mini|Möglicher Stimmzettel Das System der übertragbaren Einzelstimmgebung (, STV) ist ein proportionales Personenwahlverfahren, das das Problem der unwirksamen Stimmen bei der reinen Mehrheitswahl beheben und eine bessere Repräsentation aller abgegebenen Stimmen bewirken soll. Bei diesem Verfahren werden mehrere Sieger pro Wahlkreis ermittelt. Es dient explizit der Wahl von Personen, nicht der Wahl von Parteilisten. Das Verfahren zählt zu den Präferenzwahlsystemen.
Bei der übertragbaren Einzelstimmgebung wird von jedem Wähler eine Rangfolge aller (oder auch nur einiger) Kandidaten erstellt. Nach unterschiedlichen Rechenverfahren (meist wird das Droop-Quote genannte Verfahren verwendet) wird aus zu vergebenden Sitzen und abgegebenen Stimmen eine Stimmzahl errechnet, die zur Wahl nötig ist. Nun werden die Wahlzettel gemäß den angegebenen Präferenzen abgearbeitet. Ist ein Kandidat bereits gewählt (Stimmzahl größer als Ergebnis der Droop-Quote), kommt diese Stimme dem nächsten Kandidaten auf der persönlichen Rangliste des Wählers zugute.
Genauso werden im folgenden Schritt auch die Stimmen für nichtgewählte Kandidaten nun auf der Rangliste nach oben transferiert. Der Kandidat mit insgesamt am wenigsten Stimmen wird von allen Listen gestrichen, die Stimme bekommt stattdessen der Kandidat, der über ihm auf der Liste steht. So werden sowohl überschüssige Stimmen als auch Stimmen für nichtgewählte Kandidaten auf die anderen Kandidaten übertragen, bis alle Sitze besetzt sind.
Verbreitung 2007 wurde die übertragbare Einzelstimmgebung bei Wahlen in Australien, Malta, der Republik Irland, Nordirland (außer bei Wahlen zum britischen Unterhaus) und Island verwendet. Das System wird auch bei einigen Kommunalwahlen in Neuseeland und bei Kommunalwahlen in Schottland verwendet. Seit 2002 wird die übertragbare Einzelstimmgebung in den Vereinigten Staaten nur noch bei Wahlen zu Verwaltungsgremien von Cambridge (Massachusetts) angewendet.
Bezeichnungen Wenn die Regeln des STV bei einer Wahl verwendet werden, bei der nur eine einzelne Person (z. B. Einpersonenwahlkreise oder Präsident) gewählt werden soll, ist es dasselbe wie Integrierte Stichwahl, das selbst kein Verhältniswahl-Verfahren ist. Sind in Wahlkreisen mehrere Sitze zu vergeben, wird das Verfahren mitunter auch als Proportional Representation through the Single Transferable Vote oder PR-STV bezeichnet. Da Integrierte Stichwahl kein Verhältniswahl-Verfahren ist, wird es von einigen Fachleuten als ein von PR-STV verschiedenes System angesehen. Wenn die Bezeichnung STV verwendet wird, ist jedenfalls für gewöhnlich PR-STV gemeint, so auch in diesem Artikel. STV ist auch unter anderen Namen bekannt: In Australien manchmal als Hare-Clark Proportional-Methode, in den USA wird es manchmal choice voting genannt.
Stimmabgabe Bei der übertragbaren Einzelstimmgebung (STV) ordnet der Wähler die Liste der Kandidaten entsprechend seinen Vorlieben. Mit anderen Worten: Neben seinen am meisten bevorzugten Kandidaten setzt er eine „1“, neben seinen am zweitmeisten bevorzugten Kandidaten eine „2“ usw. Der ausgefüllte Stimmzettel enthält also eine Rangfolge der Kandidaten. Ein Beispiel: Horst Sengelmann Maria Baumsockel Eveline Schaudich
Auszählung der Stimmen Bestimmung der Quote Bei STV-Wahlen können einige verschiedene Quoten verwendet werden, aber die üblichste ist die Droop-Quote.
gültige Stimmen = Gesamtzahl der gültigen abgegebenen Stimmen Sitze = Anzahl der zu besetzenden Sitze
Sieger ermitteln Einfach ausgedrückt benötigt jeder Kandidat bei einer STV-Wahl eine bestimmte Mindestzahl an Stimmen – die Quote –, um gewählt zu sein. Von jedem Kandidaten mit entweder mehr Stimmen als nötig, oder mit zu wenigen, um gewählt zu werden, werden Stimmen auf andere Kandidaten übertragen. Dieser Vorgang wird solange fortgesetzt, bis alle Sitze vergeben sind. Die Kandidaten, auf die Stimmen übertragen werden, werden durch die Präferenzen bestimmt, die die Wähler auf ihren Wahlzetteln angegeben haben.
Zunächst werden nur die Erstpräferenzen ausgezählt. Jeder Kandidat, dessen Stimmenzahl größer als die Quote ist, wird sofort für gewählt erklärt. Seine überschüssigen Stimmen werden dann auf andere Kandidaten übertragen. Wenn noch nicht genügend Kandidaten die Quote erreicht haben, werden die Kandidaten mit den wenigsten Stimmen schrittweise einzeln eliminiert und ihre Stimmen übertragen, bis genug Kandidaten die Quote erreicht haben, so dass alle Sitze vergeben sind. Sobald ein Kandidat entweder gewählt oder ausgeschieden ist, wird er von der restlichen Auszählung ausgeschlossen; es können dann keine weiteren Stimmen auf ihn übertragen werden (außer bei der Meek-Methode). Vollständig verläuft die Auszählung einer STV-Wahl in den folgenden Schritten: Schritt I Jeder Kandidat, dessen Stimmenzahl mindestens der Quote entspricht, wird für gewählt erklärt. Schritt II Wenn ein Kandidat mehr Stimmen erreicht hat, als die Quote beträgt, werden die überschüssigen oder „Rest“-Stimmen auf andere Kandidaten übertragen, die weiter an der Auszählung teilnehmen. Falls ein Kandidat jetzt die Quote erreicht hat, wird er für gewählt erklärt und die Auszählung kehrt zu Schritt I zurück. Anderenfalls wird mit Schritt III fortgefahren. Schritt III Der Kandidat mit den wenigsten Stimmen wird eliminiert bzw. „ausgeschlossen“; seine Stimmen werden auf andere weiter an der Auszählung teilnehmende Kandidaten übertragen. Der Vorgang wird von Schritt I an wiederholt, bis alle Sitze vergeben sind.
Um unnötiges Zählen zu vermeiden, wird die Auszählung üblicherweise nicht fortgeführt, bis jeder Kandidat die Quote erreicht hat, sondern sie endet, wenn nicht mehr Kandidaten übrigbleiben als noch Sitze zu vergeben sind. Wenn die Anzahl der zu übertragenden Stimmen nicht ausreicht, um jemanden zu wählen oder die Reihenfolge der Kandidaten in der Präferenzordnung zu verändern, dann können auch mehrere Kandidaten auf einmal ausgeschlossen werden, oder ein Überschuss kann behalten werden, statt übertragen zu werden. Dies ist unvermeidbar, wenn Stimmzettel, die keine vollständige Rangfolge der Kandidaten enthalten, erschöpft sein dürfen (also nicht alle Präferenzen vergeben wurden), da dann die Möglichkeit besteht, dass nicht genügend Kandidaten die Quote erreichen.
Da bei der übertragbaren Einzelstimmgebung die Stimmen für Kandidaten, die entweder mehr Stimmen als nötig haben oder zu wenige, um gewählt zu werden, auf andere Kandidaten übertragen werden, heißt es, dass dieses Verfahren die Anzahl verschwendeter Stimmen minimiert.
Illustration des Prinzips Zur Illustration wird eine STV-Wahl manchmal mit einer Wahl unter Kindern auf dem Schulhof verglichen. Bei der Wahl stellen sich die Kinder hinter dem Kandidaten ihrer Wahl auf, aber kein Kandidat kann gewählt werden, wenn er nicht eine Mindestzahl von Kindern hinter sich versammelt. Da die Kinder wissen, dass jeder Kandidat nur die Stimmen einer bestimmten Zahl von Mitschülern braucht, um gewählt zu werden, entschließen sich jene, die sich als letztes hinter einem Kandidaten versammelt haben, der bereits genug Stimmen hat, ihre Stimme nicht zu verschwenden, sondern sich hinter einen anderen zu stellen, um ihm zu helfen zu gewinnen. Genauso wechseln auch all jene Kinder, deren Kandidat offenbar nicht mehr gewinnen kann. Das geht so lange, bis alle Vertreter ausgewählt sind.
STV kann man als eine automatisierte Version dieses Verfahrens betrachten, mit der Ausnahme, dass die Eliminierung der Kandidaten mit den wenigsten Stimmen manchmal Kandidaten benachteiligt, die vielleicht noch gewonnen hätten, wenn sie nicht gleich eliminiert worden wären. Jeder Gewinner braucht eine Quote von Wählerstimmen statt einer bestimmten Anzahl von Kindern, die sich hinter ihm aufstellen, und statt der Kinder werden entsprechend den Präferenzen auf den Stimmzetteln Stimmen übertragen.
Ein weiteres Beispiel Angenommen, es wird eine Abstimmung durchgeführt, um festzulegen, welche Lebensmittel bei einer Party angeboten werden sollen. Es gibt fünf Kandidaten, von denen drei gewählt werden sollen. Die Kandidaten sind: „Orangen“, „Birnen“; „Schokolade“, „Erdbeeren“ und „Bonbons“. Die 20 Gäste der Party haben ihre Präferenzen auf ihren Stimmzetteln in den zwei folgenden Tabellen angegeben (die erste gibt Zahlen an, die zweite stellt Bilder dar). Bei dieser Wahl werden nur die ersten ein bzw. zwei Präferenzen angezeigt, da die niedrigeren Präferenzen in diesem Fall keinen Einfluss auf das Ergebnis haben.
4 Wähler 2 Wähler 8 Wähler 4 Wähler 1 Wähler 1 Wähler 1. Orange Birne Schokolade Schokolade Erdbeere Bonbons 2. Birne Orange Erdbeere Bonbons
# x x x x x x x x x xx x x x x x x x x x 1 50px|Orange 50px|Birne 50px|Chocolate 50px|Chocolate 50px|Strawberry 50px|Bonbons 2 50px|Birne 50px|Orange 50px|Strawberry 50px|Bonbons
Zunächst wird die Quote berechnet. Bei Verwendung der Droop-Quote, 20 Wählern und 3 zu ermittelnden Gewinnern, beträgt die notwendige Stimmenzahl, um gewählt zu werden:
Die Stimmauszählung verläuft folgendermaßen (gewählt, bereits gewählt, —: eliminiert):
Kandidat: Orange Birne Schokolade Erdbeere Bonbons Runde 1 4 2 12 1 1 Runde 2 4 2 6 5 3 Runde 3 6 — 6 5 3 Runde 4 6 6 5 —
Kandidat: 50px|Orange 50px|Birne 50px|Chocolate 50px|Strawberry 50px|BonbonsRunde 1 x x x x x x x x x xx x x x x x x x x xRunde 2 x x x x x x x x x xx x x x x x x x x xRunde 3 x x x x x x x x x x x x x x x xx x x xRunde 4 x x x x x x x x x x x x x x x x x x x x
Runde 1 Schokolade wird für gewählt erklärt, da Schokolade mehr Stimmen hat als die Quote. Runde 2 Der Überschuss der Schokoladen-Stimmen wird entsprechend den Zweitpräferenzen der Schokoladen-Wähler proportional auf die Erdbeeren und die Bonbons übertragen. Allerdings erreicht selbst mit der Übertragung des Überschusses kein Kandidat die Quote. Daher werden die Birnen, die die wenigsten Stimmen haben, eliminiert. Runde 3 Die Stimmen der Birnen werden auf ihre Zweitpräferenz, die Orangen, übertragen. Dadurch erreichen die Orangen die Quote und sind gewählt. Da die Orangen die Quote gerade so erreichen, bleibt kein Überschuss zu übertragen. Runde 4 Keiner der verbleibenden Kandidaten erreicht die Quote, also werden die Bonbons eliminiert. Die Erdbeeren sind der einzige verbleibende Kandidat, und daher gewinnen sie den letzten Sitz. Ergebnis Die Gewinner sind Schokolade, Orangen und Erdbeeren.
Abweichende Zählmethoden
STV-Systeme unterscheiden sich in einer Reihe von Merkmalen, hauptsächlich darin, wie Stimmen übertragen werden und in der genauen Größe der Quote, die zur Bestimmung der Gewinner verwendet wird. Aus diesem Grund gab es Vorschläge, STV als Familie von Wahlverfahren statt als ein einzelnes Wahlverfahren zu betrachten. Heutzutage ist die Droop-Quote die am meisten verwendete Quote. Diese stellt (außer in seltenen Fällen) die Mehrheitsregel sicher, während sie zugleich die Bedingung einhält, dass nicht mehr Kandidaten die Quote erreichen können als Sitze zu vergeben sind. In der ursprünglichen Konzeption verwendete STV die Hare-Quote (Stimmen/Sitze), aber diese wird nun allgemein als technisch schlechtere Lösung angesehen. Neuseeland verwendet eine Quote, die der Droop-Quote ähnlich ist.