Niesky ([] , ) ist eine Kleinstadt im Landkreis Görlitz in der Oberlausitz. Mit knapp 9.200 Einwohnern zählt Niesky zu den kleinsten Städten im Freistaat Sachsen, die den Status der Großen Kreisstadt haben.
Geographie Stadtgliederung Die Stadt gliedert sich in fünf Ortsteile, neben der Nieskyer Innenstadt sind dies Kosel () und Stannewisch (Stanojšćo) im Norden, Ödernitz (Wódrjeńca) im Südosten und See (Jězor) im Westen.
In der Kernstadt Niesky liegen zudem die ehemaligen Gemeinden Neuhof (Nowy Dwór) und Neu-Särichen sowie die Siedlungen Heinrichsruh und Neu-Ödernitz. Im Ortsteil Kosel sind die Siedlungen Neu-Kosel, Sandschenke und Zedlig (Sedlik); im Ortsteil See die ehemalige Gemeinde Moholz (Wuhelc) mit der Siedlung Zeche enthalten.
Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden im Uhrzeigersinn sind von Norden aus Rietschen, Hähnichen, Horka, Kodersdorf, Waldhufen, Quitzdorf am See und Kreba-Neudorf.
Geschichte Erst 1742 als Kolonie der Herrnhuter Brüdergemeine entstanden, ist Niesky eine der jüngsten Ortsgründungen im Landkreis Görlitz, entwickelte sich aber schon bald zu einem regional bedeutenden Ort.
mini|links|Johann-Raschke-Haus; ältestes Haus der Stadt mini|links|Grundriss von Niesky 1823, Norden ist rechts, Monplaisir unten links Am 8. August 1742 legten böhmische Exulanten, die aus Glaubensbedrängnis ihre katholische Heimat verlassen hatten, den Grundstein zu den ersten drei Häusern des Ortes. Sie hatten sich der Brüdergemeine in Herrnhut angeschlossen und bekamen die Möglichkeit, sich auf dem Rittergut Trebus niederzulassen, dessen Besitzer Siegmund August von Gersdorf selbst Mitglied der Brüderunität war. Im Dezember 1750 erwarb ein jugendliches Mitglied der Brüdergemeine, Günther Urban Anton von Lüdecke (1723–1788), das Rittergut. Der Zinzendorfplatz Nieskys wurde nach dem Vorbild der Schlossanlage Pillnitz an der Elbe entworfen.
Der Name der neuen Ansiedlung stammt aus dem Tschechischen, nízký bedeutet auf Deutsch „niedrig“. Niedrig lag ihre neue Heimat im Vergleich zu den Bergen Böhmens. Zugleich betonte der Ortsname im religiösen Verständnis, wie schlicht, klein und niedrig der Mensch vor Gott ist.
Nach einem Aufnahmeverbot für Flüchtlinge aus Böhmen zogen ab den 1750er Jahren nur noch deutschsprachige Mitglieder der Brüdergemeine nach Niesky. Der Zuzug von „Nichtbrüderischen“ wurde erst 1842 erlaubt. Die Einwohner lebten von Handwerk und Gewerbe. So betrieb die Brüdergemeine ein Handelshaus und eine Lackfabrik. Darüber hinaus war Niesky überregional als „Schulstadt“ bekannt. Von 1816 an gehörte Niesky zum Landkreis Rothenburg (Ob. Laus.) in der preußischen Provinz Schlesien (bzw. bei deren Teilung in der Provinz Niederschlesien).
Durch Innenminister Carl Severing wurde im März 1929 der Zusammenschluss Nieskys mit seinen Vororten Neuhof, Neu-Särichen und Neu-Ödernitz angeordnet. 1935 erhielt Niesky mit knapp 7000 Einwohnern das Stadtrecht. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde im Wiesengrund von Niesky ein Außenlager des KZ Groß-Rosen errichtet, in dem 1200 KZ-Häftlinge aus zahlreichen Ländern für die Firma Christoph & Unmack Zwangsarbeit verrichten mussten. Bei einem Evakuierungsmarsch nach Spohla/Brandhofen starben mehr als 100 von ihnen. An diese Opfer erinnert heute ein Gedenkstein am Ort des ehemaligen Außenlagers.Gedenkstätten für die Opfer des NS II, Hrsg. Bundeszentrale für politische Bildung Bonn, S. 721 Unter den Zwangsarbeitern in Niesky befanden sich auch Juden aus Breslau.Bernhard Brilling: Evakuierung der Breslauer Juden nach Tormersdorf bei Görlitz, Kreis Rothenburg, Oberlausitz, in: Mitteilungen des Verbandes ehemaliger Breslauer und Schlesier Juden in Israel, 46/47, 1980.
Der Kreissitz wurde 1945 nach Weißwasser/Oberlausitz verlegt, was sich nach Anschluss des westlichen Rumpfes des ehemaligen Landkreises Görlitz als unpraktisch erwies, so dass Niesky 1947 Kreisstadt wurde. Aus diesem Landkreis Niesky wurden im Rahmen der Verwaltungsreform am 25. Juli 1952 die Kreise Weißwasser, Niesky und Görlitz-Land gebildet. Bis zur Kreisreform 1994 war Niesky Kreisstadt dieses Kreises Niesky. Der Kreissitz des danach gegründeten Niederschlesischen Oberlausitzkreises kam in die kreisfreie Stadt Görlitz, wurde durch das 3. Änderungsgesetz am 16. Juni 1996 jedoch nach Niesky verlegt. Durch die erneute Kreisreform am 1. August 2008 verlor Niesky mit Bildung des Landkreises Görlitz den Kreissitz an Görlitz und bekam den Status der Großen Kreisstadt.
mini|Der Zinzendorfplatz mit der evangelischen Kirche der Herrnhuter Brüdergemeine. Der denkmalgeschützte Zinzendorfplatz bildet den Mittelpunkt der Stadt. Der Platz mit seinen Gebäuden – teilweise aus dem 18. Jahrhundert – spiegelt die über 250-jährige Geschichte von Niesky wider. Bis zum heutigen Tag ist das erste Haus Nieskys erhalten geblieben. 1986 wurde darin das städtische Heimatmuseum eingerichtet.
Religionen In Niesky befindet sich die mit der Brüdergemeine verbundene 1866 in Gnadenfeld/Oberschlesien gegründete Diakonissenanstalt Emmaus. Zu ihr gehören ein Altenpflegeheim, eine Medizinische Berufsfachschule (Krankenpflege), eine Altenpflegeschule, eine Kindertagesstätte und ein ambulanter Hospizdienst. Das Krankenhaus wurde an die Diakonissenanstalt Dresden übertragen.
Es gibt insgesamt vier evangelische Kirchen, eine neuapostolische Kirche, ein Gemeindezentrum der Jehovas Zeugen und eine katholische Holzkirche von 1935.
Niesky ist Sitz der Superintendentur des Kirchenkreises Schlesische Oberlausitz.
Bevölkerungsentwicklung 1825 – 576 1885 – 1303 1946 – 7436 1950 – 8309 1960 – 8456 1981 – 11.871 1984 – 12.359 1999 – 12.029 2002 – 11.432 2004 – 11.092 2005 – 10.981 2006 – 10.766 2007 – 10.557 2008 – 10.272 2009 – 10.168 2011 – 9901 2012 – 9732 2013 – 9591 2018 – 9402 Quellen: Statistisches Landesamt Sachsen (ab 1999)
Politik
mini|Rathaus
Stadtrat Seit der Stadtratswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 18 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:
+letzte Stadtratswahlen Partei/Wählergruppe Ergebnis2024 Sitze2024 Ergebnis2019 Sitze2019 Ergebnis2014 Sitze2014 AfD 38,9 % 7 27,5 % 6 – – Bündnis H.E.R.Z für Niesky 22,1 % 4 – – – – CDU 20,4 % 4 20,6 % 4 34,4 % 7 Bürgerbewegung Niesky 18,7 % 3 21,1 % 4 23,7 % 4 Die Linke – – 12,8 % 2 22,8 % 4 SPD – – 8,8 % 1 8,5 % 1 FDP – – 4,6 % 1 5,3 % 1 Wählergemeinschaft für Kinder, Jugend und Familie – – 4,5 % – – – NPD – – – – 5,3 % 1 Wahlbeteiligung 67,6 % 60,7 % 49,4 %
Zwischen 2019 und 2024 waren zwei Sitze der AfD unbesetzt, da die Partei bei der Wahl 2019 nur vier Kandidaten aufgestellt hatte.
Stadtoberhaupt Bürgermeister 1929–1933: Hermann Klenke […] 1990–2008: Wolfgang Rückert (CDU)
Oberbürgermeister Im Zuge der Gemeindegebietsreform 2008 wurde Niesky zur Großen Kreisstadt erhoben und hat von da an das Recht, einen Oberbürgermeister zu besetzen.
2008–2014: Wolfgang Rückert (CDU) 2014–2022: Beate Hoffmann (parteilos; von der CDU aufgestellt) seit 2022: Kathrin Uhlemann (parteilos; von der CDU aufgestellt)
Bei der Bürgermeisterwahl am 14. Dezember 2014 wurde die parteilose, von der CDU nominierte Beate Hoffmann zur Oberbürgermeisterin von Niesky gewählt. Sie setzte sich mit 57,8 Prozent der Stimmen gegen Harald Prause-Kosubek (SPD) und zwei weitere Kandidaten durch. Im ersten Wahlgang der Bürgermeisterwahl am 7. November 2021 erreichte die CDU-Kandidatin Kathrin Uhlemann mit 45,3 Prozent der Stimmen das beste Ergebnis, vor der zur Wiederwahl antretenden Beate Hoffmann mit 42,0 Prozent und dem AfD-Kandidaten Jens Hoffmann, auf den 12,7 Prozent der Stimmen entfielen. In der Stichwahl am 28. November 2021 wurde Kathrin Uhlemann mit 55,8 Prozent der Stimmen zur neuen Oberbürgermeisterin gewähltWahlergebnisse 2021. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, abgerufen am 29. November 2021. und löste Hoffmann am 15. Januar 2022 ab.„Ich bin nicht der Typ der gleich alles umwirft.“ Sächsische Zeitung, 15. Januar 2022, abgerufen am 18. Januar 2022. +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2021Kathrin UhlemannCDU55,82014Beate Hoffmann57,82008Wolfgang Rückert94,8200173,1
Am 26. November 2025 versuchten Stadträte der AfD und der CDU gemeinsam, ein Abwahlverfahren gegen Oberbürgermeisterin Kathrin Uhlemann einzuleiten. Der Antrag scheiterte allerdings: Zwölf Stadträte hatten für ein Abwahlverfahren gestimmt, fünf dagegen. Um einen Bürgerentscheid über die Abwahl der Oberbürgermeisterin zu erzwingen, wären 14 Stimmen nötig gewesen, also drei Viertel aller Mitglieder des Stadtrates.
Wappen
Städtepartnerschaften Albert in der Picardie (Frankreich) Holzgerlingen in Baden-Württemberg Jawor, Polen Oelde in Nordrhein-Westfalen (inoffiziell, ruhend) Turnov, Tschechien
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Konrad-Wachsmann-Haus (2016) mini|Stadtbibliothek
Museen Konrad-Wachsmann-Haus. Das 1929 errichtete hölzerne Direktorenhaus in der Nieskyer Goethestraße ist neben dem Einsteinhaus in Caputh bei Potsdam das einzige in Deutschland erhaltene Gebäude des Architekten Konrad Wachsmann. Es war zu DDR-Zeiten Sitz der FDJ-Kreisleitung und stand seit 1990 leer. Die Stadt erwarb das Gebäude 2005 und begann im Frühjahr 2010 mit Unterstützung des Bundes und der Wüstenrot-Stiftung mit dessen denkmalschutzgerechten Sanierung, die 2014 abgeschlossen wurde. Seitdem wird das Haus als Museum, Standesamt, Tagungsstätte und Informationsforum für den modernen Holzbau genutzt. In den Ausstellungsräumen im Untergeschoss befindet sich eine Dauerausstellung, welche der 1882 in Niesky gegründeten Fertigteilholzbaufirma Christoph & Unmack gewidmet ist. Die angebotenen Führungen umfassen vier Nieskyer Stadtteile mit insgesamt fast 100 noch sehr gut erhaltenen originalen Holzhäusern, die ursprünglich als Wohn- und Musterhäuser fungierten. Wie auch das Konrad-Wachsmann-Haus stehen die Holzhäuser in den Siedlungen Goethestraße, Neu-Ödernitz, Neusärichen und Raschkestraße unter Denkmalschutz.Niesky saniert Wachsmann-Bau – Nur zwei Häuser des Architekten sind in Deutschland erhalten in: Märkische Oderzeitung, 29. Dezember 2009, S. 18 Johann-Raschke-Haus (erbaut 1742), Heimatmuseum und ältestes Haus von Niesky, beherbergt eine Ausstellung zur Stadtgeschichte sowie wechselnde Sonderausstellungen. Hier ist außerdem die Touristinformation der Stadt untergebracht.Herzlich willkommen im Museum Niesky auf der Website der Stadt Niesky
Bauwerke
mini|hochkant|links|Christuskirche mini|hochkant|Katholische Kirche St. Josef mini|hochkant|Wartturm Altes Pädagogium (erbaut ab 1746), heute Stadtbibliothek Rathaus (erbaut um 1905) mit Standesamt Wartturm, 1835 errichteter 18 m hoher Aussichtsturm und eines der Wahrzeichen der StadtCarla Mattern: Verwunschener Wartturm in der Sächsischen Zeitung vom 26. April 2017, abgerufen am 26. Januar 2018 Rittergut im Ortsteil Ödernitz Rittergut, Schloss mit Schlosspark (erbaut 1783) im Ortsteil See
Gedenkstätten
Ein Gedenkstein aus dem Jahr 1946 im linken Teil des Waldfriedhofs erinnert an die örtlichen Opfer des Faschismus: Fritz Proske, Erich Pflug, Fritz Schubert, Gustav Walter, Fritz Hüttig, Erich Weber und Ludwig Ey. Davor steht ein nach 1990 errichteter Gedenkstein für „alle Opfer der Gewaltherrschaft“, der das 1949 auf dem Zinzendorfplatz errichtete Ehrenmal der VVN für alle Opfer des Faschismus ersetzen soll, welches nach 1990 beseitigt wurde.
Ein weiteres Denkmal auf dem Fritz-Thiele-Platz erinnert an den kommunistischen NS-Gegner Fritz Thiele, der nach langer Zuchthaushaft 1942 im KZ Auschwitz ermordet wurde. Ein ähnlicher Gedenkstein in der Herbert-Balzer-Straße ist dem kommunistischen Widerstandskämpfer Herbert Balzer gewidmet, der 1945 im Außenlager Gleina/Zeitz des KZ Buchenwald ermordet wurde.
Auf dem denkmalgeschützten Gottesacker der Brüdergemeine befindet sich ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges.