Dieser Artikel befasst sich mit den grammatikalischen, phonetischen und lexikalischen Grundlagen des Esperanto.

Aussprache

Lautvorrat mini|Gedruckte und handschriftliche Buchstaben des Esperanto-Alphabets Das Esperantoalphabet umfasst 28 Buchstaben. Jeder Buchstabe entspricht einem Sprachlaut. Die Laute entsprechen im Wesentlichen den deutschen, dabei haben die Sonderzeichen die folgenden Entsprechungen: Buchstabe Aussprache ĉ Matsch ĥ Bach ĵ Blamage ĝ Dschungel ŝ Asche ŭ Auto

+ Esperanto-Alphabet mit „Idealaussprache“ als IPA-Zeichen. Großbuchstaben A B C Ĉ D E F G Ĝ H Ĥ I J Ĵ K L M N O P R S Ŝ T U Ŭ V Z Kleinbuchstaben a b c ĉ d e f g ĝ h ĥ i j ĵ k l m n o p r s ŝ t u ŭ v z IPA ()

Mit dem Begriff „Artikulationsart“Einführung in die Phonetik und Phonologie. Artikulations-Prozess: Teil 1. Universität Bremen wird in der Phonetik die Art und Weise beschrieben, wie im Vokaltrakt (Ansatzrohr) der Luftstrom moduliert wird und wie durch den Luftstrom, ein Sprachlaut gebildet werden kann. Im Esperanto können innerhalb der Konsonanten und Vokale folgende Einteilungen vorgenommen werden:

Plosive: p, b, t, d, k, g Frikative: f, v, s, z, ŝ [S], ĵ [Z], ĥ [x], h Affrikaten: c [ts], ĉ [tS], ĝ [dZ] Nasale: m, n Liquide: l, r Halbvokale: j, ŭ [w]Elementargrammatik des Esperanto. Universität Bremen, S. 1–16 , hier S. 1–2

Vokallänge Die VokallängePlena Manlibro de Esperanto Gramatiko, § 2.1 – Vokala variado bewirkt keine Bedeutungsunterscheidung: Man kann Vokale nach Belieben kurz, mittellang oder lang aussprechen. Trotzdem gibt es bestimmte Tendenzen, je nach Situation die Vokale kurz oder lang auszusprechen. So wird normalerweise ein Vokal in einer betonten Silbe lang ausgesprochen, wenn auf ihn nicht mehr als ein Konsonant folgt, z. B. simila [si'miːla], aber rezisti [re'zisti].

Diese Vokallänge bleibt häufig auch bei Apokope der o-Endung der Substantive bestehen, so dass Minimalpaare entstehen, die sich lautlich nur durch Länge bzw. Kürze des Vokals unterscheiden. Beispiel: [viːn] „Wein“, aber [vin] „dich“.Kalocsay & Waringhien (1985), § 20 Rim. III, S. 41

Wortbetonung

Esperanto hat fünf Vokalphoneme: a, e, i, o, u. Jeder dieser Vokale bildet eine eigene Silbe. Der Halbvokal ŭ klingt wie der kurze Vokal u, bildet aber keine eigene Silbe.

In mehrsilbigen Wörtern wird stets die vorletzte Silbe betont. Bei der Elision (siehe unten) zählt die ausgefallene Endung -o mit, so dass die letzte sichtbare Silbe betont wird.

Beispiele (der betonte Vokal wird hier zur Verdeutlichung mit einem sonst nicht geschriebenen Akzent (Akut) versehen (vgl. Spanisch)): lúmo (= Licht) – Betonung auf dem u abío (= Tanne) – Betonung auf dem i regúlo (= Regel) – Betonung auf dem u ánkaŭ (= auch) – Betonung auf dem 1. a nenía (= kein, keinerlei) – Betonung auf dem i radío (= Radio; Strahl) – Betonung auf dem i emú’ (= Emu) – Betonung auf dem u (von „emuo“ abgeleitet, s. u.)

Grammatik

Wortarten Im Esperanto lassen sich die Wörter in zwei Gruppen einteilen: einerseits Endungswörter (finaĵvortoj), die eine Endung haben, die die Wortart/Wortfunktion näher definiert; andererseits Partikeln (vortetoj).Plena Manlibro de Esperanto Gramatiko, § 3.1 – Vortospecoj

Die Partikeln sind eine begrenzte Gruppe von Wörtern, die sich je nach ihrer Funktion in Präpositionen, Pronomen, substantivische Partikeln, adjektivische Partikeln, Zahlwörter, Konjunktionen, Subjunktionen, Vergleichspartikeln, adverbiale Partikeln und Exklamationen einteilen lassen.Plena Manlibro de Esperanto Gramatiko, § 3.1 – Vortospecoj – Vortetoj

Die Endungswörter lassen sich einteilen in Verben, O-Wörter (Substantive), A-Wörter (Adjektive) und E-Wörter ([abgeleitete] Adverbien). Verben haben eine der Verb-Endungen -i, -as, -is, -os, -us oder -u. O-Wörter haben immer die Endung -o, A-Wörter immer die Endung -a, E-Wörter immer die Endung -e. Diese drei Wortarten werden häufig auch als „Substantive“, „Adjektive“ und „abgeleitete Adverbien“ bezeichnet; diese Bezeichnung täuscht allerdings eine Asymmetrie vor, die im Esperanto nicht vorhanden ist: Sie zwingt einen dazu, die Adverbien in zwei Gruppen (auf -e endende „abgeleitete“ Adjektive und adverbiale Partikeln) einzuteilen, tut dies aber nicht mit den Adjektiven und Substantiven, obwohl es auch adjektivische und substantivische Partikeln gibt (z. B. iu, ĉio).

Wenn der Substantivendung -o keine weiteren grammatischen Suffixe folgen, kann das -o elidiert (ausgelassen) werden. Die Elision wird immer durch einen Apostroph (’) sichtbar gemacht. Sie wird nicht im normalen Sprachgebrauch verwendet, sondern nur im literarischen Umfeld, hauptsächlich in der Poesie, um mehr Endungen für Reime zu erzeugen oder um bei Übersetzungen die Anzahl der Silben zu reduzieren.

Es gibt keinen unbestimmten Artikel (Tie estas telefono (bzw. telefon’). – Dort ist ein Telefon.) und einen bestimmten, der nicht gebeugt wird: la. Obwohl die Regeln zur Anwendung des bestimmten Artikels denen der deutschen Sprache ähneln, gibt es einige Abweichungen; z. B. wird im Esperanto im Gegensatz zum Deutschen vor Abkürzungen meistens kein bestimmter Artikel gesetzt (NATO sendis soldatarojn. – Die NATO sandte Truppen.)

Die Mehrzahlendung ist -j. Sie wird an O-Wörter (Substantive), A-Wörter (Adjektive) sowie einige substantivische und adjektivische Partikeln angehängt.

Beispiele: la granda domo (bzw. dom’) – das große Haus la grandaj domoj – die großen Häuser

Es gibt allerdings auch Partikeln, die trotz ihrer Pluralbedeutung nicht auf j enden: ni (wir), ambaŭ (beide).

Esperanto kennt nur zwei Fälle: den Nominativ und den Akkusativ. Die anderen Fälle des Deutschen (Genitiv und Dativ) werden durch Präpositionalgruppen (mit de bzw. al) übersetzt. Der Akkusativ wird aus der Nominativform durch das Suffix -n abgeleitet. Treffen Pluralsuffix und Akkusativsuffix zusammen, wird zuerst das Pluralsuffix angehängt, dann das Akkusativsuffix. Im Gegensatz zu einigen agglutinierenden Sprachen wie dem Türkischen sind Pluralsuffixe zwingend erforderlich, wenn die Menge des Gegenstands ungleich 1 ist, ebenso Akkusativsuffixe an allen Elementen (Substantive, Adjektive, Pronomen) des Objekts.

Beispiele: Mi vidas la grandan domon. – Ich sehe das große Haus. Mi vidas la grandajn domojn. – Ich sehe die großen Häuser. Bonan tagon! – Guten Tag!

Verben und Zeitformen mini|300px|Esperanto hat regelmäßige Endungen für diese grammatische Zeitformen:-is – Präteritum-as – Präsens-os – Futur Das Verb hat in allen konjugierten Zeitformen unabhängig von Person und Numerus nur eine Form.

Die Endung des Präsens (Gegenwart) ist -as: mi/vi/… skribas = ich schreibe/du schreibst/…

Die Endung des Präteritums (Vergangenheit) ist -is: mi skribis = ich schrieb

Die Endung des Futurs (Zukunft) ist -os: mi skribos = ich werde schreiben

Die Endung des Konditionals ist -us: mi skribus = ich schriebe/würde schreiben

Die Endung des Imperativs ist -u: skribu! = schreibe!

Es gibt in jeder Zeitstufe ein aktives und ein passives Partizip; der Vokal ist dabei derselbe wie bei den Personalformen. Die Partizipien können adjektivisch und substantivisch (zur Bezeichnung einer Person) verwendet werden, mitunter werden aus ihnen auch weitere komplexe Verbformen (siehe unten) gebildet. mini|600px|Positionen von Verbenden und Partizipien in den jeweiligen Zeitformen. Dabei stehen die Formen des Aktivs: -anta- für einen andauernden, nicht abgeschlossenen Vorgang, sich wiederholende Vorgänge (Durativ bzw. imperfektiven Aspekt), das -int- für abgeschlossene Handlungen (perfektiven Aspekt). Die Formen des Passivsvergleich hierzu Aktiv und Passiv im Deutschen: -at- andauernd, nicht abgeschlossen, -it- abgeschlossen. Zusätzlich kann eine dritte Kategorie des Verbs bezeichnet werden, der Prospektiv -ont- bzw. -ot für bevorstehende Handlungen.siehe auch Dirk Willkommen: Esperanto-Grammatik. 2. Auflage, Buske, Hamburg 2007, ISBN 978-3-87548-475-5, S. 39–50

Die aktiven Formen mit nicht idiomatischer Übersetzung sind skribinta = geschrieben habend skribanta = schreibend skribonta = schreiben werdend

Die passiven Formen sind skribita = geschrieben (Vergangenheit, abgeschlossen) skribata = geschrieben werdend (Gegenwart, im Verlauf) skribota = noch zu schreiben (Zukunft)

Beispiele für zusammengesetzte Zeiten im Aktiv: Mi estas skribanta. = Ich schreibe gerade. (umgangssprachlich „Ich bin am Schreiben.“) Mi estas skribinta. = Ich habe geschrieben. Mi estis skribanta. = Ich schrieb gerade. (umgangssprachlich „Ich war am Schreiben.“) Mi estis skribinta. = Ich hatte geschrieben. Mi estos skribinta. = Ich werde geschrieben haben.

Beispiele im Passiv: La letero estas skribata. = Der Brief wird (gerade) geschrieben. La letero estas skribita. = Der Brief ist (fertig) geschrieben worden. La letero estas skribota. = Der Brief wird geschrieben werden.

Gelegentlich werden von den Partizipien weitere einfache Zeitformen abgeleitet, die WennergrenPlena Manlibro de Esperanto Gramatiko, § 28.4.3 – 28.4.3. Nekutimaj kunmetitaj verboj als „abgekürzte zusammengesetzte Verben“ bezeichnet. Formen auf intus sind darunter häufig: Mi venintus, se mi sciintus tion. = Mi estus veninta, se mi estus sciinta tion. = Ich wäre gekommen, wenn ich das gewusst hätte. Bezonatas novaj fortoj. = Estas bezonataj novaj fortoj. = Es werden (ständig) neue Kräfte gebraucht.

Die Wortbildung

Esperanto hat eine Reihe semantischer Vor- und Nachsilben, mit denen man neue Wörter zusammensetzen kann. Eine kleine Auswahl soll hier kurz genannt werden:

mal- (drückt das Gegenteil aus) bona – gut; malbona – schlecht granda – groß; malgranda – klein

-et- (Verkleinerung) rivereto – Flüsschen, Bach (rivero – Fluss)

-eg- (Vergrößerung, Verstärkung) riverego – Strom (rivero – Fluss)

-ej- (Ort) laborejo – Arbeitsstätte (laboro – Arbeit)

-uj- (Behälter, Gefäß) riverujo – Flussbett

Man kann auch mehrere Vor- und Nachsilben miteinander kombinieren, wobei die Reihenfolge der Affixe zu beachten ist. laborejeto – kleine Arbeitsstätte, „Arbeitszimmerchen“

Diese semantischen Suffixe lassen sich (im Gegensatz zu den grammatischen) auch als Wortstämme auffassen, an die wiederum Ableitungssuffixe antreten können, z. B. ejeto – kleines Örtchen. Problematisch wird das bei der direkten Kombination von Prä- und Suffixen. So ist z. B. nicht ersichtlich, ob malega ‚klein‘ bedeuten soll oder ‚völlig gegenteilig‘. Solche Wörter müssen als eigene Vokabeln gelernt werden.

Auch ist die Reihenfolge der Auswertung von Affixen nicht immer ohne Kontext zu bestimmen. Dass z. B. das Wort mal|san|ul|ej|o (= Krankenhaus) in der Reihenfolge (((mal(san))ul)ej)o ausgewertet wird und nicht beispielsweise (mal(((san)ul)ej))o, ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich.

Mit Hilfe des Wortstammes telefon und der Wortklassensuffixe lassen sich die folgenden Wörter bilden: telefoni – telefonieren telefono – Telefon telefona – telefonisch (Adjektiv) (telefona peto = telefonische Bitte) telefone – telefonisch (Adverb) (telefone mendi = telefonisch bestellen)

Mit Hilfe der semantischen Wortbildungssilben lassen sich weitere Wörter bilden: telefonado – das Telefonieren telefonejo – Telefonhäuschen telefoneto – kleines Telefon maltelefoni – das Gegenteil von „telefonieren“ (sinnloses Wort)

Mit Hilfe der Partizipien ergeben sich weitere Wortbildungen:

la telefonanto – der/die Telefonierende la telefoninto – Person, die telefoniert hat (eigentl. der/die telefoniert Habende) la altelefonito – der/die Angerufene

Die vorstehend erläuterte Wortbildung erfolgt im Gegensatz zu natürlichen Sprachen weitestgehend regelmäßig. Daraus ergibt sich eine erhebliche Erleichterung des Vokabellernens.

Die Tabellwörter