Die Spree (, niedersorbisch auch schlicht ,Fluss‘;Spree. dolnoserbski.de; abgerufen am 29. Juli 2019 ) ist ein knapp 400 Kilometer langer linker Nebenfluss der Havel im Osten Deutschlands. Sie entspringt im Lausitzer Bergland nahe der Grenze zu Tschechien.
Teilstrecken von ihr sind einerseits als Bundeswasserstraße, andererseits als Landeswasserstraße klassifiziert.
Allgemeines Von den 400 Kilometern (angegeben werden auch 382, 398 und 403 Kilometer) Gesamtlänge sind etwa 182 Kilometer schiffbar. Die Spree ist der längste deutsche Fluss dritter Ordnung. Ihr Einzugsgebiet ist etwa 10.000 Quadratkilometer groß.
Die Spree wird mit der Gewässerkennzahl 582 als ein Nebenfluss der Havel (GKZ 58) geführt. Sie ist jedoch länger als diese, und an ihrer Mündung führt sie mehr als doppelt so viel Wasser (36 Kubikmeter pro Sekunde, Pegel Sophienwerder) wie die Havel (15 Kubikmeter pro Sekunde, Pegel Spandau-Schleuse).
Name In der ältesten bekannten schriftlichen Erwähnung, einer Urkunde Ottos I. aus dem Jahr 965, heißt der Fluss Sprewa.Monumenta Germaniae Historica. Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser. Band 1: Die Urkunden Konrad I., Heinrich I. und Otto I. Herausgegeben von Theodor Sickel. Hannover 1879–1884. Zitiert nach dem Brandenburgischen Namenbuch. Laut dem Brandenburgischen Namenbuch stammt der Name aus der germanischen Grundform spreu̯-,stieben, säen, sprengen, spreizen, sprühen. Der germanische Name Sprēw- sei dann als Sprěva oder Sprěv’a in das Slawische übernommen worden, worauf wiederum die deutsche Form Spree zurückgehe. Am häufigsten wird der Name als „die Sprühende“ gedeutet.Brandenburgisches Namenbuch. Teil 10. Die Gewässernamen Brandenburgs. Begründet von Gerhard Schlimpert, bearbeitet von Reinhard E. Fischer. Herausgegeben von K. Gutschmidt, H. Schmidt, T. Witkowski. Berliner Beiträge zur Namenforschung im Auftrag des Geisteswissenschaftlichen Zentrums Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas e. V. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1996, ISBN 3-7400-1001-0, S. 268.
Angesichts der überwiegend trägen Strömung und der Folge von Binnendeltas sei daran erinnert, dass zu dem oben genannten germanischen Sprachstamm auch die Verben nhd. spreizen, engl. to spread gehören. Verschiedene Autoren deuten den Namen daher als Hinweis auf das Vorkommen verstreuter Quellen. So setzt sich die Hauptquelle auf dem Berg Kottmar (siehe unten) aus fünf Teilquellen zusammen: Räumigtbrunnen, Rabenbrunnen, Jacobs-Brunnen, Benjamins Hut-Brunnen und Hennings-Brunnen.
Im Niedersorbischen wird die Spree umgangssprachlich häufig auch schlicht als Rěka (,Fluss‘) bezeichnet, da sie das mit Abstand größte Fließgewässer im sorbischen Teil der Niederlausitz darstellt.
Flusslauf mini|hochkant=1.5|Verlauf der Spree mit Zuflüssen und Verzweigungen, dazu Verbindungen mit der Oder
Die Spree fließt durch die Bundesländer Sachsen, Brandenburg und Berlin.
Ihr linker Quellarm (Hauptspree) bildet über etwa zwei Kilometer die deutsch-tschechische Grenze. Im Zentrum (Nähe Bahnhof) von Ebersbach vereinigt dieser sich mit dem rechten Quellarm (Obere Spree). Zwischen Neusalza-Spremberg und Taubenheim fließt die vereinigte Spree für etwa 700 Meter auf tschechischem Territorium durch den Fugauer Zipfel.
Danach fließt die Spree nach Norden durch Bautzen und Cottbus, wonach ihr weiterer Lauf durch eine Folge natürlicher Binnendeltas, wie dem Spreewald, und künstlicher Verzweigungen geprägt ist.
Quellen und Quellarme Die Spree hat drei Quellgebiete bzw. Hauptquellen: zwei in Ebersbach-Neugersdorf (in den beiden Ortsteilen je eine) und eine etwa 3,5 km nordöstlich davon am Berg Kottmar.
Von den beiden erstgenannten liegt die in Neugersdorf weiter entfernt. Die andere Quelle in Ebersbach liegt etwa 1 km nordwestlich davon. Die Wässer beider Quellen fließen nur etwa 50 m nördlich der Ebersbacher Quelle zur sogenannten Hauptspree, die kurz danach für etwa 2 km die deutsch-tschechische Grenze bildet, zusammen. Bald danach, nahe beim Bahnhof Ebersbach, vereinigt sie sich mit der sogenannten Oberspree, dem vom Kottmar herkommenden Quellarm, zur Spree. Die Hauptspree ist in Luftlinie in Richtung NNW etwa 4 km und die Oberspree in Luftlinie Ost-West etwa 6 km lang.
Über die Entstehung der drei Spreequellen hat sich im Oberlausitzer Sagenschatz folgende Legende erhalten, die hier in neuerer Bearbeitung und gekürzt wiedergegeben sei:
Der Riese Sprejnik, dem in grauer Vorzeit das Land zwischen Bautzen und Oberlausitzer Bergland untertan war, schnitzte einst einen großen und starken Bogen, damit er sein Reich und seine Bewohner besser schützen konnte. Um zu erproben, wie weit seine Pfeile flögen, schoss er einige nach Südosten. Als seine Untertanen danach suchten, fanden sie die Pfeile weit oben im Bergland in einem Tal. Mit den Händen ließen sie sich nicht aus dem Boden ziehen, sondern mussten ausgegraben werden. Aus den Löchern begann frisches Wasser zu quellen. Die drei Spreequellen am Kottmar, in Neugersdorf und Ebersbach waren geboren. Dadurch entstand ein Fluss, der noch heute durch die Lausitz fließt. Unsere Altvordern nannten ihn zu Ehren des gütigen Riesen Sprejnik Spree. Die späteren Städte Neusalza-Spremberg und Spremberg in der Lausitz empfingen von der Spree ihren Namen.L. Mohr, 2012, S. 69.
Über die Entstehung der Neugersdorfer Spreequelle erzählt folgende Sage: Vor Zeiten lebte am Westhang des Berges Kottmar ein Zwerg, Gerbot – der Gebieter des Wurfspießes (Ger) – geheißen. Eines schönen Morgens, als er aus seinem Schlaf in der Nähe der Spreequelle erwachte, erblickte er über sich unzählige kleine Elfen. Die anmutigen Wesen flatterten fröhlich, kicherten und sangen ein Lied zu einer lieblichen Melodie. Verzückt sprang der Zwerg aus seinem Versteck und krächzte, ungelenk tanzend, die Verse. Verschreckt stoben die Elfen davon. Gerbot aber suchte und rief verzweifelt nach ihnen – vergebens. Da vermeinte er im Plätschern der Quelle ein Spottlied auf ihn zu hören. Das reizte den Zwerg. Wütend schleuderte er seinen Speer mit aller Wucht. Sein Bergherr aber, der gewaltige Kottmarriese Godemar hatte ihm das streng verboten. Zur Strafe verwandelte er Gerbot zu Stein. Noch heute kann man an der höchst gelegendsten der drei Spreequellen seine versteinerte Gestalt sehen. An der Stelle, wo sich der Ger in die Erde bohrte sprudelte eine weitere Spreequelle hervor. Dort gründete man die Siedlung Gersdorf, die heute Neugersdorf heißt.
In Ebersbach mini|hochkant|links|Spreequelle Ebersbach
Von den drei Spreequellen ist eine der historische Spreeborn (). Sie ist die älteste geschichtlich einwandfrei belegte Spreequelle. Die anderen zwei Quellen wurden erst viel später als Spreequellen bezeichnet. Der Spreeborn liegt in Ebersbach an der Grenze zu Neugersdorf.
Im Jahre 1887 bestätigte Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke auf der Grundlage alter Militärlandkarten dies amtlich. 1736 wurde der alte wasserreiche Brunnen durch ein Häuschen mit Zwiebeldach, auf Holzsäulen ruhend, überbaut. König Friedrich II. spendete 50 Taler für den Bau. Im Jahr 1848 ließ die Stadt-Commune Zittau dieses Häuschen wegen Baufälligkeit abreißen. Eine einfache Holzhütte ersetzte den älteren Bau. Nachdem auch diese Hütte baufällig geworden war und die Gemeinde kein Geld für einen Neubau hatte, konstituierte sich der Spreequellenverein. Nach Spendensammlungen konnte 1896 ein gusseiserner, achtseitiger Pavillon über der Quelle errichtet werden, der die Wappen der an der Spree gelegenen Städte und früheren Länder (Deutschland, Österreich, Sachsen und Preußen) zeigt.
In Neugersdorf mini|links|Spreequelle Neugersdorf
Eine zweite Quelle liegt am Eingang des Neugersdorfer Freibades (). Ursprünglich befand sich die Quelle südlich davon auf der Spreequellstraße. 1888 wurde sie schmiedeeisern gefasst und beim Bau des Neugersdorfer Spreequellbades 1926 etwas seitlich verlegt. Die früheren Quellwiesen am Stadtrand wurden vorher trockengelegt und zum Teil mit Häusern bebaut. Im Jahr 1996 musste die Quellfassung restauriert werden. Der sogenannte Spreegraben verläuft von der Neugersdorfer Quelle bis etwa 30 Meter neben die Ebersbacher Quelle (Spreeborn). Die beiden Quellwässer fließen als sogenannte Hauptspree weiter. Die Neugersdorfer Quelle gilt als die ergiebigste der drei Quellen.
Am Kottmar mini|hochkant|Tafel vor der Quelle auf dem Kottmar mit dem Verlauf der Spree
Die höchstgelegene Spreequelle befindet sich am Westhang des Kottmars in 478 m ü. NN (). In einer Hangnische am Kottmar, aus der die Eibauer Spreequelle, auch Buchenborn genannt, austritt, wurde im Jahr 1921 um die Quelle eine halbkreisförmige Phonolithsteinmauer errichtet. Auf ihr sind die Heimatorte von Gefallenen des Ersten Weltkriegs aufgeführt, die Mitglieder des Gebirgsvereins Lusatia waren. Die Anlage inmitten von Rotbuchen und Fichten wurde 1957 erneuert. Der am Kottmar entspringende Quellbach wird als Oberspree, Ebersbacher Dorf- oder Oberbach bezeichnet.
Oberlauf (Sachsen und Tschechien) In Neusalza-Spremberg durchfließt der junge Gebirgsbach den Spreepark, ein landschaftlich reizvolles Gebiet. Zwischen Neusalza und Taubenheim durchquert er einen etwa 700 Meter breiten, nach Nord gerichteten Zipfel Tschechiens, den Fugauer Zipfel. Danach fließt die Spree nach Norden aus dem Bergland heraus, wenige Kilometer über eine Hochfläche und zwischen Großpostwitz und Bautzen in einem tief eingeschnittenen Tal, das sie schließlich am nördlichen Rand Bautzens und nach der Talsperre Bautzen als Tieflandfluss verlässt.
Lausitzer Tiefland (Sachsen und Brandenburg) Neun Kilometer weiter beginnt das erste Binnendelta: Die Kleine Spree zweigt links ab, gewinnt bis zu zehn Kilometer Abstand vom Hauptfluss (Große Spree genannt) und kehrt in diesen bei Spreewitz nach etwa 30 Kilometer eigenem Lauf wieder zurück.
Ab der Verzweigung ist die durchflossene Gegend waldreich und bleibt es, mit Ausnahme des Oberspreewaldes und des Beeskower Umlandes, bis nach Berlin-Köpenick. Nördlich von Uhyst sind etwa 4 km des Spreelaufs wegen des ehemaligen Braunkohletagebaus Bärwalde (seit den 1990er Jahren Bärwalder See) etwa 1 km nach Westen verlegt worden. Kurz danach erfolgte das in ähnlichen Abmessungen auch wegen des Nochtener Tagebaus. Zwischen den beiden Velegungen mündet bei Sprey von Osten der Schwarze Schöps, dessen Nebenfluss Weißer Schöps am Stadtrand von Görlitz nur vier Kilometer von der Neiße entfernt ist. Von hier aus wird Neißewasser in die Spree befördert (Neißewasserüberleitung). Nach 111 Kilometern hat die Spree die Landesgrenze zu Brandenburg am Südrand der brandenburgischen Stadt Spremberg/N.L., die ebenso wie das Dorf Spremberg/O.L. ihren Namen vom Fluss hat, erreicht. Auf halbem Weg bis zur nächsten Stadt (Cottbus) durchquert die Spree die Talsperre Spremberg.
In diesem Abschnitt ist die Spree infolge des Braunkohlebergbaus und des Grundwasserwiederanstiegs in den ehemaligen Tagebauen von Verockerung durch Eisenhydroxid bräunlich verfärbt. Zudem liegt die Sulfatbelastung des Flusses im gesamten Unterlauf unterhalb der Tagebauregion bis in den Berliner Müggelsee seit etwa 2013 regelmäßig deutlich über den Trinkwassergrenzwerten. Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, Mai 2016; abgerufen am 18. Mai 2016. Die Talsperre Spremberg hält den Großteil des Eisenockers zurück, jedoch nicht das im Wasser gelöste Sulfat.
Cottbuser Spree In Cottbus erreicht die Spree das Glogau-Baruther Urstromtal.