mini|150px|Mit Hal Mohr, Ray Rennahan, J. Peverell Marley, Conrad L. Hall und Haskell Wexler gehört Shamroy zu den sechs Kameramännern, die mit einem Stern auf dem Walk of Fame geehrt wurden Leon Shamroy (* 16. Juli 1901 in New York; † 7. Juli 1974 in Los Angeles; eigentlich Leonard Shamroy) war ein US-amerikanischer Kameramann. Shamroy, im Laufe seiner Karriere 18 mal für einen Oscar für die Beste Kameraführung nominiert, wurde viermal mit einem Oscar ausgezeichnet. Damit gehörte er neben Joseph Ruttenberg zu den am häufigsten honorierten und neben Charles Lang zu den am häufigsten nominierten Kameraleuten.

Leben Der Sohn russischer Einwanderer besuchte das New York City College und studierte an der Columbia-Universität Maschinenbau. Nebenher arbeitete Shamroy als Assistent des technischen Zeichners bei seinen Onkeln, allesamt Ingenieure, die einen neuen Typ eines luftgekühlten Funkmotors, den sogenannten Lawrence Motor, entwickelten. Nach seinem Studium übernahm Shamroy eine Anstellung als Techniker im Labor der Fox Film Corporation. Nach kurzer Zeit wurde Shamroy Kameraassistent und begann Mitte der 1920er-Jahre kurze Experimentalfilme zu drehen. Als Kameramann drehte Shamroy 1926 mit Charles Hutchinson, der die Regie führte und zudem die Hauptrolle spielte, eine aus zehn Kurzfilmen bestehende Actionserie unter dem Titel Lightning Hutch. Für Pál Fejös führte Shamroy 1928 bei der Produktion des Experimentalfilms The Last Moment die Kamera. Noch im selben Jahr drehte er für Robert Flaherty, mit Floyd Crosby als zweitem Kameramann, die Dokumentation Acoma, the sky city. Der Film wurde nie aufgeführt, da die Filmrollen bei einem Brand zerstört wurden.

Zu Beginn der 1930er-Jahre schloss sich Shamroy als Kameramann der Huntington Ethnological Expedition an. Zwei Jahre lang drehte Shamroy in China, Japan, auf den Philippinen und in Indonesien. Das so entstandene Filmmaterial wurde während der 1940er-Jahre für US-Kriegsfilme sowie vom Kriegsministerium für Studienzwecke des Feindgebietes verwendet. Nach seiner Rückkehr in die USA drehte Shamroy zunächst eher mittelmäßige Filme für verschiedene Produktionsfirmen, bis er 1939, für die im Jahr zuvor entstandene Komödie Gauner mit Herz, zum ersten Mal für einen Oscar nominiert wurde. Kurz darauf wechselte Shamroy zur 20th Century Fox. Bis er krankheitsbedingt 1969 in den Ruhestand trat, war Shamroy 30 Jahre lang Chefkameramann der Fox.Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 7: R – T. Robert Ryan – Lily Tomlin. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3.

Im Jahr 1953 heiratete Shamroy die Schauspielerin Mary Anderson, die er 1944, während der Dreharbeiten zu Wilson kennengelernt hatte. Die Ehe mit der knapp 20 Jahre jüngeren Anderson hielt bis zu Shamroys Tod im Jahr 1974. Leon Shamroy wurde auf dem Forest Lawn Cemetery in Hollywood Hills beigesetzt.

Bedeutung Ab 1932 gehörte Shamroy der American Society of Cinematographers an und war von 1947 bis 1948 Präsident der Organisation. Während sein Konkurrent Lee Garmes häufig mit Rembrandt van Rijn verglichen wurde, sah Rodney Farnsworth in Leon Shamroy das kinematographische Äquivalent zu Peter Paul Rubens.Rodney Farnsworth in International Dictionary of Film and Filmmakers Volume 4 – Writers and Production Artists S. 785 ff

Shamroy, der zu den wenigen Kameraleuten gehört, die mit einem Stern auf dem Hollywood Walk of Fame geehrt wurden, war durchaus von sich überzeugt, was sich in seiner Meinung über das Filmgeschäft im Allgemeinen und seinen Kollegen Lee Garmes im Besonderen ausdrückte:

Shamroy, der knapp 30 Jahre bei der 20th Century Fox unter Vertrag stand, drehte 1947 Testaufnahmen mit Marilyn Monroe und war 1953 Chefkameramann bei der Produktion des ersten sowie im Jahr 1966 des letzten Films in Cinemascope.

Werk Shamroy arbeitete knapp 45 Jahre lang als Kameramann und fotografierte etwa 120 Filme. Während seiner Karriere erlebte Shamroy den Übergang vom Stumm- zum Tonfilm, vom Schwarzweiß- zum Farbfilm, bis hin zum Breitwandfilm als Antwort auf die zunehmende Verbreitung des Fernsehens.

In den 1920er-Jahren drehte Shamroy vornehmlich kurze Actionfilme, zumeist mit Charles Hutchinson in der Hauptrolle, Western, Dramen und Experimentalfilme. In dieser Zeit entstand The Telltale Heart, ein Kurzfilm nach der Geschichte Das verräterische Herz von Edgar Allan Poe. The Telltale Heart und die 1931 entstandene Dokumentation Man’s Paradise waren die beiden Produktionen, für die Shamroy als Kameramann und Regisseur verantwortlich war.

Pál Fejös The Last Moment gehört zu Shamroys herausragenden Arbeiten während der 1920er-Jahre. Der Film zeigt, wie kurz vor dem Tod eines Selbstmörders sein Leben noch einmal an ihm vorbeizieht. Der in höchsten Tönen, unter anderem von Charles Chaplin, gelobte Film, gilt als er einer der Ersten, die ohne Zwischentitel gezeigt wurden und der beinahe nur aus subjektiven Kameraeinstellungen, sogenannten Point-of-View-Shots besteht.

Nach einigen weiteren Filmen für Hutchinson, entschloss sich Shamroy, dessen Reputation als Kameramann durch den Erfolg von The Last Moment enorm gestiegen war, zu Beginn der 1930er-Jahre, sich der Huntington Ethnological Expedition nach Asien anzuschließen, um reale Dinge in ihrer Umgebung zu filmen, worin sein ureigenstes Interesse lag.

Bevor Shamroy für knapp zwei Jahre die Vereinigten Staaten verließ, drehte er mit Alma de Gaucho unter der Regie von Henry Otto seinen ersten Tonfilm.

Die 1930er-Jahre Nach seiner Rückkehr in die USA drehte Shamroy 1931 ein letztes Mal für Charles Hutchinson. Ohne festen Vertrag von einem Studio, arbeitete Shamroy für Produktionsgesellschaften wie die Universal Pictures, die I.E. Chadwick Productions, oder die B.P. Schulberg Productions und die Paramount Pictures. So entstand etwa 1932 der Whodunit-Film The Wayne Murder Case mit Jason Robards und Dwight Frye oder 1934 Prinzessin für 30 Tage, unter der Regie von Marion Gering. Als Vorläufer der Screwball-Comedys, bot der Film eine Mischung aus Cinderella und Der Gefangene von Zenda mit Cary Grant und Sylvia Sidney in den Hauptrollen.

Shamroy galt als innovativ und experimentierfreudig. So verwendete er 1935 bei der Produktion von Oberarzt Dr. Monet als erster Kameramann in Hollywood ein Zoomobjektiv. Der Film, ein Drama nach dem 1934 erschienenen Bestseller Private Worlds von Phyllis Bottome, entstand unter der Regie von Gregory La Cava mit Claudette Colbert und Charles Boyer in den Hauptrollen. Für ihre Leistung wurde Colbert für einen Oscar als Beste Hauptdarstellerin nominiert.

Nach Blinde Wut war Gehetzt Fritz Langs zweite Regiearbeit in Hollywood. Der 1936 komplett im Studio gedrehte Film, mit Henry Fonda und Sylvia Sidney in den Hauptrollen, entstand nach einer Geschichte von Gene Towne. Shamroy arbeitete bei diesem Melodram mit starken Kontrasten, Gegenlicht und Point-of-view-Einstellungen, die die klaustrophobische Atmosphäre des Films verstärkten. Langs Film erhielt durchweg positive Kritiken und hatte einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den Stil der Filme der Schwarzen Serie.Dave Kehr, Chicago ReaderFrank S. Nugent, New York Times Bis zum Ende des Jahrzehnts stand Shamroy zumeist für Komödien und Musicals hinter der Kamera, wie etwa Blossoms on Broadway, 1937. Ein Jahr später erschien Gauner mit Herz (The Young in Heart) in den Kinos. Die Mischung aus Drama und Komödie entstand unter der Regie von Richard Wallace. Neben dem Staraufgebot, unter anderem Douglas Fairbanks Jr., Paulette Goddard, Roland Young, Billie Burke und Janet Gaynor, verpflichtete Produzent David O. Selznick Charles Bennett als Drehbuchautor, William Cameron Menzies als Art Director und Franz Waxman als Komponisten, sowie Shamroy als Kameramann. Der Film wurde ein Erfolg bei Publikum und Kritik, was in drei Oscarnominierungen gipfelte. Leon Shamroy wurde zum ersten Mal für die Beste Kameraführung nominiert und Franz Waxman gleich zweimal für die Beste Filmmusik und das Beste Scoring. Bei der Oscarverleihung 1939 ging Shamroy leer aus, jedoch markierte das Jahr einen Wendepunkt in der beruflichen Laufbahn des Kameramanns. Shamroy wurde bei der 20th Century Fox unter Vertrag genommen und avancierte kurz darauf zum Chefkameramann des Studios. Zudem arbeitete Shamroy bei der Produktion von Little Old New York, einer Biografie über Robert Fulton zum ersten Mal mit Regisseur Henry King zusammen.

Die 1940er-Jahre Noch im Dezember 1939 begannen die Dreharbeiten zu dem Kriminalfilm I Was an Adventuress, einem Remake des 1938 entstandenen französischen Films J’étais une Aventurière. Da sich der Cast aus Schauspielern verschiedener europäischer Nationalitäten zusammensetzte, sorgte Regisseur Gregory Ratoff dafür, dass am Set weder über den in Europa ausgebrochenen Krieg, noch über nationale oder internationale Politik diskutiert wurde. Bei der Produktion des Films, der eine der längsten Ballettszenen überhaupt enthält, arbeitete Shamroy mit Kameramann Edward Cronjager zusammen.

Für Galopp ins Glück, einer in Argentinien spielenden Mischung aus Musical und Komödie, wurde Leon Shamroy, zusammen mit Ray Rennahan, für die Beste Kameraführung in einem Farbfilm für einen Oscar nominiert. Galopp ins Glück, unter der Regie von Irving Cummings war Shamroys erster Film in Technicolor. Hauptdarstellerin Betty Grable avancierte mit ihrer Rolle endgültig zum Star in Hollywood, während Carmen Miranda in Down Argentine Way, so der Originaltitel, zum ersten Mal auf der Leinwand zu sehen war.Bosley Crowther in NY Times über Down Argentine Way

Die Dreharbeiten zu A Yank in the R.A.F. begannen Ende April 1941. Der Kriegsfilm mit Tyrone Power und Betty Grable, war Shamroys zweite Zusammenarbeit mit Regisseur Henry King. Der Schwarzweißfilm war eine der ersten großen Kriegsfilmproduktionen Hollywoods und kam bei Publikum und Kritik gut an. Power spielte einen Piloten, der Jagdflugzeuge von Kanada nach England überführt. In England trifft er seine Ex-Freundin Grable wieder, die inzwischen dem WREN (Women’s Royal Naval Service) beigetreten ist. Der Pilot tritt daraufhin in die R.A.F. ein, um gegen die Deutschen zu kämpfen. Obwohl der Film viele Klischees bediente, stand die Unterhaltung im Vordergrund und war weitgehend frei von Propaganda. Für die Luftkampfszenen wurden Spezialeffekte und Originalaufnahmen, von einem zweiten Aufnahmeteam in England gedreht, gemischt.William K. Ewerson Program notes Fred Sersen und Edmund H. Hansen wurden 1942 für einen Oscar in der Kategorie Beste visuelle Effekte nominiert.

Zwischen Dezember 1941 und März 1942 arbeitete Shamroy als Kameramann bei der Produktion des Schwarzweißfilms 10 Leutnants von West-Point. Die Hauptrollen in diesem Drama um die erste Abschlussklasse der Militärakademie in Westpoint spielen George Montgomery und Maureen O’Hara, während in einer kleinen Nebenrolle Blake Edwards seinen ersten Auftritt als Schauspieler hatte. Zum Teil sollten die Aufnahmen des von Henry Hathaway inszenierten Films in Monterey gedreht werden, was durch den Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg und den daraus resultierenden militärischen Aktivitäten vor Ort verhindert wurde. Die Produktionsfirma ließ einen Nachbau der Militärakademie in Sherwood Forrest errichten, in dem die in Westpoint spielenden Szenen gefilmt wurden.