mini|Stephansdom (Westansicht) mini|Ostansicht mit dem Albertinischen Chor und dem nicht fertiggestellten Nordturm mini|Stephansdom, Lithografie 1857 mini|10 Eurocent Der Stephansdom (eigentlich Dom- und Metropolitankirche zu St. Stephan und allen Heiligen) am Wiener Stephansplatz (Bezirk Innere Stadt) ist seit 1365 Domkirche und Sitz einer Priestergemeinschaft (Allerheiligenkapitel), seit 1469/1479 Kathedrale (Bischofssitz mit Domkapitel) und seit 1723 Metropolitankirche des Erzbischofs von Wien. Er ist auch die Pfarrkirche der Dompfarre St. StephanDompfarre St. Stephan Website der Dompfarre. in der Wiener Innenstadt. Der römisch-katholische Dom gilt als Wahrzeichen Wiens und wird mitunter auch als österreichisches Nationalheiligtum bezeichnet. Namensgeber ist der heilige Stephanus, der als erster christlicher Märtyrer gilt. Das zweite Patrozinium ist Allerheiligen.Der Stephansdom – eine Allerheiligenkirche. – Bericht der Erzdiözese Wien, 9. Oktober 2013, abgerufen am 4. März 2017.

Das Bauwerk ist 109 Meter lang und 72 Meter breit. Der Dom ist eines der wichtigsten gotischen Bauwerke in Österreich. Teile des spätromanischen Vorgängerbaues von 1230/40 bis 1263 sind noch erhalten und bilden die Westfassade, flankiert von den beiden Heidentürmen, die etwa 65 Meter hoch sind. Insgesamt besitzt der Stephansdom vier Türme: Mit 136,4 Metern ist der Südturm der höchste, der Nordturm wurde nicht fertiggestellt und ist nur 68 Meter hoch. Im ehemaligen Österreich-Ungarn durfte keine Kirche höher als der Südturm des Stephansdoms erbaut werden. So wurde beispielsweise der Mariä-Empfängnis-Dom in Linz um zwei Meter niedriger gebaut.

Der von der Wiener Bevölkerung kurz Steffl genannte Südturm ist ein architektonisches Meisterwerk der damaligen Zeit; trotz seiner bemerkenswerten Höhe ist das Fundament weniger als vier Meter tief. Bei seiner Fertigstellung war der Turm das höchste Bauwerk Kontinentaleuropas und ist lediglich etwas kleiner als die höchste Pyramide. Im Südturm befinden sich insgesamt 13 Glocken, wovon elf das Hauptgeläut des Stephansdoms bilden. Die Pummerin, die drittgrößte freischwingend geläutete Kirchenglocke Europas, befindet sich seit 1957 im Nordturm unter einer Turmhaube aus der Renaissance.

Geschichte mini|Die Baugeschichte des Doms im Grundriss (grün: das Riesentor; rotorange: romanischer Dom, 1430 abgerissen; rosa: Albertinischer Chor; blau: das gotische Langhaus) mini|Christus mit Johannes und weiteren Heiligen, Riesentor um 1240 12. und 13. Jahrhundert Das Areal, welches später vom Stephansdom eingenommen wurde, lag östlich des römischen Legionslagers Vindobona im Bereich der canabae legiones, der Lagervorstadt. Das Lager war vom ersten bis zum dritten Jahrhundert von Gebäuden und Straßen umschlossen, die jedoch im dritten und vierten Jahrhundert von Gräbern und Grabbauten abgelöst wurden. Im Bereich des Stock-im-Eisen-Platzes wurden seit 1690 immer wieder Grabfunde gemacht.Michaela Kronberger: Siedlungschronologische Forschungen zu den canabae legionis von Vindobona. Die Gräberfelder. (= Monografien der Stadtarchäologie Wien, 1), Wien 2005, ISBN 978-3-901232-56-5.

Die Anfänge des Doms gehen auf das Jahr 1137 zurück, aus dem der Tauschvertrag von Mautern zwischen dem Babenberger-Markgraf Leopold IV. von Österreich und dem Bischof Reginmar von Passau überliefert ist.Reinhard Pohanka: Der Tauschvertrag von Mautern 1137 und der Bau von St. Stephan – Fakten, Konsequenzen und Spekulationen. In: 850 Jahre St. Stephan: Symbol und Mitte in Wien 1147–1997. Wien 1997, S. 380–385. Dabei wurden Güter, aber auch Pfarrrechte ausgetauscht, um es dem Bischof zu ermöglichen, außerhalb der damaligen Stadt eine Kirche zu bauen, die dem Patrozinium des heiligen Stephanus unterstellt werden sollte, dem Patron der Bischofskirche von Passau. Die Pfarrrechte der bereits bestehenden Kirche St. Peter sollten in die Zuständigkeit des neuen Wiener Pfarrers fallen. Die anderen Kirchen im damaligen Wien (neben der Kirche Maria am Gestade), die Ruprechtskirche und die Peterskirche, waren nach Salzburger Heiligen benannt; das Patrozinium der Kirche war also ein politisches Signal. Die erste Kirche wurde 1147 fertiggestellt und im selben Jahr um oder knapp vor Pfingsten (8. Juni 1147) vom Passauer Bischof Reginbert von Hagenau geweiht (Patronat nach der Mutterkirche Passau), als erster Pfarrer ist der Passauer Kleriker Eberger aus dem Gefolge des Bischofs genannt.Ferdinand Opll: Die Wiener Stephanskirche vor ihrer Erstnennung. In: Studien zur Wiener Geschichte. Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien JbVGStW 75, Jahrgang 2019. S. 153–179. Die Kirche war für die damalige Stadt völlig überdimensioniert – es könnte also damals schon Bestrebungen gegeben haben, sie in eine Bischofskirche zu verwandeln. Geostet ist die Kirche auf den Sonnenaufgang des 26. Dezember 1137.

Ein Blitz traf bereits 1149 den Südturm und ließ ihn ausbrennen.

Von 1230 bis 1245 entstand unter Herzog Friedrich II. dem Streitbaren von Österreich ein weiterer spätromanischer Bau, von dem an der Westfassade noch einiges erhalten ist. Sie besteht aus den beiden Heidentürmen und dem Riesentor. Der Ursprung beider Namen ist nicht völlig geklärt. Der Name: Heidentürme kommt eventuell von den Steinen, die von altrömischen Ruinen stammten, möglicherweise aber auch von den beiden Darstellungen der nichtchristlichen Fruchtbarkeitssymbole Phallus und Vulva (Bilder unten), welche die beiden Blendsäulen in der Westwand unterhalb der Türme krönen. Die Assoziation mit Minaretten stammt aus späterer Zeit. Allerdings könnte die Bezeichnung „heidnisch“ auch einfach ein Synonym für „uralt“ sein.Reinhard H. Gruber: Die Domkirche Sankt Stephan zu Wien. S. 27. Der Name Riesentor geht der Legende nach auf einen riesigen, über dem Tor aufgehängten Mammutknochen oder einen beim Bau helfenden Riesen zurück; tatsächlich dürfte die Bezeichnung aber auf das mittelhochdeutsche Wort risen (sinken, fallen) zurückgehen und sich auf die Trichterform des Portals beziehen. Oberhalb des Tores befand sich eine Herzogsempore, ähnlich dem Kaiserstuhl Karls des Großen in Aachen und den Westemporen der Kaiserdome.

Nach einem Brand im Jahr 1258 wurde der Bau unter dem neuen Landesherrn Ottokar II. Přemysl abgeschlossen und 1263 von Bischof Otto von Passau neu geweiht.Alfred Missong: Heiliges Wien. 3. Auflage. Wiener Dom-Verlag 1970, S. 22. Vom 10. bis 12. Mai 1267 war der Dom Schauplatz des sog. „Wiener Provinzialkonzils“, einer Synode der gesamten Kirchenprovinz Salzburg (Wien wurde erst 1722 eine eigene Kirchenprovinz). Diese Synode behandelte neben organisatorischen Fragen auch das Verhältnis zwischen Christen und Juden, das bereits damals belastet war und für das eine fast vollständige Trennung beider Lebensbereiche angestrebt wurde.St. Stephan als Synodenaula. In: Unser Stephansdom. Hrsg. vom Verein zur Erhaltung des Stephansdoms. Ausgabe Nr. 145/August 2024, Wien 2024, , S. 4.

Die Obergeschoße der Heidentürme wurden erst danach gebaut. Die beiden Türme sind durch einen spätgotischen Schwibbogen verbunden, der die Aufgabe hat, die beiden Türme gegeneinander abzustützen. Setzungen und Verschiebungen im Bereich des Westwerkes werden durch diese mittelalterliche Sanierungsmaßnahme verhindert. Der Schwibbogen wird in der Regel durch die Orgel verdeckt, war aber 2018 im Rahmen der Orgelrenovierung sichtbar.Wolfgang Zehetner: Jahresbericht des Dombaumeisters. In: Der Dom. Mitteilungsblatt des Wiener Domvereins. . Heft 2/2018, S. 9. 1276 brach erneut ein Brand aus, der zwar den Chor beschädigte, jedoch die westliche Fassade und die Westempore wie die anschließenden Räume in den Heidentürmen nicht betraf.

14. und 15. Jahrhundert Unter den Habsburgern, seit 1282 Herzöge von Österreich, begann die gotische Bauperiode. Dabei wurden unter den Herzögen Albrecht I. und Albrecht II. von Österreich nicht nur die Brandschäden beseitigt, sondern es wurde zwischen 1304 und 1340 ein vergrößerter Chor im gotischen Stil gebaut, der nach ihnen als Albertinischer Chor bezeichnet wird.Alfred Fischeneder: Der Albertinische Chor des Wiener Stephansdomes, Ergebnisse einer stilkritischen Bauuntersuchung. Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege, LXVII, Heft 1/2, Horn/Wien 2013, S. 106–121. Am 23. April 1340 fand die Chorweihe statt, und der Hallenchor war weitgehend vollendet. Nach 1340 war der Chor, wie die Urkunden zur Liturgie, zum Lettner und zu den Altären zeigen, schon für liturgische Handlungen nutzbar.Alfred Fischeneder-Meiseneder: Der Chorbau St. Stephan in Wien. Architektur und Schriftquellen, Steine Sprechen, Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Denkmal- und Ortsbildpflege, Nr. 154, LVIII, Wien 2019, S. 35–41. (https://www.denkmal-ortsbildpflege.at/download/heftdownload/Steine_sprechen_154_web.pdf)

Die Regierungszeit von Herzog Rudolf IV., genannt „der Stifter“, war bedeutsam für die Kirche: Am 7. April 1359 legte er den Grundstein für den Südturm und den gotischen Erweiterungsbau der Kirche, – eine Quelle spricht konkret vom Chor, für den entsprechend im Jahr 1365 eine Neuweihe belegt ist. In der Absicht, die Hauptkirche seiner Residenzstadt aufzuwerten, verlegte Rudolf – der seit 1358/59 den Titel „Pfalzerzherzog“ beanspruchte – im Jahre 1365 das von ihm 1358 in der Allerheiligenkapelle in der Hofburg errichtete Kollegiatstift in die Stephanskirche, verlieh dessen Propst den Titel „Erzkanzler von Österreich“ und ernannte ihn zum Kanzler (Rektor) der neuen Universität in Wien. Diese Priestergemeinschaft war noch nicht das Domkapitel im heutigen Sinn. In der Gründungsurkunde wurde dieses neue Allerheiligenkapitel zu St. Stephan ausdrücklich Rom unterstellt und von Salzburg und Passau unabhängig (exemt) erklärtWiener Diözesanblatt, Jahrgang 162, Nr. 11, November 2024, S. 180 mit der historischen Darstellung des Ablaufs in der Präambel. (der Dom selbst hatte eine solche Exemtion noch nicht). Seitdem ist das für den Chor geltende Allerheiligenpatrozinium das zweite Patrozinium des Doms.Alfred Wendehorst, Stefan Benz (Hrsg.): Verzeichnis der Säkularkanonikerstifte der Reichskirche. 1997, ISBN 3-7686-9146-2, S. 192. Auch die bedeutende Sammlung von Reliquien und die Gründung der Herzogsgruft gehen auf Rudolf IV. zurück. Als Rudolf 1365 unerwartet verstarb, wurde er entsprechend im Chor bestattet. Auf Rudolf geht auch der Bau der beiden westlichen Langhauskapellen wie auch der beiden offensichtlich mit ihnen in Verbindung stehenden Fürstenportale zurück.

Die wichtigste Baumaßnahme Rudolfs am Stephansdom stellt der Baubeginn des südlichen Hochturms dar, auch wenn in den sieben Jahren seiner Herrschaft wenig mehr als Teile der erst 1391 geweihten Katharinenkapelle zur Ausführung kam.Marlene Zykan: Zur Baugeschichte des Hochturmes von St. Stephan. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte. Band 23, 1970, S. 28–65. Die Frage, auf wen die Konzeption und Planung des gotischen Baus zurückgeht, ist offen. Erst 1368 wird erstmals ein Magister operum ad St. Stephanum (Baumeister zu St. Stephan) namens Seyfried genannt. Ein wesentlicher Einfluss auf die Planung wurde in der älteren Forschung der Herzogen Baumeister Michael Knab zugeschrieben, doch lässt sich seine Tätigkeit als Wiener Dombaumeister konkret ausschließen.Richard Perger: Die Baumeister des Wiener Stephansdomes im Spätmittelalter. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte. Band 23, 1970, S. 81–84.