Der Spanische Bürgerkrieg (auch als Spanienkrieg bezeichnet) wurde in Spanien von Juli 1936 bis April 1939 zwischen der demokratisch gewählten Regierung der Zweiten Spanischen Republik („Republikanern“) und den rechtsgerichteten Putschisten unter General Francisco Franco („Nationalisten“) ausgetragen. Mit Unterstützung und nach militärischer Intervention der faschistischen bzw. nationalsozialistischen Verbündeten aus Italien und Deutschland siegte das Bündnis aus konservativen Militärs, katholischer CEDA, den Karlisten und der faschistischen Falange. Ihrem Sieg folgte die bis nach dem Tod Francos 1975 andauernde franquistische Diktatur.

Hintergrund Ursachen Ursachen für den Ausbruch des Krieges sind in den extremen sozialpolitischen und kulturellen Verwerfungen in der spanischen Gesellschaft sowie in regionalen Autonomiebestrebungen zu finden, etwa im Baskenland und in Katalonien. Spanien erlitt seit Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche gewalttätige Konflikte, die ungelöst blieben. Sie häuften und verschärften sich, als nach der Niederlage im Spanisch-Amerikanischen Krieg 1898 das Ansehen der alten Institutionen weitgehend verloren gegangen war. Den wenigen Anhängern der Zweiten Spanischen Republik war es weder gelungen, die gravierenden sozialen Missstände zu beheben, noch den Verfechtern einer autoritären Staatsordnung etwas entgegenzusetzen.

Spanien war vor dem Bürgerkrieg von mehreren Strukturproblemen betroffen:Walther L. Bernecker: Europa zwischen den Weltkriegen. 1914–1945. Stuttgart 2002. S. 190. der völlig unterprivilegierten Stellung der Land- und Industriearbeiterschaft, die zum Teil radikale gesellschaftliche Umbrüche anstrebte dem Widerspruch zwischen teils feudalen Strukturen in ländlichen Gegenden und der weit fortgeschrittenen Industrialisierung in urbanen Zentren wie Barcelona oder Madrid der Auseinandersetzung um das kulturelle Monopol zwischen der römisch-katholischen Kirche und den laizistischen liberal-republikanischen KräftenRichard Ryan: A ‘gigantic struggle between believers and those without God’? Catholics in the Republic during the Spanish Civil War, 1936-9 (pdf, 2 MB). dem auf heftigen Widerstand treffenden Bestreben der Basken und Katalanen, sich von der Zentralregierung zu emanzipieren der mangelnden Kontrolle des Militärs durch die Regierung, seiner Entfremdung von weiten Teilen der Gesellschaft und seiner Rolle als „Staat im Staate“.

In der neueren spanischen Geschichte hatten friedliche Lösungen kaum eine Tradition. So standen sich klerikal-monarchistische, republikanische, bürgerlich-liberale, sozialistische, kommunistische, anarchistische und faschistische Gruppierungen lange unversöhnlich gegenüber. Wegen der wirtschaftlichen Krise in Spanien und der sich verändernden Lage in Europa durch das Aufkommen des Faschismus verschärfte sich die Situation zusehends.

Vorgeschichte Nach anfänglicher Begeisterung verlor die 1931 gegründete Zweite Republik rasch an Unterstützung. Die traditionellen Eliten aus den Zeiten von Diktatur und Monarchie fürchteten eine Gefährdung ihrer Privilegien und ihres kulturellen Selbstverständnisses. Die laizistische Orientierung der ersten Regierung und die von einem radikalen Antiklerikalismus inspirierten Übergriffe gegen kirchliche Einrichtungen bestärkten sie in dieser Haltung. Sie wandten sich gegen sämtliche Reformen, die eine Verbesserung der allgemeinen Lebensumstände in Aussicht stellten.

Rasch kühlte sich auch die anfängliche Euphorie der Arbeiterschaft gegenüber der Republik ab. Nachdem sich die sozialen Reformen als nicht durchsetzungsfähig erwiesen hatten und die neue Rechtsregierung 1934 auf einen harten Kurs geschwenkt war, sahen die organisierten Arbeiter in der neuen parlamentarischen Staatsform nichts weiter als eine Fortsetzung der alten Politik der Unterdrückung.

Die anarchosyndikalistische CNT hatte fast von Anfang an die Republik bekämpft und am 8. Januar 1933 bzw. am 8. Dezember 1933 zwei – allerdings sofort zusammengebrochene – Aufstandsversuche unternommen; die zuvor reformistische sozialistische Gewerkschaft UGT schwenkte aus Enttäuschung über das Regierungsbündnis mit den Republikanern ab 1933 auf einen revolutionären Kurs um und propagierte die Diktatur des Proletariats. Es wird in Teilen der Forschung allerdings bezweifelt, ob es sich dabei um mehr als um „leere revolutionäre Losungen“Paul Preston: The Spanish Holocaust. Inquisition and Extermination in Twentieth-Century Spain. London 2012, S. 52. handelte, mit denen die führenden Sozialisten auf den Druck von unten reagierten. Maßgebliche Teile der sozialistischen Partei PSOE setzten eindeutig weiterhin auf eine Kooperation mit den Liberalen.

Die Republikaner, die sich anschickten Spanien umzugestalten, setzten viele wichtige Reformen nur halbherzig um. Weite Teile des Bürgertums fürchteten trotzdem eine Dominanz der Arbeiterschaft und waren daher bereit, eine Diktatur zu unterstützen. Hinzu kamen die Bestrebungen des katalanischen und baskischen Bürgertums, den kastilisch dominierten Zentralstaat zu verlassen.

Am 10. August 1932 fand ein erster Militärputsch unter General José Sanjurjo mit Zentrum in Sevilla statt, der schlecht ausgeführt und durch einen Generalstreik vereitelt wurde. Die Begnadigung des zunächst zum Tode verurteilten Sanjurjo und die geringen Haftstrafen für einige weitere verwickelte Offiziere verstand die Rechte als Ansporn, den nächsten Versuch besser und vor allem langfristig vorzubereiten. Bereits Ende September 1932 bildeten rechtsradikale Monarchisten der Acción Española zusammen mit einigen Generalstabsoffizieren ein Komitee, das vom französischen Biarritz aus operierte und einen neuen Putsch durch die konspirative Vernetzung antirepublikanischer Offiziere (die sich seit Ende 1933 in der konspirativen Unión Militar Española organisierten) vorbereiten sollte. Darüber hinaus förderte das Komitee die systematische publizistische Delegitimierung der als Produkt einer „jüdisch-freimaurerisch-bolschewistischen“ Verschwörung dargestellten Republik. Außerdem schleuste es bezahlte Provokateure in anarchistische Organisationen ein, um den als Vorwand wichtigen „Zusammenbruch von Recht und Ordnung“ im unmittelbaren Vorfeld des geplanten Putsches selbst zu organisieren.Preston: Spanish Holocaust, S. 25 f.

Auch unabhängig von diesen Bestrebungen kam es zwischen 1931 und 1936 zu einer Radikalisierung des rechten Diskurses, worauf der britische Historiker Paul Preston 2012 hinwies. In einer Vielzahl von Zeitungen, Zeitschriften und Büchern – darunter das viel gelesene Orígenes de la revolución española (1932) des katalanischen Priesters Juan Tusquets Terrats – wurde argumentiert, dass Linke „weder wirklich spanisch noch überhaupt menschlich“Preston: Spanish Holocaust, S. 10. seien und die „Auslöschung der Linken als patriotische Pflicht“Preston: Spanish Holocaust, S. 34. zu gelten habe. Insbesondere karlistische und faschistische Autoren identifizierten die gesamte spanische Arbeiterbewegung mit den mittelalterlichen muslimischen Eroberern und forderten eine „zweite Reconquista“, was den Angriffen auf die Linke eine zusätzliche „rassistische Dimension“Preston: Spanish Holocaust, S. 47. verlieh. Auch José María Gil-Robles, der Führer der „moderaten“ katholisch-konservativen CEDA, bediente sich dieser Rhetorik, die die gesamte Linke als „un-“ oder „antispanisch“ zu diskreditieren suchte.Preston: Spanish Holocaust, S. 48 f. Diese potentiell eliminatorische Aggressivität verschmolz besonders in den ländlichen Gebieten des Südens mit dem Hass der Großgrundbesitzer auf die Landarbeiter, deren traditionelle fatalistische Unterwürfigkeit gegenüber der Aristokratie in den ersten Jahren der Republik weitgehend verschwunden und offen vorgetragenen Forderungen nach Land und besserer Bezahlung gewichen war.Preston: Spanish Holocaust, S. 10 f. Die vom gesamten alten Establishment geteilte militante Ablehnung der antiklerikalen und sozialreformerischen Gesetzgebung der Republik bündelte sich allerdings im spanischen Offizierskorps (und hier vor allem bei den africanistas, den Offizieren der Kolonialarmee) – nicht zuletzt, weil die Linksparteien planten, den Umfang des traditionell notorisch überdimensionierten Offizierskorps der tatsächlichen Größe der Armee anzupassen. Auch die „instinktive Feindschaft [der Offiziere] gegen die Republik“Preston: Spanish Holocaust, S. 40. wurde im Vorfeld des Bürgerkrieges ideologisch mit der Idee einer „jüdisch-freimaurerisch-bolschewistischen Verschwörung“ maskiert. Franco war ein begeisterter Leser der Schriften von Juan Tusquets Terrats und Abonnent der Zeitschrift der Acción Española,Preston: Spanish Holocaust, S. 36, 38. und General Emilio Mola, der eigentliche militärische Planer des Putsches vom Sommer 1936, beteiligte sich seit 1931 mit eigenen Veröffentlichungen an dieser Debatte.Preston: Spanish Holocaust, S. 40 f. Mola sorgte dafür, dass die eliminatorische Dimension dieses Diskurses auch die konkreten Vorbereitungen der Verschwörer bestimmte: „Die von den militärischen Rebellen in Szene gesetzte Repression war eine sorgfältig geplante Operation mit dem Ziel, diejenigen – in den Worten des Putschplaners General Emilio Mola – ‚ohne Skrupel oder Zögern [zu eliminieren], die nicht so denken wie wir‘.“Preston: Spanish Holocaust, S. XIII.

Im Herbst 1933 zerbrach die erste Koalition unter Ministerpräsident Manuel Azaña, der eine von den rechten Parteien tolerierte und gewählte Zentrumsregierung unter Alejandro Lerroux nachfolgte. Sie amnestierte die Putschisten von 1932 und die wegen Straftaten während der Diktatur Miguel Primo de Riveras Verurteilten, machte die „mageren“Paul Preston: Franco. A Biography. London 1993, S. 99. sozialen und laizistischen Reformen rückgängig und verschärfte die Situation der Lohnabhängigen. Die linken und die liberalen Republikaner verstanden dies als Kriegserklärung. Als die CEDA Anfang Oktober 1934 mit drei Ministern in die Regierung eintrat, proklamierte die UGT einen Generalstreik, der aber von der Regierung mit Massenverhaftungen ebenso rasch niedergeschlagen wurde wie der Versuch, in Barcelona ein unabhängiges Katalonien auszurufen. In Asturien nahm der Streik – auf Initiative der Arbeiter und gegen den Widerstand der GewerkschaftsfunktionärePreston: Spanish Holocaust, S. 81.  – allerdings Züge eines offenen Aufstandes an. Der asturische Bergarbeiterstreik von 1934 (auch „Oktoberaufstand“ genannt) gab mit hunderten Toten einen ersten Vorgeschmack des Bürgerkrieges – die Regierung rief das Kriegsrecht aus. Unter dem Oberkommando des späteren Diktators Francisco Franco wurde die Erhebung brutal niedergeschlagen. Es gab mindestens 1300 Tote, davon 78 Prozent Zivilisten. Es folgte eine breite Verhaftungswelle, die auch liberale und sozialistische Spitzenpolitiker erfasste, und eine Zensur, von der die linken Zeitungen betroffen waren. Die von José María Gil-Robles geführte CEDA, eine katholizistische Sammlungsbewegung, die in Teilen mit dem europäischen Faschismus sympathisierte, drängte an die Macht, scheiterte aber am Staatspräsidenten Zamora. Der unter Lerroux zeitweilig als Kriegsminister amtierende Gil-Robles legte gleichwohl den Grundstein für den Aufstieg der Gruppe radikalisierter Militärs um General Franco, die die Verschwörung zur Rebellion vorbereiteten, indem er sie in hohe Posten beförderte. Die 1933 vom Sohn des Ex-Diktators Primo de Rivera, José Antonio Primo de Rivera, gegründete Falange Española entwickelte sich in dieser Zeit von einer politischen Splittergruppe zu einem gleichfalls ernstzunehmenden militanten Faktor.