die Kunstlehrerin Andrea. Im ARD-Drama Ende der Saison (Erstausstrahlung: November 2001) von Stefan Krohmer war sie die krebskranke Waltraut, deren Tochter Klarissa (Anneke Kim Sarnau) sie pflegen und beim Sterben begleiten will. Unter der Regie Oskar Roehlers hatte sie in dem 2001 gedrehten und 2002 erschienenen Fernsehfilm Fahr zur Hölle, Schwester! eine Hauptrolle: Sie spielte Rita, die für den Unfall ihrer Schwester (Iris Berben) verantwortlich gemacht wird.

Elsner stand in den folgenden Jahren für mehrere Romanverfilmungen vor der Kamera. In Christian Pfannenschmidts Der Seerosenteich (Erstausstrahlung: Februar 2003) übernahm sie die Rolle der Modeschöpferin Puppe Mandel. In Die Rosenzüchterin (Erstausstrahlung: November 2004), basierend auf dem gleichnamigen Roman von Charlotte Link, war sie in der Hauptrolle der Beatrice Shaye zu sehen, die ihre Mutter, Helene Feldmann, ermordet haben soll. In der Dostojewski-Verfilmung Die Spielerin (Erstausstrahlung: Juni 2005) verkörperte sie die attraktive Polina Sieveking.