Die Scharhörn-Klasse ist eine Baureihe von drei im Bau befindlichen Mehrzweckschiffen für die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. Sie zählen zur Küstenwache des Bundes.

Beschreibung Die Schiffe haben eine Länge von 105 m und eine Breite von 20 m und sind damit deutlich größer als ihre Vorgänger. Sie werden über eine Besatzung von 16 Personen verfügen; zudem stehen Unterbringungsmöglichkeiten für 34 weitere Personen, welche je nach Mission eingeschifft werden können, zur Verfügung.

Für den Antrieb wird LNG als Brennstoff und ein Aggregat des Herstellers Rolls-Royce Power Systems der Baureihe B36:45L6AG zum Einsatz kommen, das eine Höchstgeschwindigkeit von min. 15 Knoten und einen Pfahlzug von min. 145 Tonnen ermöglichen soll. Um auch Arbeiten in kontaminierter Umgebung zu ermöglichen, verfügen die Schiffe über die Möglichkeit eines so genannten Gasschutzbetriebs. Dazu werden alle Schotten geschlossen und im Schiffsinneren ein geringer Überdruck erzeugt, der das Eindringen von schädlichen Gasen verhindert.

Die Schiffe erhalten eine Ausrüstung für die maritime Brandbekämpfung sowie ein Hubschrauberlandedeck.A&R bekommt den Auftrag für zwei Mehrzweckschiffe, abeking.com, 17. Dezember 2019, abgerufen am 11. September 2023

Bau Der Bau der Schiffsrümpfe wurde von A&R an den Subunternehmer Western Baltija Shipbuilding in Klaipėda vergeben. Zur Endausrüstung werden sie dann zu A&R nach Lemwerder geschleppt. Die Kiellegung des Typschiffs erfolgte im September 2021.Bericht im BAWBlog vom 9. September 2021, abgerufen am 9. August 2024. Geplante Ablieferungstermine waren zu diesem Zeitpunkt die Jahre 2023, 2024 und 2025.

Die Schiffe Scharhörn Der Stapelhub der Scharhörn erfolgte im Juli 2023, im Anschluss die Überführung des Rohbaus von der Bauwerft in Klaipėda nach Deutschland zur Fertigstellung. Die Übergabe an den Auftraggeber erfolgte nach der Erprobung aufgrund verschiedener Verzögerungen beim Bau im ersten Quartal 2026. Das Schiff ist in Kiel stationiert. Das Schiff wurde am 20. April 2026 getauft.

Mellum Die Mellum, der zweite Neubau der Klasse, soll voraussichtlich im Jahr an den Auftraggeber übergeben und in Wilhelmshaven stationiert werden. Im August 2024 wurde sie in Klaipėda zu Wasser gelassen. Anfang September 2024 wurde sie zur weiteren Ausrüstung nach Lemwerder geschleppt. Mit ihrer Fertigstellung wird im 3. Quartal 2027 gerechnet.

Neuwerk Die Kiellegung der Neuwerk, des dritten Schiffes erfolgte am 11. Januar 2023. Im März 2025 wurde sie in Klaipėda zu Wasser gelassen und im Mai 2025 zur Endausrüstung nach Lemwerder geschleppt. Die Ablieferung soll im 2. Quartal 2028 erfolgen.

Hintergrund Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes unterhielt zum Stand September 2023 vier Mehrzweckschiffe, die für verschiedene Aufgaben im Nord- und Ostseeraum eingesetzt werden, unter anderem zum Tonnenlegen, zur Brand- sowie zur Ölunfall- und Schadstoffbekämpfung und zum Notschleppen. Je zwei dieser durch das Reedereizentrum der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung bereederten Mehrzweckschiffe sind in der Nord- und in der Ostsee stationiert.

Schiffs­name Ruf­zeichen Heimat­hafenPfahlzug Bau­jahr Bild Scharhörn DGOQ Kiel 400 kN 1974 100px Mellum DBPG Wilhelms­haven 1100 kN 1984 100px Neuwerk DBJM Cuxhaven 1113 kN 1998 100px Arkona DBBU Stralsund 1000 kN 2005 100px

Aufgrund des fortgeschrittenen Alters der Scharhörn und der Mellum wurde durch die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt zunächst die Ersatzbeschaffung von zwei Einheiten ausgeschrieben. Gewinner der Ausschreibung war im Jahr 2019 die Abeking & Rasmussen Schiffs- und Yachtwerft SE (A&R) mit Sitz im niedersächsischen Lemwerder. Zusätzlich wurde eine Option zum Bau einer dritten Einheit vereinbart, die 2020 gezogen wurde und einen weiteren Neubau als Ersatz für die Neuwerk beinhaltete.Drittes neues Mehrzweckschiff für die Küstenwache, esut.de, 3. September 2020, abgerufen am 11. September 2023.

Hafenanpassungen Die Schiffe der Scharhörn-Klasse sind deutlich länger, breiter und haben einen größeren Tiefgang als die Vorgängerbauten. Dies erfordert Millioneninvestitionen in die Anpassung und Ertüchtigung der Hafeninfrastruktur für die Liegeplätze der Schiffe in den Nordseehäfen Cuxhaven, Helgoland und Wilhelmshaven. In Cuxhaven muss ein neuer Versorgungshafen im Fährhafen geschaffen werden. Auf Helgoland muss der Süddamm verlängert, ertüchtigt und die Tiefe des Hafenbeckens vergrößert werden. Auch in Wilhelmshaven ist eine bauliche Anpassung des Liegeplatzes erforderlich.Wiebke Kramp: Millionen für Hafen-Anpassung. In Nordsee-Zeitung (Bremerhaven) vom 3. Juli 2026, Seite 19.

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Einzelnachweise

Kategorie:Arbeitsschiff (Deutschland) Kategorie:Tonnenleger Kategorie:Küstenwache (Deutschland) Kategorie:Abeking & Rasmussen