Wilhelm Friedrich Hans Lindemann (* 20. April 1896 in HamburgStaatsarchiv Hamburg, Standesamt Hamburg 23, Geburtsregister 1896, Nr. 889.; † 25. Februar 1966 ebenda) war ein deutscher NS-Funktionär. Er war von 1932 bis 1933 Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft, anschließend Ratsherr in Hamburg sowie Kreisleiter der NSDAP in Uhlenhorst-Hohenfelde. Ab 1935 war er Direktor des Arbeitsamts Hamburg, ab 1939 Präsident des Landesarbeitsamtes Nordmark bzw. ab 1943 des Gauarbeitsamtes Hamburg sowie Reichstreuhänder der Arbeit.
Leben und Wirken Er war der Sohn des Eisenbahnexpeditionsassistenten Johannes Lindemann und kam im Hamburger Stadtteil Billwerder zur Welt. Nach dem Schulbesuch schlug er zunächst eine kaufmännische Ausbildung ein. Er arbeitete bis als kaufmännischer Angestellter und Reisender.
Zum 1. Dezember 1930 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 402.369).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/25920955 Von 1932 bis 1933 war er für diese Partei Mitglied der Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg.Wilhelm Heinz Schröder u. a.: Kollektive Biographie der Landtagsabgeordneten der Weimarer Republik 1918-1933: Auszug aus der BIOWEIL-Datenbank, in: Historical Social Research, Transition (Online Supplement), 2000, S. 109. Er war NSDAP-Kreisleiter im Kreis Uhlenhorst und dem späteren Kreis Uhlenhorst-Hohenfelde bis zu dessen Auflösung im November 1937. Die Lindemann unterstehenden Ortsgruppen wurden anschließend in den Kreis V im Gau Hamburg eingegliedert.Hamburger Tageblatt vom 13. November 1937, S. 5. Außerdem war Lindemann mindestens bis 1938 Ratsherr.Hamburger Tageblatt vom 24. Februar 1938, S. 1. Der Rat der Stadt war in der NS-Zeit keine Volksvertretung, die Ratsherren wurden vom Beauftragten der NSDAP berufen und sollten den Bürgermeister bzw. Reichsstatthalter lediglich beraten. Im Mai 1938 wurde er zum Beirat des Reichsstatthalters Karl Kaufmann in Schulfragen ernannt.Hamburgs 106 Beiräte sind ernannt. In: Hamburger Tageblatt vom 17. Mai 1938, S. 5.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde Lindemann als Protegé des Reichsstatthalters Karl Kaufmann zunächst in der Hamburg Justizverwaltung untergebracht und zum Verwaltungsdirektor an den Hamburger Strafanstalten ernannt. Als „Kämpfer für die Bewegung“ wurde er im August 1934 dem Reichsarbeitsministerium vorgeschlagen. Er wurde daraufhin trotz fehlender personalpolitischer und verwaltungstechnischer Kenntnisse zunächst kommissarisch und ab Mai 1935 endgültig durch Adolf Hitler zum Reichsbeamten im Rang eines Oberregierungsrates und Leiter der Arbeitsamtes Hamburg ernannt.Billstedter Zeitung vom 23. Mai 1935, S. 2. Im Juni 1939 stieg er zum Präsidenten des Landesarbeitsamtes Nordmark (zuständig für Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Hamburg sowie die nördlichsten Kreise im Regierungsbezirk Stade) auf. Dieses wurde 1943 auf mehrere Gauarbeitsämter aufgeteilt, Lindemann übernahm die Leitung des Gauarbeitsamts Hamburg. Zugleich war er Reichstreuhänder der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Nordmark. Als solcher war er u. a. verantwortlich für den Einsatz ausländischer Zwangsarbeiter und Kriegsgefangener.Friederike Littmann: Ausländische Zwangsarbeiter. 2006, S. 84.
Während der Zeit des Nationalsozialismus gehörte einen informellen „Nazi-Club“ an. Diesem gehörten führende Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Verwaltung, Presse und politischer Führung an. Dort wurden politische Themen besprochen, aber auch Absprachen über Postenverteilungen und Gefälligkeiten getroffen.Bodo Schumann: Nach der Vernichtung. Der Umgang mit Menschen mit Behinderungen in der Hamburger Politik und Gesellschaft 1945–1970. Berlin, 2018 S. 24
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er entnazifiziert.Entnazifizierungsakte in der Deutschen Digitalen Bibliothek Er starb 1966 im Hamburger Stadtteil Fuhlsbüttel.
Literatur Das Gauarbeitsamt Hamburg in der Arbeit. Eine Unterredung mit dem Präsidenten. In: Hamburger Tageblatt. Zeitung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei vom 4. September 1943, S. 6. Handbuch für die Dienststellen des Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz. Band 1, Berlin 1944, S. 284 (arolsen-archives.org).
Weblinks Eintrag in der Deutschen Digitalen Bibliothek
Einzelnachweise
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