Bischofswerda ( ), umgangssprachlich Schiebock genannt, ist eine Große Kreisstadt im Landkreis Bautzen am westlichen Rand der sächsischen Oberlausitz. Sie ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Bischofswerda. Der Ortsname ist mittelhochdeutschen Ursprungs und bedeutet „am Wasser gelegene Siedlung des Bischofs“.Ernst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen, Berlin 2001, Band I, S. 75, ISBN 3-05-003728-8

Unter Einheimischen und Umwohnenden ist auch der inoffizielle Name Schiebock für die Stadt gebräuchlich. In der Volksetymologie wird dies auf den Begriff Schiebbock für eine spezielle Art Schubkarre, mit der früher Waren auf den städtischen Markt transportiert wurden, zurückgeführt. Tatsächlich leitet sich der Name aber vom alten sorbischen Ortsnamen Přibok (gesprochen Pschiebock) ab, der „an der Seite (der Alten Straße)“ bedeutet.Heinz Schuster-Šewc: Die Ortsnamen der Lausitz in: Lětopis 55 (2008) Heft 2, Ludowe nakładnistwo Domowina, Budyšin 2008, Seite 100.

Geographie Geographische Lage mini|Blick auf Bischofswerda vom Belmsdorfer Berg aus Die Kleinstadt liegt etwa 30 km östlich von Dresden im Landkreis Bautzen. Die Stadt gehörte nicht zur historischen Markgrafschaft Oberlausitz, bezeichnet sich selbst aber als „Tor zur Oberlausitz“, da hier das erst im Mittelalter gerodete Waldland mit dem seit urgeschichtlicher Zeit besiedelten offenen Sorbengau Milska zusammentraf. Dessen Nahtstelle, ein breiter niedriger Geländesattel zwischen Kloster- und Butterbergmassiv, trennt mehrere Naturräume und ist Wasserscheide zwischen den Einzugsgebieten der Schwarzen Elster im Osten und der Wesenitz im Westen. Bischofswerda liegt im Nordwestlausitzer Hügelland und stößt im Nordosten an das Oberlausitzer Gefilde und im Südosten an das Lausitzer Bergland. Die Wesenitz ändert hier zunächst ihren bisher nordwestwärts gerichteten Lauf bis zu den Horkaer Teichen östlich der Stadt auf eine nördliche Richtung und verläuft von dort nach Südwesten. Die Ursache für den markanten Richtungswechsel, in dessen Folge der Wasserlauf eine breite sumpfige Niederung schuf, in der später mehrere Teiche angestaut wurden, liegt im Pleistozän begründet. Die Wesenitzschleife mit ihrem sumpfigen Umland bildete eine natürliche Verteidigungslinie im Süden der Stadt, weswegen die Stadtmauer in diesem Gebiet weniger aufwändig gebaut werden konnte.

Nachbargemeinden Das Stadtgebiet wird begrenzt von Burkau im Norden, Demitz-Thumitz und Schmölln-Putzkau im Osten, Neustadt und Stolpen im Süden sowie Großharthau, Frankenthal und Rammenau im Westen.

Stadtgliederung Zu Bischofswerda gehören die folgenden Ortsteile (sorbische Namen in Klammern; Einwohnerzahlen laut Zensus 2011Statistisches Landesamt Sachsen: Kleinräumiges Gemeindeblatt Bischofswerda):

Belmsdorf (Baldrijanecy), seit 1950, 344 Einwohner Bischofswerda (Biskopicy), 9007 Einwohner Geißmannsdorf (Dźibrachćicy), seit 1974, 562 Einwohner Pickau (Špikawy) Goldbach, seit 1996, 424 Einwohner Großdrebnitz (Drjewnica), seit 1996, 847 Einwohner Kleindrebnitz (Mała Drjewnica) Neudrebnitz (Nowa Drjewnica) Kynitzsch (Kinič), seit 1994, 39 Einwohner Neu-Schönbrunn (Nowy Šumborn), seit 1994, 21 Einwohner Schönbrunn (Šumborn), seit 1994, 414 Einwohner Weickersdorf (Wukranćicy), seit 1996, 282 Einwohner

Geschichte mini|Bischofswerda um 1793 mini|Ehem. Dresdner Tor mit Turm der Fronfeste von 1286 mini|Der Brand von Bischofswerda im Mai 1813 Die mögliche Gründung Bischofswerdas erfolgte bereits zwischen 970 und 1076. Der Bischof Benno von Meißen soll den Flecken Werda im Jahr 1076 zur Stadt erhoben haben.Martin Hommel u. a.: Bischofswerda – Aus Vergangenheit und Gegenwart der Stadt. Nowa Doba, Bautzen 1977, S. 4

Im Jahr 1227 wird Bischofswerda zum ersten Mal urkundlich erwähnt. 1229 wird bereits eine Pfarrkirche genannt. Zwischen 1218 und 1227 wurde der Platz des Marktes vermessen und somit die Häuserfluchten festgelegt. 1286 erfolgt der Bau des Stadtturms (Fronfeste). Bis 1852 diente dieser Turm als Gefängnis. 1286 ist auch das Ursprungsjahr des ersten Rathauses. Im Jahr 1288 erhielt Bischofswerda seine erste Stadtmauer. Vor 1305 wanderte die bürgerliche Familie von Bischofswerde nach Görlitz aus, wo sie später zum Adel gehören wird. Erst 1361 wird Bischofswerda in einer Urkunde als Stadt bezeichnet. 1429 brannten die Hussiten die Stadt nieder. 1469 ereignete sich der zweite Stadtbrand. 1494 wird durch Anstauen der Wesenitz ein Bischofsteich zum Betreiben von Fischzucht angelegt, 1503 auf Geheiß des Bischofs eine Brauerei gegründet. An den beiden Ausläufen des Bischofsteiches zur Wesenitz wurden Mühlen errichtet.

1544 kaufte der Stadtrat das Rittergut Pücke (Pickau) mit Gärtnern und Häuslern, das schriftsässig zugehörige Dorf Geißmannsdorf, zwei Bauern von Schönbrunn samt der Wüstung Teupitz und den Scherfling mit Ober- und Untergerichten von denen von Bolderitz für 5200 Meißener Gulden. Kynitzsch, „ein aus einer Mühle und 4 Gärtnern bestehendes Dörfchen,“ kam 1546 in den Grundbesitz der Stadt.

Die Stadtherren waren bis zum 16. Jahrhundert die Bischöfe von Meißen. 1559 musste der letzte Bischof von Meißen, Johann von Haugwitz, die Stadt zusammen mit Stolpen an den Kurfürsten von Sachsen abtreten. 1596 brannte die Stadt erneut nieder. Bis auf sechs kleine Häuser und einen Gasthof wurden alle Gebäude zerstört.

Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus wurden im Rathaus politische Gegner des NS-Regimes inhaftiert und misshandelt. Vom ehemaligen Amtsgericht aus wurden Häftlinge in das „Schutzhaftlager“ Bautzen überstellt.

Von 1952 bis 1994 war Bischofswerda Kreisstadt des neugebildeten Kreises Bischofswerda.

Bei Bischofswerda befand sich die Operationsbasis Bischofswerda, eines der vier zentralen Kernwaffendepots der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland.

Namensformen Der Name Bischofswerda mit latinisierter Endung wurde erst 1671 gebräuchlich. Bis zu diesem Zeitpunkt variierten die Namensformen (Bischopeswerde, zcu Bisschoffwarten, Bischwerde, Bischoffswerde etc.) in der Schreibweise, endeten aber meist auf einem ‚e‘.

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 Stichtag: 31. Dezember): Jahr Einwohner 1834 2.434 1880 4.778 1960 11.350 1975 11.651 1981 13.319 2004 13.104 Jahr Einwohner 2005 12.962 2006 12.732 2007 12.545 2008 12.395 2009 12.235 2012 11.685 Jahr Einwohner 2013 11.605 2015 11.573 2020 10.788 Datenquelle: 1975, 1981: Statistisches Jahrbuch 1976, 1988, Datenquelle ab 2000: Statistisches Landesamt Sachsen

Politik

Stadtrat Der Stadtrat Bischofswerda hat 22 Sitze. Der Oberbürgermeister ist Vorsitzender des Stadtrates. Der Stadtrat tagt im Rathaus. Keine Fraktion besitzt ohne Votum des Stadtratsvorsitzenden die Stimmenmehrheit.

Außerdem gibt es zwei Ortschaftsräte, deren ehrenamtliche Mitglieder für fünf Jahre gewählt werden. Die Ortschaft Großdrebnitz mit den Ortsteilen Goldbach, Großdrebnitz und Weickersdorf besteht aus neun Ortschaftsräten. Der Rat der Ortschaft Schönbrunn, die die Ortsteile Schönbrunn, Neu-Schönbrunn und Kynitzsch umfasst, hingegen stellt nur vier Ortschaftsräte.

Seit der Stadtratswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 22 Sitze des Stadtrates wie nebenstehend auf die einzelnen Wahlvorschläge. Frühere Wahlen sind tabellarisch aufgelistet. +letzte StadtratswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %AfD837,2523,3––Bürger für Bischofswerda732,3417,8524,0CDU418,6522,2729,6SPD28,113,9314,2FDP13,9311,929,3Linke––417,5––Grüne–––3,3––Wahlbeteiligung63,3 %59,6 %48,8 %

Ober-/Bürgermeister Mit der politischen Wende 1990 wurde Andreas Erler (CDU, * 1961) Bürgermeister der Stadt, seit deren Ernennung zur Großen Kreisstadt 1998 Oberbürgermeister. Bei den Oberbürgermeisterwahlen vom 28. Februar 2010 wurde er mit 52,0 % der Wählerstimmen im Amt bestätigt,Oberbürgermeisterwahl 2010 – Gemeinde Bischofswerda, Stadt nachdem das Verwaltungsgericht Dresden die Abstimmung vom Juni 2008 wegen unerlaubter Beeinflussung der Wähler für ungültig erklärt hatte. Im Dezember 2011 erklärte das Sächsische Oberverwaltungsgericht auch diese Oberbürgermeisterwahl – wiederum wegen gesetzeswidriger Wahlbeeinflussung – für ungültig.Freie Presse Online vom 6. Dezember 2011: Bei der Oberbürgermeisterwahl am 7. Juni 2015 trat er nicht mehr an. Seit dem 1. August 2015 leitet Holm Große die Geschicke der Stadt.Oberbürgermeisterwahl 2015: Wahlberechtigte, Wähler, Stimmen und Stimmenverteilung bei der Oberbürgermeisterwahl in der Großen Kreisstadt Bischofswerda – Landkreis Bautzen. In: statistik.sachsen.de, Statistisches Landesamt Sachsen, abgerufen am 1. August 2015 Bei der Kommunalwahl am 12. Juni 2022 wurde er mit 93,6 % der Wählerstimmen im Amt bestätigt.Sachsen hat gewählt: CDU mit besseren Ergebnissen als erwartet, MDR, 13. Juni 2022.

+Bürgermeister von Bischofswerda (seit 1945)Eigenbetrieb Kultur beim Rat der Stadt Bischofswerda (Hrsg.): Stadtgeschichte Bischofswerda 1227–1997, Bischofswerda 1997, Seite 134. Bürgermeister AmtszeitWahl Otto Barthel 1945–1948 Josef Schmachtel 1948 Curt Jäckel 1948–1953 Alfred Zeidler 1953–1961 Gerhard Klengel 1961–1962 Horst Emmrich 1963–1968 Hans Lucas 1968–1972 Günter Illing 1972–1987 Horst Rößner 1987–1990 Andreas Erler 1990–20151994, 2001, 2008 Holm Große seit 20152015, 2022

Stadtverwaltung Die Stadtverwaltung hat ihren Sitz im Bischofswerdaer Rathaus. Dem Oberbürgermeister der Stadt sind das städtische Ordnungsamt, die Kämmerei, das Bauamt, das Schul- und Sportamt sowie das Kulturamt unterstellt.

Neben einer Trauung im Trauzimmer des Rathauses bietet das Standesamt auch die Möglichkeit im Barockschloss Rammenau zu heiraten.

Städtepartnerschaften Geislingen an der Steige, Baden-Württemberg, seit 1990 Gryfów Śląski (dt. Greiffenberg), Polen, seit 1980 Raspenava, Tschechien, seit 1999 Eggenfelden, Niederbayern, seit 1992

Wappen und Gründungsgeschichte mini|Darstellung des Stadtwappens am Schulgebäude an der Kirchstraße.

mini|hochkant|Siegelmarke des Bischofswerdaer Stadtrates. Das Wappen der Stadt Bischofswerda basiert auf einem Siegel von 1392 mit Krummstab und zwei Sternen. Spätestens seit 1559 führt die Stadt das neue, bis heute gültige Stadtwappen mit den sich kreuzenden Bischofsstäben und vier sechsstrahligen Sternen. Die genaue Entstehung des Stadtwappens ist nicht mehr belegbar, da wichtige Unterlagen fehlen.

Zwei von drei Stadtchronisten führen Namen und Siegel der Stadt auf Bischof Benno zurück, der die Stadt Bischofswerda gegründet haben soll, als er das Meißnische Land missionierte. Die „Insel des Bischofs“, -werda stammt von Werder und bezeichnet eine Insel oder von stehenden Gewässern umgebenes Land, war damals ein von 17 Teichen umgebener Flecken an der Handelsstraße von Pirna über Stolpen nach Bautzen und Görlitz.

Zu einem nicht mehr bestimmbaren Zeitpunkt im 16. Jahrhundert wurden dann der zweite Krummstab und zwei weitere Sterne hinzugefügt. Möglicherweise wollte man den bischöflichen Besitz besonders herausheben. Andere deuten das Stäbekreuz als Symbol für „Gesetz“ und „Evangelium“. Obwohl die genaue Bedeutung der vier Sterne heute unbekannt ist, werden sie verschiedentlich als „Wissende“, „Unwissende“, „Besitzende“ und „Besitzlose“ oder auch als „Lehrer in Kirche und Schule“, „Zuhörer“, „Regenten“ und „Untertanen“ gedeutet. Ihre Sechsstrahligkeit soll die sechs Schöpfungstage symbolisieren.

Bereits der Stadtchronist Karl Wilhelm Mittag stellte die Entstehungslegende wegen mangelnder Belege in Frage. Als Besonderheit des Stadtwappens gilt, dass es oft von einem Engel gehalten wird.

Hermann Knothe schilderte 1879 ein seit dem 13. Jahrhundert in Budissin vorkommendes Patriziergeschlecht von Bischofswerde, das sich aus Bischofswerda nach Görlitz wandte und wie die Stadt zwei gekreuzte Bischofsstäbe im Wappen führte. Nach Walter von Boetticher bildete diese Familie dieses Wappen nach dem ihrer Heimatstadt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Altmarkt mit Stahlskulptur (Uwe Hempel, 2007) mini|hochkant|Rathaus