mini|„Großer Burschenschafterzirkel“. Die ineinander verschlungenen Buchstaben E, F und V stehen für den Wahlspruch der Urburschenschaft Ehre, Freiheit, Vaterland.

Burschenschaften sind eine Form einer Studentenverbindung. Sie finden sich heute an Hochschulorten in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Chile. Fast alle Burschenschaften bekennen sich zu den Prinzipien "Ehre, Freiheit, Vaterland" der Urburschenschaft von 1815, wobei der inhaltliche Bezug stark variiert. Die Bezeichnung „Burschenschaft“ wird heute von teilweise sehr unterschiedlichen Studentenverbindungen verwendet. Burschenschaften gelten heute als national-konservativ und fast alle Burschenschaften nehmen ausschließlich Männer auf. Laut Alexandra Kurth und Bernhard Weidinger in einem Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung weisen „Teile des Burschenschaftsspektrums […] inhaltliche und personelle Überschneidungen mit der extremen Rechten auf.“Der Untertitel des genannten Artikels der Bundeszentrale für politische Bildung vom fasst zusammen: „Wenngleich heute eine Randerscheinung an deutschen und österreichischen Universitäten, stehen Burschenschaften immer wieder im Fokus der Medien. Verantwortlich dafür ist ihre betont politische Ausrichtung auf deutschnationaler Grundlage, die sie von anderen Verbindungstypen abhebt. Teile des Burschenschaftsspektrums weisen inhaltliche und personelle Überschneidungen mit der extremen Rechten auf.“

Innerhalb des Korporationsverbandes der Deutschen Burschenschaft (DB) kam es wiederholt zu internen Richtungskämpfen, unter anderem wegen der Nähe mancher Mitgliedsburschenschaften zum Rechtsextremismus. Diese kulminierten in Austrittsbewegungen vieler Burschenschaften aus der DB. So entstanden 1996 die Neue Deutsche Burschenschaft (NeueDB oder NDB) und 2016 die Allgemeine Deutsche Burschenschaft (ADB). Daneben blieben viele Burschenschaften verbandsfrei (siehe auch: Liste der Burschenschaften).

Wenige Burschenschaften sind Teil der Verbände BDIC, SB und RKDB (siehe Andere Verbände). In Österreich bilden Burschenschafter einen einflussreichen Block innerhalb der FPÖ und sind stark im Parlament vertreten.

Überblick mini|hochkant=1.3|Homo studens (1845): Der Bursch wird hier dem Obskuranten gegenübergestellt.

Etymologie und Sprachgebrauch Das Wort „Burschenschaft“ bedeutet so viel wie „Gesamtheit der Burschen“. Das Wort Bursche leitet sich wiederum aus dem neulateinischen Bursarius, dem Bewohner einer Burse, ab und war im 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts eine allgemeine Bezeichnung für Studenten. So gibt es aus dieser Zeit Belege, in denen das Wort „Burschenschaft“ gleichbedeutend mit dem Wort Studentenschaft verwendet wird. Dies war noch auf dem Wartburgfest 1817, zwei Jahre nach der Gründung der Urburschenschaft in Jena, der Fall.Isis oder Encyclopädische Zeitung zum Wartburgfest 1817 (PDF; 1,1 MB) Diese Urburschenschaft betrachtete sich als ein Zusammenschluss aller Studenten unter Aufhebung der damals üblichen landsmannschaftlichen Zusammenschlüsse. Erst später, als klar wurde, dass sich dieser allgemeine Anspruch nicht durchsetzen ließ, wurde „Burschenschaft“ zu einer Bezeichnung für einen bestimmten Typus von Studentenverbindungen, der neben verschiedenen anderen existierte.

Die Mitglieder einer Burschenschaft heißen Burschenschafter oder Burschenschaftler.Die Schreibungen Burschenschafter und Burschenschaftler entsprechen sich im Online-Duden; abgerufen im Januar 2026. Das manchmal als abwertend empfundene Burschenschaftler wird häufig verallgemeinernd auf Korporierte insgesamt bezogen,Alfons Fridolin Müller: Die Pejoration von Personenbezeichnungen durch Suffixe im Neuhochdeutschen. Burch, Altdorf 1953, S. 172. ebenso das von negativ gegenüber der Burschenschaft eingestellten Studenten gelegentlich verwendete „Burschi“ (siehe auch: Burschi-Reader). Von anderen Korporierten, insbesondere Corpsstudenten, wird häufig die saloppe Bezeichnung Buxe verwendet.

Gemeinsamkeiten der Burschenschaften mini|hochkant|Mütze und Farben der Burschenschaft Bubenruthia Erlangen auf einer alten Couleurkarte

Fast allen sich Burschenschaft nennenden Studentenverbindungen gemein ist das Bekenntnis zu den Prinzipien der Urburschenschaft von 1815, wobei die Interpretation dieser Prinzipien keineswegs einheitlich ist. Die urburschenschaftlichen Ideale waren als Reaktion auf den Wiener Kongress die Gesamtheit aller Studierenden, das Christianum und die vaterländische Ideale (Einheitliches Deutschland, Befreiung von obrigkeitsstaatlichem Regime).Edwin A. Biedermann: Logen, Clubs und Bruderschaften. Droste, 2007, S. 253.

Alle heutigen Burschenschaften sind farbentragend, das heißt ihre Mitglieder tragen bei offiziellen Veranstaltungen ein Band in den Farben der Verbindung und eine Studentenmütze, das sogenannte Couleur. Die traditionellen Farben der Burschenschaft sind schwarz-rot-gold, wie sie bereits von der Urburschenschaft geführt wurden. Sie sind auch heute noch die Farben eines großen Teils der Burschenschaften.

Die Mehrheit der heutigen Burschenschaften ist schlagend, richtet also Mensuren mit anderen schlagenden Studentenverbindungen aus. Teilweise ist die Mensur aber freigestellt. Nichtschlagende Burschenschaften sind in der Minderheit. Sie lehnen die Mensur meist aus christlichen Motiven ab.

Einordnung innerhalb der Studentenverbindungen Obwohl sich nur circa 300 der insgesamt 1.500 bis 2.200 studentischen Verbindungen im deutschen Sprachraum „Burschenschaft“ nennen, wird der Begriff in der Öffentlichkeit fälschlicherweise oft als Überbegriff für alle Studentenverbindungen verwendet. Die meisten anderen studentischen Korporationen, wie katholische Studentenverbindungen, Landsmannschaften oder Corps, haben historisch allerdings keine Verbindung zum Ursprung der Burschenschaften und besitzen auch heutzutage eine andere Ausrichtung.

Geschichte mini|hochkant=1.2|Ausschnitt aus dem Stamm-Buch der Urburschenschaft in Jena, hier mit dem Eintrag von Heinrich von Gagern, dem späteren Präsidenten der Frankfurter Nationalversammlung

Die Urburschenschaft

mini|Auszug der Jenenser Studenten in den Freiheitskrieg 1813

Als Versammlungen der (nur männlichen) Studenten an deutschen Hochschulen entstanden die „Allgemeinen Burschenschaften“ nach den Befreiungskriegen, die die studentische Kultur Deutschlands entscheidend prägten. Historiker schätzen, dass jeder zweite oder dritte Student als Kriegsfreiwilliger an den Kriegen teilnahm.Rainer Pöppinghege: Zwischen Radikalität und Anpassung. 200 Jahre studentische Geschichte, in: Jan Carstensen, Gefion Apel (Hrsg.): Schlagfertig! Studentenverbindungen im Kaiserreich. Reader und Ausstellungskatalog im Auftrage des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe zur Ausstellung im Westfälischen Freilichtmuseum Detmold vom 15. August bis 31. Oktober 2006, S. 12f., ISBN 3-926160-39-X Zwar konnten nur etwa fünf Prozent der Gesamtzahl der Kriegsfreiwilligen als Studenten gelten, aber in keiner gesellschaftlichen Gruppe gab es einen so hohen Anteil an Freiwilligen. Viele Studenten hatten unter anderem im Lützowschen Freikorps mitgekämpft, das sich nicht nur aus preußischen Untertanen, sondern aus Freiwilligen aus ganz Deutschland rekrutierte. Aus den Befreiungskriegen an die Universitäten zurückgekehrt, setzten sie sich in der Zeit der Restauration und des Wiener Kongresses für die Abschaffung der deutschen Kleinstaaterei und die Schaffung eines gesamtdeutschen Reiches unter einer konstitutionellen Monarchie ein.

Zur Gründung der Urburschenschaft kam es in Jena am 12. Juni 1815. Die landsmannschaftlichen Vereinigungen lösten ihren Senioren-Convent (SC) auf. Dazu zogen die Mitglieder der vier Landsmannschaften Thuringia, Vandalia, Franconia und Curonia zum Gasthaus Grüne Tanne. Dieser Ort lag außerhalb der Stadtgrenzen Jenas und war damit der Gerichtsbarkeit der Universität entzogen. Als Zeichen der Auflösung senkten dort die Landsmannschaften ihre Fahnen. Aus der Mitte der anwesenden 143 Stifter wurden 30 Amtsträger gewählt. Zum ersten Sprecher wurde Karl Horn berufen, der letzte Senior der Vandalia. Damit war die Burschenschaft ins Leben gerufen.

Die Urburschenschaft bestand aus Gruppen mit nationalen, christlichen und freiheitlichen Ideen. Zu ihren geistigen Wegbereitern gehörten unter anderem Ernst Moritz Arndt, Friedrich Ludwig Jahn und Johann Gottlieb Fichte. Sie forderte mit den Werten Ehre, Freiheit, Vaterland staatsbürgerliche Verantwortung, ethnische Solidarität und individuelle Freiheitsrechte zugleich ein. Möglich war diese Synthese verschiedener Elemente durch den elitären Ansatz, der in erster Linie die Pflicht des Einzelnen, für das Ganze einzutreten, betonte.

mini|Der ritterliche Kahl (um 1819): Jacob Carl Kahl in der Tracht der frühburschenschaftlichen Gemeinschaft der „Gießener Schwarzen“

In der Verfassungsurkunde der Jenaischen Burschenschaft vom 12. Juni 1815 heißt es:Herman Haupt (Hrsg.): Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Burschenschaft und der deutschen Einheitsbewegung, Band 1, C. Winter, 1910. S. 124.

Das Wartburgfest

mini|links|hochkant=1.2|Wartburgfest: Zug der Studenten auf die Wartburg 1817

Der vaterländische Gedanke war eine Idee, für die sich sehr viele Studenten begeistern konnten. Um diese Gesinnung der ganzen Welt mitzuteilen, lud die Jenaer Burschenschaft Vertreter der deutschen Universitäten auf die Wartburg bei Eisenach ein, um dort am 18. Oktober 1817 des 300. Jahrestages des Thesenanschlages Martin Luthers am 31. Oktober 1517 und zugleich des Sieges über Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 zu gedenken. An dem Fest nahmen über 500 Studenten aus ganz Deutschland teil.

Hier wurde vor allem das Ziel der Zusammenführung der Studentenschaft in eine einheitliche Organisation formuliert, um damit die Einheit Deutschlands im universitären Bereich vorwegzunehmen. So zitierte die Zeitschrift Isis oder Encyclopädische Zeitung im Jahre 1817 einige Redner auf dem Wartburgfest:

Nach weiteren emotionalisierenden Festreden forderte Hans Ferdinand Maßmann eine Bücherverbrennung von Schriften, die als reaktionär, antinational oder undeutsch galten. Symbolisch den Flammen übergeben wurden 26 Schriften, darunter Werke der Schriftsteller August von Kotzebue, August Friedrich Wilhelm Crome, Saul Ascher und Karl Leberecht Immermann, sowie der Code Napoléon. Aufgrund des hohen Wertes von Büchern wurden jedoch nur mit deren Titeln beschriftete Makulaturbündel verbrannt. Dies war zu jener Zeit nichts Außergewöhnliches, doch wurden auch Symbole der Fremd- und Fürstenherrschaft, wie ein Schnürleib, ein Soldatenzopf und ein Korporalstock verbrannt, was nach damaliger Auffassung die eigentliche Sensation war.Karl Klüpfel: Die deutschen Einheitsbestrebungen in ihrem geschichtlichen Zusammenhang. Gustav Mayer, Leipzig 1853, S. 401.

mini|hochkant|Der Burschenschafter Hoffmann von Fallersleben in altdeutscher Tracht, Gemälde von 1819

Im Nachgang des Wartburgfestes wurden die geäußerten Gedanken, unter Mithilfe des Jenaer Professors Heinrich Luden, in einem Programm zusammengefasst, welches vom Verfassungshistoriker Ernst Rudolf Huber „als das erste deutsche Parteiprogramm“Ernst Rudolf Huber: Deutsche Verfassungsgeschichte. Seit 1789. Teil 1: Reform und Restauration. 1789 bis 1830, 2. Auflage, Stuttgart u. a. 1990, S. 722. bezeichnet wurde.

Die 35 Grundsätze und 12 Beschlüsse lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:vgl. Klaus Wessel: Das Wartburgfest der Deutschen Burschenschaft am 18. Oktober 1817. Röth, Eisenach 1954 (Veröffentlichungen der Wartburg-Stiftung 2). Die politische Zerrissenheit Deutschlands soll der politischen, religiösen und wirtschaftlichen Einheit weichen. Deutschland soll eine konstitutionelle Monarchie werden. Die Minister sollen der Volksvertretung verantwortlich sein. Alle Deutschen sind vor dem Gesetz gleich und haben Anspruch auf ein öffentliches Gerichtsverfahren vor Geschworenengerichten nach einem deutschen Gesetzbuch.