mini|Sowjetische Besatzungszone und Sowjetischer Sektor von Berlin

Die Sowjetische Besatzungszone (SBZ; auch Ostzone, Sowjetzone, u. ä.) war eine der vier Besatzungszonen, in die Deutschland 1945 entsprechend der Konferenz von Jalta von den alliierten Siegermächten des Zweiten Weltkrieges aufgeteilt wurde. Sie bestand von Anfang 1945 bis zum 7. Oktober 1949, der Gründung der DDR.

Territorium Übersicht mini|Länder in der SBZ: Zur SBZ gehörten die Länder Sachsen, Thüringen und das aus der preußischen Provinz Sachsen, dem Land Anhalt und Teilen des Landes Braunschweig gebildete Land Sachsen-Anhalt, Mecklenburg sowie die westlich der Oder-Neiße-Linie liegenden Teile der preußischen Provinzen Brandenburg und Pommern („Vorpommern“).

Nicht zur SBZ gehörte der sowjetische Sektor von Berlin im Gebiet von Groß-Berlin, das Sitz des Alliierten Kontrollrats war, und von allen vier Siegermächten gemeinsam regiert wurde. Die deutschen Ostgebiete gehörten nicht zum vom Kontrollrat regierten Deutschland.

Territoriale Veränderungen Vom 1. bis 4. Juli zogen die US-amerikanischen und britischen Truppen aus dem westlichen Mecklenburg, Anhalt und den preußischen Gebieten westlich der Elbe sowie Thüringen und dem westlichen Sachsen ab und übergaben dieses gemäß den Vereinbarungen von Jalta an die sowjetische Militärverwaltung.

Am 9. Juli 1945 wurden die Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen sowie Thüringen mit eigenen Landesregierungen und Provinzverwaltungen in den ehemaligen preußischen Provinzteilen Sachsen mit Anhalt und Brandenburg gegründet. Den Verwaltungen der fünf föderativen Länder beziehungsweise Provinzen wurde mit dem Befehl Nr. 45 vom 22. Oktober 1945 das Recht auf Gesetzgebung eingeräumt, wenn diese im Einvernehmen mit den Kontrolldirektiven standen.

Bis zur Regelung im Schweriner Grenzvertrag vom September 1945 war die Zugehörigkeit der westlich der eigentlichen Oder-Neiße-Linie gelegenen Gebiete um Stettin zu Polen unklar.

Im September kam es durch das Wanfrieder Abkommen zu einem Gebietstausch zwischen sowjetischer und US-amerikanischer Besatzungszone. Dies betraf die Bahnverbindung Bebra – Göttingen. Damit gelangte ein Teil des Eichsfelds in die amerikanische Zone und später nach Hessen. Durch das Barber-Ljaschtschenko-Abkommen gab es im November einen Gebietstausch zwischen Mecklenburg und dem zur britischen Besatzungszone gehörenden Schleswig-Holstein. Es gab außerdem einen Gebietstausch 1945 im Harz.

Politische Entwicklung Sowjetische Militäradministration Mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 7. und 8. Mai 1945 war das nationalsozialistische Deutschland besiegt und der Zweite Weltkrieg in Europa beendet. Die sowjetische Militärverwaltung übernahm in den Gebieten östlich der Elbe die administrative Kontrolle, in Absprache mit den US-amerikanischen und britischen Alliierten. Am 9. Juni wurde die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) als oberste Entscheidungsinstitution in der Sowjetischen Besatzungszone geschaffen, mit Sitz in Berlin-Karlshorst. Befehl Nr. 1 Über die Organisation der militärischen Administration zur Verwaltung der sowjetischen Okkupationszone in Deutschland. 9. Juni 1945. In: archive.org (Volltext) Sie agierte zunächst in Abstimmung mit den anderen alliierten Siegermächten USA und Großbritannien, wie in der gemeinsamen Erklärung vom 5. Juni und im gemeinsamen Alliierten Kontrollrat.

Mit zahlreichen Befehlen wurde eine grundlegende Umgestaltung der Strukturen in der Sowjetischen Besatzungszone geschaffen. Seit etwa Juli 1945 wurden einige Entscheidungskompetenzen an die Verwaltungen der neu geschaffenen Länder und Kommunen abgegeben.

Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) blieb bis zum Oktober 1949 die höchste Entscheidungsinstanz in der SBZ.

Mehrparteiensystem Der sowjetische Machthaber Josef Stalin wünschte in der Sowjetischen Besatzungszone kein an westlichen Demokratien orientiertes Mehrparteiensystem, sondern eines, in dem die „Arbeiterklasse“ die politische Vorherrschaft innehaben sollte.Einführung zum Aufruf der KPD vom 11. Juni 1945 1000 Dokumente, von Arnd Bauerkämper.

Gemeint war damit, dass die KPD die führende Rolle einnehmen sollte. Zahlreiche Funktionäre waren bereits in der sowjetischen Emigration auf die Bildung sozialistischer Strukturen in Deutschland vorbereitet worden. Drei Initiativgruppen waren bereits im April und Mai nach Deutschland zurückgekehrt, die Gruppe Ulbricht bei Berlin, die Gruppe Ackermann-Matern in Dresden und die Gruppe Sobottka in Warsow bei Stettin. Diese sollten in den verschiedenen Regionen deutsche Selbstverwaltungsorgane unter kommunistischer Leitung mit breiter Beteiligung „bürgerlicher-antifaschistischer“ Kreise schaffen.Aufruf der KPD vom 11. Juni 1945/Einführung 1000 Dokumente, von Arnd Bauerkämper, mit einigen Angaben zur Vorgeschichte. Anfang Juni wurden die drei Leiter bereits wieder nach Moskau zu Gesprächen mit Stalin und weiteren führenden Funktionären gebracht, wo sie Instruktionen für die weitere Neugestaltung in der SBZ erhielten.

Am 10. Juni wurde die Gründung von antifaschistischen Parteien und Organisationen in der SBZ erlaubt, wesentlich früher als in den westlichen Besatzungszonen. Bereits am nächsten Tag wurde die KPD wieder gegründet. Sie veröffentlichte noch am selben Tag einen Aufruf, in dem sie alle demokratischen Kräfte zur Beteiligung am Wiederaufbau aufrief. Am 15. Juni wurde dann die Sozialdemokratische Partei Deutschlands wiedergegründet, am 26. Juni die Christlich-Demokratische Union (CDU) neu gegründet und am 5. Juli die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands (LDP).

Damit gab es wieder zwei sogenannte bürgerliche Parteien, die besonders auf Angestellte und mittelständische Unternehmer ausgerichtet waren, und keine sozialistische Vergangenheit hatten. Am 14. Juli wurde dann ein sogenannter Demokratischer Block gebildet, der diese vier Parteien in das sozialistische Machtgefüge einbeziehen sollte. (Parteiwesen in der SBZ) Der Weg in die Diktatur (1945 bis 1949) Bundeszentrale für politische Bildung, von Andreas Malycha, mit vielen Informationen zur Entwicklung des Parteiensystems der SBZ

In den folgenden Monaten und Jahren wurde auf die drei nichtkommunistischen Parteien ein erheblicher Druck ausgeübt, worauf viele führende Vertreter zurücktreten mussten oder verhaftet wurden. Die SPD wurde im April 1946 zur Gründung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) mit der KPD gezwungen, und die Mitglieder der SPD verloren in den folgenden Jahren zunehmend an Bedeutung. 1948 wurden mit der NDPD und der Demokratischen Bauernpartei (DBD) zwei weitere Parteien gegründet, die der SED nahestanden und deren Einfluss gegenüber den verbliebenen zwei bürgerlichen Parteien stärkten. So wurde umgesetzt, was 1945 geplant war: Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.Wolfgang Leonhardt: Die Revolution entlässt ihre Kinder, 1957, mit dieser Aussage, die Ulbricht zugeschrieben wurde, aber sonst nicht nachgewiesen ist

Parlamentarische Entwicklung Länderebene Am 20. Oktober 1946 fanden die ersten Wahlen zu den Landtagen und Kreistagen in den fünf Ländern statt. Dabei erreichte die SED nur etwa 47,5 Prozent (Provinz Mark Brandenburg 44 %, Land Sachsen 49 %, Provinz Sachsen-Anhalt 46 %, Land Mecklenburg 50 %, Land Thüringen 50 %). Dadurch waren die beiden anderen Parteien CDU und LDP auch an den Länderregierungen und -verwaltungen beteiligt, in Sachsen-Anhalt stellten sie alleine die Regierung.

Die nächsten vorgesehenen Wahlen in den Ländern für den Herbst 1949 wurden von der SED auf 1950 verschoben, da sie damit rechnen musste, erneut weniger Stimmen zu erhalten, als erwünscht.

Deutscher Volkskongress und Deutscher Volksrat Am 6. und 7. Dezember 1947 tagte erstmals ein Deutscher Volkskongreß für Einheit und gerechten Frieden in Ost-Berlin. Dieser bestand aus Delegierten aus den fünf Ländern, die unter Einfluss der SED aus Betrieben und Organisationen ausgewählt worden waren. Am 17. und 18. März 1948 tagte der zweite Deutsche Volkskongreß, erneut mit ausgewählten Delegierten. Diese wählten einen Deutschen Volksrat als ständiges Organ. Dessen Vorsitzende wurden die drei Parteivorsitzenden Wilhelm Pieck (SED), Otto Nuschke (CDU) und Wilhelm Külz (LDP).Wolfgang Benz: Zwei Staatsgründungen auf deutschem Boden. Informationen zur politischen Bildung, Heft 259, 23. April 2005.

Am 15, und 16. Mai 1949 fanden erstmals Wahlen zum Deutschen Volkskongreß in der Sowjetischen Besatzungszone (ohne Berlin) statt. Dabei konnte nur über eine Einheitsliste abgestimmt werden. Diese erhielt nach zweimaligem Auszählen angeblich etwa 66 Prozent, die wahrscheinlich geschönt worden waren. Der so bestimmte dritte Deutsche Volkskongreß trat mit etwa 2.000 Delegierten vom 29. Mai bis 3. Juni 1949 zusammen. Er wählte den zweiten Deutschen Volksrat. Dieser wurde am 7. Oktober 1949 zur Provisorischen Volkskammer als erstes Parlament der Deutschen Demokratischen Republik umgewandelt.

Verfassung der DDR

Im März 1948 war ein Ausschuss zur Erarbeitung einer Verfassung für das gesamte Deutschland durch den Deutschen Volksrat gebildet worden. Dessen Vorsitz hatte Otto Grotewohl, einer der beiden Vorsitzenden der SED. Am 30. Oktober 1948 wurde diese fertiggestellt. Am 19. März 1949 wurde sie vom Deutschen Volksrat angenommen. Am 30. Mai wurde sie wenige Tage nach Verkündung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland vom 23. Mai bestätigt.

Am 7. Oktober 1949 wurde die Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik durch die Provisorische Volkskammer in Kraft gesetzt und damit die Gründung der DDR eingeleitet.

Weitere Ereignisse

1945

miniatur|hochkant=1|Trümmerfrauen in Leipzig Am 13. Juni konstituierte sich der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB).

Am 1. Juli wurde die Deutsche Volkspolizei gegründet; sie wurde nach Genehmigung durch die SMAD am 1. Oktober bewaffnet.

Ein weiterer Befehl der SMAD vom 23. Juli 1945Befehl vom 23. Juli 1945 BArch DX 1/1 leitete eine Reorganisation des Finanz-, Bank-, Sparkassen- und Versicherungswesens ein. Ein gleichzeitig nicht öffentlich ergangener Befehl bestätigte die bereits am 8. Mai vorgenommene Beschlagnahmung von Geldern und Mitteln aus Geld- und Kreditinstituten.

Im August 1945 wurde auf Befehl Nr. 17 der SMAD vom 27. Juli 1945 in Berlin die Deutsche Verwaltung für Volksbildung gebildet. Die dringendste Aufgabe der DZfV war der Aufbau eines antifaschistischen, weltlichen und sozialistischen Schul- und Bildungswesens. Wegen der umfassenden Entlassung NS-belasteter Lehrkräfte war die Auswahl und Einarbeitung geeigneter Neulehrer von besonderer Bedeutung. Die DZfV war ein wichtiges Instrument zur Organisation und Einführung der sozialistischen Einheitsschule in der SBZ. Das Kultur-, Volksbildungs- und Hochschulwesen wurden nach sowjetischen Vorgaben umgestaltet. Die SMAD führte ein striktes System der Vorzensur in der SBZ ein. In Gerichten wurden sogenannte Volksrichter eingesetzt.

Vom 3. bis 11. September erließen die Provinz- und Landesverwaltungen in der SBZ Verordnungen zur Durchführung der Bodenreform in Deutschland. Dabei wurden Landbesitzer entschädigungslos enteignet, die über 100 Hektar Fläche besaßen. Auf Grundlage des Befehls 124 des SMAD und der Entscheidungen der Sequesterkommission wurden alle großen Industriebetriebe enteignet und in sogenanntes Volkseigentum überführt. Mai bis Juli: Der ersten Demontagewelle fielen etwa 460 Berliner Betriebe zum Opfer. Dies entsprach zirka 75 Prozent der damals noch vorhandenen Kapazitäten.

Im Sinn der Reparationspolitik kam es zur Aneignung von Kriegsbeute und Trophäenaktionen, der Demontage insbesondere von Eisenbahnstrecken, der Enteignung von Industriebetrieben und sonstigen Vermögenswerten, der Errichtung sowjetischer Handelsgesellschaften, der Entnahme von Erzeugnissen aus laufender Produktion. Die Kapazitätsverminderung in einzelnen Industriezweigen betrug 15 bis 100 %.