mini|hochkant=1.5| Wohn- und Jagdgebiet der Illinois vor 1700 mini|Ein Stammesmitglied der Illinois, Zeichnung von Georges-Henri-Victor Collot (1796)

Die Illinois oder Illinois-Konföderation, auch Inoca oder Illini bzw. Illiniwek, waren eine lose Konföderation von mindestens zwölf Algonkin sprechenden Indianerstämmen, deren Stammesgebiete zu Beginn des 17. Jahrhunderts sich über große Teile des heutigen Mittleren Westens erstreckten. Sie erstreckten sich über Regionen im heutigen US-Bundesstaat Illinois, den angrenzenden Staaten Missouri und Iowa und dem nördlichen Arkansas.Illinois Indians in the Illinois Country

Sprache, Stammesgebiet und zugehörige Stämme Sprache Als Ende des 17. Jahrhunderts die ersten französischen Siedler kamen, trafen sie im Gebiet der heutigen Staaten Ohio, Indiana, Illinois, Michigan, Wisconsin und Arkansas auf Stämme die alle Dialekte einer gemeinsamen Sprache sprachen: die Miami (Myaamiaki) entlang des Wabash River (Waapaahšiki siipiiwi) und die „Illinois/Inoca“ entlang des Illinois River (Inoka Siipiiwi). Die Sprache unterteilte sich in einen „Illinois/Inoca“-Dialekt sowie in einen „Miami/Myaamiaki“-Dialekt und ist daher meist mit unter dem Sammelbegriff „Miami-Illinois“ bekannt.Charles Callender: Handbook of North American Indians. Band 15: Northeast, Illinois, S. 673 Der einzige Unterschied zwischen den beiden Dialekten war die Aussprache der Wörter bzw. die Lautdauer gesprochener Vokale, die „Illinois/Inoca“ sprachen mit einem „kurzen“ Akzent bzw. Vokalquantität, während die „Miami/Myaamiaki“ langsamer sprachen und daher einen „langen“ Akzent aufwiesen. Zudem hatte seit Erstkontakt mit Sprechern der „Miami-Illinois“-Sprache eine Lautveränderung von r /ɹ/ zu l / l / stattgefunden, die spätestens im 18. Jahrhundert abgeschlossen war.

Namen Die verschiedenen Stämme waren sich sowohl ihrer kulturellen als auch ihrer sprachlichen Nähe sehr wohl bewusst, bewahrten sich jedoch eine eigenständige Identität.Aacimotaatiiyankwi - A Myaamia Community Blog - Language (Myaamiaataweenki — Miami-Illinois) (die Bezeichnung für die Dialektvariante der „Illinois/Inoca“ ist mir nicht bekannt).

Die heutige Stammesbezeichnung lässt sich auf die Miami-Illinois-Wörter /irenweewa/, iren(i)we·wa oder ileenwewa („jener, der unsere Sprache spricht“, „jener, der in der richtigen, üblichen Weise spricht“) oder auf /irenawaki/ bzw. /ilenawaki/ („Menschen, das Volk“; fälschlicherweise oftmals als „wahre, echte, überlegene Menschen“ wiedergegeben) oder aleniaki (Einzahl: alenia, „Menschen, Volk“) zurückführen. Vermutlich war /irenweewa/, iren(i)we·wa, ileenwewa die Bezeichnung der benachbarten „Miami/Myaamiaki“ für die nur einen leicht abweichenden Dialekt sprechenden „Illinois/Inoca“.

Die Franzosen adaptierten diesen Begriff wahrscheinlich mittels der Sprache der Odawa (nini / íniniw „Person, Mensch“, Plural: ninwak)Nishnaabemwin - Odawa & Eastern Ojibwe online dictionary oder der Anishinabe (inini „Person, Mensch“, Plural: ininiwag)FREELANG Ojibwe-English-Ojibwe online dictionary und bezeichneten sie als „Illinois“ bzw. „Illini“.

Die Herkunft des Stammesnamens könnte sich eventuell aus einem weiteren „Miami-Illinois“-Wort ableiten lassen: ireniweeyoni oder iilinwiyankwi („unsere Sprache“).

Sie selbst bezeichneten sich jedoch als /Inoca/, /Inoka/ oder /Inouca/ (die Bedeutung konnte bis heute nicht geklärt werden).

Meist sind daher in der (historischen) und aktuellen Fachliteratur die Begriffe Illini (Einzahl) bzw. Iliniwek, Illiniwek (Plural) üblich oder – um die politische Organisation zu verdeutlichen – Illinois-Konföderation.

Historisch waren sie noch unter weiteren Namensvarianten bekannt: Eriniouai, Liniouek, Aliniouek, Iliniouek, Ilinois, Ilinoués usw.

Stammesgebiete und Lebensweise Als Europäer 1673 erstmals „Illinois/Inoca“-Stämmen begegneten waren diese die dominante politisch-militärische Macht im gesamten Illinois River Valley (in Miami-Illinois: Inoka Siipiiwi – „Fluss der Inoka, d. h. der Illinois“) sowie entlang des Kaskaskia River; die Stammesgebiete lagen generell meist westlich des Mississippi Rivers (in Miami-Illinois: Mihsi-siipiiwi), der Ohio River (in Miami-Illinois: Kaanseenseepiiwi) bildete die südliche und der White River die südwestliche Grenze, im Nordwesten erstreckte sich das Stammesgebiet entlang des Flussgebiets des Des Moines Rivers und im Norden grenzte es an den Lake Michigan (in Miami-Illinios: Kihcikami – „Großer See“) – somit umfasste es die heutigen US-Bundesstaaten Illinois sowie große Gebiete der angrenzenden Staaten Iowa, Missouri und Arkansas. (sowie der Illinois)Illinois State Museum - The Illinois Indians - Identity - Territory

Die „Illinois/Inoca“ waren keine Nomaden, ihre Stammesgebiete erstreckten sich über die Östliche Hochgrasprärie und grenzten mit dem Lake Michigan an die Region der Großen Seen; sie glichen in ihrer Lebensweise mehr den Stämmen des Nordöstlichen Waldlandes als den südlich, westlich sowie teils östlich lebenden typischen Vertretern der im deutschen Sprachgebrauch meist als Prärie-Indianer bezeichneten Völker (die im Englischen jedoch als Plains Indians bekannt sind).

Typisch für die Prärien (Mahkoteew – „Grasland“) ist ein extremes Klima, das durch sehr kalte Winter, heiße Sommer und ein oder mehrere aufeinander folgende Jahre mit großen Überschwemmungen geprägt ist, die wiederum von Perioden großer Dürren gefolgt werden. Die Häufigkeit und Stärke der Dürre (sowie eine Abnahme des Niederschlags) verstärkt sich mit der Entfernung zu den Wäldern von der Hochgrasprärie im Osten (der „Prärie im engsten Sinne“) über die Zentrale Mischgrasprärie in die trockene Kurzgrasprärie (meist „Great Plains“ oder „Plains“ genannt) im Westen.

Im Gebiet der Prärien war dank der zahlreichen Flussläufe und fruchtbaren Schwarzerde ein einfacher Feldbau möglich, der die Voraussetzung für eine sesshafte Lebensweise ermöglichte. Der Ackerbau bildete die Ernährungsgrundlage (ergänzt durch Fischerei, Wildtierjagd und Sammeln von Früchten und Wurzeln) und ermöglichte die Erwirtschaftung von Nahrungsüberschüssen, die nicht nur eine sichere Vorratswirtschaft den Stämmen ermöglichte, sondern auch die Erwirtschaftung von notwendigen Gütern in ausgedehnten Handelskontakten mit den nomadischen Plains-Stämmen.

Die „Illinois/Inoca“ lebten in ortsfesten Dörfern entlang baumgesäumter Flüsse und bewohnten meist Langhäuser (Kinoonteewa, Einzahl: Kinoonteewi, ähnlich den Stämmen entlang der Großen Seen) oder manchmal auch Erdhäuser (ähnlich den meisten sesshaften Prärie-Stämmen), da letztere besseren Schutz in den bitterkalten Wintern boten, aber auch in den heißen Sommermonaten kühl blieben. Zur Sicherung ihres Lebensunterhalts betrieben sie Ackerbau (Mais, Bohnen, Squash, später Wassermelonen und Weizen), Fischfang sowie meist im Winter die Jagd (Hirsche, Antilopen, Biber) in den angrenzenden Wäldern. Im Frühjahr/Sommer und Herbst versammelten sie sich in größeren Lagern und bewohnten dann leicht zu errichtende und transportable Wigwams (Wiikiaama, Einzahl: Wiikiaami), um auf die Büffeljagd zu gehen.

Stämme Die ersten Berichte über die „Illinois/Inoca“ weisen auf mindestens zwölf Stämme hin (ca. 1680), doch einige von diesen könnten unterschiedliche Namen desselben Stammes sein:Center for Social Research Parkland College Champaign, Illinois, - Glossary of Ethnographic and Archaeological Terms Associated with the Contact Period in the North American Midwest.

Cahokia (sprich: „ca•HO•ki•a“, lebten im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert im Zentrum des Territoriums der „Illinois/Inoca“ entlang des Mississippi Rivers im Südwesten von Illinois sowie direkt südlich der Tamaroa) Chepoussa oder Chipussea (sprich: „che•POUS•sa“, werden meist in Verbindung mit den Michigamea genannt, lebten im Nordosten von Arkansas und Südosten von Missouri entlang des Black River, eines Nebenflusses des White River (an dem die Michigamea siedelten), und waren damit einer der südlichsten Stämme der „Illinois/Inoca“, später bewohnten sie mit diesen die heutige historische Stätte namens „Kolmer Site“, ihre Geschichte ist ab hier identisch mit denen der Michigamea – nähere Informationen siehe Michigemea) Chinko oder Chinkoa (sprich: „CHIN•ko“) Coiracoentanon oder Korakoenitanon (sprich: „coi•ra•coen•TAN•on“, lebten entlang des Unterlaufs Des Moines Rivers und somit südöstlich der Moingwena und südlich der Peoria, ein Teil schloss sich später den Kaskaskia an, der Großteil jedoch den Peoria, hatten daher bald ihre eigene Identität verloren) Espeminkia oder Ispeminkia (sprich: „es•pe•MIN•ki•a“) Kaskaskia, Kaaskaaskiwa, Kaskaskahamwa oder Kaahkaahkiaki (lautmalerisch für die "Langfühlerschrecke (Katydid)" somit "Katydid (Tettigonia viridissima) Volk", sprich: „kas•KAS•ki•a“, im späten 16. Jahrhundert bewohnten die Kaskaskia den Nordosten des „Illinois/Inoca“-Territoriums im Upper Illinois River Valley südwestlich des Lake Michigan. Die Kaskaskia bewohnten Ende des 17. Jahrhunderts zusammen mit benachbarten Illinois/Inoca-Stämmen ein großes Dorf am Nordufer des Illinois River nahe dem heutigen Dorf North Utica, Illinois, das als Grand Village of Kaskaskia (auch: Grand Village of the Illinois oder Old Kaskaskia Village) bekannt war (nahe dem heutigen Starved Rock State Park). Auf Grund aggressiv vordringender plündernder Stoßtrupps der Irokesen-Liga während der Biberkriege verließen die Kaskaskia um 1700 ihre Heimat entlang des Illinois River und zogen zur Mündung des nach ihnen benannten Kaskaskia River im Südwesten von Illinois; am Zusammenfluss von Kaskaskia und Mississippi River gründeten sie ihre neue Hauptsiedlung namens Kaskaskia (die von 1809 bis 1820 sogar Hauptstadt von Illinois war) und blieben bis Anfang des 19. Jahrhunderts in diesem Gebiet.) Maroa, Maroua oder Omouahoa (laut einer grob gezeichneten Landkarte des Jesuiten und Entdeckers, Fr. Jacques Marquette, lebten sie im 17. Jahrhundert in einem Gebiet, das heute Teile von Illinois und Indiana umfasst, oftmals werden sie nur als eine Band der Tamaroa betrachtet, verloren schnell ihre eigene Identität und die Überlebenden schlossen sich diesen an) Michibousa (sprich: „mich•i•BOU•sa“) Michigamea, Mitchigamea, Michigamie oder Meehcikamia bzw. Mihshikamiia (sprich: „mich•i•GA•me•a“, ursprünglich eventuell aus der Gegend des heutigen Chicago stammend, wurden sie von den feindlichen Sauk und Fox im späten 16. Jahrhundert nach Süden in den Nordosten von Arkansas vertrieben und siedelten als südlichster Stamm entlang des St. Francis River und des White River, gegen 1700 mussten sie jedoch wiederum den Quapaw weichen und kehrten zum Mississippi River und Upper Sangamon River im Südwesten von Illinois zurück; hier errichteten sie mehrere Dörfer nahe einem französischen Fort (Fort de Chartes), zusammen mit den Chepoussa bewohnten sie ein mittels Palisaden stark befestigtes Dorf (heutige historische Stätte namens „Kolmer Site“) – jedoch wurde dieses bereits 1752 durch eine Allianz feindlicher Stämme – der Fox, Sioux und Cherokee – überfallen, niedergebrannt und der Großteil der Bevölkerung getötet (Teil der Franzosen- und Indianerkriege). Die Überlebenden Michigamea errichteten eine neue Siedlung (heutige historische Stätte namens „Waterman Site“) in der unmittelbaren Nähe oder schlossen sich den Kaskaskia an.)The Illini Confederation: Lords of the Mississippi Valley Moingwena, Moingona oder Mooyinkweena (sprich: „moin•GWE•na“, lebten ursprünglich südlich der mit ihnen eng verbündeten Peoria – manchmal werden sie sogar als ein Unterstamm der Peoria betrachtet – entlang des Upper Des Moines River, der vermutlich nach diesem Stamm benannt wurde – Riviere de Moingwena)manchmal wird auch berichtet, dass die Coiracoentanon am Oberlauf des Des Moines Rivers und die Moingwena stattdessen an dessen Unterlauf bis zur Mündung in den Mississippi lebten und die Stammesgebiete Letzterer sich somit bis in den Südosten Iowas und Nordosten Missouris erstreckten