mini|hochkant|Saddam Hussein (1998) klasse=notpageimage skin-invert-image|150px|zentriert|Signatur von Saddam Hussein Saddam Hussein (, ; * 28. April 1937 in al-Audscha bei Tikrit; † 30. Dezember 2006 in al-Kazimiyya bei Bagdad) war ein irakischer Politiker und Diktator, der von 1979 bis 2003 Staatspräsident des Irak war. Zuvor war er von 1968 bis 1979 Vizepräsident und spielte eine zentrale Rolle innerhalb der irakischen Baath-Partei. Er war von 1979 bis 1991 sowie 1994 bis 2003 gleichzeitig auch Premierminister.

Während seiner diktatorischenJoseph Sassoon: Saddam Hussein’s Ba'th Party. Cambridge, 2012, S. 5. Herrschaft errichtete Saddam Hussein ein autoritäres Regime, das sich auf Militär, Geheimdienste und die regierende Baath-Partei stützte. Politische Gegner wurden systematisch verfolgt, verhaftet oder getötet, um jegliche Opposition zu unterdrücken. Zudem kam es zu schweren Menschenrechtsverletzungen, darunter Folter, Verfolgung von Minderheiten und der Einsatz chemischer Waffen gegen die eigene Bevölkerung.

Auch außenpolitisch war seine Regierungszeit von Konflikten geprägt. Der Iran-Irak-Krieg (1980–1988) entwickelte sich zu einem langen und verlustreichen Krieg mit hohen Opferzahlen. 1990 ließ Saddam Hussein Kuwait besetzen, was den Zweiten Golfkrieg auslöste, in dessen Folge eine internationale Koalition den Irak militärisch besiegte und zum Abzug aus Kuwait zwang.

Seine Herrschaft endete 2003 mit dem Einmarsch einer von den USA geführten Militärkoalition, der zum Zusammenbruch seines Regimes führte. Sein Sturz führte im Irak zu politischer Instabilität, Terror, vielen Todesopfern, Fluchtbewegungen und bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Auch hatte es weitreichende Folgen für die internationale Politik, da ähnliche militärische Interventionen in anderen Staaten seither deutlich kritischer bewertet und häufig vermieden werden. In der internationalen Öffentlichkeit hinterließ es ein langfristiges politisches und gesellschaftliches Trauma.

2006 wurde er von einem Gericht wegen Massakern an Schiiten und Kurden zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Kindheit und Jugend

Saddam Hussein wurde in al-Audscha, einem Dorf bei Tikrit, am 28. April 1937 in eine ärmliche Bauernfamilie geboren. Seine Familie gehörte zum sunnitisch-arabischen Stamm der al-Bu Nasir.IRAQ: The Role of Tribes. cfr.org; abgerufen am 28. Januar 2013.

Sein leiblicher Vater Hussein al-Majid starb, während seine Mutter Subha mit Saddam schwanger war. Als sie im achten Monat schwanger war, starb auch Saddams ältester Bruder an einer Krebserkrankung. Daraufhin unternahm Subha einen Suizidversuch, wurde jedoch von einer jüdischen Familie daran gehindert und finanziell unterstützt. Ebenso versuchte Subha erfolglos, ihren ungeborenen Sohn abzutreiben.Jerrold M. Post: Saddam Hussein of Iraq: A political profile. In: Jerrold M. Post (Hrsg.): The Psychological Assessment of Political Leaders. Ann Arbor 2005, S. 325–327.

Subha gab Saddam nach seiner Geburt an ihren Bruder Khairallah Talfah, der als Offizier über einen höheren sozialen Status und Geld verfügte, nach Tikrit. 1941 wurde Talfah wegen seiner Mitwirkung im Ghailani-Putsch inhaftiert, und Saddam musste zu seiner Mutter zurückkehren. Sie hatte mittlerweile einen Verwandten namens Hassan Ibrahim geheiratet und war mit ihm nach Al-Schawisch, einem ärmlichen Dorf bei Tikrit, gezogen. Hassan Ibrahim war dort übel beleumundet, sein Spitzname im Dorf war „Hassan der Lügner“. Ebenso schmückte er sich wohl unverdienterweise mit dem Titel eines Hāddsch. Die meisten Quellen beschreiben Saddams Leben im Dorf als das eines Außenseiters, der aufgrund seiner Vaterlosigkeit sozial ausgegrenzt wurde. Einzig eine offizielle Biografie schildert ihn als sozial integriertes Mitglied der Dorfgemeinschaft. Saddams Wunsch nach einer Schulausbildung wurde von seinem Stiefvater und seiner Mutter abgeschlagen. Stattdessen wurde er zur Feldarbeit herangezogen und von seinem Stiefvater zum Diebstahl angestiftet, was Saddam bereits in der Kindheit einen kurzen Gefängnisaufenthalt einbrachte. Er wurde auch Opfer von physischer und psychischer Gewalt durch seinen Stiefvater. Seinen eigenen Aussagen nach trug Saddam stets eine Eisenstange mit sich, um sich gegen die Angriffe der anderen Dorfkinder zu wehren.Shiva Balaghi: Saddam Hussein – A Biography. London 2006, S. 1–7.

mini|hochkant|Saddam Hussein (1956)

Nach der Freilassung seines Onkels Khairallah Talfah verließ Hussein den Haushalt seines Stiefvaters und floh zu seinem Onkel nach Tikrit. Dieser sorgte dafür, dass Saddam mit zehn Jahren eingeschult wurde. Er erzog den Jungen im Geiste des arabischen Nationalismus. Mit 14 Jahren stand Saddam unter dem Verdacht, aus Rache den Bruder eines Lehrers angeschossen zu haben. Die Beweise erhärteten sich jedoch nicht und Saddam konnte die Schule abschließen. Nach seinem Schulabschluss zog Saddam mit seinem Onkel nach Bagdad, wo er eine weiterführende Schule besuchte und mit 18 Jahren abschloss. Nach seiner Schulausbildung wurde Saddam Khairallahs älteste Tochter Sadschida versprochen.

Politische Karriere Beginn Saddam Hussein trat 1957 im Alter von 20 Jahren der damals noch verbotenen Baath-Partei bei. Er bewarb sich bei der prestigeträchtigen Militärakademie in Bagdad, scheiterte jedoch an der Aufnahmeprüfung. Am 14. Juli 1958 stürzten in einem Staatsstreich nationalistische Offiziere, die sich die „Freien Offiziere“ nannten, die Monarchie und töteten König Faisal II. und dessen Familie. Der Staatsstreich führte zur Gründung der Republik Irak mit dem Premierminister Abd al-Karim Qasim. Ende des Jahres erschossen Saddam und sein Onkel Khairallah einen entfernten Verwandten, der Khairallah beleidigt hatte. Beide wurden für mehrere Monate inhaftiert, entgingen aber einer Anklage wegen Mordes. Die Baath-Partei rekrutierte Hussein nach seiner Rückkehr nach Bagdad als Attentäter für einen Anschlag auf Qasim. Am 7. Oktober 1959 überfielen die Attentäter Qasims Konvoi, dieser überlebte jedoch. Hussein wurde von einer Kugel in den Oberschenkel getroffen und flüchtete nach Syrien. Das versuchte Attentat sei „mit dem Wissen der CIA“ geschehen, da sein Kontaktmann für den ägyptischen Geheimdienst und die CIA gearbeitet hatte; die angemietete Wohnung sei laut UPI vom stellvertretenden ägyptischen Militärattaché bezahlt worden. Die Amerikaner seien zuvor vom Ausscheren Qasims aus dem Bagdad-Pakt überrascht worden. Anfang 1960 zog Saddam nach Kairo. Er wurde in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Der bis dahin amtierende Chef der Baath-Partei, Fuad ar-Rikabi, floh ebenfalls nach Ägypten und wurde im Irak durch einen entfernten Verwandten Saddam Husseins, Madschid, ersetzt. Rikabi hatte offensichtlich den Auftrag zum Attentat gegeben, nachdem er im Jahr zuvor aus der Regierung ausgeschieden war.

Sein Studium an der juristischen Fakultät der Universität Kairo beendete er ohne Abschluss. Er kehrte am 8. Februar 1963 nach dem blutigen Putsch der Baath-Partei in den Irak zurück und heiratete Sadschida Khairallah. Nach dem erneuten Militärputsch vom 18. November 1963 wurde er 1964 zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, floh aber mit Hilfe des Premierministers Tahir Yahya im Juli 1966. 1968 unterstützte er einen erfolgreichen Staatsstreich von Baath-Partei und Armee.

Aufstieg mini|hochkant|links|Saddam Hussein (1974) Als die Baath-Partei 1968 im Irak an die Macht kam, wurde Hussein in der neuen Regierung stellvertretender Generalsekretär des Revolutionären Kommandorates sowie Chef des Ministeriums für Staatssicherheit und des Propagandaministeriums. 1969 wurde er Vizepräsident.

Am 1. Juni 1972 leitete er die Verstaatlichung westlicher Ölfirmen ein, die ein Ölmonopol im Irak hatten. Mit den Öleinnahmen entwickelte er das Land zu einer regionalen militärischen Großmacht. Die Einnahmen aus dem Ölverkauf sorgten aber auch für den Wohlstand breiterer Bevölkerungsschichten. 1972 unterzeichnete Saddam in Moskau ein Freundschaftsabkommen mit der Sowjetunion.Freundschaftsabkommen mit der Sowjetunion. SZ, 17. Mai 2010. Am 1. Juli 1973 wurde er vom Revolutionsrat zum Drei-Sterne-General der irakischen Streitkräfte ernannt. Später ernannte er sich selbst zum Feldmarschall. Am 6. März 1975 schloss er als Vizepräsident mit dem iranischen Schah Mohammad Reza Pahlavi das Abkommen von Algier über den Grenzverlauf im Schatt al-Arab und die gegenseitige Nichteinmischung in innere Angelegenheiten.mini|alt=Vertreter Saddam Hussein und mit Präsident Ahmed Hassan al-Bakr und einer Reihe von Ministern und Präsidenten|Auf einem arabischen Gipfel in Bagdad im November 1978. Im Vordergrund steht der irakische Präsident Ahmed Hassan al-Bakr, neben ihm sein Stellvertreter Saddam Hussein, rechts der libanesische Premierminister Salim Hoss.

1979 ernannte Präsident Ahmad Hasan al-Bakr Hussein im Alter von 42 Jahren zum Vorsitzenden der Partei und zu seinem Nachfolger. Am 11. Juli 1979 wurde er Generalsekretär der Baath-Partei, und am 16. Juli 1979 übernahm er die Macht als Staatspräsident und Regierungschef. In einer seiner ersten Handlungen in dieser Position, der Säuberungsaktion in der irakischen Baath-Partei 1979, diffamierte Saddam in einer öffentlichen Versammlung mehrere anwesende Mitglieder der Baath-Partei als Verräter, woraufhin sie im Schnellverfahren zum Tode verurteilt und sofort liquidiert wurden. Die übrigen Parteimitglieder wurden durch dieses Exempel auf die Linie Saddams eingeschworen, der so auch den geplanten Zusammenschluss mit dem ebenfalls baʿthistischen Regime Syriens verhinderte.

Dennoch war Saddam Husseins Autorität zunächst noch nicht uneingeschränkt. Nach dem Tausch seines Amtes mit al-Bakr blieb dieser faktisch Vizepräsident bis zu seinem Tode im April 1982. Saddam Hussein nutzte diese erste Zäsur einer Machterweiterung bereits im Juli 1982 zu einem folgenschweren Alleingang: Er gab einen Rückzugsbefehl für die irakischen Truppen in einer entscheidenden Phase des Golfkrieges gegen die Islamische Republik Iran. Die zweite Zäsur war 1989. Mit dem Tod des Baath-Partei-Gründers und Vizepräsidenten Michel Aflaq sowie des als Kriegsminister im Golfkrieg populär gewordenen Chairallah Talfah durch einen unaufgeklärten Hubschrauberabsturz im gleichen Jahr gab es keine rivalisierende Autorität mehr außer dem nunmehr endgültig diktatorisch agierenden Präsidenten, die seine Entscheidung zum Krieg gegen Kuwait im Folgejahr hätte beeinflussen können.

Saddam Husseins Herrschaft wurde ab 1979 von einem Personenkult geprägt. Dieser bediente sich politischer, religiöser und nationalistischer Motive und diente der Disziplinierung der Bevölkerung und Unterdrückung politischen Dissenses. Propagandistische Darstellungen seiner Person waren hierbei im öffentlichen und privaten Raum obligat. Führend bei der Durchsetzung des Personenkults war die Baa'thpartei als Staatspartei des Einparteienstaats. Ab Mitte der 1980er Jahre wurde Kritik an ihm oder seinen Familienangehörigen offen strafrechtlich durch Sondergerichte verfolgt.Joseph Sassoon: Saddam Hussein’s Ba'th Party. Cambridge, 2012, S. 162–192.

Saddam Hussein ist für zahlreiche Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich, die in seiner Regierungszeit verübt wurden, darunter Giftgaseinsätze und Massenmorde an Kurden und Schiiten. Human Rights Watch schätzt, dass Saddams Regime mindestens 250.000 Iraker ermordete oder „verschwinden“ ließ. Dazu zählen 100.000 Kurden, die während der Anfal-Operation von 1987 bis 1988 getötet wurden, sowie viele Menschen, die verhaftet wurden und „verschwunden“ sind, darunter 50.000 bis 70.000 Schiiten in den 1980er Jahren, 50.000 Oppositionsaktivisten, darunter Linke, Kurden und andere Minderheiten in den 1980er und 1990er Jahren und 30.000 schiitische Männer während des gescheiterten Aufstands im März 1991.

Erster Golfkrieg

mini|Saddam Hussein mit Donald Rumsfeld (1983) mini|Saddam Husseins Präsidentenpalast (2003)