Die Bibliothek ungelesener Bücher ist eine von Julius Deutschbauer 1997 als Kunstprojekt gegründete nomadische Bibliothek. Sie umfasst Werke, die von ihren Besitzern nicht gelesen, aber in 20-minütigen Interviews mit Julius Deutschbauer beschrieben werden.
Konzept In der Bibliothek werden die digital aufgezeichneten Gespräche und die ungelesenen Bücher aufbewahrt und für Besucher zugänglich gemacht. Es werden in der Bibliothek regelmäßig Veranstaltungen zum Thema Lesen und Handarbeiten abgehalten.
Das erste Interview führte Deutschbauer 1997 in Basel. Bisher wurden ca. 730 Personen befragt (Stand März 2023), darunter viele bekannte Persönlichkeiten wie: H.C. Artmann, Bazon Brock, Reto Hänny, Erwin Wurm, Christoph Schlingensief, Werner Kofler und Peter Waterhouse.ORF Kärnten: Das häufigste Buch in der Bibliothek ist Der Mann ohne Eigenschaften von Robert Musil; aber auch Werke von Karl Marx und Adolf Hitler finden sich weit oben auf der Liste der ungelesenen Bücher.Alex Rühle: "Den fünften Platz teilen sich Marx und Hitler". Süddeutsche Zeitung vom 13. Januar 2021, abgerufen am 10. März 2023. Selbst zu seinem Projekt befragt wurde Deutschbauer unter anderem im Literatur-Café.
Die Bibliothek wird regelmäßig in diversen Museen und Kunsteinrichtungen ausgestellt und war unter anderem bereits in der Kunsthalle Wien, im Wiener Museumsquartier, in den Hamburger Kammerspielen, im Palais des Beaux Arts in Brüssel, im Austrian Cultural Forum in New YorkPerformance: Julius Deutschbauer: The Library of Unread Books II. Website des Austrian Cultural Forum NYC, abgerufen am 10. März 2023. und im Robert Musil Literaturmuseum sowie in der Landesgalerie Linz zu sehen. Unterschiedliche Bildmotive zu den einzelnen Präsentationen befinden sich unter anderem in der Plakatsammlung der Zürcher Hochschule der Künste / Museum für Gestaltung Zürich.
Rezeption Für Aleida Assmann dokumentiert die Installation „den prekären Zustand der Bildung in der Gegenwart“, indem sie „zeigt, dass der Kanon der Bildung immer mehr zu einer negativen Hohlform geworden ist, die nur noch als ein unerfüllter Anspruch aufrecht erhalten wird“.Aleida Assmann: Der väterliche Bücherschrank. Über Bildung oder die Vergangenheit einer Zukunft. In: Anil Kaputanoglu: Nur das Auge weckt mich wieder. Erinnerung-Text-Gedächtnis. Deutschland, Lit, 2002. ISBN 978-3-8258-5529-1, S. 9
Literatur Julius Deutschbauer, Lioba Reddeker. Die Bibliothek ungelesener Bücher in fünfzehn Portraits. Deutschland, Salon-Verlag, 2000. ISBN 978-3-89770-108-3. Johanna Schwanberg: Julius Deutschbauer: Bibliothek ungelesener Bücher. In: Monika Leisch-Kiesl, Franziska Heiß: Was sagt die Kunst? Gegenwartskunst und Wissenschaft im Dialog. Deutschland, transcript Verlag, 2022, ISBN 978-3-8394-6136-5, S. 20–28 Ingo Glückler: Die Bibliothek der (un)gelesenen Bücher – ein Komplementärphänomen des Leseverhaltens. In: Monika Leisch-Kiesl, Franziska Heiß: Was sagt die Kunst? Gegenwartskunst und Wissenschaft im Dialog. Deutschland, transcript Verlag, 2022, ISBN 978-3-8394-6136-5, S. 29–37.
Weblinks Website der Bibliothek ungelesener Bücher
Einzelnachweise
Kategorie:Kunstprojekt