mini|Nach Roslin und Rokotow, Katharina II. von Russland (1780er-Jahre), Kunsthistorisches Museum, Wien rahmenlos|klasse=skin-invert-image Katharina II., genannt Katharina die Große (/Jekaterina Welikaja; * 2. Mai 1729Falls nicht anders angegeben, beziehen sich alle Daten auf den – damals in Russland nicht gebräuchlichen – Gregorianischen Kalender. als Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst in Stettin; † in Sankt Petersburg), war ab dem 9. Juli 1762 KaiserinIm zeitgenössischen Sprachgebrauch wie auch im Ausland blieb es bis 1917 üblich, weiter vom Zaren zu sprechen; dies hat sich im Bewusstsein der Nachwelt erhalten. Was man damit traf, war nicht der geltende Würdeanspruch des Kaiserreichs, sondern das Fortleben der spezifisch russischen Wirklichkeit in Form des Moskauer Zarenreiches, das als Grundlage des neuen Imperiums diente. Dies führte im 19. Jahrhundert zu einer nicht quellengerechten Begriffssprache in der Literatur und zu einem überkommenen Begriffsapparat in der deutschen Literatur. In: Hans-Joachim Torke: Die russischen Zaren, 1547–1917, S. 8; Hans-Joachim Torke: Die staatsbedingte Gesellschaft im Moskauer Reich, Leiden 1974, S. 2; Reinhard Wittram: Das russische Imperium und sein Gestaltwandel, in: Historische Zeitschrift Bd. 187, Heft 3 (Juni 1959), S. 568–593, hier S. 569. von Russland und ab 1793 Herrin von Jever. Sie ist in unserer Zeitrechnung die einzige Herrscherin, der in der Geschichtsschreibung der Beiname die Große verliehen wurde.Davor ist für Kleopatra VII. der Horusname "Die Große, Herrin der Vollkommenheit" und "Die Große, Ebenbild ihres Vaters" überliefert. Katharina II. war eine Repräsentantin des aufgeklärten Absolutismus.
Leben Anfänge mini|Ein rekonstruiertes Haus in Stettin, in dem Katharina II. wohnte mini|Die etwa 15-jährige Katharina auf einem Gemälde von Louis Caravaque (1745)
Katharina II. wurde 1729 als Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst (in der Literatur gewöhnlich Sophie oder Sophia von Anhalt-Zerbst genannt) in Stettin geboren. Sie war eine Tochter von Fürst Christian August von Anhalt-Zerbst aus dem Geschlecht der Askanier, der als preußischer General dort Gouverneur war, und von dessen Gemahlin Johanna Elisabeth von Holstein-Gottorf, der jüngeren Schwester von Adolf Friedrich, der 1751 schwedischer König wurde. Somit war Katharina eine Verwandte des neuen schwedischen Herrscherhauses Holstein-Gottorf.
Ihre Kindheit verbrachte sie im Stettiner Schloss, unterbrochen von Besuchen bei ihrer Verwandtschaft u. a. in Braunschweig, Zerbst, Berlin und Varel. 1739 hielt sie sich im Eutiner Schloss auf, wo sie ihrem zukünftigen Gatten erstmals begegnete.Katharina II.: Memoiren der Kaiserin Katharina II. Von ihr selbst geschrieben. Hannover 1859 (Digitalisat Münchener Digitalisierungszentrum) Nach dem Tod von Johann August von Anhalt-Zerbst und der dadurch bedingten Regierungsübernahme ihres Vaters Christian August im Jahr 1742 zog die Familie im Dezember 1742 ins Zerbster Schloss.
1743 beschloss Kaiserin Elisabeth Petrowna auf Anraten Friedrichs II.,Johann Gottfried Seume schrieb 1797 in Über das Leben und den Karakter der Kaiserin von Russland Katharina II., S. 12–13: „Die Nachrichten sagen, daß die Kaiserin Elisabeth zur Gemahlin für ihren Neffen den Großfürsten die Prinzessin Amalie von Preußen, Schwester Friedrichs des Zweyten, wünschte: ob aber der König Bedenklichkeiten fand, seine Schwester, die er sehr liebte, in ein so kaltes, damals noch halb wildes Land so weit von sich zu lassen, oder ob die Prinzessin selbst nicht Neigung hatte nach Moskau zu gehen, ist nicht ganz bekannt. Friedrich dankte für den ehrenvollen Antrag, und schlug die Prinzessin von Anhalt Zerbst vor.“ den russländischen Thronfolger Großfürst Peter Fjodorowitsch mit Sophie zu vermählen, seiner Cousine zweiten Grades. Peter Fjodorowitsch wurde 1762 als Peter III. zum ersten Kaiser aus der bis 1917 regierenden Dynastie Romanow-Holstein-Gottorp. Im Januar 1744 begann Sophies Reise von Zerbst nach Russland über Berlin, wo sie Friedrich II. besuchte, Reval und Sankt Petersburg nach Moskau, wo sie im Februar 1744 eintraf. Mit Ehrgeiz und Zielstrebigkeit erlernte die begabte Vierzehnjährige schnell die russische Sprache und versuchte, sich am Hof zu integrieren. Zugleich ließ sie sich im orthodoxen Glauben unterweisen, denn sie sah in dem Glaubenswechsel einen notwendigen Schritt auf ihrem Weg. Ihr Vater, ein tiefgläubiger Lutheraner, war gegen die Konversion. Am wurde Sophie in die Russisch-Orthodoxe Kirche aufgenommen. Damit verbunden war der Namenswechsel, aus Sophie wurde Jekaterina Alexejewna (). Den Namen Katharina hatte die regierende Kaiserin Elisabeth zur Erinnerung an ihre Mutter Katharina I. bestimmt. Am gleichen Tag wurde Katharina zur Großfürstin erhoben.Jan Kusber: Katharina die Große. 2022. Die Verlobung fand am statt und am war die Hochzeit. Die Hochzeitsfeierlichkeiten dauerten zehn Tage. Die Ehe war nicht harmonisch. Schon in der Hochzeitsnacht wurde deutlich, dass der Großfürst nur wenig Interesse und Zuneigung für Katharina empfand: Während sie auf ihn im Schlafgemach wartete, kam er spät nachts betrunken von der Feier.
mini|Katharina als Großfürstin (Gemälde von Alexej Antropow, 1760) Großfürstin Katharina war eine lebensfrohe und intelligente Frau. Sie musizierte gern und las viel, zunehmend wandte sie sich historischen und politiktheoretischen Werken (Montesquieu, Voltaire) zu, um so ihr Verständnis für die Politik zu schärfen und sich auf ihre Rolle als Mitregentin vorzubereiten. Vor allem war sie stets über die Vorgänge am Hof informiert. Sie besuchte jeden Gottesdienst und nahm am religiösen Leben teil. Währenddessen schuf sich Großfürst Peter seine eigene Welt in Oranienbaum (heute Lomonossow) und pflegte seine Vorliebe für alles Preußische, insbesondere das Militär. Anfangs band er Katharina noch in seine Spiele mit den kleinen Soldatenfiguren ein und ließ sie die preußische Uniform tragen. Doch schon bald verloren beide jeglichen Bezug zueinander.
Am 1. Oktober 1754 brachte Katharina nach neunjähriger Ehe einen Sohn zur Welt. Obwohl es Gerüchte um eine Liebschaft der Großfürstin gab, erkannten ihr Ehemann und die Kaiserin das Kind Pawel Petrowitsch (Paul) als legitim an. Seine Erziehung sowie die der Tochter Anna, die am 9. Dezember 1757 zur Welt kam und am 9. März 1759 starb, übernahm die Großtante, Kaiserin Elisabeth Petrowna. Die Kinder wurden jeweils sofort nach der Geburt von ihrer Mutter getrennt. Im Jahr 1762, also im Todesjahr der Kaiserin Elisabeth, gebar Katharina den Sohn Alexei Grigorjewitsch Bobrinski (1762–1813) aus der Verbindung mit ihrem Liebhaber Grigori Orlow.
Katharina pflegte eine rege Korrespondenz mit Voltaire, d'Alembert und anderen Vordenkern der Aufklärung. Mit Cesare Beccaria stand sie im Austausch über Fragen der Gewaltenteilung und eine Reformierung des Strafrechts. DiderotNäheres zum Verhältnis von Katharina und Diderot, in: Paul Vernière (w.o., Quellen) u. Thomas Rießinger: Diderot und Katharina II., in: Denis Diderot zum 300. Geburtstag. Hrsg. von Wulf Kellerwessel u. Werner Raupp. [Schwerpunktheft:] Aufklärung und Kritik. Zeitschrift für freies Denken und humanistische Philosophie 20 (2013, Heft Nr. 4), ISSN 0945-6627, S. 207–217. erhielt 1762 eine Einladung nach Russland, damit er dort die Enzyklopädie vollende. 1773 hielt er sich für einige Monate am Hof von Sankt Petersburg auf. Als er 1765 in wirtschaftlichen Schwierigkeiten war, kaufte die Kaiserin seine Bibliothek, überließ sie ihm aber zur Nutzung bis an sein Lebensende, gewährte ihm außerdem ein Budget für Neuanschaffungen und bezahlte ihn als Bibliothekar seiner eigenen Bibliothek. Erst nach seinem Tod (1784) kam sie nach Sankt Petersburg und bildete dort den Grundstock der Russischen Nationalbibliothek ebenso wie die Bibliothek Voltaires, die sie 1778 nach dessen Tod erworben hatte. Die Anregungen aus diesen Verbindungen flossen in Katharinas Große Instruktion ein, für die sie wiederum Anerkennung bei ihren Korrespondenzpartnern fand. Voltaire nannte sie den strahlendsten Stern des Nordens und sah in ihr eine Philosophin auf dem Thron. Friedrich II. sorgte 1776 für ihre Ehrenmitgliedschaft in der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften.Theresa Wobbe: Frauen in Akademie und Wissenschaft. Arbeitsorte und Forschungspraktiken 1700–2000. Akad.-Verlag, Berlin 2002, S. 2
Staatsstreich gegen Peter III. mini|Großfürst Peter mit Großfürstin Katharina und Sohn Paul (Gemälde von R. M. Lisiewska, 1756) mini|Katharina in Reiteruniform zu Pferde (1762)
Am starb Kaiserin Elisabeth. Daraufhin kam Katharinas Ehemann als Kaiser Peter III. an die Macht. Das Bild der Regierung Peters III. wurde später von seiner Gattin und Nachfolgerin negativ gezeichnet: So soll sich Peter III. noch während der Trauertage angeblich unangemessen benommen haben. Dies verärgerte demnach sowohl Katharina als auch große Teile des russischen Volkes. Katharina forderte ihren Gatten „zur Mäßigung“ auf, auch und im Besonderen in der Politik. Doch die ersten Staatshandlungen Peters III. waren ein Sonderfrieden mit Preußen, der zwar das Ende des Siebenjährigen Krieges bedeutete (und ein Mirakel des Hauses Brandenburg), für Russland allerdings Nachteile brachte, und die Einführung eines umfangreichen aufgeklärten Reformprogramms, wodurch er sich die Feindschaft der konservativen Kräfte des Landes zuzog.
Katharina und ihre Vertrauten planten daraufhin einen riskanten Staatsstreich. Sie versicherte sich zuerst der Unterstützung einiger Garderegimenter, in denen unter anderem die Gebrüder Orlow dienten, dann ließ sie sich am 9. Juli 1762 zur Kaiserin ausrufen, während Kaiser Peter III. für abgesetzt erklärt wurde. Katharina rückte mit der Garde nach Peterhof vor, wo Peter III. sich zu der Zeit aufhielt. Peter III. versuchteVincent Cronin: Katharina die Grosse : Biographie.München : Piper, 2008, 2. Aufl., ISBN 978-3-492-24831-0. Seite 181–182 zunächst nach Kronstadt zu flüchten, kehrte allerdings zurück und unterschrieb anschließend in Oranienbaum seine Abdankungsurkunde. Katharina wurde noch am selben Tag in der Kasaner Kathedrale von Sankt-Petersburg durch den Metropoliten Setschin zur Alleinherrscherin Russlands erklärt. Peter III. wurde gefangen genommen und kam am 17. Juli 1762 unter ungeklärten Umständen ums Leben. Nachdem sich die Lage im Lande nach Peters Tod wieder beruhigt hatte, wurde Katharina II. am (englisch), abgefragt am 18. Dezember 2019 in der Himmelfahrtskathedrale des Moskauer Kremls zur Kaiserin von Russland gekrönt, worauf sie das Land 34 Jahre lang regierte. Da Katharina II. nicht wieder in den Siebenjährigen Krieg eintrat, sondern sich an den von Peter III. mit Preußen geschlossenen Friedensvertrag hielt, verlieh ihr der preußische König Friedrich II. am 22. November 1762 den Orden vom Schwarzen Adler.Leopold von Zedlitz-Neukirch: Neues Preuß. Adelslexikon, Band 2, S. 93.
Favoriten Das Favoritentum war in der Frühen Neuzeit eine verbreitete Institution. In dem Maße, wie sich der Staat zunehmend differenzierte und damit das Geflecht der Institutionen wuchs, hatten Favoriten die Aufgabe, die Herrscherin oder den Herrscher zu entlasten, und genossen für ihr politisches Handeln das Vertrauen der Herrschaft. Katharinas Umgang mit ihren Favoriten, ihr Blick jenseits von Liebe, Verliebtheit und sexueller Anziehung für deren Fähigkeit und Nützlichkeit war besonders. Es ging ihr nie nur um das sexuelle Abenteuer, die Berichte über ihre Libertinage waren mehr Projektionen derjenigen, die sie kolportierten, als Realität., zitiert nach