Als Ölpreiskrise (auch „Ölpreisschock“, kurz Ölkrise) bezeichnet man eine Phase starken Ölpreisanstiegs, die gravierende gesamtwirtschaftliche Auswirkungen hat.

Im engeren Sinne werden unter dem Begriff nur die Erhöhungen der Rohölpreise 1973 und 1979/1980 als erste und zweite Ölkrise bezeichnet, da beide in den Industrieländern schwere Rezessionen auslösten.

Da Erdöl bzw. Rohöl (meist gekoppelt mit Erdgas) ein fossiler Rohstoff und Energieträger ist, der heutzutage weltweit verwendet wird, um eine Vielzahl von Produkten (auch elektrischen Strom) zu erzeugen, steht eine Ölkrise oft im Zusammenhang mit einer Energiekrise.

Geschichte Bereits die (realen) Preissteigerungen und Nachfragesprünge zu Anfang der modernen Ölförderung bis 1900 waren mit den neueren Ölkrisen vergleichbar. Anfang der 1950er Jahre führten Krisen wie der Putsch im Iran und die Suezkrise in Europa nicht zu einem Ölpreisschock, aber beispielsweise zu einer intensiven Erdölprospektion in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR); Westdeutschland (BRD) deckte damals noch 35 % seines Ölbedarfs aus heimischen Quellen. Als politische Reaktion wurden als Teil mancher Krisen sogenannte autofreie Tage eingeführt.

Es wird die Möglichkeit einer globalen Ölkrise diskutiert, die durch die steigende Nachfrage nach Öl und ein absolut und nicht abzuwendend sinkendes Angebot aufgrund eines möglicherweise bevorstehenden globalen Ölfördermaximums verursacht werden könnte. Die historischen Ölkrisen der 1970er Jahre entstanden jedoch nicht, weil die globalen Ölreserven erschöpft gewesen wären, sondern hatten politische oder ökonomische Hintergründe.

mini|hochkant=2.5|Ölpreis in den USA, nominal und inflationsbereinigt von 1861 bis 2013

Erste Ölpreiskrise 1973 Amerikanischer Produktionsrückgang Erdöl war seit Beginn des 20. Jahrhunderts ein elementarer Bestandteil der US-amerikanischen Wirtschaft. Beispielsweise wurden während der Goldenen Zwanziger rund 20 % des amerikanischen Energieverbrauchs mit Erdöl gedeckt. Während des Zweiten Weltkriegs stieg dieser Anteil auf bis zu 33 % an. In der Rüstungsproduktion und bei Rüstungsgütern wurde deutlich: Kohle wird in Zukunft durch Erdöl als fossile Energie (Kraftstoffe) ersetzt. Gefördert wurde das Öl damals im eigenen Land. So stellten die USA in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts über zwei Drittel der weltweiten Erdölproduktion. Gegen Ende der 1950er Jahre importierten die USA zum ersten Mal größere Mengen an Öl aus dem Ausland. Hier spielen speziell die Handelsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien ab 1945 bis heute eine entscheidende Rolle. 350 Millionen Barrel (52,5 Milliarden Liter) pro Jahr kamen außerdem aus Kanada und Venezuela.

Bereits ab den 1940er Jahren wurde in die Erdölförderung in Venezuela investiert.

Die USA verzeichneten bis zur Ölpreiskrise von 1973 einen prozentualen Rückgang der Produktionen von 16,5 %.

Besonders der Nahe Osten mit sehr großen Erdölvorkommen und im internationalen Vergleich sehr niedrigen Förderkosten war für US-Ölkonzerne sehr interessant. Trotz Zollkosten und Royaltys machten die Unternehmen Gewinne mit den Importen, zum Leidwesen einheimischer Unternehmen beispielsweise im ölreichen Bundesstaat Texas. Die bekanntesten Unternehmen, die im Nahen Osten große Gewinne machten, waren Getty, Standard Oil, Continental Oil und Atlantic Richfield. Auf die zunehmenden Beschwerden von inländischen Mineralölunternehmen sagte der damalige Präsident, Dwight D. Eisenhower: „Solange das Öl aus dem Nahen Osten so billig ist, wie es ist, können wir wahrscheinlich wenig tun, um die Abhängigkeit Westeuropas vom Nahen Osten zu verringern.“ So verhängte die US-Regierung, um amerikanisches Öl wieder wettbewerbsfähig zu machen, extra Preise auf ausländisches Öl, trotzdem führte das günstige arabische Öl dazu, dass die eigene Öl-Produktion mit der Zeit zurückging, die inländische Nachfrage konnte nicht mehr befriedigt werden.

OAPEC, OPEC und der Jom-Kippur-Krieg Am 14. September 1960 gründeten fünf Staaten (Iran, Irak, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela) in Bagdad die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC). Die Gründung der Organisation galt als Antwort auf das zunehmende Interesse an den Erdölvorkommen des Nahen Ostens aus dem Ausland. In den arabischen Staaten wollte man durch gegenseitige Kooperation aktiv im Weltgeschehen agieren und sich in bessere Verhandlungspositionen begeben. Insbesondere als Reaktion auf die Weigerung Venezuelas, sich im Rahmen des Sechstagekriegs an politisch motivierten Fördereinschränkungen zu beteiligen, wurde im Jahr 1968 die Organisation der arabischen erdölexportierenden Länder (OAPEC), gegründet.

In den Folgejahren traten weitere erdölreiche Staaten wie Libyen, Indonesien und Katar der OPEC bei. Trotz der ursprünglichen Idee, sich von ausländischen Konzernen unabhängig zu machen, wurde die OPEC sowohl politisch als auch wirtschaftlich als bedeutungslos betrachtet. Im politischen Spannungsfeld zwischen Kapitalisten und Kommunisten konnten sich die arabischen Staaten nicht als eigenständige Partei durchsetzen. Einflussgewinn geschah durch die kollektive Annäherung an die Sowjetunion (Ausnahme Saudi-Arabien). Auseinandersetzungen mit NATO-Staaten führten ebenfalls zur Gewinnung von politischer Einflussnahme. Wirtschaftlich gesehen war es ebenfalls schwierig zu Beginn für die OPEC. Insgesamt 86 % des Erdöls der OPEC-Staaten war zu Beginn der 1960er Jahre im Besitz der Seven Sisters, einem Zusammenschluss amerikanischer Großkonzerne. Im Laufe der 1960er Jahre kam es jedoch in immer mehr OPEC-Staaten zu Verstaatlichungen der eigenen Erdölvorkommen. 1970 betrug der Anteil, der im Besitz der Seven Sisters stand, nur noch 77 %. Im selben Jahr kam es zur Aufnahme einflussreicher und geostrategisch wichtiger Staaten wie Algerien und Nigeria. Insgesamt waren nun 81 Staaten Mitglieder der Organisation.

1970 und 1971 trafen sich die Staaten der OPEC in drei verschiedenen Kongressen und beschlossen während dieser Ölpreiskonferenzen, wie sie dem internationalen Wertverlust des Öls entgegensteuern und die zukünftige Entwicklung aktiver selbst gestalten können. Die erste Konferenz fand vom 9. bis zum 12. Dezember in der Hauptstadt Venezuelas, Caracas statt. Die OPEC erließ im Zuge ihres zehnten Geburtstages mehrere Beschlüsse, den wichtigsten Einwand auf dieser Konferenz stellte Libyen, mit der Erhöhung der Mindeststeuer auf 55 %. Im Rahmen des Teheraner Preisabkommens am 14. Februar 1971 beschlossen die Staaten am Persischen Golf eine Erhöhung des Preises. Ziel war es durch die Erhöhung des Preises für Öl, den US-Dollar mit dem Goldwert auszugleichen und somit der damaligen Inflation entgegenzusteuern. Am 2. April 1971 wurde im Abkommen von Tripolis Algerien und Libyen eine Preiserhöhung zugesprochen.

Im September 1973, einige Tage vor dem Jom-Kippur-Krieg, drohte der amerikanische Präsident Richard Nixon dem Iran in einer öffentlichen Erklärung mit den Worten:

In Anlehnung an die Verstaatlichung der iranischen Erdölreserven.

Die erste und folgenreichste Ölpreiskrise wurde im Herbst 1973 anlässlich des Jom-Kippur-Krieges (6. bis 26. Oktober 1973) ausgelöst. Die Organisation der arabischen erdölexportierenden Staaten (OAPEC) drosselte bewusst die Fördermengen um etwa 5 %, um die westlichen Länder bezüglich ihrer Unterstützung Israels unter Druck zu setzen, gegen das die Arabische Liga ab 1948 mit wenig Erfolg einen umfassenden Wirtschaftsboykott erklärt hatte. Am 17. Oktober 1973 stieg der Ölpreis von rund 3 US-Dollar/Barrel auf über 5 US-Dollar. Dies entspricht einem Anstieg um etwa 70 %. Im Verlauf des nächsten Jahres stieg der Ölpreis weltweit auf über 12 US-Dollar/Barrel. Entlang der Preissprünge kam es außerdem zu umfangreichen diplomatischen Verhandlungen zwischen den USA und Saudi-Arabien, die schließlich zur „Petrodollar-Ordnung“ führten.

Diese Entwicklung ging auch unter dem Namen „Ölembargo“ in die Geschichte ein. Die Drosselung der Fördermengen war Kalkül und politisches Druckmittel der OPEC-Staaten, die mit der Politik einiger erdölimportierender Staaten betreffend den Jom-Kippur-Krieg nicht einverstanden waren. Am Embargo nahmen Algerien, Irak, Katar, Kuwait, Libyen, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate teil.

In der Rückschau stellt sich das Embargo überwiegend als marktbeeinflussendes Scheinmanöver der ölfördernden Länder heraus: Denn Statistiken über Tankerabfertigungen im Persischen Golf widersprachen den Boykott-Meldungen über stark gekürzte Fördermengen in den arabischen Ölländern. Ausweislich der Schifffahrts-Berichte der Agenten von Londons Versicherungsbörse Lloyds in den Ölhäfen am Golf lagen die Verschiffungen an arabischen Kopfstationen Ende November / Anfang Dezember 1973 um rund 40 Prozent über dem Vorjahresniveau. So legten in den ersten vier Dezembertagen vom größten arabischen Ölterminal Ras el-Tanura in Saudi-Arabien Tanker mit 39 Prozent mehr Tonnage ab als im Jahr zuvor. Im kuwaitischen Ölhafen Mina el-Ahmadi wurden vom 27. November bis 9. Dezember ebenfalls 39 Prozent mehr Tanker-Tonnage abgefertigt als im gleichen Vorjahreszeitraum (vor der Krise).

Auswirkungen in westlichen Ländern mini|Benzingutschein für Italienurlauber aus den 1970er JahrenDie Ölpreiskrise von 1973 demonstrierte die Abhängigkeit der Industriestaaten von fossiler Energie, insbesondere von fossilen Treibstoffen. Vor diesem Hintergrund wurde von einigen Staaten etwa ein Jahr später die Internationale Energieagentur (IEA) gegründet.

In der Bundesrepublik Deutschland wurde als direkte Reaktion auf die Krise ein Energiesicherungsgesetz erlassen, auf dessen Grundlage an vier autofreien Sonntagen, beginnend mit dem 25. November 1973, ein allgemeines Fahrverbot verhängt sowie für sechs Monate generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen (100 km/h auf Autobahnen, ansonsten 80 km/h) eingeführt wurden.Verordnung über Fahrverbote und Geschwindigkeitsbegrenzungen für Motorfahrzeuge vom 19. November 1973, BGBl. I, S. 1676. Diese Maßnahmen hatten nicht nur das Einsparen von Öl zum Ziel, sondern auch, der Bevölkerung den Ernst der Situation nahezubringen.Bundeskanzler Helmut Schmidt kommentierte die Sonntagsfahrverbote während der Ölkrise folgendermaßen: Damit das deutsche Volk begreifen sollte, was passiert war, haben wir damals diese autofreien Sonntage auf der Autobahn verordnet. Nicht um Öl zu sparen, das war ein Nebeneffekt. Der eigentliche Zweck dieser Übung war, den Menschen klar zu machen: Dies ist eine ernste Situation. In: Bonner Republik 1949–1998 (TV-Sendung). Teil 3/6: 1969–1974 – Sozial-liberale Koalition Brandt / Scheel |PHOENIX. Der Spareffekt der autofreien Sonntage war tatsächlich nur gering. 1974 musste die Bundesrepublik für ihre Ölimporte rund 17 Milliarden DM mehr bezahlen als im Jahr zuvor. Dies verstärkte die Wirtschaftskrise und führte zu einem deutlichen Anstieg von Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit, Sozialausgaben und Insolvenzen von Unternehmen. Keynesianische Konjunktursteuermaßnahmen und geldpolitische Maßnahmen hatten Stagflation zur Folge. Das Bundeswirtschaftsministerium betrieb jahrelang Kampagnen mit dem Titel Energiesparen – unsere beste Energiequelle und Ich bin Energiesparer.

In der Schweiz gab es ab dem 25. November 1973 für drei aufeinanderfolgende Sonntage ein allgemeines Fahrverbot sowie für rund vier Monate eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf Autobahnen von 100 km/h. Die Geschwindigkeitsbeschränkung wurde anschließend vorerst auf 130 km/h angehoben, später auf 120 km/h gesenkt.