mini|Firmensitz von Astrobotic Technology Astrobotic Technology (häufig nur Astrobotic) ist ein 2007 gegründetes US-amerikanisches Unternehmen, das Mondlander, Mondrover und weitere Raumfahrttechnik entwickelt und betreibt. Hauptgeschäft von Astrobotic ist der Transport von Nutzlasten zur Mondoberfläche. Das Unternehmen bietet der NASA und privaten Kunden sowie Institutionen Platz für ihre Fracht auf einem ihrer Lander oder Rover an. Ein erster Mondflug im Rahmen des NASA-Programms Commercial Lunar Payload Services startete am 8. Januar 2024.
Geschichte Gründung Astrobotic Technology wurde von William L. „Red“ Whittacker, Professor für Robotik an der Carnegie Mellon University (CMU), gegründet, um am Mondlandewettbewerb Google Lunar X-Prize (GLXP) teilzunehmen. Kurz nachdem die X-Prize Foundation und Google am 13. November 2007 den Wettbewerb angekündigt hatten, überwies Whittacker den ersten Teil der Anmeldegebühr von 10.000 USD an die Ausrichter. Außerdem überzeugte er weitere Mitarbeiter und Studenten der CMU, sich dem Team Astrobotic anzuschließen. Zusammen mit Raumfahrtunternehmer David Gump gründete er einige Wochen später das Unternehmen Astrobotic Technology, um das nötige Kapital für die Teilnahme am GLXP bereitzustellen. Gump wurde Präsident von Astrobotic, während Whittaker die Posten des Chairman und Chief Technical Officer übernahm. Der erste Rover des Unternehmens wurde Red Rover, nach dem Spitznamen von Whittaker, getauft. Dieser sollte vom Artemis Lander transportiert werden.
Astrobotic Technology schloss den ersten Vertrag mit dem US-amerikanischen Rüstungs- und Elektronikkonzern Raytheon, der die Technologie für Mondlandungen bereitstellen sollte.
Regolith-Studie und -Wettbewerb Im Juli 2008 wurde das Unternehmen von der NASA beauftragt, eine 180-tägige Studie zum Thema „Regolith Moving Methods“ durchzuführen. Von dieser und den Studien zehn weiterer Unternehmen erhoffte sich die Raumfahrtbehörde, Ideen für das Constellation-Programm zu erhalten. Die Studie wurde vom Carnegie Mellon University Robotics Institute unterstützt und im März 2009 der NASA vorgestellt. mini|Roboter während der letzten Runde des Wettbewerbs Außerdem nahm Astrobotic noch im selben Jahr an der Regolith Excavation Challenge, eine von den Centennial Challenges der NASA, teil. Bei dem Wettbewerb ging es darum, einen Roboter zu bauen, der dann nachgestelltes Mondgestein ausgraben und sammeln muss. Dazu wurde das Team Moon Diggers zusammen mit der Edison Space Corporation gegründet. Der Roboter des Teams war etwas kleiner als ein Quadratmeter und wurde zusammen mit dem Robotics Institute der CMU entworfen und gebaut. Astrobotic schaffte es jedoch nicht unter die Sieger und erhielt somit das Preisgeld von bis zu 500.000 USD nicht.
Google Lunar X Prize Ursprüngliches Ziel von Astrobotic war es, ihren Rover an der Landestelle der Apollo-11-Mission abzusetzen. Neben Raytheon waren sowohl die Carnegie Mellon University als auch das Arizona State’s Lunar and Planetary Institute der University of Arizona Teil des Teams. Bis April 2009 hatten diese schon über 3 Millionen USD in das Projekt investiert.
Bis September 2009 wurden drei Prototypen des ersten Rovers gebaut. Astrobotic plante diesen schon im Mai 2010 mit der Mission Tranquility Trek auf den Mond zu schicken. Später wurde der Start auf den Dezember und schließlich Mai 2011 verschoben.
Mit Lockheed Martin, Aerojet, Scaled Composites, International Rectifier, Harmonic Drive LLC und Caterpillar fanden sich bis 2010 weitere Teilnehmer und Sponsoren des Teams. Außerdem erklärte die NASA im Oktober des Jahres, dass Astrobotic Technology als eines von sechs Unternehmen für einen Vertrag über 10 Millionen USD für das Landen eines Rovers auf dem Mond infrage käme. Die Landung war für April 2013 geplant. Schließlich erhielt Astrobotic einen Vertrag im Rahmen des Innovative Lunar Demonstrations Data project (ILDD) im Wert von bis zu 30,1 Millionen USD über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren. Dazu kam im Dezember noch eine Erweiterung durch ein zusätzliches Unterstützungspaket von 500.000 USD.
Astrobotic Technology unterzeichnete Anfang 2011 einen Vertrag mit SpaceX, der ihnen einen Platz in einer Falcon 9, die zum Mond fliegen sollte, sicherte. Der Start der Mission war für Dezember 2013 geplant. Außerdem hatte Astrobotic vor, Kunden Frachtraum zu verkaufen. Ein Kilogramm sollte 2 Millionen USD kosten. Geplant war eine Nutzlastkapazität von 100 kg. Zur Durchführung der Mission kam es jedoch nicht.mini|hochkant|CEO John Thornton (2022) Außerdem wechselte im April die Unternehmensführung von Astrobotic, nachdem Präsident und Gründer David Gump seinen Rücktritt angekündigt hatte. An seine Stelle trat John Thornton, der seit der Gründung beim Unternehmen gearbeitet hatte, Chief Engineer war und an der Carnegie Mellon University angestellt war.
Die NASA wählte im April 2014 Astrobotic und zwei weitere Unternehmen als mögliche Teilnehmer am Lunar CATALYST-Programm, das kommerziellen Frachttransport zum Mond förden sollte, aus. Später kam es schließlich zu einem Vertragsabschluss. Im November des Jahres stellte die CMU den Rover Andy vor. Dieser sollte für das Team von Astrobotic Technology beim GLXP zum Mond fliegen. Benannt wurde er nach Andrew Carnegie und Andrew Mellon.
Am 16. Dezember des Jahres wurde bekannt gegeben, dass Astrobotic zwei der sogenannten Milestone Prizes des Google Lunar X Prize erreicht hatte. Den Imaging Milestone Prize erhielt man für die Präsentation eines funktionstüchtigen Kamerasystems für Mondrover. Dieser Preis brachte dem Unternehmen 250.000 USD ein. Der Mobility Milestone war auf 500.000 USD dotiert und wurde Astrobotic für den Rover Andy verliehen. Schließlich erhielt das Unternehmen Anfang 2015 auch den Landing Milestone Prize, für den ein Preisgeld von einer Million USD ausgesetzt war. Dieser war für die Demonstration eines funktionierenden Landungssystems vergeben worden. Damit sicherte sich Astrobotic als einziges Team alle drei Milestone Prizes.
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt schloss im November 2015 einen Vertrag mit Astrobotic, der dem DLR die Lieferung eines Rovers auf den Mond versprach. Dies war der erste Vertrag für eine Mondlieferung, den das DLR mit einem privaten Unternehmen abschloss.
Schließlich musste Astrobotic aus dem Google Lunar X Prize aussteigen, da sich der voraussichtliche Start ihres ersten Landers beziehungsweise Rovers auf 2019 verschoben hatte. Jedoch sei dies laut CEO John Thornton nicht mehr die Priorität des Unternehmens gewesen. Es waren zudem schon Lieferverträge mit verschiedenen Unternehmen wie Elysium Space geschlossen worden. Weiterhin war geplant, mit dem noch teilnehmenden Team Hakuto (mittlerweile ispace) für den Start 2019 zusammenzuarbeiten.
Nach dem GLXP Im Mai 2017 gab Astrobotic bekannt, zusammen mit dem CMU an einem neuen Rover für die NASA zu arbeiten. Die ersten Modelle für den CubeRover waren schon 2015 entworfen worden. Bis zum Zeitpunkt der Vorstellung des kleinen Rovers konnte das Gewicht von anfänglichen 10 kg auf 2 kg reduziert werden. Für die erste Phase der Entwicklung vergab die NASA ein Preisgeld von 125.000 USD. Bis dahin hatte Astrobotic schon 12 Verträge über insgesamt 3,8 Millionen USD mit der Raumfahrtbehörde geschlossen.
2018 erhielt Astrobotic verschiedene Aufträge von der NASA. Neben dem Vertrag zur Entwicklung der CubeRover wurde Astrobotic auch in der Kategorie Increase Access to Planetary Surface mit der Entwicklung von Sensoren zur Landung auf Planeten beauftragt. Weiterhin erhielt man den Auftrag, Navigationssysteme für die Landung auf eisbedeckten Monden der äußeren Planeten des Sonnensystems zu entwickeln. Die European Space Agency zog das Unternehmen 2019 als möglichen Logistikpartner in Betracht. Astrobotic sollte die Möglichkeiten einer Lieferung für die ESA an Bord von Peregrine prüfen.
Außerdem wählte die NASA Astrobotic als eines von neun Unternehmen aus, die für Nutzlasttransporte im Rahmen der Commercial Lunar Payload Services bieten können. Im Mai 2019 erhielt Astrobotic neben Intuitive Machines und Orbit Beyond einen Zuschlag; beauftragt wurde die Lieferung von Nutzlast in die Tiefebene Lacus Mortis im Jahr 2021. Dafür stellte die NASA 79,5 Mio. USD bereit. Im August des Jahres gab man bekannt, dass der Start an Bord einer Vulcan Centaur der United Launch Alliance stattfinden würde.mini|Reinraum im neuen GebäudeNachdem das Unternehmen im Dezember 2019 angekündigt hatte innerhalb von Pittsburgh umzuziehen, wurde am 19. Oktober 2020 das neue Gebäude North Side, Pittsburgh eröffnet. Die Anlage ist über 40.000 m² groß und dient sowohl als Firmenzentrale und Testgelände als auch als Mission Control Center. Im Oktober 2022 eröffnete Astrobotic dort auch das „Moonshot Museum“ mit Ausstellungen zu Weltraumthemen, insbesondere zu Raumschiffen und deren Bau. mini|John Thornton (CEO) und Sharad Bhaskaran (Mission Director) von Astrobotic Technology bei der Vorstellung des Mondlanders Peregrine Nachdem das Raumfahrtunternehmen Masten Space Systems im Juli 2022 Insolvenz beantragt hatte, wurde am 13. September bekanntgegeben, dass Astrobotic das Unternehmen übernimmt.
Im Mai 2023 schloss die NASA einen Vertrag mit einem Konsortium bestehend aus Blue Origin, Lockheed Martin, Draper, Boeing, Honeybee Robotics und Astrobotic. Der Vertrag im Wert von 3,4 Milliarden USD sieht vor, dass die Mondlandefähre Blue Moon 2029 Astronauten auf den Mond bringt. Astrobotic soll sich um die Fracht kümmern und Blue Origin mit der Entwicklung von Sensoren bei der Landung unterstützen.
Missionen Astrobotic Technology plant derzeit (Stand März 2024) zwei Missionen mit ihren Landern Peregrine und Griffin. Beide Missionen sollen Nutzlast zum Mond transportieren und befinden sich im Moment in der Vorbereitungsphase. Eine Mission wurde bereits durchgeführt.
Peregrine Mission One
Die Peregrine Mission One (PM1) war die erste Mission von Astrobotic. Ihr geplanter Landeort waren die sogenannten Gruithuisen Domes, die Berge Mons Gruithuisen Gamma und Mons Gruithuisen Delta in der Region Oceanus Procellarum. Dort sollte Peregrine 21 Nutzlasten aus 6 Ländern auf der Mondoberfläche absetzen und die elektrisch betriebenen davon für acht Tage mit Strom versorgen.
Nachdem im Juni 2016 erstmals der Lander Peregrine vorgestellt und eine erste Mission angekündigt worden war, schloss Astrobotic im Juli 2017 einen Vertrag mit dem Startdienstleister United Launch Alliance. Dieser sah vor, dass Peregrine auf einer Atlas 5 der ULA zum Mond fliegen würde. Die Mission sollte 2019 starten. Bis dahin waren schon elf Verträge zum Transport von Nutzlast durch Astrobotic geschlossen worden. Außerdem wurde DHL als Logistikdienstleister für die Mission bestimmt. Schließlich erhielt Astrobotic einen Auftrag der NASA im Wert von 80 Millionen Dollar zur Lieferung von Nutzlasten, ursprünglich in die Tiefebene Lacus Mortis. Der Zielort wurde danach zugunsten der Gruithuisen Domes geändert. Im Juni 2019 sollen Astrobotic-Aufträge für den Transport von 28 Nutzlasten aus acht verschiedenen Ländern mit Peregrine vorgelegen haben.
Der Start der Mission wurde mehrfach verschoben. Zunächst für Juli 2021 geplant, wurde der Start erst auf 2022, dann auf Mai 2023 und später auf unbestimmte Zeit verschoben, da ein Problem bei einem Test aufgetreten war. Die Mission startete schließlich am 8. Januar 2024 mit der ersten Vulcan-Rakete der United Launch Alliance (ULA). Kurz nach dem Start entstand ein Treibstoffleck am Peregrine-Lander, weshalb keine weiche Mondlandung mehr möglich war. Am 18. Januar stürzte der Lander zurück auf die Erde.
Griffin Mission One Die Griffin Mission One (GM1) soll 2025 starten und bei dem Krater Nobile am Südpol des Monds landen.
mini|Grafische Darstellung des Rovers VIPER, der die Nutzlast der Mission bilden sollte