mini|Die Truhe des Bundes wird in den Tempel getragen; Miniatur von 1412–1416 der Brüder von Limburg und Jean Colombe aus dem Stundenbuch Très Riches Heures du Duc de Berry

Die Bundeslade oder Bundestruhe (, neuhebräisch: Aron habrit, auch , oder einfach ) war gemäß der Tora ein heiliger Kultgegenstand der Israeliten, der nach Anweisung Gottes entworfen und hergestellt wurde, um unter anderem die zwei Steintafeln mit den Zehn Geboten () aufzunehmen, die er Mose auf dem Berg Sinai übergeben hatte. Die Bundeslade galt nach dem Auszug aus Ägypten und während Israels Wüstenwanderung und der sogenannten Landnahme als Garant für Gottes Gegenwart inmitten des Volkes. Sie ist bis heute das Symbol für den Bund Gottes mit dem Volk Israel (daher der Name „Bundeslade“). Berührt werden durfte sie nur von den Würdigsten und Hohepriestern. Jede unbefugte Berührung stellte ein Sakrileg dar und führte laut Überlieferung zum sofortigen Tod des Frevlers. Einen eindeutigen archäologischen Nachweis für die Existenz der Lade gibt es nicht.

Nach der biblischen Beschreibung war sie eine 130 × 80 × 80 cm (L × B × H) große, innen wie außen mit Gold überzogene Truhe aus Akazienholz, die mit goldenen Ringen versehen war, durch die zwei Tragestangen geführt wurden. Auf ihrer auch in ausführlich beschriebenen, abnehmbaren Deckplatte thronten zwei Cherubim, die schützend ihre Flügel gegeneinander und über die Platte ausbreiteten. Zwischen den Cherubim erschien die Herrlichkeit Gottes (Schechina). Verschiedene Bibelübersetzungen bezeichnen die Deckplatte, () unterschiedlich, z. B. als Gnadenstuhl (Lutherübersetzung), als Versöhnungsdeckel (einige Ausgaben der Elberfelder Bibel) oder als Sühneplatte (Einheitsübersetzung). Sie war demnach ein Zeichen der Versöhnung zwischen Gott und Menschen.

In Synagogen wird heute der Toraschrein, in dem die Tora-Rollen aufbewahrt werden, als „Heiliger Schrein“ (, neuhebräisch: Aron hakodeš) bezeichnet. Der Toraschrein steht an der Wand des Synagogenraumes, welche in Richtung Jerusalem weist.

Archäologische Erkenntnisse mini|Der Felsendom auf dem Tempelberg in Jerusalem Die Existenz der Bundeslade ist biblisch überliefert.

Sämtliche bisherigen Berichte über angebliche Funde der Bundeslade stützen sich ausschließlich auf mündliche Aussagen. Konkrete Gegenstände oder andere belastbare Hinweise existieren nicht. Populärwissenschaftlicher Literatur zufolge entdeckten europäische Kreuzritter bei der Eroberung Jerusalems Tunnel im Tempelberg. Darin soll sich auch die Bundeslade befunden haben.Vgl. Johannes Fiebag, Peter Fiebag: Die Ewigkeitsmaschine. Müller, Langen 1998, ISBN 3-7844-2708-1. Echte Zeugnisse aus der Überlieferung des Templerordens und der Kreuzzüge liegen dazu nicht vor. Die tatsächlich vorhandenen Tunnel waren und sind Gegenstand wissenschaftlichen archäologischen Interesses. Die Forschungsgeschichte wurde durch mehrere unseriöse Unternehmungen belastet. So bestach etwa Montagu Brownlow Parker (Earl of Morley) 1911 einen hohen Aufsichtsbeamten, um nachts unterhalb des Felsendomes Grabungen durchführen zu können. Er wurde entdeckt, bevor er die Grotte unter der Moschee erreichte (siehe Parker-Expedition). Heute sind archäologische Forschungen auf dem Tempelberggelände von den islamischen Behörden streng untersagt.

In den 1920er Jahren behauptete der Amerikaner Antonia Frederick Futterer, er habe im Berg Nebo in Jordanien einen Geheimgang mit einem Verschluss an seinem Ende gefunden, der die Hieroglyphen-Inschrift „Hierin liegt die goldene Bundeslade“ trug. Als das überprüft werden sollte, fand Futterer die Inschrift nicht mehr vor.

1981 behauptete der Amerikaner Tom Crotser, im Berg Nebo, am Ende eines Ganges in einer Krypta, die Bundeslade gefunden zu haben. Statt weiterer Untersuchung fertigte er nur einige Fotos an, die lediglich wenige Menschen sehen durften. Zu ihnen gehörte der Archäologe Siegfried A. Horn, der anschließend berichtete, nur auf zwei der Aufnahmen sei überhaupt etwas zu erkennen gewesen, und das sei keinesfalls altertümlich, sondern ein modernes Produkt mit teilweise maschinell gefertigtem Dekor. Ähnlich verhält es sich mit zweifelhaften Aufnahmen Ron Wyatts (1989) vom Kalvarienberg.

Biblische Überlieferung Erste Zeit und Aufbewahrung mini|Julius Schnorr von Carolsfeld: Der Kampf um Jericho mini|Die Eroberung von Jericho (Jean Fouquet, ca. 1452–1460) mini|Die Überführung der Bundeslade durch den singenden und tanzenden David – 16. Jahrhundert, anonym mini|Relief in der Synagoge in Kafarnaum in Israel Nach Überlieferung der Tora wurden die Steintafeln mit den Zehn Geboten zunächst in der Bundeslade umhergetragen und mit ihr in einem zerlegbaren Zelttempel, der Stiftshütte, aufbewahrt. Diese wurde auch auf den Wanderungen mitgeführt, später hatte sie ihren Standort in Silo etwa in der Mitte des Landes Israel, um so der Bundeslade einen festen Platz zu geben. Die Ladeerzählung in bis berichtet, dass die Lade nach einer militärischen Niederlage der Israeliten in die Hand der Philister fiel, die von JHWH schrecklich dafür bestraft wurden. Daraufhin sei sie den Israeliten zurückgegeben worden, die sie laut zunächst in Bet Schemesch aufbewahrten. Später soll sie nach Kirjat-Jearim ins Haus Abinadabs gebracht worden sein. In beiden Orten haben Archäologen Strukturen ausgegraben, die sich mit den biblischen Berichten in Übereinstimmung bringen lassen.

Die Überführung der Bundeslade auf den Berg Zion erfolgte durch König David und in den Tempel zu Jerusalem durch Salomo auf dem Moriah-Plateau, dem Tempelberg. Korrelationsuntersuchungen von noch vorhandenen geodätischen Referenzpunkten wie den Resten der Tempelmauern mit modernen Tempelrekonstruktionen sowie die Vermessung des mit dem Felsendom umbauten Felsens durch den Briten Montagu Brownlow Parker, 5th Earl of Morley (1878–1962), im Jahre 1911 legen nahe, dass dieser Felsen identisch ist mit dem Standort der Bundeslade. Nach der Festigung der politischen Macht König Davids brachte dieser die Bundeslade nach Jerusalem, um die Stadt nun auch zum religiösen Zentrum zu machen . Die Bundeslade stand dann im Allerheiligsten des Jerusalemer Tempels, das der Hohepriester nur einmal im Jahr während des Versöhnungstages (Jom Kippur) betreten durfte, um dort den Namen Gottes auszusprechen und um Sühne für das Volk Israel zu bitten.

Verlust, Rückkehr und Verbleib der Bundeslade Um 1050 v. Chr. wurde die Bundeslade in der Schlacht bei Aphek (Aphek) durch die Philister erobert . Die Israeliten lagerten bei Eben-Eser. Abinadab war ein einfacher Bauer aus dem Stamm Levi, der in den Jahren, als die Philister die Israeliten angriffen, die Bundeslade in seinem Haus aufbewahrte (1. Buch Samuel). Nach biblischer Darstellung brachten die Philister die Bundeslade, welche sie in einem Kampf mit den Israeliten erbeutet hatten, über Aschkelon nach Aschdod und stellten sie in den Tempel ihres Gottes Dagon. Nachdem sie dort unerklärliche Unglücksfälle und Krankheiten verursacht habe, wurde sie über Gat und Ekron auf einem unbemannten Karren, der von säugenden Kühen gezogen wurde, zu den Israeliten zurückgeschickt . Sie kam zuerst nach Bet Schemesch und dann für viele Jahre nach Kirjat-Jearim in das Haus des Abinadab auf dem Hügel. Bevor sie dann nach Jerusalem kam, stand sie noch drei Monate im Haus des Obed-Edom und wurde dann endgültig nach Jerusalem geholt, wo sie zunächst in einem Zelt untergebracht wurde .

Nach dem Bau des salomonischen Tempels fand die Bundeslade dann Platz in dessen Allerheiligstem ().

Nebukadnezar II. eroberte im Jahr 587/586 v. Chr. Jerusalem und verschleppte einen Teil der Bewohnerschaft in das Babylonische Exil. Damit einher ging die Plünderung des Jerusalemer Tempels. Seitdem gelten – ihre vorherige Anwesenheit vorausgesetzt – große Teile des Tempelschatzes einschließlich der Bundeslade als verschollen. Es ist anzunehmen, dass die Lade in diesem Zusammenhang zerstört wurde.

Dem zweiten Buch der Makkabäer zufolge hat der Prophet Jeremia, vor Nebukadnezars Plünderung, die Bundeslade gemeinsam mit der Hütte des Stifts und dem Räucheraltar am Berg Nebo in einer Höhle vergraben. Man beruft sich bei dieser Aussage auf ältere überlieferte Schriften:

Beschreibungen Aussehen und Größe mini|Mose und Aaron vor der Bundestruhe, Gemälde von James Tissot (1900) In der Bibel findet sich in eine Beschreibung der Bundeslade:

Die genaue Länge der damaligen „Elle“ ist nicht bekannt; die Abmessungen der Lade werden auf etwa 130 × 80 × 80 cm geschätzt. Das Seitenverhältnis von 2,5:1,5 (= ≈ 1,667) liegt nur knapp 3 Prozent höher als der Goldene Schnitt (≈ 1,618).

Inhalt Nach dem Text von sollte die Bundeslade das „Zeugnis“ aufnehmen, das Gott Mose gab. Damit sind nach und jüdischer Tradition die beiden steinernen Tafeln mit den Zehn Geboten als Zeichen des Bundes zwischen ihm und dem Volk Israel gemeint. Laut wurde ein Gomer Manna sowie laut Aarons grünender Stab vor der Bundeslade im Allerheiligsten aufbewahrt.

Im Neuen Testament wird im Brief an die Hebräer dagegen angegeben, dass sich sowohl der Krug mit Manna, der grünende Stab Aarons als auch die Bundestafeln in der „durchweg mit Gold verkleidete[n] Bundeslade“ befanden. Dies könnte man so erklären, dass man den Krug mit Manna sowie den grünenden Stab Aarons nach gewisser Zeit zur Aufbewahrung in die Bundeslade gelegt hat. Franz Delitzsch untermauert diese Deutung in seinem Kommentar zum Brief an die Hebräer wie folgt: „… aus der geflissentlichen Bemerkung, dass zur Zeit des salom. Tempels nur () die Gebotstafeln in der Lade waren, möchte eher zu folgern sein, dass uralters sich auch noch andere Dinge darin befanden.“

Im Zusammenhang mit Überlegungen zur materiellen Ausgestaltung des JHWH-Kultes im Ersten Tempel von Jerusalem vermutete der Theologe Hugo Gressmann in der Lade ein Stierbild, wie es als Kultsymbol JHWHs in Bethel bezeugt ist. Othmar Keel brachte als möglichen Inhalt einen oder zwei heilige Steine ins Spiel, die dann später zu den beiden steinernen Gesetzestafeln umgedeutet wurden, und Matthias Köckert deutete die Lade als Transportsockel für das eigentliche Kultbild. In den Schriften der Bibel findet sich indes keinerlei Hinweis für diese Vermutungen.

Die Bundeslade in der christlichen Ikonographie In der christlichen Kunst des Mittelalters wird das Motiv der Bundeslade schon früh,Engelbert Kirschbaum (Hrsg.): Lexikon der christlichen Ikonographie. Band 1, Spalten 341–343. Herder, Freiburg im Breisgau u.  1968. aber eher vereinzelt dargestellt. Bildtraditionen, wie sie für andere Themen der Ikonographie über lange Strecken zu verfolgen sind, hatten sich daher kaum entwickelt. Die wichtigsten Szenen wurden gleichwohl als Miniaturen in Bibelhandschriften und Weltchroniken eingefügt. Die Biblia pauperum und das Speculum humanae salvationisHorst Appuhn: Heilsspiegel. Die Bilder des mittelalterlichen Erbauungsbuches Speculum humanae salvationis. Hamburg 1981, S. 31 und 131. stellen unter anderem die typologische Bedeutung der Bundeslade mit den darin verwahrten Kultgegenständen als Vorbild für den von Maria getragenen Christus dar und in ähnlichem Sinne sind auch die Bildpaare in der concordia caritatis zueinander geordnet.Wilhelm Neuß: Bundeslade. In: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte. Band III, 1950, Spalten 112–118; auch digital in: RDK Labor

Die ganze Neuzeit hindurch greifen die Illustratoren gedruckter Bibeln das Motiv der Bundeslade gern auf, so Matthäus Merian im 17. Jahrhundert im protestantischen Bereich oder im 19. Jahrhundert Julius Schnorr von Carolsfeld, dessen Holzschnitte bis ins 20. Jahrhundert zu Vorlagen für Schulbibeln beider Konfessionen genutzt wurden.