mini|Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt: Satellitenfoto der Inseln Amrum, Föhr und Sylt, Oktober 2007
Sylt (, ) ist die größte nordfriesische Insel. Sie erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung vor der Nordseeküste Schleswig-Holsteins und Dänemarks. Bekannt ist die nördlichste deutsche Insel vor allem durch ihre Kurorte Westerland, Kampen und Wenningstedt, für verbreitetes Nacktbaden und durch den circa 40 Kilometer langen Weststrand.
Geografie Lage mini|links|Blick auf das Rote Kliff bei Kampen
Sylt ist mit 99,14 Quadratkilometern nach Rügen, Usedom und Fehmarn die viertgrößte Insel Deutschlands und die größte deutsche Nordseeinsel. Sylt liegt zwischen 9 und 16 Kilometer vor der Küste des Festlands, mit dem sie seit 1927 über den elf Kilometer langen Hindenburgdamm verbunden ist. Südöstlich von Sylt befinden sich die Inseln Amrum und Föhr, nördlich liegt die dänische Insel Rømø. In der Nähe der Sylter Nordspitze liegt die Insel Uthörn.
Sylt erstreckt sich über 38,0 Kilometer in Nord-Süd-Richtung und ist im Norden, am Königshafen bei List auf Sylt, nur etwa 320 Meter breit. An ihrer breitesten Stelle, von Westerland im Westen bis zur Nössespitze bei Morsum im Osten, misst sie 12,6 Kilometer. Der südliche Teil der Insel ist ebenfalls schmal. An der West- und Nordwestseite Sylts erstreckt sich ein knapp 40 Kilometer langer Sandstrand, zur Ostseite liegt das Wattenmeer, das zum Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer gehört und bei Niedrigwasser weitgehend trockenfällt.
mini|Typische Küstenlandschaft auf Sylt
Die Form der Insel ist fortgesetzten Veränderungen unterworfen. Wegen ihrer exponierten Lage in der Nordsee kommt es zu kontinuierlichen Landverlusten bei Sturmfluten. Der nördliche und der südliche Nehrungshaken der Insel bestehen ausschließlich aus Sandablagerungen, während der Mittelteil der Insel im Bereich der ehemaligen Gemeinden Westerland, Wenningstedt und Sylt-Ost auf einem Geestkern ruht, der von See aus in Form des Roten Kliffs sichtbar ist. Der dem Wattenmeer zugewandte Teil des Geestkerns geht im Bereich der ehemaligen Gemeinde Sylt-Ost in relativ fruchtbares Marschland über. Nach heute als gesichert angesehenen Quellen ist Sylt seit der Zweiten Marcellusflut von 1362 eine Insel. Ihre höchste Erhebung ist die Uwe-Düne in Kampen mit .
Klimatische Verhältnisse mini|Klimadiagramm von List auf Sylt
Auf Sylt herrscht ein vom Golfstrom beeinflusstes Seeklima. Die Wintermonate sind mit durchschnittlich etwa 2 °C etwas milder als auf dem benachbarten Festland, die Sommermonate dagegen mit durchschnittlich 17 °C, trotz längerer Sonnenscheindauer, etwas kühler. Im Jahresdurchschnitt hat Sylt täglich 4,6 Stunden Sonnenschein.
Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 8,7 °C. Der Wind weht im Jahresdurchschnitt mit 6,7 m/s vorwiegend aus westlichen Richtungen. Die Jahresniederschlagsmenge liegt bei rund 734 mm bzw. 747 mm. Aktuelle Klima- und Wetterdaten liefern seit 1937 die mittlerweile automatisierte nördlichste Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes auf einer Düne bei List und einige Stationen kommerzieller Wetterbeobachter wie MeteoGroup Schweiz, ebenfalls in List.
Formung und Bedrohung durch das Meer mini|Ellenbogen
Die Insel Sylt in ihrer jetzigen Gestalt existiert erst seit etwa vierhundert Jahren. Sie entstand wie die Festlandgeest aus Altmoränen und hat deshalb einen Geschiebemergelkern, der heute in der Mitte und im Westen der Insel mit Kliff, Dünen und Sandstrand sichtbar ist. Dieser Geestkern erodierte, nachdem ihn der Anstieg des Meeresspiegels vor 8000 Jahren der starken Strömung entlang des steilen Inselsockels aussetzte. Dabei lagerten sich die Sedimente südlich und nördlich an. Die Westkante, die ursprünglich zehn Kilometer vor der heutigen Küste lag, verlagerte sich so stetig nach Osten, während gleichzeitig die Insel im Norden wie im Süden länger wurde. Um diesen Geestkern lagerte sich nach der letzten Eiszeit Marschland an.
Zwar wird Sylt bereits 1141 als Insel bezeichnet, doch gehörte sie vor der ersten Großen Mandränke 1362 zu einer von Prielen durchzogenen Landschaft und war zumindest bei Niedrigwasser trockenen Fußes vom Festland erreichbar.Alte Karten, die den Wandel des Umrisses Sylts zeigen Vermutlich erst nach dieser Flut entwickelte sich durch die Bildung von Nehrungshaken aus dem von den Meeresströmungen verdrifteten abgetragenen Material die gegenwärtige charakteristische Gestalt. Dabei waren und sind besonders die nördlichen und südlichen Enden der Insel großen Veränderungen unterworfen. So war Listland im 14. Jahrhundert für einige Zeit vom Rest der Insel getrennt, und durch die Entstehung des Ellenbogens versandete der Königshafen bei List ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.Klimaänderung und Küste – Fallstudie Sylt (PDF; 2,6 MB) Projekt des Forschungszentrums für marine Geowissenschaften der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Paläo-Ozeanologie, Teilprojekt: Klimabedingte Veränderung der Gestalt der Insel Sylt
mini|Sylt auf einer Karte des Johannes Mejer von 1648. Gut zu erkennen sind der Königshafen bei List und die heute untergegangenen damaligen Kirchspiele, darunter die alte Kirche von Eidum.
Zusätzlich zum schleichenden Landschwund belastete die Einwohner während der sogenannten Kleinen Eiszeit der Sandflug. Die nach Osten wandernden Dünen bedrohten Land und Siedlungen, weshalb sie ab dem 18. Jahrhundert durch die Bepflanzung mit Strandhafer befestigt wurden. Das hatte jedoch zur Folge, dass abbrechendes Material vermehrt abdriftete und die Inselsubstanz weiter abnahm.
Ab 1870 existieren Aufzeichnungen des jährlichen Küstenrückgangs. Demnach verlor Sylt in den Jahren 1870–1951 jährlich durchschnittlich 0,4 Meter im nördlichen und 0,7 Meter im südlichen Küstenabschnitt. 1951 bis 1984 steigerte sich die Rate auf 0,9 bzw. 1,4 Meter, während die Küstenlinie an den Inselenden bei Hörnum und List noch größeren Veränderungen unterworfen ist.Umweltatlas Wattenmeer – Band I – Nordfriesisches und Dithmarscher Wattenmeer. Landesamt für den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Umweltbundesamt (Hrsg.). Stuttgart 1998, S. 38.
Durch schwere Sturmfluten in den letzten Jahrzehnten ist Sylt immer wieder in Gefahr, auseinanderzubrechen. So trennte die Sturmflut 1962 Hörnum vorübergehend vom Rest der Insel. Besonders gefährdet ist dabei eine nur rund 500 Meter breite Schmalstelle südlich von Rantum.
Die Südspitze von Sylt verlagert sich aktuell um rund 40 Meter pro Jahr. Der Kieler Klimaforscher Mojib Latif warnt vor einer Zuspitzung ab Mitte des Jahrhunderts. Sollte der Meeresspiegel um einen Meter steigen, könnten selbst moderne Küstenschutzmaßnahmen die Erosion nicht mehr dauerhaft verhindern. Die Zerstörung durch Erosion wird in Zukunft eher zunehmen als zurückgehen, befeuert durch die globale Erwärmung und zunehmende Sturmfluten.
Anstieg Meeresspiegel Die Nordseeküste besitzt eines der dichtesten Pegel-Netzwerke der Welt, dessen Daten 100 Jahre und mehr zurückreichen. An Pegeln wird die sogenannte relative Meeresspiegeländerung gemessen, d. h. die Veränderung des Meeresspiegelniveaus im Verhältnis zum angrenzenden Land. Seit 1992 sind Satelliten in der Lage, die geozentrischen oder absoluten Veränderungen des Meeresspiegels im Verhältnis zum Erdmittelpunkt zu bestimmen. Der stärkste relative Meeresspiegelanstieg in der Nordsee ereignete sich seit Beginn der Satellitenbeobachtung mit 6,6 mm/Jahr bei Hörnum auf Sylt. Global hat sich die Rate des Anstieg (AR6) seit 1970 fast verdreifacht. Bis zum Ende des Jahrhunderts kommen weitere 30 bis 80 Zentimeter dazu.
Küstenschutz mini|Tetrapoden am Strand von Hörnum links|mini|Eine Stahlbetonbuhne bei Westerland
Als Küstenschutzmaßnahmen gegen die stetige Erosion wurden schon im 19. Jahrhundert Buhnen aus Holzpfählen errichtet. Diese rechtwinklig zur Küste in die See hinein gebauten Anlagen wurden später von Metall- und schließlich von Stahlbetonbuhnen abgelöst. Doch erzielten diese Bauwerke langfristig nicht den gewünschten Erfolg. Sie können die durch Querströmungen verursachte Erosion nicht stoppen, da die auf der wind- und strömungsabgewandten Seite einer Buhne auftretende „Lee-Erosion“ nachhaltige Sandablagerungen verhindert.
In den 1960er Jahren kamen sogenannte Tetrapoden („Vierfüßer“) zum Einsatz und wurden dem Fuße der Dünen entlang oder – ähnlich wie die Buhnen – ins Meer hinaus verlegt. Aber die rund sechs Tonnen schweren vierfüßigen Betonelemente waren für die am Sylter Strand herrschenden Verhältnisse zu schwer und konnten die Erosion nicht aufhalten. Vor dem Hörnumer Weststrand sind sie deshalb ab Mitte 2005 zum Teil wieder entfernt worden.Vgl. Fallstudie Sylt Teilprojekt Strategien und Optionen der Küstenschutzplanung für die Insel Sylt (PDF) S. 52, wo die Vorteile und die Risiken der starren Küstenschutzbauwerke dargestellt werden.
Seit Anfang der 1970er Jahre wird, als bislang einzig wirksames Mittel gegen die Erosion, Sand vor die Küsten der Insel gespült. Baggerschiffe, sogenannte „Hopperbagger“, nehmen aus einem ihnen speziell zugewiesenen Gebiet, das weit vor der Küste liegt, Sand in ihren Laderaum auf. Sie fahren dann in die Nähe der Küste und spülen durch Rohrleitungen ein Wasser-Sand-Gemisch an den Strand. Durch Planierraupen wird der Sand verteilt. Dabei soll lediglich das bei Sturmfluten abgetragene, vorgespülte Sanddepot ersetzt werden – die eigentliche natürliche Küstenlinie wird somit geschützt und die Erosion verlangsamt. Diese Vorgehensweise ist mit erheblichen Kosten verbunden. Der Bedarf von jährlich bis zu 10 Millionen Euro wird derzeit von Mitteln des Bundes, des Landes und der Europäischen Union gedeckt. Seit 1972 wurden etwa 60 Millionen Kubikmeter Sand vorgespült und aufgeschüttet. Diese Maßnahmen haben zusammen bisher über 143 Millionen Euro gekostet, sollen aber nach Berechnungen von Forschern ausreichen, um für mindestens drei Jahrzehnte größere Landverluste zu verhindern. In Hinsicht auf die Wirtschaftslage der Insel könnte daher der überwiegend privat gezogene Nutzen größer sein als die Kosten.Achim Daschkeit, Horst Sterr: Klimawandel und Küstenschutz: Hat Sylt eine Zukunft? In: Bernhard Glaeser (Hrsg.): Küste, Ökologie und Mensch – Integriertes Küstenmanagement als Instrument nachhaltiger Entwicklung. 2005 (PDF; 216 kB) S. 278. In der Studie Klimafolgen für Mensch und Küste am Beispiel der Nordseeinsel Sylt von 1995 heißt es: „Hätte Sylt nicht das Image einer attraktiven Ferieninsel, gäbe es den Küstenschutz in der bestehenden Form gewiss nicht.“Sylt zwischen Natur und Profit. In: Die Welt
mini|hochkant=1.4|Prinzip der Sandaufnahme und Übergabe des Hopperbaggers mini|Sandaufspülung, Verteilung durch eine Planierraupe, auf See der Hopperbagger
Als Alternative wird die Verstärkung eines natürlichen Riffs vor der Küste diskutiert. Ein entsprechender Versuch wurde in den Jahren 1996 und 2003 unternommen.Matthias Bleck: Funktionale Bemessung künstlicher Riffe für aktiven und sanften Küstenschutz (PDF) Die auf dänischen Inseln erfolgreiche „Sanddrainage“ ist wegen der Versteilung des untermeerischen Hangs vor Sylt nicht erfolgversprechend.Jürgen Newig: Sand auf Sylt. uni-kiel.de (PDF; 3,9 MB)
links|mini|Sandvorspülung mit Tetrapoden am Weststrand
Parallel zu den Sandvorspülungen wurden die Buhnen, die sich für den Küstenschutz als weitgehend nutzlos erwiesen hatten, an einigen Strandabschnitten mit großem Aufwand wieder abgetragen. Dieser Maßnahme ist auch die wohl bekannteste Buhne der Insel, die BUHNE 16, Namensgeberin des gleichnamigen Nacktbade-Strandes, zum Opfer gefallen.