mini|America’s Cup (Wanderpokal) mini|hochkant|USA 87, die Yacht der Mannschaft BMW Oracle Racing (2006) mini|Defender, Gewinner 1895 mini|Die „Shamrock III“ (GBR), im Trockendock während des America’s Cup 1903 mini|Plicht und Vorschiff der Alinghi mini|Rumpf der Alinghi (2006) mini|Heck der Alinghi
Der America’s Cup ist die älteste noch heute ausgetragene Segelregatta. Der Preis ist ein Wanderpokal und hat seinen Ursprung in einer Regatta rund um die britische Insel Isle of Wight im Jahre 1851. Er ist benannt nach seiner erstmaligen Gewinnerin, der Yacht America des New York Yacht Club (NYYC).
Um den America’s Cup treten die Boote zweier Yachtclubs – Verteidiger und Herausforderer – in mehreren Wettfahrten gegeneinander an. Die Yacht, die eine vorher festgelegte Anzahl von Wettfahrten gewinnt, gewinnt den Cup. Laut der Stiftungsurkunde bestimmt der Verteidiger das Segelrevier. Die Stiftungsurkunde sieht vor, dass Verteidiger und Herausforderer innerhalb gewisser Grenzen Vereinbarungen über die Regeln treffen können, z. B. was die Anzahl der Wettfahrten betrifft.George Lee Schuyler: THE AMENDED DEED of GIFT of the AMERICA'S CUP Incorporating the Waterline Length and “Own Bottom” Amendment, December 17, 1956 and the Southern Hemisphere Amendment, April 8, 1985. In: Wikisource (englisch)
Von der ersten Verteidigung 1870 bis zur 20. Regatta im Jahr 1967 gab es jeweils nur einen Herausforderer. Im Jahr 1970 gab es erstmals mehrere Herausforderer, so dass der veranstaltende New York Yacht Club sich einverstanden erklärte, den offiziellen Herausforderer durch eine Vorausscheidung zu ermitteln. Zwischen 1983 und 2007 bis zum zeitweiligen Rückzug des Sponsors Louis Vuitton und ab 2013 erneut wurde der Herausforderer durch den Louis Vuitton Cup ermittelt. Schon die Teilnahme am Louis Vuitton Cup setzte großes finanzielles Engagement voraus: die Budgets der High-Tech-Yachten betrugen teilweise über 100 Mio. Dollar. Die Yachten mussten im Land des angemeldeten Teams gebaut werden. Wesentliche Neuerungen ergaben sich 2010 – hier segelten das erste Mal sowohl Verteidiger wie Herausforderer mit einem Mehrrumpfboot – und 2013, als Katamarane vereinbart wurden und die teilnehmenden „Tragflügelkatamarane“ über 40 Knoten (75 km/h) schnell segelten. Für 2017 wurden die Boote „AC50F Katamaran“ von ehemals 72 Fuß (fast 22 m) auf 50 ft (gut 15 m) verkürzt, blieben 24 m hoch und wurden im Training erstmals 50 kn (92 km/h) schnell.„Segelfliegen“ vor den Bermudas: Herausforderer für Oracle gesucht. sportv2.orf.at, 2. Mai 2017. Abgerufen am 15. Dezember 2020. Erfolgreicher Cupverteidiger 2024 war der neuseeländische Klub Royal New Zealand Yacht Squadron, der 2017 den Cup gewonnen und ihn 2021 verteidigt hatte.
Geschichte Der America’s Cup 1851 bis 1980 Bereits im Jahr 1851 fand in London mit der Great Exhibition die erste Weltausstellung statt, eine Messe, bei der jedes Land seine besten Produkte vorführen sollte. Für die Engländer war das Anlass, die US-Amerikaner dazu einzuladen, mit einer Yacht nach England zu kommen und sich in einer Regatta mit ihnen zu messen. Ein amerikanischer Yachtclub nahm die Herausforderung an und gab den Bau eines Schoners (Zweimasters) in Auftrag.
Die Regatta wurde am 22. August 1851 vor der britischen Isle of Wight, zunächst unter dem Namen 100 Sovereign Cup, ausgetragen und von dem US-amerikanischen Schoner America des New York Yacht Club (NYYC) gewonnen. Der etwa 30 Meter (93 Fuß) lange Zweimaster passierte um 20:37 Uhr die Ziellinie vor 15 britischen Teilnehmern des Clubs Royal Yacht Squadron mit 20 Minuten Vorsprung. Die America wurde als Siegerin dieser Regatta zur Namensgeberin des 1870 erstmals unter diesem Namen ausgetragenen America’s Cup. Den Pokal, den das erfolgreiche Syndikat erhielt, übergab es dem New York Yacht Club mit der Auflage, dass der Pokal von anderen Yachtclubs, die aus anderen Nationen stammen müssen, herausgefordert werden könne. Dies geschah mit einer Stiftungsurkunde, dem so genannten Deed of Gift. Der Passus, dass es ein Kampf zwischen befreundeten Nationen sein sollte, sorgte insbesondere beim AC 2003 für Irritationen. Insbesondere Alinghi (Schweiz) und BMW Oracle Racing (USA) traten mit multi-nationalen Teams an. Die Teammitglieder verlegten ihren Wohnsitz in das jeweilige Land, um mit dem Deed of Gift konform zu gehen. Mittlerweile sind internationale Teams erlaubt.
Die Amerikaner verteidigten den Pokal in einer unvergleichlichen Siegesserie 132 Jahre lang (von 1851 bis 1983) bei 25 unregelmäßig stattfindenden Wettbewerben.
Einer der Großen in den frühen Jahren des America’s Cup war der schottische Unternehmer Thomas Lipton (Lipton Tee). Zwischen 1899 und 1930 forderte er die Amerikaner fünfmal mit seinen Yachten (Shamrock I bis Shamrock V) heraus, unterlag aber jedes Mal. Dafür erhielt er einen speziell für ihn geschaffenen Pokal für den „besten aller Verlierer“. Seglerisch war Lipton zwar nicht erfolgreich, aber er steigerte den Bekanntheitsgrad seiner Tee-Marke in den USA. So wurde er quasi zum Vorreiter des Sportmarketings.
In den 1930er Jahren trat der aus einer amerikanischen Eisenbahndynastie stammende Harold S. Vanderbilt dreimal als Skipper erfolgreich an (1930, 1934 und 1937). In dieser Zeit wurde der Cup mit den sehr langen (etwa 41 m) J-Klasse-Yachten ausgetragen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, ab 1958, wurden die J-Klasse-Yachten durch die kleineren 12-Meter-Klasse-Yachten abgelöst. Die Konstruktion dieser Boote orientierte sich an einer Formel, die 12 m als Ergebnis hatte. Die Länge der Yachten betrug etwa 20 m, also etwa die Hälfte der J-Klasse-Yachten.
Die Siegesserie der Amerikaner setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg noch über acht weitere Regatten bis einschließlich 1980 fort.
Der America’s Cup zwischen 1980 und 1990 Dreimal (1974, 1977 und 1980) engagierte sich der umstrittene australische Geschäftsmann Alan Bond erfolglos im America’s Cup. Schließlich nahm er 1983 ein viertes Mal teil, und mit der von John Bertrand gesteuerten Australia II gewann am 26. September 1983 nach 132 Jahren erstmals ein nicht-amerikanisches Team. Die Australier schlugen dabei den legendären amerikanischen Skipper Dennis Conner (Conner gewann den Cup vier Mal bei neun Teilnahmen). Mit ausschlaggebend war das höhere Geschwindigkeitspotenzial der Australia II, die sich durch einen innovativen „Flügelkiel“ auszeichnete. Der Kiel wurde unter der Leitung von Ben Lexcen in Australien entwickelt; unter anderem war an der Entwicklung auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt beteiligt.Vgl. Südkurier vom 29. Oktober 2008
Vor der Pokalübergabe mussten Handwerker zum Einsatz kommen, da der Pokal in einer Vitrine in den Räumen des New York Yacht Club (NYYC) vor Jahrzehnten festgeschraubt worden war.
Schon beim nächsten Cup 1987 in Fremantle vor Australien holte Dennis Conner den Pokal mit der Yacht Stars & Stripes (US-55) zurück in die USA. Die Amerikaner gewannen alle 4 Rennen gegen die Yacht Kookaburra III (KA-15) mit Peter Gilmour als Skipper.
Ein Jahr später folgte 1988 das legendäre „ungleiche Duell“ (Mis-Match): Neuseeland forderte Conner heraus mit einer riesigen 36 m langen Yacht, der KZ1, doch der trickreiche Dennis Conner verteidigte den Cup mit einem Katamaran (Zweirumpfboot). Im Anschluss warfen sich beide Parteien vor Gericht Regelbruch vor, aber in letzter Instanz behielt Conner den Pokal, obwohl es in den Anfangszeiten – gegen den französischen Herausforderer Baron Marcel Bich – auch schon auf Seiten des verteidigenden NYYC „Präzedenzregeldehnungen“ gegeben hatte.
Der America’s Cup seit 1992
Diese Überdehnungen des Reglements waren Grund genug, eine neue Yacht-Klasse festzuschreiben. Seit 1992 wurde der Cup nur noch mit Booten der „International America’s Cup Class“ (IACC) ausgetragen. Diese müssen in einem vorgegebenen Rahmen aus Länge, Gewicht (max. 24 Tonnen), Breite (max. 4,5 m), Tiefgang (max. 4,1 m), Segelfläche etc. konstruiert werden und ähneln sich daher. Die Länge, die Segelfläche und die Verdrängung müssen einer Formel genügen, die zu Bootslängen zwischen 20 und 28 m führt. Eine IACC-Yacht hat 17 Besatzungsmitglieder sowie einen Gast, somit maximal 18 Personen an Bord. Die Segelnummern werden fortlaufend, ohne Berücksichtigung der Nationalität der Yacht vergeben.
Typische Maße einer IACC-Yacht Länge über alles 26 Meter Breite 4,50 Meter Tiefgang 4,10 Meter Masthöhe 33 Meter Segelfläche am Wind 320 Quadratmeter davon Großsegel 215 Quadratmeter Spinnaker 160 % d. Segelfläche Gesamtgewicht max. 24 Tonnen Kielballast 19 Tonnen Crewgröße 17 Personen + 1 Gast
Nachdem 1995 und 2000 das Team Neuseeland mit dem Skipper Russell Coutts zweimal gewonnen hatte und den Pazifikstaat in einen kollektiven Freudentaumel versetzte, unterlag es 2003 gegen die schweizerische Alinghi – erstmals holte damit ein europäisches Syndikat den Cup, dazu noch eines aus einem Binnenstaat. Pikanterweise hatten die Schweizer dazu den zuvor schon für Neuseeland erfolgreichen Skipper Russell Coutts abgeworben.
Der 31. America’s Cup 2003
Der 31. America’s Cup wurde im neuseeländischen Hauraki Gulf im Jahr 2003 ausgetragen. Sieger war das Schweizer Team Alinghi gegen den Cupverteidiger Team New Zealand, damit ging der Cup erstmals in der 152-jährigen Geschichte des America’s Cup an ein europäisches Team.
Für diesen Cup war geplant, mit dem Düsseldorfer Yachtclub und der Illbruck erstmals ein deutsches Herausforderer-Syndikat in das Rennen zu schicken. Aufgrund von Finanzierungsproblemen wurde das Boot nicht fertiggestellt und man konnte letztlich nicht antreten. Michael Illbruck hat dieses Boot (GER 68) jedoch zu Trainingszwecken an das neuseeländische Team „Emirates Team New Zealand“, den Herausforderer von Alinghi im America’s Cup 2007, verliehen. Ende 2006 bekam Michael Illbruck das Boot segelfertig von den Neuseeländern zurück.
Der 32. America’s Cup 2007
Der 32. America’s Cup wurde 2007 vor der Küste Valencias (Spanien) ausgetragen, da die Schweiz ein Binnenland ist und daher die Austragung dort nicht möglich ist. Das war nach der Ursprungs-Regatta vor der Isle of Wight das erste Mal, dass der Cup in Europa stattfand. Für diesen Cup wurde erstmals auch ein deutsches Boot angemeldet. Am 29. April 2005 meldete sich das United Internet Team Germany (Steuermann: Jesper Bank) an. Insgesamt traten 2007 12 Teams aus 9 Ländern als Herausforderer der Alinghi an. Das Finale fand wie schon beim letzten Cup zwischen dem Schweizer Team Alinghi und dem Herausforderer Team New Zealand statt. Der Titelverteidiger Alinghi siegte mit 5:2.
Der 33. America’s Cup 2010
Der spanische Club „Nautico Español de Vela“ gab die erste Herausforderung an den Alinghi-Club Société Nautique de Genève ab, wurde aber vor Gericht disqualifiziert, da er kein jährliches Rennen auf dem Meer veranstaltete und damit nicht den Bestimmungen der Stiftungsurkunde entsprach. Der Golden Gate Yacht Club, vertreten durch BMW Oracle Racing, wurde neuer Herausforderer („Challenger of Record“), der mit dem Verteidiger Alinghi die Regeln für die nächste Ausgabe bestimmen sollte.
Da sich beide Vereine nicht auf ein Regelwerk einigen konnten, galt die Stiftungsurkunde. Vor Gericht wurde entschieden, dass der 33. America’s Cup ab dem 8. Februar 2010 vor Valencia startet. Es durften nur die SNG und GGYC teilnehmen, die Regeln waren nur durch die Stiftungsurkunde begrenzt, die maximal 90 Fuß lange Boote vorschrieb. Der Cup wurde gemäß der Stiftungsurkunde nach dem Modus „Best of three“ ausgetragen.
BMW Oracle Racing trat mit einem Trimaran (Dreirumpfboot) und verstellbaren Flügeln anstelle Segeln an und konnte so die ersten beiden Rennen für sich entscheiden und gewann somit den America’s Cup.
Der 34. America’s Cup 2013 mini|2013 America’s Cup Boote der AC 72 Klasse mit sichtbaren Foils