mini|250px|Das Rotlichtviertel von Nürnberg an der Frauentormauer bei Nacht (2023) Das Nürnberger Rotlichtviertel stellt eines der ältesten Rotlichtviertel Deutschlands dar und befindet sich in den Gassen rund um das westliche Ende der Frauentormauer im Nürnberger Stadtbezirk St. Lorenz.Frauentormauer: Zu Besuch auf einer der ältesten Rotlichtmeilen auf nordbayern.de, vom 11. Februar 2019, abgerufen am 11. Oktober 2023

Gebiet Heute erstreckt sich das Gebiet des Rotlichtviertels rund um das westliche Ende der Frauentormauer zwischen Spittler- und Färbertor sowie der Ottostraße und Engelhardsgasse, die bei St. Jakob wieder zusammentreffen. In diesem Bereich befinden sich diverse Prostitutionsstätten, FKK-Clubs, Bars, Stripclubs, Stundenhotels, Nachtclubs sowie Diskotheken und weitere einschlägige Lokalitäten. In diesem posieren die Sexarbeiterinnen in den Schaufenstern der einzelnen Häuser. Diese tragen in der Regel die jeweilige Hausnummer als Namen. In früheren Zeiten erstreckte sich das Gebiet des Rotlichtviertels teils auch in die jeweils von der Engelhardsgasse abgehenden Straßen Pfeifer- sowie Schottengasse.„Jenseits des Weißen Turmes“ auf medienwerkstatt-franken.de, von 1999, abgerufen am 11. Oktober 2023Freier und Frauen bleiben weg: Flaute an der Nürnberger Frauentormauer auf nn.de, vom 21. Oktober 2022, abgerufen am 11. Oktober 2023Frauen im Schaufenster: Spaziergang an der Frauentormauer auf br.de, vom 2. Juli 2018, abgerufen am 11. Oktober 2023Hinter den Kulissen: Prostitution in Nürnberg auf frankenfernsehen.tv, vom 19. Februar 2014, abgerufen am 11. Oktober 2023

Geschichte Anfänge Erste Quellen weisen bereits seit 1381 auf die Ausübung von Prostitution in Frauenhäusern hin. Als bis 1400 die letzte Stadtmauer Nürnbergs errichtet wurde, schloss diese von nun an auch das Gebiet zwischen der Jakobskirche und dem Plärrer zum befestigten Stadtgebiet ein. In diesem Bereich entwickelte sich schließlich aus der Ansiedlung vereinzelter Häusern das sogenannte Jakober Viertel. Nahe des Plärrers, dem Markt für konzessionslose Händler außerhalb der Stadtmauern, entstand mit der Zeit entlang der Frauentormauer ein etablierter Bereich mit Frauen- und Freudenhäusern.„Jenseits des Weißen Turmes“ auf medienwerkstatt-franken.de, von 1999, abgerufen am 11. Oktober 2023

mini|hochkant|Partie an der Frauentormauer am Spittlertor (1891)

19. Jahrhundert Aus dem 19. Jahrhundert ist der Begriff Hinter der Mauer bekannt, wobei um diese Zeit sexuelle Dienstleistungen in sogenannten Weinhandlungen angeboten wurden. In den 1870er Jahren gab es auch Rabattmarken sowie Postkartenmotive von jungen Frauen, die an der Frauentormauer vor den Weinhandlungen posierten. Dienste durften hierbei nur ledige und kinderlose Frauen anbieten.„Jenseits des Weißen Turmes“ auf medienwerkstatt-franken.de, von 1999, abgerufen am 11. Oktober 2023

20. Jahrhundert Im westdeutschen Nachkriegsdeutschland, in dem Prostitution zwar legal, aber sittenwidrig war, entwickelte sich das Viertel mit seinen verschiedenen Häusern zu einem offiziellen Rotlichtbezirk. Obwohl mittlerweile für den gesamten Nürnberger Innenstadtbereich ein Verbot von Prostitutionsstätten besteht, genehmigte die Stadt an dieser historischen Stelle eine Ausnahme.„Jenseits des Weißen Turmes“ auf medienwerkstatt-franken.de, von 1999, abgerufen am 11. Oktober 2023Hinter den Kulissen: Prostitution in Nürnberg auf frankenfernsehen.tv, vom 19. Februar 2014, abgerufen am 11. Oktober 2023

21. Jahrhundert Während 1999 von etwa 600 Prostituierten in der Stadt rund 200 in den Häusern an der Frauentormauer arbeiteten, waren es 2019 von 1.600 Sexarbeiterinnen täglich etwa 600. Von allen in der Sexarbeit tätigen Personen in Nürnberg hatten 95 Prozent keine deutsche Staatsbürgerschaft und stammten häufig aus Osteuropa.„Jenseits des Weißen Turmes“ auf medienwerkstatt-franken.de, von 1999, abgerufen am 11. Oktober 2023Einblick ins Milieu: Zu Besuch in Nürnbergs Rotlicht-Viertel auf nordbayern.de, vom 11. Februar 2019, abgerufen am 11. Oktober 2023Frankens Rotlicht-Hochburg: Wie gefährlich ist die Sex-Arbeit für die Frauen? auf focus.de, vom 27. Februar 2019, abgerufen am 11. Oktober 2023 Am 1. Juli 2021 eröffnete das Gesundheitsamt der Stadt eine Fachstelle sexuelle Gesundheit und bietet dort Beratungstermine für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter an. Personen unter 21 Jahren müssen die Beratung alle sechs Monate wahrnehmen, alle anderen ein Mal pro Jahr.Stadt Nürnberg eröffnet am 1. Juli Fachstelle für sexuelle Gesundheit auf merkur.de, vom 30. Juni 2021, abgerufen am 11. Oktober 2023Freier und Frauen bleiben weg: Flaute an der Nürnberger Frauentormauer auf nn.de, vom 21. Oktober 2022, abgerufen am 11. Oktober 2023

Mit der zunehmenden Verbreitung des Coronavirus im März 2020 und den damit verbundenen Einschränkungen des öffentlichen Lebens, mussten auch die Lokalitäten entlang der Frauentormauer schließen.Lichter aus im Rotlicht-Viertel auf radio8.de, vom 17. März 2020, abgerufen am 11. Oktober 2023Bordelle müssen schließen: Corona trifft auch Frauentormauer auf nordbayern.de, vom 17. März 2020, abgerufen am 11. Oktober 2023 Die Sexarbeiterinnen verlegten ihr Geschäft in der Folge in ungeschützte und illegale Privaträume, ehe kleinere Häuser unter strengen Hygieneauflagen im Juni 2021 wieder öffnen durften. Viele der ehemaligen Tätigen kehrten jedoch nicht mehr in die legalen Stätten zurück, sondern bieten ihre Dienste weiterhin privat an.Sexarbeit in der Pandemie: Mehr Prostitution im Verborgenen auf sueddeutsche.de, vom 4. Oktober 2021, abgerufen am 11. Oktober 2023 Als Auswirkung ist hierbei das in Erscheinung treten immer jüngerer Prostituierter entlang der Frauentormauer zu beobachten, wobei hierbei häufig der Verdacht des Menschenhandels im Raum steht. Auch pendelten sich die Zahlen der Freier bislang nicht mehr auf das Niveau vor den Schließungen ein.Mehr illegale Prostitution: Sexarbeit spürt noch Corona-Folgen auf br.de, vom 4. Oktober 2021, abgerufen am 11. Oktober 2023Immer mehr junge Frauen, immer weniger Freier: Nürnberger Rotlichtmilieu in der Krise auf nordbayern.de, vom 23. Oktober 2022, abgerufen am 11. Oktober 2023Freier und Frauen bleiben weg: Flaute an der Nürnberger Frauentormauer auf nn.de, vom 21. Oktober 2022, abgerufen am 11. Oktober 2023Frankens Rotlicht-Hochburg: Wie gefährlich ist die Sex-Arbeit für die Frauen? auf focus.de, vom 27. Februar 2019, abgerufen am 11. Oktober 2023

Galerie

Siehe auch Prostitution in Deutschland

Literatur

Weblinks

Bildergalerie auf nordbayern.de Reportage „Jenseits des Weißen Turmes“ für die Medienwerkstatt Franken Beitrag über das Rotlichtviertel auf Franken Fernsehen

Einzelnachweise

Kategorie:Rotlichtviertel in Deutschland Rotlichtviertel