Baden-Württemberg (; Abkürzung BW; amtlich Land Baden-Württemberg) ist ein Land im Südwesten von Deutschland. Gemäß seiner Verfassung hat es die Staatsform einer parlamentarischen Republik und ist ein teilsouveräner Gliedstaat der Bundesrepublik Deutschland. Sowohl nach Einwohnerzahl als auch bezüglich der Fläche steht Baden-Württemberg an dritter Stelle der deutschen Länder. Bevölkerungsreichste Stadt ist die Landeshauptstadt Stuttgart, gefolgt von Mannheim und Karlsruhe. Weitere Großstädte sind Freiburg im Breisgau, Heidelberg, Ulm, Heilbronn, Pforzheim und Reutlingen.
Das Land entstand 1952 durch den Zusammenschluss der nach dem Zweiten Weltkrieg gebildeten Länder Württemberg-Baden, (Süd-)Baden und Württemberg-Hohenzollern. Somit steht es in der Tradition der alten Länder Baden und Württemberg sowie der Hohenzollernschen Lande. Baden-Württemberg ist naturräumlich geprägt von seinen Anteilen an der Oberrheinischen Tiefebene und Mittelgebirgen wie dem Schwarzwald, dem Südwestdeutschen Schichtstufenland mit der Schwäbischen Alb und dem Alpenvorland nördlich des Bodensees.
Baden-Württemberg ist das deutsche Land mit den höchsten Exporten (2023), der zweitniedrigsten Arbeitslosenquote (Juli 2024), dem vierthöchsten Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf (2024) sowie den meisten angemeldeten Patenten pro Kopf (2023) und den absolut und relativ höchsten Forschungs- und Entwicklungsausgaben (2021). Die durchschnittliche Lebenserwartung lag im Zeitraum 2018/20 bei 79,9 Jahren für Männer und bei 84,2 Jahren für Frauen, womit beide unter den deutschen Bundesländern jeweils den ersten Rang belegen.
Geographie mini|Blick vom Nordschwarzwald längs der Oberrheinischen Tiefebene nach Norden zum Odenwald mini|Das Kleine Wiesental im Schwarzwald vom Belchen gesehen mini|Kalkstein-Felsen am Hohenstaufen, Schwäbische Alb mini|Voralpine Landschaft am Bodensee
Im Süden grenzt Baden-Württemberg mit dem Klettgau und dem Hotzenwald an den Hochrhein, im Hegau und Linzgau an den Bodensee und im Westen mit dem Breisgau und dem Markgräflerland an den Oberrhein. Im Norden zieht sich die Landesgrenze über Odenwald und Tauberland, im Osten über Frankenhöhe und Ries, entlang von Donau und Iller sowie durch das westliche Allgäu.
Benachbarte deutsche Länder sind im Osten und Nordosten Bayern, im Norden Hessen und im Nordwesten Rheinland-Pfalz. Im Westen grenzt Baden-Württemberg an die elsässischen Départements Bas-Rhin und Haut-Rhin in der französischen Region Grand Est. Die Schweizer Grenze im Süden wird von den Kantonen Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Aargau, Zürich, Schaffhausen und Thurgau gebildet. Der Kanton St. Gallen ist nur über den Bodensee verbunden. Über den Bodensee ist Baden-Württemberg außerdem mit dem österreichischen Bundesland Vorarlberg verbunden. Mit diesem teilt es – weil dort ebenfalls alemannischer Dialekt gesprochen wird – den manchmal umgangssprachlich verwendeten Beinamen Ländle respektive alemannisch Ländli.
Der geographische Mittelpunkt Baden-Württembergs bei wird von einem Denkmal in einem Waldstück auf der Gemarkung von Tübingen markiert. Es handelt sich dabei um den Schwerpunkt der Landesfläche. Im Gegensatz dazu wurde die Mitte von Baden-Württemberg aus den Extremwerten (nördlichster, südlichster, östlichster und westlichster Landpunkt) ermittelt. Das Mittel aus der geographischen Breite des nördlichsten und südlichsten Punktes und das Mittel aus der geographischen Länge des östlichsten und westlichsten Punktes im Bezugssystem WGS 84 errechnet sich zu . Diese vier Extremkoordinaten Baden-Württembergs sind: im Norden in der Stadt Wertheim, im Süden in der Gemeinde Grenzach-Wyhlen, im Westen in der Gemeinde Efringen-Kirchen und im Osten in der Gemeinde Dischingen. Das umschließende Rechteck Baden-Württembergs, dessen Seiten parallel zu den Längen- bzw. Breitengraden ausgerichtet sind, hat die Kantenlängen 251 km (Nord-Süd-Richtung), 214 km (nördliche Ost-West-Seite) und 224 km (südliche Ost-West-Seite). Die Mitte von Baden-Württemberg befindet sich 14,3 km nördlich vom Tübinger Schwerpunkt in Böblingen in einem kleinen Waldstück, dem Hörnleswald, an der Tübinger Straße von Böblingen nach Holzgerlingen und ist mit einem Steinpfeiler markiert.
Die höchste Erhebung des Landes ist der Feldberg im Schwarzwald mit . Der tiefste Punkt liegt im Mannheimer Naturschutzgebiet Ballauf-Wilhelmswörth am Rheinufer und an der Grenze zu Hessen auf .Stadt Mannheim: Schutzgebietsbeschreibungen (PDF; 4,0 MB), abgerufen am 8. Mai 2016.
Naturräumliche Gliederung und Geologie Innerhalb Baden-Württembergs werden nach geologischen und geomorphologischen Kriterien fünf Großräume unterschieden:Siegfried Kullen: Baden-Württemberg. 3. Auflage. Klett-Verlag, Stuttgart 1989, ISBN 3-12-928805-8.
Die Oberrheinische Tiefebene ist ein mit Sedimenten gefüllter Grabenbruch. Dazu zählt auch die Vorbergzone zwischen der Ebene und dem Schwarzwald. In der Tiefebene finden sich diverse Salzlagerstätten, Heilquellen und einige heute erloschene Vulkane wie der Kaiserstuhl. Die Randgebirge Schwarzwald und Odenwald bestehen aus Granit, Gneis und Buntsandstein. Ihre Nord-Süd-Ausrichtung macht sie zu Regenfängern, deren westliche Gewässer viel Wasser führen und sich vergleichsweise tief eingeschnitten haben. Der im Südschwarzwald gelegene Feldberg ist mit der höchste Berg in den deutschen Mittelgebirgen. Das südwestdeutsche Schichtstufenland besteht aus weiten, hügeligen Landterrassen, die durch mehrere Gesteinsstufen voneinander abgegrenzt sind. Sie bestehen nach Südosten hin aus immer jüngeren Gesteinsschichten, wobei wechselweise harte und weiche Schichten übereinandergelagert sind. Teilräume sind die Neckar- und Tauber-Gäuplatten (Baar, das Obere Gäu, Stromberg, Kraichgau, Hohenloher Ebene), das Keuperbergland (Kleiner Heuberg, Rammert, Schönbuch, Glemswald, Strom- und Heuchelberg, Schurwald, Schwäbisch-Fränkische Waldberge) und das Albvorland. Zum Südwestdeutschen Schichtstufenland zählen auch der Randen und seine Ausläufer im Klettgau. Die Schwäbische Alb ist als geschlossenes Mittelgebirge ein gewässerarmes Karstgebiet. Sie ist von typischen Karstformen (z. B. Dolinen) und zahlreichen kleinen vulkanischen Formen durchzogen. Am östlichen Rand liegt der Meteoritenkrater von Nördlingen (Nördlinger Ries). Das Alpenvorland, zu dem Oberschwaben und das württembergische Allgäu gehören, ist ein flachwelliges Hügelland, in dem der Bodensee und einstige vulkanische Berge im Hegau liegen. Die starke Prägung durch eiszeitliche Vorgänge zeigt sich in zahlreichen typischen Landschaftsformen wie Moränen, Seen und Mooren.
Klima
Baden-Württemberg liegt in einem Übergangsgebiet zwischen Seeklima im Westen und Kontinentalklima im Osten.Für diesen Absatz: Borcherdt 1993, Kullen 1989. Das bewirkt, dass abwechselnd ozeanische und kontinentale Klimaeinflüsse wirksam werden. Aufgrund der vorherrschenden Westwinde überwiegen die ozeanischen Klimaeinflüsse, wobei diese in den östlichen Landesteilen abnehmen. Die Vielgestaltigkeit der Oberflächenformen, also das Nebeneinander hoher Bergländer und abgeschirmter Beckenräume, führt zu deutlichen klimatischen Unterschieden schon auf kurzen Entfernungen.C. Schölzel, A. Hense: Probabilistic assessment of regional climate change in Southwest Germany by ensemble dressing. In: Climate Dynamics. Band 36, Nr. 9, 2011, S. 2003–2014, doi:10.1007/s00382-010-0815-1.
Temperaturen Durch die südliche Lage ist Baden-Württemberg gegenüber anderen Ländern hinsichtlich der Temperaturen begünstigt. Das Oberrheinische Tiefland weist Jahresmitteltemperaturen von 10 °C auf und gehört damit zu den wärmsten Gebieten Deutschlands. Klimatisch begünstigt sind auch der Kraichgau, das Neckartal nördlich von Stuttgart, das Bodenseegebiet, das Hochrheingebiet und das Taubertal. Mit der Höhe sinkt die Durchschnittstemperatur, und der Südschwarzwald ist mit durchschnittlich 4 °C eines der kältesten Gebiete Deutschlands. Eine Ausnahme von dieser Regel ist die im Winter vorkommende Inversionswetterlage, bei der höhere Lagen wärmer sind als tiefer gelegene, weil bei windstillem Hochdruckwetter die von den Höhen abfließende Kaltluft sich in Beckenräumen sammelt. Extreme Kältewerte lassen sich deshalb auf der Baar beobachten. Hier kann es im Winter zu Temperaturen von unter −30 °C kommen.Daten-Archiv des Deutschen Wetterdienstes. Online unter Bundesministerium für Verkehr Bau und Stadtentwicklung, Deutscher Wetterdienst.
Niederschlag Die mit dem Westwind herantransportierten Luftmassen stauen sich vor allem an Schwarzwald und Odenwald, daneben auch an der Schwäbischen Alb, den höheren Lagen der Keuperwaldberge und den Voralpen. Deshalb fällt auf der Luvseite reichlich Niederschlag (über 1000 mm pro Jahr, im Südschwarzwald stellenweise über 2000 mm). Auf der Leeseite im Regenschatten fällt wesentlich weniger Niederschlag. Hier gibt es ausgeprägte Trockengebiete: Im nördlichen Oberrheinischen Tiefland, der Freiburger Bucht (Leeseite der Vogesen) und dem Taubergrund fallen etwa 600 mm, im mittleren Neckarraum und der Donauniederung bei Ulm etwa 700 mm pro Jahr.
Folgen der globalen Erwärmung
Im Auftrag der baden-württembergischen Landesregierung wurden seit Ende der 1990er Jahre mehrere Studien zu den regionalen Folgen der globalen Erwärmung durchgeführt.Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg: Publikationen: Klima. Abgerufen am 2. Januar 2013. Laut einer Zusammenfassung dieser Ergebnisse aus dem Jahr 2012 stieg die Jahresdurchschnittstemperatur in Baden-Württemberg im Zeitraum 1906 bis 2005 um 1,0 °C an (weltweit 0,7 °C), von durchschnittlich 8 °C auf 9 °C. Der größte Anstieg erfolgte dabei in den letzten 30 Jahren. Die Anzahl der Höchstniederschläge im Winter und die Zahl der Hochwasserereignisse haben in diesem Zeitraum um 35 Prozent zugenommen, die Anzahl der Tage mit Schneedecke in tiefer gelegenen Regionen haben um 30 bis 40 Prozent abgenommen. Von 1953 bis 2009 nahm die Anzahl der Eistage (Höchsttemperatur unter 0 °C) in Stuttgart von 25 auf 15 ab, die Anzahl der Sommertage (Höchsttemperatur mindestens 25 °C) dagegen erhöhte sich von 25 auf 45 (vgl. auch Hitzewelle 2003). Die Wahrscheinlichkeit einer ausgeprägt trockenen Vegetationsperiode im Sommer hat sich seit 1985 versechsfacht. Klimamodelle prognostizieren eine Weiterführung dieser Trends. Im Juli 2013 wurde ein Klimaschutzgesetz für Baden-Württemberg verabschiedet.Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg: Klimawandel in Baden-Württemberg – Fakten, Folgen, Perspektiven. 2., aktualisierte Auflage, März 2012, ISBN 978-3-88251-368-4. Abgerufen am 1. Januar 2014.
Gewässer mini|Karte der Landschaften von Baden-Württemberg mit Flüssen mini|Neckarschleuse bei Gundelsheim
Aufgrund der bergigen Topographie spielten und spielen die Flüsse und ihre Täler eine erhebliche Rolle für Besiedlung, Verkehrswesen und Geschichte des Landes. Die Europäische Hauptwasserscheide zwischen Rhein und Donau hat im Hochschwarzwald ihre westlichste Ausbuchtung und verläuft über die Baar im Norden entlang der Schwäbischen Alb, im Süden durch das Alpenvorland. Das Einzugsgebiet des Rhein-Zuflusses Neckar nimmt mit etwa 14.000 km² fast zwei Fünftel der Landesfläche ein.Hans Gebhardt (Hrsg.): Geographie Baden-Württembergs (2008), S. 58.
Der Rhein ist der wasserreichste Fluss des Landes. Mit ihm ist Baden-Württemberg an eine der bedeutendsten Wasserstraßen der Welt angeschlossen. Sein Einzugsgebiet (ohne Neckar) im Land ist etwa 11.000 km² groß. Im 19. Jahrhundert wurde der Oberrhein ausgehend von den Plänen des badischen Ingenieurs Tulla begradigt. Er bildet mit wenigen Ausnahmen die westliche Landesgrenze zu Frankreich und zu Rheinland-Pfalz. Hochrhein, Seerhein und Bodensee bilden den größten Teil der südlichen Landesgrenze zur Schweiz.