mini|Lya de Putti, Foto von Alexander Binder, um 1928 Lya de Putti, gebürtig Amalia Helene Rosalia Maria von Putti (* 10. Januar 1896 in Vécse, Österreich-Ungarn;Quelle: Landesarchiv Berlin, Heiratsurkunde Nr. 662 vom 22. Juli 1921, Standesamt Berlin-Schöneberg II. † 27. November 1931 in New York, NY, USA), war eine ungarische Tänzerin und Schauspielerin, die vor allem in Deutschland große Erfolge verzeichnen konnte.

Leben Lya de Putti war die jüngste Tochter des ungarischen Ulanen-Offiziers italienischer Abstammung Baron Pál Putty und seiner Frau Lili, einer geborenen Gräfin Holyos. Sie wuchs auf dem elterlichen Landsitz bei Kolozsvár (heute Cluj, Rumänien) auf. Dort wurde sie auch von Hauslehrern unterrichtet; später kam sie auf eine nahe gelegene Klosterschule. Mit 16 Jahren heiratete Putti den Landrat Zoltán Szepessy. Mit ihm hatte sie zwei Töchter: Lucy (* 1914) und Judith (* 1916). Kurz nach der Geburt der zweiten Tochter verließ sie ihre Familie und ging nach Budapest. Gefangen in den Traditionen der konservativen Landaristokratie inszenierte der verlassene Ehemann eine Beerdigung seiner Ehefrau. Später wurde die Ehe in aller Heimlichkeit geschieden und Putti sah ihre Familie nie wieder. Wenige Wochen nach dem Tod von Putti 1931 beging Szepessy Selbstmord.

In Budapest arbeitete Putti einige Zeit als Krankenpflegerin und besuchte die Schauspielschule von Szidi Rákosi. Noch während ihres Besuchs dieser Schule trat Putti in Budapest in Revuen des Royal Orpheum und Magyar Szinház auf, doch ohne wirklichen Erfolg. In dieser Zeit engagierte sie Ferenc Molnár für sein Stück Das Märchen vom Wolf. Durch Molnár bekam Putti Kontakte zu den Phönix- und Astra-Filmstudios und erhielt dort auch kleine und kleinste Statistenrollen. Unter anderem engagierte Béla Balogh sie für seine Die Soldaten des Kaisers, eine Adaption eines Stücks von Imre Földes. Langsam wurde Putti bekannt und konnte sich auch neben etablierten Kollegen wie Fern Andra behaupten.

mini|links|hochkant|Lya de Putti, Foto von Alexander Binder, um 1928 Da Putti an ihren künstlerischen Durchbruch in Budapest nicht mehr glaubte, ging sie nach Bukarest und wurde dort 1920 von Dolly A. Sigetti mit der Hauptrolle im Film Auf den Wogen des Glücks betraut. Gleich im Anschluss an diese Dreharbeiten wurde Putti noch im selben Jahr nach Berlin engagiert, wo sie an der Scala auftrat. In dem Film-Musical Zigeunerblut von Karl Otto Krause trat sie erstmals in einem deutschen Film auf. Nach einigen kleineren Rollen bei Regisseur Richard Oswald kam der Durchbruch durch den Zweiteiler Das indische Grabmal von Joe May. Anschließend war sie in zwei Filmen von Friedrich Wilhelm Murnau zu sehen. Für ihre Rolle als Gerda in Der brennende Acker erhielt sie in der internationalen Presse gute Kritiken. 1924 erreichte Lya de Putti den Gipfelpunkt ihrer Popularität: Weit vor Lil Dagover und Asta Nielsen wurde sie von den Lesern der „Neuen Illustrierten Filmwoche“ zur beliebtesten Schauspielerin gewählt.

1921 ging sie ihre zweite Ehe ein. Ihr Ehemann, der norwegische Kaufmann Ludwig Jahncke, starb 1925 an einem Herzinfarkt.

Kaum war 1926 der Film Junges Blut von Manfred Noa abgedreht, kam das ersehnte Engagement nach Hollywood. Adolph Zukor engagierte sie für verschiedene Projekte, da Putti dort durch Varieté von Ewald André Dupont bereits bekannt war. Auch der anschließende Kostümfilm Manon Lescaut, in dem sie die Titelrolle übernahm, wurde ein großer Erfolg. 1926 erhielt sie einen Vertrag bei der Paramount. Doch bereits der erste, von David Wark Griffith inszenierte Film The Sorrows of Satan, geriet zu einem künstlerischen und finanziellen Desaster, woraufhin sie einen missglückten Suizidversuch unternahm.

Auch ihre vorübergehende Rückkehr nach Berlin, wo sie 1927/28 in Adolf Edgar Lichos Film Charlott etwas verrückt die Hauptrolle spielte, konnte an dieser Situation nichts ändern. Aufgrund ihrer schwierigen beruflichen und persönlichen Situation litt die Schauspielerin zunehmend an Depressionen. Im Dezember 1925 stürzte sie aus dem Fenster ihrer Wohnung im Bayerischen Viertel, fiel jedoch auf weichen Schnee und konnte deswegen bereits nach einigen Tagen wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden.F.-B. Habel: Verrückt vor Begehren. Die Fildiven aus der Stummfilmzeit. Ein leidenschaftlicher Blick zurück in die Zeit der ersten Stars. 1999, S. 96. Die Presse deutete dies jedoch als Suizidversuch und de Putti verließ nun von Deutschland enttäuscht für immer dieses Land.

Danach folgten Auftritte in eher minderwertigen Filmen, die bei Publikum und Kritik auf wenig Resonanz stießen. 1929 ging Putti nach London, um unter Arthur Robison den Film The Informer (dt. Titel: Die Nacht nach dem Verrat) zu drehen. Zunächst als Stummfilm begonnen, versuchte man dem aufkommenden Tonfilm Rechnung zu tragen, indem man Teile des Filmes mit Dialogen versah. Putti musste ihres starken Akzents wegen synchronisiert werden. Doch der Film kam nicht beim Publikum an. Kurz darauf erklärte sie ihren endgültigen Rückzug von der Leinwand.

Ihre anschließenden Versuche, auf der Bühne erneut zu reüssieren, scheiterten. Die am 17. November 1930 in New York uraufgeführte Komödie Made in France wurde schon nach wenigen Tagen wieder abgesetzt. Lya de Puttis Leben endete auf tragische Weise. Sie verschluckte einen Hühnerknochen, der durch eine Notoperation entfernt werden musste. Durch Komplikationen kam es zu einer Blutvergiftung, die sie, bereits geschwächt durch eine Lungenentzündung, nicht überlebte. Sie starb am 27. November im Alter von 35 Jahren. Ihr Grab befindet sich auf dem Ferncliff Cemetery in Hartsdale, Westchester County, New York.

Filmografie 1918: Die Soldaten des Kaisers (A császár katonái) – Ungarn, Regie: Béla Balogh 1920: Auf den Wogen des Glücks (Pe valurile fericirii) – Rumänien, Regie: Dolly A. Sigetty 1920: Zigeunerblut – Deutschland, Regie: Karl Otto Krause 1921: Die Liebschaften des Hektor Dalmore – Deutschland, Regie: Richard Oswald 1921: Die treibende Kraft – Deutschland, Regie: Zoltán Nagy 1921: Du bist das Leben – Deutschland, Regie: Franz Eckstein 1921: Das indische Grabmal (2 Teile) – Deutschland, Regie: Joe May 1921: Ilona – Deutschland, Regie: Robert Dinesen 1922: Othello – Deutschland, Regie: Dimitri Buchowetzki 1922: Der brennende Acker – Deutschland, Regie: Friedrich Wilhelm Murnau 1922: Phantom – Deutschland, Regie: Friedrich Wilhelm Murnau 1922: Die drei Marien und der Herr von Marana – Österreich/Deutschland, Regie: Reinhold Schünzel 1923: Die Fledermaus – Deutschland, Regie: Max Mack 1923: Die Schlucht des Todes – Deutschland, Regie: Luciano Albertini 1923: S.O.S. Die Insel der Tränen – Deutschland, Regie: Lothar Mendes 1924: Thamar, das Kind der Berge – Deutschland, Regie: Robert Dinesen 1924: Claire, die Geschichte eines jungen Mädchens – Regie: Robert Dinesen 1924: Malva – Regie: Robert Dinesen 1924: Die Sklavenkönigin – Regie: Michael Kertesz und Arnold Pressburger 1924: Komödianten – Deutschland, Regie: Karl Grune 1924: Im Namen des Kaisers – Deutschland, Regie: Robert Dinesen 1925: Eifersucht – Deutschland, Regie: Karl Grune 1925: Varieté – Deutschland, Regie: Ewald André Dupont 1926: Manon Lescaut – Deutschland, Regie: Arthur Robison 1926: Junges Blut – Deutschland, Regie: Manfred Noa 1926: Lord Satanas (The Sorrows of Satan) – USA, Regie: D. W. Griffith 1926: Prince of Tempters – USA, Regie: Lothar Mendes 1926: Matrosenliebchen/Die Hafendirne (God gave me twenty cents) – USA, Regie: Herbert Brenon 1927: Herzensdieb (The Heart Thief) – USA, Regie: Nils Chrisander 1928: Midnight Rose – USA, Regie: James Young 1928: Charlott etwas verrückt – Deutschland, Regie: A. E. Licho 1928: Buck Privates – USA, Regie: Melville Brown 1928: Die rote Lady/Das Weib in Purpur (The Scarlet Lady) – USA, Regie: Alan Crosland 1929: Die Nacht nach dem Verrat (The Informer) – Großbritannien, Regie: Arthur Robison

Literatur Hans-Michael Bock: Lya de Putti – Schauspielerin. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 10, 1988. F.-B. Habel: Verrückt vor Begehren. Die Fildiven aus der Stummfilmzeit. Ein leidenschaftlicher Blick zurück in die Zeit der ersten Stars. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 1999, ISBN 3-89602-128-1. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 6: N–R. Mary Nolan – Meg Ryan. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 358. Johannes Zeilinger: Lya de Putti. Ein vergessenes Leben. Karolinger Verlag, Wien u. a. 1991, ISBN 3-85418-051-9.

Weblinks

Lya de Putti. cyranos.ch

Einzelnachweise

Kategorie:Tänzer (Deutschland) Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Stummfilmschauspieler Kategorie:Ungarischer Emigrant in den Vereinigten Staaten Kategorie:Ungar Kategorie:Geboren 1896 Kategorie:Gestorben 1931 Kategorie:Frau